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Ein Pferdezüchter, ein Bauer, ein Zootechniker und ein Viehzüchter aus dem Bezirk Zentral-Aimag der Mongolei berichten

von Dondog Batjargal/Helmut Höge

Der Pferdezüchter N. Bansragch aus dem Somon Bayantsagaan:

Ich arbeite jetzt schon seit über 20 Jahren als Pferdezüchter. Angefangen habe ich im Rahmen einer landwirtschaftlichen Vereinigung. Nach der demokratischen Wende wurden alle Tiere privatisiert. Das fand ich auch richtig. Aber für die seitdem vereinzelten Viehzüchter sind die Winterkatastrophen nun schwerer zu überstehen. Auch den Viehdiebstählen steht man als Einzelner hilfloser gegenüber. Trotzdem ist die Situation für uns seit 1990 Jahr für Jahr besser geworden. Für die mongolischen Nomaden ist das Pferd ein ganz besonderes Tier, zu dem sie eine innige Beziehung haben. Es wird nicht nur geritten, es kann auch was transportieren, es gibt Milch, die man vergoren trinkt und dann Airag nennt - unser Nationalgetränk, außerdem liefert das Pferd Fleisch, das man gerne eingesalzen im Winter ißt. Seine Haut wird zu Leder verarbeitet, und aus den  Schweifhaaren macht man Taue, mit denen die Jurte zusammengehalten wird, man verwendet sie aber auch für den Bogen und die Saiten der Pferdekopfgeige.  Ich habe mich inzwischen auf das Züchten und Trainieren von Renn- und Turnierpferden konzentriert. Meine Herde umfaßt etwa 500 Tiere. Es geht mir darum, immer die jeweils besten Nachkommen herauszufinden. In den Fünfzigerjahren gab es einen berühmten Pferdezüchter namens Batbuyan: Er hat die besten Pferde gehabt - sie stammten stets aus der Gegend Sukhbaatar in der Nordmongolei. Viele Pferdezüchter haben sich damals von ihm die Hengste für ihre Stuten geholt oder sie  zu einem seiner Hengste getrieben. Noch heute kostet ein gutes Pferd aus Sukhbaatar rund 4 Millionen Tugrik (4000 Dollar). Dafür kann man schon einen russischen Geländewagen UAS 469 kriegen. Ich besitze ebenfalls etliche Pferde aus Sukhbaatar und deswegen kommen die Leute, die sich ein wirklich gutes Pferd anschaffen  wollen, heute auch zu mir. Aber ich verkaufe nicht an jeden! Geld ist zwar wichtig, aber ich gebe meine Pferde nur in gute Hände, denn ich liebe sie genauso wie meine Kinder.

Der Bauer B. Surenhorloo aus dem Somon Bayantsogt:

Ich arbeite schon seit 30 Jahren in der Landwirtschaft. Damals hat die mongolische Jugendorganisation viele junge Leute aufs Land in die so genannten Staatsgüter geschickt - ich war einer davon. Wir wohnten in Holzhäusern. Und ich arbeitete zunächst als Traktorist. Wir hatten genügend Arbeitskräfte und der Boden war sehr gut, deswegen hatten wir immer hohe Erträge: Von einem Hektar ernteten wir 18-30 Zentner Getreide, in einigen Jahren sogar noch mehr. Manchmal schafften wir es nicht, alles abzuernten, dann kamen Mähdrescher-Brigaden aus Sibirien, um uns zu helfen. Heute sind die Böden privatisiert. Ich besitze etwas über 1000 Hektar, auf denen ich Weizen und Hafer anbaue. Und damit komme ich auch gut zurecht. In manchen allzu trockenen Jahren ist es für uns Privatbauern allerdings schwieriger als früher im Kollektiv. Inzwischen bin ich alt geworden und möchte deswegen bald nur noch ein Ratgeber für meine Kinder sein, sobald sie die Landwirtschaft übernehmen. Ihnen sage ich: Wenn man ein guter Bauer sein will, dann muß man früh aufstehen und die Frühjahrsfurchen rechtzeitig ziehen - das ergibt gute Erträge. Unsere mongolischen Böden brauchen nicht viel Kunstdünger - nur Mineralien und Mist. Wenn es dann auch noch zur richtigen Zeit regnet und man gutes Saatgut verwendet hat,  wächst alles wie von selbst.

Der Zootechniker B. Janchivrentsen aus dem Somon Zuunmod (100-Bäume-Dorf):

Ich habe viele Jahre als Zootechniker gearbeitet. Das ist eine sozialistische Berufsbezeichnung und bedeutet so viel wie:  ausgebildeter Tierpfleger in der Landwirtschaft. Meine Aufgabe war es im wesentlichen, die Fruchtbarkeit der Nutztiere zu verbessern, d.h. einen  kontinuierlichen Zuwachs an Jungtieren in unserer landwirtschaftlichen Vereinigung zu erzielen. Mit der Privatisierung kam es in der Mongolei zu einer Verschlechterung der Qualität bei den Nutztieren. Deswegen gingen und gehen meine Vorschläge dahin, Tierzucht-Farmen zu gründen. Aber dem steht die Tradition unserer nomadischen Viehzüchter in der Mongolei entgegen. Mein Nachbar nebenan z.B. ist heute weder das eine noch das andere: Er ist seßhaft - und hat etwa zehn Ziegen und zwanzig Schafe, die er selber weiterzüchtet. Seine Tiere suchen sich tagsüber ihr Futter selber - außerhalb des Dorfes in der Steppe, und abends kommen sie zurück auf seine Hashaa (Hof). Seine Ziegen werden regelmäßig gekämmt - und die dabei gewonnene Kaschmirwolle verkauft. Seine Schafe werden einmal im Jahr geschoren und ihre Wolle verkauft, sie bringt aber nicht viel. Wenn die Tiere ein bestimmtes Gewicht und Alter haben, wird ein Teil davon geschlachtet und das Fleisch verkauft. Von solch einer Tierhaltung kann man nicht viel erwarten. Sie ist zu nahe an der Siedlung und eigentlich nur ein Nebenerwerb. Um sie richtig zu betreiben, müßte man ganz aufs Land ziehen und einen Farmbetrieb daraus machen oder eben wie früher nomadisch leben, d.h. das Vieh auf Sommer- und Winterweiden hüten. Wenn ich noch jünger wäre, würde ich mir auf dem Land einen Farmbetrieb  aufbauen, aber ich bin inzwischen pensioniert - und mache mir deswegen höchstens noch Gedanken darüber, wie man es richtig machen könnte.

Der Viehzüchter Ts. Henmedeh aus dem Somon Sergelen:

Ich bin quasi schon als Viehzüchter geboren, auch meine Eltern waren Viehzüchter. Ich war dann in meinem Beruf so gut, dass man mich zu sozialistischen Zeiten als "1000-Viehzüchter" bezeichnet hat - ein Ehrenname, der noch aus vorsozialistischen Zeiten stammt: Damals bedeutete er bloß, dass der betreffende eine große Herde besaß. Da die Nomaden nicht gerne die Zahl ihrer Tiere nannten, sagten sie - selbst wenn sie zehn mal so viel Vieh  besaßen-, dass sie tausend hätten. Mit der Durchsetzung der Demokratie wurden die landwirtschaftlichen Vereinigungen aufgelöst und die Herden privatisiert. Für uns Viehzüchter war das von Vorteil, denn wir konnten nun selbst aktiv werden und durften, ja mußten uns um alle Bereiche der Viehzucht kümmern - bis hin zum Verkauf der Tierprodukte, denn wir leben nun  in einer Marktwirtschaft. Und ich kann die Milchprodukte - Tarag (Joghurt), Byaslag (Käse), Aarz (Frischkäse aus Sauermilch) und Aaruul (getrockneten Quark), sowie auch das Fleisch, die Wolle und die  Häute selbst verkaufen: an der Straße, auf Märkten oder an Großhändler.  Auch die Größe unserer Herden können wir nun selbst bestimmen sowie auch die Qualität der Rassen. Da bin ich ständig bemüht, sie zu erhöhen. Ich habe jetzt insgesamt etwa 3000 Tiere: Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde. Mein Umsatz ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Inzwischen bin ich  Arbeitgeber geworden, denn ich beschäftige acht Viehzüchter. Auf die bin ich sehr stolz, denn sie leisten gute Arbeit. In den vergangenen drei Jahren ist ihnen kein einziges Tier gestorben oder abhanden gekommen. Ich zahle ihnen auch ein gutes Gehalt, dazu bekommen sie noch ein bestimmte Anzahl von Tieren. An Technik stehen ihnen ein ein Geländewagen UAS 469, ein LKW und mehrere Motorräder zur Verfügung, außerdem haben wir eine windkraftbetriebene Wasserpumpe und eine  Solarenergieanlage. Im Gegensatz zu früher, wo es im Winter kalt und im Sommer warm war,  ist das Wetter heute leider sehr unbeständig geworden - und erfordert eine gewisse Vorsorge, um Katastrophen zu vermeiden. An sich bin ich jedoch mit der neuen Marktwirtschaft zufrieden:  Wenn man gute Arbeit leistet, verdient man auch gut und kann sich dann alles Notwendige oder Wünschenswerte kaufen. So ist das Leben im Vergleich zu früher leichter geworden.

mit freundlicher Genehmigung der Autoren!


   

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Last Update: 10. September 2006