Bayangol-Abordnung in Schönefeld

Renate Bormann, Berlin

Vom 16. - 23. September besuchte eine offizielle Delegation des Stadtbezirks Bayangol von Ulaanbaatar den Amtsbezirk Schönefeld in Brandenburg.

Ob, wann und wie viele Personen kommen werden - das waren Fragen, mit deren Beantwortung sich die potenziellen Gäste mehr Zeit ließen, als für das Nervenkostüm der meisten Amtsträger zuträglich gewesen wäre. Nicht so beim Amtsdirektor von Schönefeld, Dr. Udo Haase, der über langjährige Mongoleierfahrung verfügt.

Erst am Sonntag, dem 16., als die Gäste in Berlin-Tegel aus dem Flugzeug stiegen, stand fest: das dritte Arbeitstreffen der Brandenburger mit ihren Partnern aus der Mongolei konnte wie geplant stattfinden.

Seit nunmehr zwei Jahren sind Schönefeld und der mongolische Hauptstadtbezirk Bayangol durch einen Kooperationsvertrag verbunden.

Zwischen dem zweiten Treffen im August 2000 in Ulaanbaatar und dem diesjährigen Treffen in Schönefeld fanden Parlaments- und Kommunalwahlen statt, die den Postkommunisten einen überwältigenden Sieg bescherten, der mit einem fast vollständigen Austausch des Führungs- und Verwaltungspersonals, auch im Bayangol-Distrikt, einherging.

Allen Veränderungen zum Trotz: Am Willen, die Partnerschaft mit Schönefeld fortzusetzen, ließen die neuen Chefs keinen Zweifel.

Der Einladung nach Deutschland wären am liebsten alle Mitarbeiter, vom Chef bis zum Büroboten, gefolgt.

Drei konnten schließlich die Reise antreten: Der Gouverneur von Bayangol, Doljingiin Zorigt, der Vorsitzende der Bürgerversammlung, Dagvaagiin Dembereldash, sowie der Abteilungsleiter für Gesundheit und Sport, Luvsannyamyn Bazargarid.

Keiner der mongolischen Gäste war zum ersten Mal in Deutschland und Herr Bazargarid, der zudem als Dolmetscher fungierte, absolvierte bereits in den 80er Jahren ein Studium in Jena/ Thüringen.

Das Besuchsprogramm hatte es in sich. Gleich am ersten Abend nahmen die Mongolen an einer Ausstellungseröffnung in der Galerie Einstein in Großziethen teil, wo sie die Werke zweier chinesischer Maler bewunderten, ehe am nächsten Tag die Arbeitsgespräche im Amt Schönefeld begannen. Besonders interessiert zeigten sich die Gäste an der Ressortaufteilung und den Arbeitsabläufen in den einzelnen Abteilungen. Die Tatsache, dass die Mitarbeiter im Amt Schönefeld per Intranet verbunden sind und darüber hinaus über Internetanschlüsse verfügen, beeindruckte die Gäste sichtlich. Amtsdirektor Haase erklärte, dass das Amt Schönefeld hinsichtlich seiner technischen Ausstattung im Land Brandenburg eine Vorreiterrolle spielt, nicht überall seien die Büros so komfortabel ausgerüstet.

In Selchow besichtigten die Gäste eine Bullenmastanlage. Als Bürgermeister Ribbecke wie nebenbei erwähnte, der Ort habe 350 Einwohner, aber mehr als 400 Pferde, erstaunte das selbst die Abkömmlinge eines anerkannten Reitervolkes.

Neben der Besichtigung von kleinen und mittleren Betrieben, ließen sich die Besucher aus der Mongolei über die Arbeit des Amtsausschusses informieren, diskutierten mit den Bürgermeistern der sieben amtsangehörigen Gemeinden Probleme der Abwasser- und Müllbeseitigung, der Kinder- und Jugendarbeit u.a.

Gespräche im Ministerium für Justiz- und Europaangelegenheiten in Potsdam, im Landratsamt in Lübben und in der Bundeshauptstadt Berlin standen ebenfalls auf dem Programm.

Selbstverständlich bekamen die weit gereisten Gäste auch Gelegenheit, sich von der Schönheit der Brandenburger Landschaft zu überzeugen. Eine Fahrt mit dem Kremserboot über den Wernsgrüner, Krossin- und Seddin-See ist nicht nur für Ausländer ein Erlebnis. Zumal es der Wettergott, besser die Wettergötter, gut mit den Ausflüglern gemeint haben: Nach Dauerregen am Vortrag schien die Sonne ohne Unterlass und der Himmel leuchtete so blau wie über der mongolischen Steppe. Interessiert verfolgten die Delegierten aus Asien das Verladen von Kohle auf Containerschiffe im Hafen von Königs-Wusterhausen oder die Arbeiten im Yachthafen der Stadt. Auf einen "Hingucker" wies Lydia Fischer, die Bürgermeisterin von Waßmannsdorf, hin: Die größte freitragende Holzbrücke Europas bei Niederlehme. Die Mongolen fotografierten, als seien sie Japaner.

Die Terroranschläge in New York und Washington warfen ihre Schatten auch auf den Besuch der Mongolen in Europa. Ein geplanter Besuch im Lufthansatrainingszentrum in Schönefeld mit anschließender Party in einem der Hangars fiel aus. Doch es gab keinen, der dafür nicht das nötige Verständnis aufgebracht hätte.

"Die Partnerschaft zwischen Schönefeld und Bayangol ist auf einem guten Weg. Trotz der unterschiedlichen Arbeits- und Lebensbedingungen konnten die Beziehungen, ja Freundschaften zwischen Bürgern beider Gemeinden vertieft werden.", zeigte sich Delegationsleiter Zorig optimistisch.

Im nächsten Jahr werden drei Schönefelder in Bayangol erwartet.


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Last Update: 10. Januar 2016