Fünf mongolische Khane überschritten die Oder

von Hugo Kröpelin

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Vor knapp 800 Jahren mussten die berittenen mongolischen Heerscharen bei Liegnitz und Wien umkehren. Jetzt sind Temuujin-Chinggis (1162-1227) und vier seiner Nachfolger bis Berlin vorgedrungen. Dass sie noch immer in der Lage sind, ihre Völkerschaften zusammen zu führen, stellten sie am Abend des 18. März unter Beweis. Dschingis Khan, Ugedei Khan (1187-1241), Khubilei Khan (1215-1294), Munkh Khan (1208-1258)und Guyug Khan (1206-1250) lockten mit "Shar Airag" in die Mensa der Humboldt Universität. Schon in der ersten Stunde hatte der mongolische Gerstensaft, gebraut und abgefüllt in der Khan Brauerei in Industriekombinat von Ulaanbaatar die Suche nach freien Sitzplätzen ziemlich aussichtslos werden lassen. Auf den Tischen lauter handliche Drittel-Liter-Flaschen mit dem einheitlich abstrakten Khan-Porträt. Wer die Flaschen drehte, entdeckte auf den kleineren Etiketten die Porträts der fünf o.g. Heerführer mit ihren Lebensdaten und wichtigsten Leistungen.

"Shar Airag" gibt es in der Mongolei seit Ende der 60er Jahre. Als die Kunde davon Europa erreichte, war gleich ein Witz im Umlauf: Die Mongolen hätten bei ihrem Bier mit Erfolg die Blume weggekriegt. In der Tat waren Aussehen und Geschmack des Getränks aus dem APU-Werk kaum besser als bei dem sowjetischen "Zhiguljowskoje". Die UdSSR hatte die Errichtung der Brauerei von APU finanziert. Denn die Zehntausende Arbeiter, Techniker und Ingenieure sowie das kommandierende Personal der nach 1966 massiv stationierten Truppen sollten weniger dem hochprozentigen Wodka zusprechen und stattdessen "Piwo" trinken.

Doch schon damals wussten Einheimische mit guten Kontakten zu DDR-Bürgern, dass hinter der Oder ein besseres Bier gebraut wurde. Die Lieferungen von "Sternburg Export" und "Radeberger" sprachen sich schnell herum, und mit "German Pils" ließ sich manche Tür zur Behörde oder zum Handwerker leichter öffnen. Seit Herbst 1996 sind nun auch die Witze über mongolisches Bier "out". Der mongolische Staat erkannte, dass Produktion im eigenen Land billiger ist als Import, und ließ ausländischer Brauer ins Land. Die Nummer Eins aus Deutschland war Klaus Bader. Dank seiner Markt-und Machbarkeitsstudien bekam der damals gerade 30Jährige aus einem Dorf bei Stuttgart einen Kredit. Er ließ Technik aus dem Bamberger Haus" in München in Ulaanbaatar installieren und lud einen Braumeister aus der Heimat ein. "Khan Bräu heißt die Firma, die er zusammen mit seinem einheimischen Partner Sanzhmjatawyn Otgonbaatar mitgroßem Erfolg betreibt Im Herbst 1999 ist Khan Bräu-Pilsener mit dem Prädikat "Nach deutschem Reinheitsgebot" und mit ausgezeichneten Kennziffern in die Internationale Bierenzyklopädie aufgenommen worden, die das Institut für Brauereitechnologie und Mikrobiologie im bayerischen Freising-Weihenstephan als Dependance der TU München führt.

"Khan Bräu" ist auch das "erste Gast-Haus am Platz" in der City von Ulaanbaatar. Zur Einweihung des Lokals im Oktober 1996 war Außenminister Klaus Kinkel erschienen. In nur zehn Minuten erreicht jeder Regierungsbeamte oder Theaterbesucher das Lokal mit den hellen hölzernen Möbeln und der komplett importierten Theke, Früher war hier ein stark vernachlässigtes Kinder-Cafe. Anstelle von Tässchen und kleinen Teeschalen sind jetzt Halb-Liter-Krüge das meist gefragte Geschirr. Im Sommer sind die 80 Plätze drinnen und 50 Plätze draußen sehr gut besetzt. Inzwischen haben "Bader und Baatar" die Gartenterrasse verglast und das eigentliche Gartenlokal weiter nach draußen verlagert. "So haben wir eine Dreiteilung erreicht in Restaurant, Bistro sowie Bier&Music-Pub", erläutert der Deutsche die jüngste Expansion.

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Die Gruppe "Börte" beim Khanbräufest

1500 Hektoliter fließen pro Jahr aus dem Sudhaus ins eigene Lokal und in mehr als ein Dutzend Gaststätten. Die Speisekarte bietet im Land der Hammel, Ziegen, Rinder, Pferde und Kamele viel Schmackhaftes für europäische Gaumen. Nahezu geheim gehandelt werden die Termine, an denen Bader Schweine schlachten lässt. Diese werden mit Küchenabfällen und mit dem Treber gefüttert, der als Brauerei-Rückstand anfällt. Ein zusätzlicher Magnet ist die Videowand für TV-Programme und Music-Clips. Manchmal wählen private TV-Stationen das attraktive Lokal für Spiel- und Rateshows. Ab und zu sind Bader und Baatar die eigenen Wände zu eng. Im vorigen Jahr übernahmen sie für sechs Wochen die Versorgung der "Camel Trophy". "Das war eine große logistische Herausforderung, und wir haben sie bestanden", stellt der Deutsche fest. Auch beim open air-Konzert von "Smoky" hatte Khan Bräu für ausreichend Getränke gesorgt.

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Nach dem Versuch, mit mongolischem Pilsener ein Marktssegment in Japan zu bedienen, versprechen sich Bader und Baatar, auch im bierverwöhnten Deutschland einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Fast nur durch Flüsterpropaganda erfuhren an die 400 Mongolen, die in Berlin studieren, Geschäfte betreiben oder einfach verheiratet sind, von dem Khan Bräu-Naadan in der Mensa. Erst früh gegen fünf Uhr fanden die letzten den Ausgang. Im Vergleich mit dem "Zagaan sar" Anfang Februar und dem Mongolischen Abend auf der ITB liegt die Khan Bräu-Fete für mich an der Spitze. Unübertroffen die exzellente Folklore-Profitruppe namens "Börte". Das Quintett, das sich erst zu Jahresbeginn in der fränkischen Stadt Würzburg angesiedelt hat (Tel. 0931 46 20 93/Fax 46 20 04), versetzte sein Publikum mit Pferdekopfgeige, Jatag, Bassgeige, Flöte und Schlagzeug sowie mit ihren Kehlkopf- gesängen "Umzad" und "Khöömi" in helles Entzücken. Hufgetrappel, Lobgesänge auf Pferde und ihre kühnen Reiter, Lieder aus dem kargen Aratenleben draußen in der Steppe wurden unterlegt mit Videos von einfachen Filmsafaris, mit Streifen von Kämpfen der Mufflonböcke, von Antilopenherde und Wolfsrudeln. Wer künftig einen mongolischen Abend auf höchsten Niveau veranstalten möchte, der kann auf "Börte" nicht verzichten.

Neben dem Berlin-Einstieg von Khan Bräu bot dieser Abend eine weitere Neuheit: Zum ersten Mal, so die Veranstalter, haben Mongolen in Deutschland einen Sportwettkampf organisiert. Sechs Basketballmannschaften kämpften in einer Zehlendorfer Halle um einen Pokal, den Khan Bräu gestiftet hatte. Spielführer Khurel und sein Siegerteam ließen mehrfach die Luft raus, natürlich mit Bier aus der Heimat.


Siegerehrung für das Team von Khurel beim I. Khanbräu Basketballturnier

Klaus Bader und S. Otgonbaatar haben indessen in der Berliner Bierfakultät Am Strausberger Platz eine Lektion mit Verkostung angemeldet. In der Gaststätte "Südspitze in Berlin-Marzahn steht das Bier vom Khan auf der Speisekarte. Nicht ausgeschlossen werden sollte, dass beim mongolischen Naadam auf der EXPO 2000 neben gegorener Stutenmilch auch "Shar Airag" gereicht wird. Lukrativ als Plattform für die Präsentation der Khan Bräu-Erzeugnisse ist natürlich auch das 4.Internationale Berliner Bierfestival im August dieses Jahres.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(April 2000)


   

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Last Update: 10. September 2006