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Ins „Jahr des Schafes" mit neuem Botschafter, vielen Gästen und guten Vorsätzen

Von Hugo Kröpelin


Großer Andrang bei der Feier der Akkreditierung des Botschafters der Mongolei S.E. Dendev Terbishdagva am 13.02.2003 im Roten Rathaus Berlin
(c) briti bay

„Sind Deine zweijährigen Fohlen kräftig und Deine zweijährigen Kälber fett?" lautet die traditionelle Frage der Gäste der mongolischen Neujahrsfest „Zagaan Sar" in der Steppe. Die jüngeren Männer stützen mit beiden Unterarmen die Unterarme der Älteren, eine Art Verehrung für die erfahrenere Generation. Kinder habe in den langen Schals, die sie wie alle Mongolen mehrfach um den Deel schlingen, kleine Geschenke eingewickelt, die sie Verwandten überreichen. Das Abendmahl ist ein fetter Hammelrücken, getrunken werden der schwach alkoholische, aber kräftig riechende Milch-Arkhi und natürlich auch Wodka.


Botschafter der Mongolei S.E. Dendev Terbishdagva mit seiner Frau (c) briti bay

„Nach mongolischem Reinheitsgebot", flachste Dendevijn Terbisch-Dagva (TBD) , der neue Botschafter, unter Anspielung auf den erwarteten Chinggis-Khan-Arkhi. Doch er weiß natürlich, dass die Schnapsbrennereien in der Metropole und in allen Bezirkszentren einst als Bestandteile von Lebensmittelkombinaten sowjetischer Bauart ins Land kamen. Der 47-jährige Lebensmitteltechnologe, Unternehmer und zuletzt Vizeminister für Landwirtschaft und Nahrungsgüterindustrie, hatte anlässlich seiner Akkreditierung und des „Zagaan Sar" (Weißer Mond) ins Berliner Rote Rathaus geladen. Außer Arkhi hatte die MIAT auch Chinggis-Bier eingeflogen, das nach deutschem Reinheitsgebot in Ulaanbaatar gebraut wird. Übrigens dank Günter Lengefeld, einem Braumeister aus Langensalza, der die Apparaturen in der Brauerei gegenüber dem früheren Pionierpalast in Betrieb genommen hatte.


Feier der Akkreditierung des Botschafters der Mongolei S.E. Dendev Terbishdagva am 13.02.2003 im Wappensaal des Roten Rathauses  Berlin (c) briti bay

Es hätte mehr Bier sein können. Auch „Buuds" und „Khuuschuur" waren schneller verzehrt als die üblichen deutschen Häppchen. Doch auch so machte der Empfang deutlich, dass mit Terbisch-Dagva ein frischer Wind einzieht. Fesche „Khuukhen" (Mädchen) in seiden glänzenden Deels hießen die Gäste auf der Rathaustreppe mit einem asiatischen Lächeln willkommen. Reisebüros hatten auf Tischen im Wappensaal reichlich Infomaterial ausgelegt, auch Trikotagen sowie Erzeugnisse des mongolischen Kunsthandwerks wurden feil geboten – bei letzteren hätte die Auswahl größer sein können. Das schon mehrere Jahre in Deutschland ansässige Ensemble „Egschiglen" ließ den nahezu unnachahmlichen Kehlkopfgesang zu nationalen Instrumenten erklingen, und „Kautschuk-Mädchen" faszinierten mit ihrer Darbietung asiatischer Gelenkigkeit, wie sie nicht erst seit Gründung des mongolischen Staatszirkus bewundert wird.


Tanzdarbietung beim Auftritt der mongolischen Gruppe Egschiglen (c) briti bay

„Möge das Jahr des Schafes im Zeichen von Sonne und Wasser vom harmonischen Gleichgewicht dieser beiden Elemente bestimmt sein", sagte Terbisch-Dagva in seiner Ansprache. Zuletzt war das Gleichgewicht mehrfach durcheinander geraten. Nach dürrem Sommer und schneereichem Winter wurden im zeitigen Frühjahr etwa zehn Prozent weniger Tiere gezählt. Aber nur im Landesdurchschnitt, denn in verschiedenen Regionen schlägt der „Dsud", ob nun schwarz oder weiß, meist katastrophal zu.

Seine Tätigkeit in Deutschland will der Botschafter einem „strategischen Ziel" unterordnen, nämlich „die Beziehungen zu Deutschland allseitig ausbauen, bis hin zur umfassenden Partnerschaft". Noch vor seinem Dienstantritt wurde dafür eine Menge getan, vor allem während des Besuchs von Regierungschef Enkhbayar beim Bundeskanzler, bei den Bundesministern für Wirtschaft und Bildung sowie im BMZ und im Bundestagspräsidium. Dass beim allseitigen Ausbau der Beziehungen noch allerhand zu tun ist, verdeutlicht die Tatsache, dass Deutschland bei Privatinvestitionen nicht mehr den 11. (2000), sondern mittlerweile den 17. Platz einnimmt. Allerdings gehört es zu den größten Geberländern in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) . Das bisherige Gesamtvolumen bezifferte der Botschafter auf 98 Millionen Euro (Finanzielle) und 69,5 Millionen Euro (Technische Zusammenarbeit). Ganz vorn in der Strategie der EZ stehen laut Terbisch-Dagva die „Wirtschaftsreform und der Aufbau der Marktwirtschaft unter zunehmender Beachtung des ländlichen Raums". Letzterer ist etwa viermal so groß wie Deutschland, dünn besiedelt, aber von vielen Herden beweidet. In diesem Zusammenhang fallen mir die Veterinäre aus der DDR wieder ein, die seit 1966 regelmäßig mit ihren mongolischen Kollegen im Frühjahr und Herbst zu Expeditionen in die Steppe aufbrachen, um den Parasitenbefall zu untersuchen und die richtigen Behandlungsmaßnahmen zu erarbeiten. Mitte der 80-er Jahre waren die Tierbestände nahezu frei von Dasseln, Läusen und anderen Parasiten.

Auch in der Umweltpolitik, beim Schutz der natürlichen Ressourcen und der stärkeren Nutzung erneuerbarer Energien ist noch viel zu tun. Mehr Solartechnik bedeutet weniger abgeholzter Wald und Saxaul, bedeutet Strom in den Jurten für Licht, Radio und Wärme und weniger Verbrauch teuer importierten flüssigen Brennstoffs. Solar- und Windkraftanlagen können nur von draußen kommen. Doch vieles müssen die Mongolen selbst tun, zum Beispiel für den Ausbau der Überlandpisten, so dass die Kraftfahrer nicht mehr wegen riesiger Löcher gezwungen werden, auf Steppen- und Weideland auszuweichen und damit die Bodenerosion zu beschleunigen.

Einige Aufgaben, die der Botschafter nannte, sind in mehreren Ländern des einstigen Ostblocks harte Brocken. Denn wer ausländische Investitionen haben möchte, muss auch Ausländern gestatten, Boden zu kaufen. Wer kleine und mittlere Unternehmen fördern will, muss für durchschaubare Ausschreibungen sorgen, damit sich nicht irgendwelche „Haie" die lukrativsten Aufträge unter den Nagel reißen. Wer international konkurrenzfähig sein will, muss selbst auf die Messen gehen und seine Erzeugnisse an anderen Exponaten messen.

Unbestreitbar ist der wichtige Platz der bilateralen Kooperation in Bildung, Kultur und Wissenschaft. Jedes Jahr kommen nach Aussage von Terbisch-Dagva 300 neue Studenten nach Deutschland. Derzeit studieren 3000 junge Mongolen zwischen Freiburg und Hamburg. Die Gesamtzahl der Mongolen mit Deutschkenntnissen hat ungefähr 30 000 erreicht. Mehr als ein Prozent der Gesamtbevölkerung ! „Ein wichtiges Potenzial für die Beziehungen unserer Länder", unterstrich der Botschafter in seiner Ansprache. Noch mehr Potenzial möchte TBD ausbilden lassen und wünscht deshalb „Maßnahmen zur Erleichterung des Zugangs zu deutschen Hochschulen". Aber wird dieses Potenzial von Sprach- UND Fachkenntnissen immer richtig genutzt? Machen die Absolventen zu wenig von sich reden und ihre Organisation zu wenig PR ? Dass ein Goethe Institut in Ulaanbaatar und ein mongolisches Kultur- und Informationszentrum in Berlin die Zusammenarbeit wesentlich bereichern würden, daran zweifelt niemand an den Ufern von Tuul und Spree. Aber wegen der angespannten Kassenlage dürften die beiden Häuser noch einige Zeit auf der Wunschliste verharren.

Die größte „learning by doing"-Anstalt ist seit einigen Jahre die gemeinsame Archäologische Expedition, mit der Karakorum, die alte Hauptstadt des mongolischen Weltreichs, ausgegraben wird. Die Präsidenten beider Länder, Nazagijn Bagabandi und Johannes Rau, haben die Patenschaft übernommen. Wenn die Funde 2004 und 2005 in Bonn und Berlin ausgestellt werden, dann können sich die jungen mongolischen Archäologen neuen Objekten widmen. Das Grab Dschingis Khans, das schon die Japaner im Jahre 1990 suchten, ist immer noch nicht gefunden.


Dr. Posth als Gratulant
(c) briti bay

Noch ein kurzer Blick in Gästerunde gefällig ? Dr. Udo Haase, Mongolist und jetzt Amtsdirektor von Schönefeld, pflegt eine Partnerschaft mit dem Stadtbezirk Bayangol von Ulaanbaatar, und die steht nicht nur auf dem Papier. Vom 10. bis 16. März hat er wieder eine Delegation aus dem Bezirk zu Gast. Schon Rentner ist Hans Wullstein. Zu DDR-Zeiten vertrat er mehrere Botschafter und stellte außerdem im südöstlich von Berlin die erste private Jurte in Deutschland auf. Auf seiner Datsche kann er hin und wieder Mongolen begrüßen. Zum Beispiel seinen Altersgenossen Herrn Birwaa, den Autor der mongolischen Übersetzung von Marxens „Das Kapital". Zu einem Winterurlaub in Berlin war gerade Dr. Renate Bormann. Sie bedient eine deutsche Nachrichtenagentur, stellt aus mongolischen Zeitungen die wöchentlichen Nachrichten für www.mongolei.de zusammen und liefert auch Fotos dazu. Ihre „bessere Hälfte", Dr. Klaus-Dieter Bormann, ging mit seiner Deutschen Mongolei Agentur von Selchow, Landkreis Dahme-Spreewald, direkt selbst vor Ort, um bilaterale Wirtschaftskontakte zu befördern. Auch ein Skatturnier leidenschaftlicher Mongoleifans im vorigen Herbst war wohl seine Idee. Seine Agentur steht auch im „Kopf" der o.g. Homepage. Deren „Herausgeber" Frank Voßen aus Bonn, war ebenfalls unter den Gästen. Nirgendwo bekommt man über ein Transformland mehr Information als auf seinen Webseiten. Vielleicht hat er neue Autoren gefunden, die ihre Reiseeindrücke schildern, Schwierigkeiten nicht verschweigen und für das noch zu viel wenig bekannte Land werben.


Mandakhbileg u. Staatsminister L. Vollmer (c) Renate Bormann

Weniger auffällig, aber wirksam ist Lothar Zöllner aktiv. Im Asien-Pazifik-Forum Berlin ist er „der" Mongole", der den Beitrag seines Landes zu den Asien-Pazifik-Wochen im kommenden Herbst co-organisieren wird. Schon Anfang der 70-erJahre war er als Diplomat in der Mongolei, und im Herbst 1990 knippste er als letzter DDR-Botschafter an der „Straße der Vereinten Nationen" das Licht aus. Für mehr Licht in der Oper zu Ulaanbaatar und überhaupt für ein neues „Infit" dieses Hauses sorgte Michael Bärlein. Nicht auszuschließen, dass er für den „Förderverein der Oper zu Ulaanbaatar" auf dem Abend im Roten Rathaus neue Sponsoren gefunden hat. Viel wird sicher auch von Dr. Thomas Labahn erwartet, denn er wird in Kürze Leiter des ULN-Büros der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit.


Oyuntuya und ... (c) Renate Bormann

Drei Mongolen aus der Runde möchte ich noch erwähnen. Schirbasaryn Altansukh war zuletzt mehrere Jahre Kontaktmann von Interpol in Ulaanbaatar. Nun ist er als Konsul näher dichter am „Tatort", und sicher wird er alles dafür tun, dass sich seine Landsleute in Deutschland nicht ordnungswidrig verhalten. Dandaryn Moononzagaan ist seit Jahrzehnten Diplomat. War er auf Zwischenstopps in der Heimat, dann nahmen ihn deutsche Journalisten und Geschäftsleute gern als Reiseführer mit in die Steppe. Nun ist ihm die Aufgabe übertragen worden, in Wien eine mongolische Geschäftstelle einzurichten. Und Tudewijn Mendsaikhan, der Regionaldirektor für Europa, kann es nicht erwarten, dass der Airport BBI gebaut wird. Denn dann landen seine Airbusse wieder in Schönefeld.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg


   

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Last Update: 10. September 2006