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Bonn Ulaanbaatar Endspurt für eine beispielhafte Projektpartnerschaft

von Bärbel Dieckmann
Oberbürgermeisterin der Bundesstadt Bonn

Seit 1992 arbeiten Jugendexperten aus Bonn und Ulan Bator erfolgreich zusammen. Zehn Seminare, zehn Jugendbegegnungsmaßnahmen, elf Jugendfachkräftebegegnungen und vier Expertentreffen haben sie bisher durchgeführt. Die vertragliche und die finanzielle Basis hierfür hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der Bundesrepublik Deutschland gelegt. 1997 startete das Kulturamt der Stadt Bonn den Dialog der Kulturen zwischen Bonn und Ulan Bator. Im November 2002 wird ein Lama aus Ulan Bator am Dialog der Weltreligionen in Bonn teilnehmen.

Die Kontakte waren bereits gut etabliert, als der Gouverneur von Ulan Bator mir 1999 vorschlug, Experten aus der Fachverwaltung zusammenzubringen. Er war aus Ulan Bator nach Bonn gekommen, um an der Weltbürgermeisterkonferenz zum Thema "Städte und Desertifikation" teilzunehmen, eine für alle zentralasiatischen Staaten existentielle Frage.

Der Austausch von Verwaltungsexperten zwischen Städten macht Sinn, wenn er zielgerichtet organisiert wird. Er stellt als kommunale Entwicklungszusammenarbeit eine kleine, aber wichtige Ergänzung zur staatlichen Entwicklungszusammenarbeit dar.

Dass ich mit dieser These, die ich bei meiner Antrittsrede als neu gewählte Präsidentin der Deutschen Sektion des RGRE vortrug, richtig lag, zeigt die jüngste Entwicklung:

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, eine Reihe von Bundesländern und zahlreiche Nichtregierungsorganisationen haben sich zusammengetan, um die Servicestelle "Kommunen in der Einen Welt" zu gründen. Sie soll Städte und Gemeinden aktiv beraten, auf Förderprogramme hinweisen. Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit hat die kommunale Entwicklungszusammenarbeit jüngst ins Visier genommen.

Ein arbeitsaufwendiges, aber gut strukturiertes Programm für kommunale Zusammenarbeit mit den Ländern der GUS und der Mongolei ist das Tacis-City-Twinning Programm der EU. Im Februar 2000 stellten Ulan Bator und Bonn den Antrag auf Förderung eines Projektes zur nachhaltigen Stadtentwicklung im Rahmen dieses Projekts. Groß war die Freude, als der Zuschussantrag bei der EU Erfolg hatte. Das Projekt konnte starten und hatte mit 100.000 Euro eine solide finanzielle Basis.

Ursprüngliches Ziel war es gewesen, gemeinsam mit Ulan Bator einen Masterplan für die Stadtentwicklung zu erarbeiten. Der Vorbereitungsbesuch von Verwaltungsexperten in Ulan Bator hatte jedoch zum Ergebnis, dass Ulan Bator zwischenzeitlich im Rahmen eines Weltbankprojektes eine Stadtplanungsphilosophie erstellt hatte. Nun galt es, gemeinsam am konkreten Beispiel des Jurtenviertel Dari Ekh deutlich zu machen, was Begriffe dieser Philosophie wie Partizipation, Good Governance oder Nachhaltigkeit konkret bedeuten. Der Projektantrag musste umformuliert werden.

Heute befinden wir uns fast am Ende des Projekts und wir ziehen Bilanz:

Dreimal waren jeweils vier (insgesamt sechs) leitende Verwaltungsmitarbeiter aus Ulan Bator hier in Bonn. Für sie und die Stadt Ulan Bator bedeutete dieser Aufenthalt viel an neuen Erkenntnissen, neuen Erfahrungen und neuem Denken. Sie haben ihr ursprünglich großräumiger angelegtes Planungsverfahren modifiziert, wollen jetzt in Dari Ekh in kleinen, nachvollziehbaren Schritten vorgehen.

Dreimal waren Verwaltungsexperten aus Bonn in Ulan Bator aus den Bereichen Stadtplanung, Kataster und Umwelt. Sie alle stimmen in einem überein: wir brauchen das Fremde, um das Eigene als Eigenes zu erfahren. Sie alle haben neue Perspektiven auf ihr eigenes Tun erhalten. Ihnen ist deutlich geworden, wie hoch unsere Standards hier in der Bundesrepublik Deutschland inzwischen sind. "Wir werden immer nur mit der Forderung nach Verbesserung konfrontiert. Da läuft man leicht Gefahr, das, was wir schon erreicht haben, aus dem Blick zu verlieren", so einer der Experten. Eine Studie von USAid hat zudem nachgewiesen, dass Verwaltungsmitarbeiter nach solchen Programmen eher die Neigung entwickeln, auch bei uns wieder nach preisgünstigeren Lösungen zu suchen.

Durch Inhouse-Training haben unsere Verwaltungsexperten und ein Berater von außen, das was wir an Lösungsmodellen anzubieten haben und was keineswegs direkt übertragbar ist, einer größeren Zahl von Verwaltungsmitarbeitern in Ulan Bator vorgestellt. Nicht nur durch die Berichte derjenigen, die in Bonn waren, sondern auch so ist sichergestellt, dass viele davon in Ulan Bator profitieren können.

Bonn ist es nicht nur gelungen, die Ergebnisse eines Weltbankprojektes in Teilbereichen in einem Distrikt konkret werden zu lassen; Bonn hat eine mongolische Freiwillige im Rahmen eines Sonderprogramms des Freiwilligen-Programms der Vereinten Nationen im Jurtenviertel Dari Ekh zum Einsatz gebracht. Seit einem Jahr arbeitet sie mit 140 Familien in diesem Viertel, um ihre Wünsche und Lösungsmöglichkeiten zu eruieren, um das, was Partizipation ist, erfahrbar zu machen.

Das Tacis-City-Twinning Projekt Bonn - Ulan Bator ist somit ein gutes Beispiel dafür, wie sich Projekte verschiedener Träger sinnvoll ergänzen können. Die Nichtregierungsorganisation World Vision plant den Bau einer Schule und eines Kindergartens in Dari Ekh. Unser Amt für Kinder, Jugend und Familie will nun im Zuge einer weiteren Maßnahme den Einsatz von arbeitslosen Jugendlichen zum Errichtung dieser Gebäude zum Thema machen.

Aus den Arbeitsbeziehungen sind inzwischen zum Teil persönliche Freundschaften geworden. Auch in Zukunft wird man sich immer um Rat fragen können. In Ulan Bator und Bonn denken die Verantwortlichen bereits über weitere gemeinsame Projekte nach.

Und es ist deutlich geworden, wie viele, vor allem junge Menschen aus Bonn, schon in der Mongolei waren, wieviel Interesse in Ulan Bator an Deutschland vorhanden ist.

Viel Arbeit aber auch viel Spass hat es allen Beteiligten gemacht. "Es kann motivierender als ein Führungskräfteseminar sein, einmal anders auf sein Arbeitsfeld zu blicken", so einer der Kollegen aus der Stadtverwaltung Bonn.

Lebendiger als mit gemeinsamen Projekten können Städtekontakte nicht gestaltet werden, auch das hat das EU-Projekt zwischen Ulan Bator und Bonn gezeigt.

aus Europa Kommunal


   

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Last Update: 10. September 2006