Mongolischer Maler bei "EinStein"
Galerie im Landkreis Dahme-Spreewald stellt Werke von N.Santschir aus
Von Hugo Kröpelin

Über 50 Gemälde und Grafiken stellt der mongolische Künstler N. Santschir im kommenden Herbst in der Galerie "EinStein" in Großzieten (Landkreis Dahme-Spreewald) aus. Die Vorabsprache über die Exposition ist Mitte Januar von Galeristin Monika Krüger, Amtsdirektor Dr. Udo Haase und dem Maler getroffen worden. Wer ist Namchaizerengijn Santschir? Nachdem der 51jährige auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld sein Gepäck, darunter 25 Kilogrmm Papier und 12 Kilogramm Farbe, eingecheckt hatte, gab er Auskunft.

Der Wunsch, eine Künstlerlaufbahn einzuschlagen, sei schon beizeiten aufgekeimt, erzählt er. Nach der Oberschule lernte der Sohn des Volkskünstlers Luwsanscharawyn Namchaizeren zunächst an einer Schule für Kunsthandwerk und Design in Radiste/Mähren, das heute an der Grenze zwischen Tschechien und der Slowakei liegt. Sein Erstlingswerk entstand fünf Jahre später und ist heute noch zu sehen: Ein Glas-Mosaik im Restaurant "Tujaa" (heute "Seoul") des Jugendparks von Ulaanbaatar. Es folgten weitere Mosaiken für öffentliche und Industriegebäude sowie deren künstlerische Ausgestaltung. Als junge Mongolen, unter ihnen Santschir, 1968 erstmals abstrakte Kunst zeigten, kam es zum "großen Skandal", erinnert er sich. "Die Herren von Ministerrat und ZK der Partei meinten, abstrakte Kunst stamme aus dem Westen, und wir sollten damit gefälligst Schluß machen." Einige Künstler seien damals verleumdet, andere gar bestraft worden.

Ab 1971 studierte Santschir Monumentalmalerei bei Prof. Mylnikow an der Repin-Akademie in Leningrad. Seine 1977 abgelieferte Diplomarbeit "Die Völker tanzen" bekamen die Kunstideologen der lokalen KPdSU in den falschen Hals: "Die Mongolin und der Russe tanzten in verschiedene Richtungen, sie zu den Asiaten und er zu den Europäern", erzählt er. Ungeachtet dessen stellte ihm die Akademie Bestnoten aus. Santschirs größte Arbeit - zwölf tonnenschwere Figuren - stehen rund um das Kulturhaus der jungen Bergarbeiterstadt Baganuur. Seine Gemälde gehörten zu den Exponaten aller Ausstellungen, die die Mongolei ins Ausland schickte - nach Moskau, Berlin, Prag, Hanoi, Vientiane, Managua, Havanna, Addis Abeba.

1989, mit der sowjetischen Perestroika im Rücken und unmittelbar vor dem gewaltlosen Abgang des Sozialismus, hatte der Künstler seine erste eigene Ausstellung. "An den Reaktionen vieler Besucher merkte ich, daß sie mit Wohlwollen Gemälde und Grafiken betrachteten, denen man das sozialistische Strickmuster nicht mehr ansah."

Zugang zum westlichen Kunstgeschehen erhielten Santschir und andere mongolische Künstler nach 1990, als sich das Land öffnete. "Da kamen zu mir u.a. Kenner aus Deutschland, USA, Holland und Japan und Südkorea." Das habe ihm 1994 eine eigene Ausstellung in Seoul eingebracht. Wichtige Kontakte habe er auch geknüpft, nachdem ihm das Außenministerium beauftragt hatte, die Vertretungen seines Landes in Tokio, New York und Washington künstlerisch neuzugestalten. Mit einem Preis der Soros-Foundation bedacht, konnte er anderthalb Monate im Arts Center des USA-Staates Vermont arbeiten.

Daß Santschir in dieser Zeit nicht untätig war, bewies er 1997 mit einer Ausstellung in Karlsruhe. Nach seinen Motiven befragt, sagte er: "Die Mongolei selbst, das Leben der letzten zivilisierten Nomaden, fast unberührte, saubere Landschaften." Von solchen Arbeiten seien Besucher in den hochindustrialisierten USA und in Südkorea stark beeindruckt gewesen. In Großziethen und Umgebung können die Kunstliebhaber auf seine Gemälde und Grafiken gespannt sein.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(Februar 1999)


   

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Last Update: 10. September 2006