Steigerungen sind möglich
Gemäldeausstellung und mongolische Tage in Magdeburg

Von Hugo Kröpelin / Berlin/Magdeburg

Steigerungen sind immer möglich. Magdeburg beweist es. Der Barleber Verein zur Förderung der mongolischen Kultur in Deutschland organisierte eine Ausstellung der in Berlin lebenden Künstlerin Tsegmid Tsatsralt im Landeswirtschafts-ministerium und einen Mongolei-Abend mit Dia-Vortrag und mongolischer Speise. Seit den letzten Märztagen ist im einewelt haus in Magdeburg die Ausstellung „Mongolische Malerei zwischen Tradition und Moderne" zu sehen. Gastgeber ist diesmal nicht der o.g. Verein, sondern die Auslands-gesellschaft Sachsen-Anhalt zusammen mit dem VIERUNG Kunstverein Magdeburg e.V. Lothar Worm, Chef der Gesellschaft, hatte auch die Unterstützung aus dem Regierungspräsidium und dem o.g. Ministerium gewinnen können. In Magdeburg ist zur Gemäldeausstellung sogar ein kleines Kunstheft herausgegeben worden, das die die wichtigsten Werke der beiden mongolischen Maler Ts. Dawaakhuu und N. Sanchir enthält. „Eine kulturelle Botschaft aus der fernen, doch mit der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere mit deren östlichem Teil vielfältig verbundenen Mongolei" nannte deren Botschafter Bazarragchaa Bayarsaikhan dieses Kunstereignis. Sein Geleitwort ist zugleich eine nicht alltägliche Exkursion in die Eigenheiten der Nomadenkultur, die sich seit Dschingis Khan kaum verändert haben.

Sogar aus Berlin und Hannover waren Gäste zur Eröffnung angereist. Das hatte seinen Grund: N.Sanchir, einer der Autoren, hatte seine Europareise unterbrochen, um sich selbst zu überzeugen, wie alte und moderne mongolische Kunst auf deutsches Publikum wirkt. Sein Bild mit der grellgelben Abendsonne hinter dem Steppengras wechselte noch am selben Abend den Besitzer. „Die Aquarelle, Pastelle und Gouachemalereien von Sanchir sind brillante Kleinode für Kenner und Liebhaber moderner Kunst", meint der Kurator der Ausstellung, Dr. Udo Haase, promovierter Mongolist und seit der ersten Vorlesung vor über 25 Jahren in die Mongolei vernarrt.

Schmerzlich vermisst wurde Ts. Dawaakhuu, der am 19.Februar plötzlich verstorben war. „Wenn wir heute seine Bilder in Magdeburg zeigen, dann lebt er mit und in ihnen weiter", sagte Haase in seiner kurzen Ansprache. Das mongolische Kulturerbe habe mit den Werken des Autodidakten eine „erhebliche Bereicherung" erfahren. Verewigt habe er sich auch bei Queen Elizabeth. Ein Gemälde, das ihr vor zwei Jahren Präsident Bagabandi schenkte, hängt seitdem im Buckingham Palace.

Dass Tradition und Moderne auch in der Mongolei ganz dicht beieinander liegen, stellte an diesem Abend auch Galsan GALTAIKHUU unter Beweis. In einen Deel gekleidet, erfreute er das Publikum mit Liedern und seinem nahezu meisterlichen Spiel auf der Pferdekopfgeige. Das hat er noch in seiner Heimat an der Oberschule mit Musikklassen gelernt. Doch mit seiner jetzigen Ausbildung schlägt er eine ganz andere Richtung ein: In Heidelberg studiert er Informatik und Computerlinguistik. Der April hat übrigens in Magdeburg noch mehr Tage der mongolischen Kultur: Hosoo mit seinem Kehlkopfgesang, selbst begleitet auf der Pferdekopfgeige, war schon zu hören. Am 11. wird der Spielfilm „Das Seil" aufgeführt, und am 17. liest Tschinag GALSAN aus seinem neuesten Buch mit dem Titel „Doinaa".

Sachsen-Anhalt und die Mongolei könnten auch wirtschaftlichen Zuwachs durch bilaterale Beziehungen vertragen. Ein Angebot von Investoren für ein privates Krankenhausprojekt in der Mongolei hat konnte allerdings noch nicht unterbreitet werde. Die sechs Abgeordnete des Staatshurals, die Anfang Dezember in ostdeutschen Ländern weilten, hatten den Magdeburger Termin 24 Stunden vorher aus dem Programm, das ihnen der Bundestg gemacht hatte, gestrichen. Die Deutschen, zum Teil aus Hamburg angereist, waren nach Aussage des Unternehmensberaters Ringo Skibbe „ziemlich sauer", dass die Delegation diesen Programm- punkt offensichtlich aus ganz privaten Interessen einfach ausfallen ließ. „Das war wie ein Tritt ins Kreuz", sagte Skibbe. „So holt man sich den Fortschritt nicht ins Land", ließen sich Teilnehmer eines follow up zu den Wirtschaftstagen vom vergangenen September vernehmen. Dazu hatten sich der Mongolei verbundene Geschäftsleute, Wissenschaftler und Angestellte von Ämtern Mitte März in Berlin versammelt. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben – in Juni und im September gibt es wieder deutsch-mongolische Wirtschaftskontakte auf verschiedenen Ebenen.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(April 2001)


   

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Last Update: 10. September 2006