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Unvergeßliche Erlebnisse in der Mongolei 2007 -
deutsche und mongolische Geologen auf den Spuren der Vergangenheit und auf dem Weg in die Zukunft

Kaum von einer Mongoleireise im Juli/August 2007 mit dem Höhepunkt der Befahrung der großen Kupferlagerstätte Erdenet zurückgekehrt, erreichten mich Mitte September erste Informationen aus Ulaanbaatar über Vorbereitungen zu einer Konferenz aus Anlass der 45-jährigen mongolisch-deutschen Zusammenarbeit im Bereich Geologie/Bergbau/mineralische Rohstoffe vom 5.-7. November 2007.

Die mongolischen Veranstalter, das Ministerium für Industrie und Handel und die Agentur für mineralische Rohstoffe und Petroleum, haben dazu deutsche Geologen und Bergleute eingeladen, die ab 1962 viele Jahre in der Mongolei erfolgreich und ab 1973 gemeinsam mit mongolischen Geologen tätig waren, u.a. und z. B. bei der Exploration der Lagerstätten Gold Boroo und Zink Salchit. Gegenwärtig werden diese Lagerstätten mit sehr guten Ergebnissen abgebaut.

Erst Ende September erhielten wir konkrete Vorstellungen zur Konferenz, so dass sich in Vorbereitung der Reise für uns deutsche Teilnehmer einige Schwierigkeiten ergaben, u.a. die Abstimmung zu haltender Konferenzbeiträge, Beschaffung von Visa und Flugtickets. Letztere konnten kurzfristig für einen Vorzugspreis über Wildberry Tours e. K. beschafft werden, was besonders erfreulich war.

Voller Erwartungen kamen wir am 5. November leider mit dreistündiger Verspätung auf dem winterlichen „Chinggis Khaan"- Flughafen in Ulaanbaatar an, wo wir schon wegen des sehr eng festgelegten Tagungsprogramms erwartet wurden. Nach der Unterbringung im 5-Sterne- Hotel Ulaanbaatar ging es gleich zum Empfang in die deutsche Botschaft, an dem auch mongolische Vertreter vom Ministerium teilnahmen. Der Botschafter, Herr Pius Fischer, zeigte sich sehr an den zu beratenen Konferenzproblemen interessiert. Vor der deutschen Botschaft war dann auch das erste gut gelungene Gruppenbild fällig, dem in den nächsten Tagen noch viele Fotos folgen sollten.

Danach besuchten wir den Sukhbaatar-Platz mit dem neuen imposanten Chinggis-Khaan-Denkmal und das Mineralogische Museum der Universität für Wissenschaft und Technologie. Mit hungrigem Magen nahmen wir dann das exzellente Mittagessen im Restaurant „Romance" ein. Es folgten der Besuch des neu eingerichteten Geologischen Informationszentrums (Archiv und Bibliothek) und ein sehr interessantes Zweistunden-Rundtischgespräch im Amt für mineralische Rohstoffe und Erdöl unter Leitung von Herrn Dr. L. Bold.

Am Abend fand dann ein feierlicher Empfang im Ulaanbaatar-Restaurant mit sehenswerter traditioneller mongolischer Kulturumrahmung und guter Volksmusik statt, an der weit über 100 Personen teilnahmen, unter ihnen auch viele alte Bekannte, so die ehemaligen Minister für Geologie und Bergbau, Pelschee und Khurts. Auch die Frau des 2007 verstorbenen ehemaligen Hauptgeologen Dorj der Gemeinsamen Geologenexpedition MVR-DDR von 1973 – 1990, die zeitweilig auch in der gemeinsamen Expedition arbeitete. Durch die vielen freundschaftlichen Gespräche mit ehemaligen Mistreitern blieb wenig Zeit zum Essen.

Der zweite Tag war ausgefüllt mit der wissenschaftlich-praktischen Konferenz zum Thema „Mongolisch-Deutsche Zusammenarbeit auf dem Gebiet Geologie und mineralische Rohstoffe" mit Beiträgen von mongolischen und deutschen Teilnehmern, die simultan übersetzt wurden und in Kurzfassung als Broschüre in mongolischer Sprache vorlagen. Die Inhalte der ca. 20 Vorträge umfassten nicht nur Ergebnisse aus der Vergangenheit, sondern auch aus der gegenwärtigen Zusammenarbeit mit der TU Freiberg und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover. Leider waren Hinweise über die künftige Zusammenarbeit wenig konkret. In vielen Beiträgen von mongolischen Vertretern gab es Lob für die Leistungen der deutschen „Spezialisten".

Gegen 18:30 Uhr empfing uns der Minister für Industrie und Handel, Prof. Dr. Davaadorj Tseren, dessen Haus die inhaltlichen und organisatorischen Probleme der Konferenz und des umfangreichen Rahmenprogramms sehr gut und professionell gelöst hat. Er würdigte auch die erreichten Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit seit 1962 und überreichte Ehrenurkunden und mongolische Pferdegeigen an die langjährig in der Mongolei tätigen deutschen Fachkräfte, die natürlich mit großem Dank entgegen genommen wurden.

Am Abend gelang den Organisatoren eine große Überraschung, die für uns ein unvergessliches Erlebnis bleiben wird. Zum Abendessen im Restaurant Kudamm trafen wir viele ehemalige mongolische Mitarbeiter aus den erfolgreichen Erkundungsobjekten Boroo und Salchit der Gemeinsamen Geologenexpedion MVR-DDR. Jeder Teilnehmer von uns begrüßte einzeln die ehemaligen mongolischen Mitstreiter. Einige von uns wurden beim Eintreten mit Namensnennung im Sprechchor empfangen. Es war wieder ein Abend mit reichlich Gesprächen und einer Video-Vorführung der Mongolen aus der gemeinsamen Zeit in Boroo von 1982 – 1990. Natürlich wurde viel fotografiert. Der Abend endete mit mongolischen Freunden in fröhlicher Runde in der Bar des Hotels Ulaanbaatar.

Der 3. Tag begann mit einer Besichtigung des Revolutionsdenkmals am Zaisanberg, um von dort aus einen Überblick über das neu Entstandene in der Stadt zu erhalten. Es folgte die ca. 130 km lange Fahrt zur Goldlagerstätte Boroo auf einer gut ausgebauten Straße, wie wir sie nie kennen gelernt hatten. Im Gebiet um die Lagerstätte Boroo begannen 1965 unsere geologischen Untersuchungen in der Mongolei. Die von uns in den sechziger Jahren durchgeführten Untersuchungen an der Lagerstätte (Vorerkundung) wurden wegen des niedrigen Goldmarktpreises 1972/73 ausgesetzt und mit steigendem Weltmarktpreis für Gold 1982 wieder aufgenommen und von der gemeinsamen deutsch-mongolischen Expedition 1989/90 mit dem Nachweis von 40 Tonnen Gold abgeschlossen. Bereits 1988 begann gemeinsam die Projektierung eines Abbau-und Gewinnungsbetriebes. Der Besuch in Boroo, ermöglicht durch die kanadische Firma Centerra Gold Inc „Boroo Gold", die in der Mongolei schon durch negative Schlagzeilen auffiel, war sehr informativ und interessant sowie überraschend gut vorbereitet. Mit Fahrzeugen wurde das gesamte Betriebsgelände mit Sicht auf den imposanten Tagebau, den Aufbereitungskomplex und sonstige Betriebseinrichtungen sowie das ca. 1 km entfernte Absetzbecken befahren. Dabei waren auch Flächen mit bereits erfolgter Wiederurbarmachung zu sehen.

Der große und ganz offensichtlich hoch moderne Aufbereitungskomplex, der auch ohne Einschränkung besichtigt werden konnte, sowie die ganze Betriebsanlage sind als ein überzeugendes Beispiel für potenzielle Investoren zu sehen, die leistungsfähige Anlagen installiert haben und erfolgreich betreiben.

Das folgende Mittagessen in der mongolisch-kanadischen Kantine wurde gekrönt durch eine uns zu Ehren gebackene Torte, die unser langjähriges Expeditionsmitglied und Mongoleiexperte Dr. Aribert Kampe unter Beifall der Anwesenden anschnitt.

Vom kanadischen Direktor des Unternehmens wurden wir in Gegenwart vieler mongolischer Mitarbeiter sehr freundlich begrüßt und über weitere Betriebsinterna informiert. So auch über den Aufbreitungskomplex und die bereits erfolgte Goldgewinnung von 32 Tonnen, der noch weitere ca. zehn Tonnen folgen werden. Sehr herzlich wurden wir auch durch junge mongolische Geologen empfangen und mit lagerstättentypischen Souvenirs beschenkt, was uns besonders bewegte. Zu den jungen Geologen gehörte auch der Sohn des bereits erwähnten ehemaligen mongolischen Hauptgeologen Dorj, der die Familientradition erfolgreich weiterführt. Auch eine sehenswerte Wandzeitung mit dem Thema „Gemeinsame Geologenexpedition MVR-DDR 1982-92" hatte man extra angefertigt. Übrigens fiel uns bei den Besichtigungen und Gesprächen der hohe Anteil von vor allem jungen mongolischen Mitarbeitern sehr positiv auf, was eigentlich nicht erwartet worden war.

Zum Abschluss dieser eindruckvollen Stunden in Boroo wurde unser Buch „Auf Goldsuche in der Mongolei" dem Direktor Herrn J. Kazakoff überreicht, in welchem u. a. die 1. Etappe der geologischen Arbeiten in Boroo 1965-1970 dargestellt ist. Mit besten Wünschen und der Hoffung auf weitere gute Gewinnungsergebnisse zum Nutzen der Firma „Boroo Gold" und der Mongolei verabschiedeten wir uns. Leider war der Vorrat von 23 Büchern „Auf Goldsuche…" als Präsente vor allem an Konferenz- und Gesprächsteilnehmer sowie ehemalige Mitarbeiter damit vergeben, so dass es eine Aufgabe für 2008 ist, weitere Bücher, z.B. auch in Boroo, zu überreichen. Schon im Jahr 2006 und im Juli 2007 erhielten mongolische Mitarbeiter und Fachkollegen insgesamt 31 Bücher als Präsente und Dank für erfolgte Zusammenarbeit.

Nach einer schon winterlichen Rückfahrt von Boroo nach Ulaanbaatar, nur unterbrochen durch eine kurze Autorast am Straßenrand mit Arkhii, Wurst und sogar Bier vom Fass - vor 40 Jahren undenkbar - fand im Hotel Corporate das Abschiedsessen und die offizielle Verabschiedung durch Vertreter des Ministeriums statt. Der deutsche Botschafter war auch erschienen.

Am nächsten Morgen flogen die ersten Teilnehmer wieder in die Heimat, während die anderen noch drei Tage länger blieben, um alte Freundschaften zu pflegen, an einer Investorenkonferenz teilzunehmen oder sich die Stadt Ulaanbaatar und die weitere Umgebung anzusehen.

So machten einige einen sehr interessanten Tagesausflug zu den Bergleuten der Braunlagerstätte Nalaikh, den so genannten Ninjas, zur Klosterruine Manshir und zum Chinggis-Khaan-Camp. Letzteres ist als touristische Attraktion sehr zu empfehlen und liegt unweit des modernen Flughafens „Chinggis Khaan".

Von diesem Flugplatz erfolgte dann auch der Abflug nach Hause mit vollen Koffern und tief beeindruckt vom dem, was uns in den drei Tagen der Konferenz geboten wurde. Wahrscheinlich auch deshalb, weil wir das nicht erwartet hatten.

Obwohl der Einsatz deutscher Spezialisten teilweise über 40 Jahre zurück liegt, waren die Wertschätzung für Person und Arbeit sowie die große Sympathie, die allen deutschen Teilnehmern entgegen gebracht wurde, überwältigend.

Besonders emotional für alle Seiten waren die Zusammentreffen der ehemaligen deutschen Spezialisten mit ihren mongolischen Kollegen aus der Gemeinsamen Geologenexpedition.

Geprägt von diesen Eindrücken gilt der Dank besonders dem Minister für Industrie und Handel, Prof. Dr. Davaadorj Tseren, Herrn D. Javkhlanbold, Herrn Dr. Bayan und den zahlreichen anderen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Ministeriums, die für die Organisation und den Ablauf des Programms verantwortlich waren und uns vorbildlich betreuten. Unser Dank gilt auch dem deutschen Botschafter Herrn Pius Fischer, der sich intensiv am Programm beteiligte und dem mongolischen Botschafter in Deutschland, Herrn Dr. T. Galbaatar, für die Unterstützung in Vorbereitung der Reise in die Mongolei. Er hat auf der Webseite der Botschaft zur mongolisch-deutschen Zusammenarbeit eingeschätzt: "Die enge und freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen der damaligen Mongolischen Volksrepublik und der DDR bildete einen wichtigen historischen Abschnitt in unseren bilateralen Beziehungen".

Herrn Dr. K. Bormann von der Deutsch Mongolei-Agentur Ulaanbaatar danken wir für seine organisatorischen Unterstützungen u. a. während unseres anschließenden Aufenthaltes.

Fest steht, dass es für die Beteiligten nicht die letzte Reise in die Mongolei gewesen sein dürfte! Zu schön und zu interessant ist dieses Land und für viele voller guter Erinnerungen.

Zu wünschen wäre allerdings, dass Reisen in die Mongolei auch neuen deutschen Rohstoffprojekten gelten und die Erfahrungen der letzten 45 Jahre dabei beachtet werden, die da lauten: Die Mongolei ist ein rohstoffreiches Land und es sei betont, auch ein Land, das sehr deutschfreundlich ist!

Dipl.-Ing. oec. Bergbau Joachim Stübner
Herausgeber und Redakteur des Sach- und Erlebnisbuches „Auf Goldsuche in der Mongolei"


   

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Last Update: 10. Januar 2016