Weihnachtlich Mongolisch lernen für jedermann"

von Michael Angermann
(Student am Zentralasienseminar der Humboldt Universität)

Montag Nachmittag in Berlin. Anstatt sich in den geheizten Räumen des Zentralasienseminars der Humboldt Universität einzufinden, stehen zehn StudentInnen des Mongolisch-Konversationskurses im Schneegestöber vor dem nostalgischen Weihnachtsmarkt am Opernpalais. Schnell werden noch Plakate umgehangen, der eine oder andere Deel wird übergeworfen. Was hat das alles zu bedeuten, fragt sich da berechtigterweise der Passant am Rande.

"Hier wird konstruktiv gestreikt", lautet es aus der Studierendenschaft. An den Hochschulen im ganzen Bundesgebiet und insbesondere in Berlin soll massiv gekürzt werden. Schon jetzt gibt es am Zentralasienseminar gerade mal eine feste Stelle für die Mongolistik, 1990 waren es noch neun Stellen. Seit über 100 Jahren existiert an der heutigen Humboldt Universität zu Berlin die Mongolistik, doch wie lange noch? Das war Grund genug, Mongolisch in die Berliner Öffentlichkeit zu tragen. Doch wie sollte so etwas angestellt werden? Die Lösung war schnell gefunden und  so standen wir nun auf dem Weihnachtsmarkt  "Weihnachtlich Mongolisch lernen für jedermann" hieß unser Motto. Wer weiß schon, was kandierter Apfel, Glühwein oder gar Räuchermännchen auf Mongolisch heißt. Mit fachkundiger Unterstützung durch zwei mongolische Freunde und Berater konnten wir fast jedem "schrägen Ding" einen Namen verpassen. "Tschicherlesen Alim", "Chaluun Dars" und gar das Räuchermännchen "Tamichtschin Uvgun" haben von uns wohlfeine weihnachtliche Bezeichnungen erhalten. Das ganze haben wir den Händlern auch noch in Original und Umschrift auf ein Kärtchen mit der Maus ("Sendung mit der Maus" - eine Wissensendung für Kinder) geschrieben, darunter die Aufschrift "Das ist Mongolisch" und der Untertitel "Ohne Mäuse keine Uni - ohne Uni kein Maus". Größtenteils sind wir dabei auf positive Reaktionen gestoßen und die meisten Leute freuten sich, dass die StudentInnen jetzt auch mal auf der Straße zu sehen seien.

Jetzt heißt es also achtgeben auf den Berliner Weihnachtsmärkten, neben jeder Pyramide und jedem Quarkkeulchen könnte sich ein Aufsteller mit der mongolischen Bezeichnung finden. Somit ist Mongolisch wieder auf dem besten Weg eine Weltsprache zu werden - Wer kann da noch über Kürzungen nachdenken!


   

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Last Update: 10. September 2006