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Roaring Hoofs Festival MONGOLEI 10.-16. Juni 2002
Über ein Festival in der dröhnenden Stille der Gobi

Das ROARING HOOFS Festival  bekommt für die Mongolei zunehmend die Bedeutung einer neugewachsenen Tradition; man bemüht sich in allen Provinzen des Landes um dieses Musik-Festival in freier Natur.  Es ist eines der sonderbarsten und faszinierendsten Musikfestivals, zu dem jeweils eines der spektakulärsten Naadam-Feste der Mongolei gehört - ein Festival in der Wüste Gobi, das die uralte Musiktradition der Mongolen und neue Musik aus aller Welt verbindet und Konzerte für Nomaden organisiert. Roaring Hoofes: ist ein Festival für die Musik unserer Zeit und die grösste internationale Kulturveranstaltung Zentralasiens. Roaring Hoofs- oder Dröhnende Hufe heisst auf  Mongolisch :Tuurain Tuuruuguv- das bedeutet so viel wie: Aufbruch und Bewegung. Ein treffender Titel für ein Festival in einem Land in Aufbruch und Bewegung,  im Wandel  von einer alten Nomandentradition zu den globalen Veränderungen und Angeboten der heutige Zeit.

Das Festival -Konzept verbindet zeitgenössische Musik aus verschiedenen Ländern und traditionelle Musik der Mongolei- aber auch aus anderen Ländern Zentralasiens und dem Kaukasus war Musik in diesem Jahr zu hören- eindrücklich waren z.B. die Beiträge aus China, Kirgistan, Kasachstan, und insbesondere aus den sonst verfeindeten Armenien und Azerbaijan. 

Im Juni 2002 kamen für eine Woche  60 Teilnehmer aus 21 Ländern zu den Konzerten in Ulan Bator und in der Wüste Gobi. Hinzu kamen noch etwa 100 mongolische Künstler. Besonders wichtig war die Teilnahme der chinesischen Künstler, da die Kontakte zwischen der Mongolei und China auf kultureller Ebene nicht besonders gut entwickelt sind. Es kamen durch das Festival sehr wichtige Kontakte für zukünftige Projekte zustande. 

Besonderer Liebling des Publikums war die Er-Hu Spielerin aus Peking. 

Als besondere Attraktion wurde in diesem Jahr ein Klavier aus Deutschland in die Wüste Gobi transportiert- eine Spende eines Klavierbauers aus Freiburg. Nach den Gold-und Silberflöten, die eine Schweizer Familie mongolischen Institutionen vermachte, ist dieses die zweite Instrumentenspende, vermittlet  durch das Festival.

 Organisiert wird das Festival ROARING HOOFS seit 1999 von der Direktorin der New Music Association,  Samdandamba  Badamkhorol und Prof. Bernhard Wulff, der zusammen mit mongolischen Komponisten für die künstlerische Konzeption verantwortlich ist. Ein Stab junger und motivierter Mitarbeiter sorgt dafür, dass alles so reibungslos wie möglich läuft, was in einem Land, wie der Mongolei auch ein hohes Improvisationstalent und allerbeste Kontakte voraussetzt. Die mongolischen Organisatoren haben bereits 25 größere Kulturprojekte in der Mongolei aber auch in Europa realisiert und zweifellos die größte Erfahrung und Kompetenz im Lande für den Bereich Kultur-Management, eine Aufgabe, die zunehmend von immer wichtigerer Bedeutung für den Tourismus der Mongolei wird; nicht von ungefähr nahmen aufmerksame  Vertreter mongolischer Touristikunternehmen teil. Die besten  mongolischen Künstler arbeiten inzwischen mit der New Music Association zusammen, die für diese ebenfalls renommierte Konzerte-Engagements in Europa und Asien realisiert. So auch unmittelbar vor dem Festival ROARING HOOFS im Mai 2002 auch beim österreichischen Feldkirch-Festival- mit mongolischen Musikern und eine Bilderausstellung.

Die Mongolen definieren sich sehr stark über ihre kulturellen Traditionen, die sich durch kraftvolle  Frische und Lebendigkeit auszeichnen- gleichzeitig sind sie neuen Eindrücken gegenüber aufgeschlossen.  Unter den teilnehmenden Gästen waren auch Anthropologen, Ethnologen, Kulturwissenschaftler und Kulturmanager aus div. Ländern und so wurde ein Symposium über „Fragen der kulturellen Identität und Globalisierung“ in das Festival integriert; damit neben den Vorträgen nicht nur ein reflektierender Diskurs entstand, sondern die Unterschiede oder Ähnlichkeiten mit mehreren Sinnen erfahrbar wurde, hatte man zu diesem Zweck alle Teilnehmer gebeten, aus Ihren Herkunftsländern Rezepte, Speisen, Getränke, etc mitzubringen und es entstand im Zusammenhang mit dem Symposium eine interessante Diskussion über Levi Strauss‘ Kultur-Postulat „Vom Rohen und dem Gekochten“- und in dem Zusammenhang ein Kochwettbewerb in der Wüste Gobi- ein Fest der Sinne: vom japanischen Sushi bis zum norwegischen Elchfilet, vom kasachischen Hammelrezept zum Deutschen Sauerkraut, vom amerikanischen Popcorn zur französischen Olive.

Bestandteil des Festivals ist die GOBI SOMMER AKADEMIE; Studenten und Lehrkräfte aus Ulan Bator erhalten die Gelegenheit, mit den anwesenden Künstlern zu arbeiten.

Insgesamt gab es in der einen Woche 11 Konzertveranstaltung- in Ulan Bator und der Wüste Gobi und wir erriehcten etwa 5000 Zuhörer. Nach unserer Ankunft am Montagmorgen, 10.Juni, ergab sich zunächst eine Rundfahrt, mit der Besichtigung von Zaisan tolgoi, dem Gandan Kloster und dem Choijin Lama Museum mit einer Darbietung traditioneller Tempelmusik. Das Eröffnungskonzert am Abend war ein grosses gesellschaftliches Ereignis im Kultur Palast. Am folgenden Morgen fuhren alle Teilnehmer gemeinsam mit mongolischen Studenten und Lehrern zu dem Camp "Hoyor Zagal" in der Gobi Wüste; dieses Camp war die zentrale Station, von der aus wir die weiteren Konzertorte aufsuchten und immer wieder zurückkehrten. Das Yurten (Ger)-Camp war gleichzeitig der Ort der GOBI SUMMER ACADEMY und einiger Veranstaltungen- insbesondere der stimmungsvollen Ger-Konzerte am Abend. Am Mittwoch kamen viele hundert Nomaden hoch zu Pferd zu unserem Wüstenkonzert, nachdem wir zunächst deren Sportfest „Naadam“ besuchten- in der Weite der  Gobi freuen sich die Menschen über jedes Angebot und kommen von sehr weit, um an dem Festival teilzunehmen. Insbesondere die Verbindung von mongolischer Musik und der neuen Musik anderer Ländern trifft auf sehr aufmerksame Ohren. Auch uralte  Schamanentraditionen gehörten zur mongolischen Kultur- ein Schamanenritual  ist deshalb ebenfalls Bestandteil des Festivals. Besonders eindrücklich war am kommenden Tag das Konzert beim Kloster Erdene Zuu, zu dem über 1200 Besucher kamen; auch hier ergab sich eine elegante Verbindung von traditionellem Pferderennen und Musikfestival: das Rennen war sozusagen in die Introduktion, worauf alle Gäste zu unserem anschliessenden Konzert kamen.

Ganz in der Nähe unseres Camps wurde ein neues Versuchsfeld der Universität Ulan Bator eingerichtet: mit ausländischer Hilfe werden dort in Zukunft die Pflanzbedingungnen in der Wüste erforscht. Unsere Festivalteilnehmer wurden eingeladen, in einer kleinen Zeremonie die ersten Bäume zu pflanzen- 21 Stück- für jede Nation eines; es ergab sich ein kleines „Baum-Konzert“ denn jede Nation spielte auch für den jeweiligen Baum. Die Schweizer Teilnehmer vergruben ein paar Geldstücke unter dem Baum, die Franzosen, Italiener und Tschechen bekamen einen gemeinsamen Baum- andere bestanden auf Unabhängigkeit; die Deutschen nannten ihren Baum Wilhelm Bechstein- Müller Thurgau - Bechstein, für den Fall, dass aus dem Holz des Baumes später ein Klavier gebaut werden könnte, Müller -Thurgau, für den Fall, dass doch unverhofft Trauben wachsen.....

Dem Versuchsfeld wurden der Name des Musikfestivals gegeben: Tuurain Tuuruguuv- Dröhnende Hufe.

Am gleichen Tag gaben wir ein Kloster-Konzert beim eindrücklich gelegenen Erdene Khamba Kloster in den nahegelegenen Khugnu Khun Bergen- einem wichtigen Ort in der mongolischen Geschichte mit tragischen und blutigen Geschichten. Neben den Ruinen der ehemaligen Klosteranlage wurde zaghaft mit kleinen Gebäuden ein neues Klosterleben begonnen; hier musizierten die Musiker aus aller Welt nur für den Ort und die 3 Bewohner des Klosters- es war für viele Teilnehmer das wohl eindrücklichste Konzert der ganzen Reise.

Die  Haushälterin erklärte anschliessend, dass wir mit unserer Musik die 6 Geister der Berge zufrieden gestimmt hätten und dass sie ein Zeichen senden werden.

Kurz darauf verdunkelte sich der blaue mongolische Himmel, Regenwolken zogen auf, auf die man lange gewartet hatte und der Himmel bot nach wenigen Minuten eine beeindruckende Regen-und Hagelaufführung.

Am letzten Tag, Samstag, 15.Juni, gab es das mittlerweile traditionelle Konzert im Dinosauriermuseum von Ulan Bator mit dem akustisch besten Saal des Landes; das abschliessende Final Konzert im Opernhaus von Ulan Bator, wurde wieder ein grosses, gesellschaftliches Ereignis. Hier hatten die Künstler nochmals Gelegenheit sich individuell von der Mongolei musikalisch zu verabschieden. 

Das ROARING HOOFS Festival (auf mongolisch auch Aufbruch und Bewegung) brachte seit 1999 über 150 Musiker und Musik aus 50 Nationen in die Mongolei und trug dazu bei, der Mongolei ein Fenster zu öffnen zu den kulturellen Entwicklungen in der Welt- dieses aber immer im Respekt für die alten Traditionen des Landes. Seit der ersten Gobi Sommer Akademie des Festivals wurden 800 Studenten und Lehrkräfte unterrichtet und einigen auch ein Auslandsaufenthalt ermöglicht;  mongolischer Musik wurde in vielen Ländern bekannt gemacht und die Kultur der Mongolei vermehrt in das Bewußtsein vieler Menschen gerückt.

ROARING HOOFS Die Unterstützung diverser internationaler Stiftungen, darunter auch die Ernst-von-Siemens-Stiftung,  ermöglichte die Durchführung dieses Festivals, das in der Musikwelt eine einzigartige Rolle einnimmt und für die Mongolen bereits als traditionelles Grossereignis und seiner Strahlkraft für ganz Zentralasien einen festen und nicht mehr wegzudenkenden Platz im kulturellen Leben des Landes Dshingis Khaan hat, einem Land im Aufbruch und Bewegung

Ausblick: organisiert von der New Music Association of Mongolia, wird das nächste Festival ROARING HOOFS wird vom 15.-22. Juni 2003 in der Südgobi geplant; wieder werden international bekannte Künstler eingeladen, die mit mongolischen Musikern gemeinsame Konzerte veranstalten. 

Gäste, die an diesem Projekt teilnehmen möchten sind willkommen. 

Im März wird die New Music Association 2 grosse Musikereignisse in Ulan Bator organiseren: das zweite Orchesterfestival und das „Golden Flute Festival“. Ferner ist ein Forschungsprojekt gemeinsam mit der berühmtesten Urtiin Du Sängerin der Mongolei, Frau Norovbanzad, in Planung.

Weitere Informationen unter www.roaringhoofs.de  oder bei

Prof. Bernhard Wulff
Lexerstraße 3
79110 Freiburg
tel +49 761 87548
E-mail  b.wulff@mh-freiburg.de


   

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Last Update: 10. September 2006