Im Juni dröhnen wieder die Hufe – Das Festival erlebt seine
dritte Auflage – Diesmal zieht die Karawane in die Südgobi 
– Warum nicht auch Musik-Tourismus in der Mongolei ?

Von Hugo Kröpelin / Berlin

Der Zuschauerraum war eine Sanddüne im südlichen Uwurkhangai, die Beleuchtung ein azurblauer Nachmittagshimmel, die Bühne eine gelbgrüne Alm und das Publikum an die 600 berittene Nomaden, die auf ihren Pferden fasziniert Werken von Reich, Messiaen und Varese lauschten. Die Interpreten waren Solisten und Gruppen aus 15 Ländern beim 2. Internationalen Festival neuer Musik „Dröhnende Hufe 2000" in der Mongolei.

Vom 10. bis 17. Juni dröhnen wieder die Hufe. Neue Musik aus aller Welt und traditionelle mongolische Musik werden als gleichrangige Ausdrucksformen präsentiert. Neben Ulan Bator will die internationale „Karawane" diesmal mit einer personell verkleinerten Variante Konzerte in der Südgobi und im Altaigebirge geben, verrät Prof. Bernhard Wulff von der Musikhochschule Freiburg.

Auf den Dirigenten und Komponisten aus dem Breisgau, waren Mongolen vor sechs Jahren in Odessa (Ukraine) aufmerksam geworden, als er dort ein Festival zeitgenössischer Musik in Szene setzte. 1998 bei seinem ersten Trip in die Mongolei fand er „eine fantastische Infrastruktur zur Pflege von Musik aus aller Welt" vor, und die Regierung trug ihm ihr Anliegen vor, für einen ähnlichen Musikhöhepunkt zu sorgen. „Die Einbindung in den Ostblock hatte das Land von Experimenten aus dem Westen und von neuen Kompositionen ausgegrenzt." Selbst Bela Bartok sei den Mongolen lange verschlossen geblieben, so Wulff.

Es wurde ein Höhepunkt ! "Ein einmaliges Konzert in der Wüste mit Hörern, die zumeist aus 30 bis 40 Kilometern herangeritten waren", erinnert sich Wulff an den Juni 2000. Selbst ein Piano war vor der Wüstentribüne aufgestellt worden. Eine Attraktion für die Mongolen war auch das hölzerne Alphorn. Aus den nach der Wende wiedererstandenen Klöstern kennen sie ein ähnliches Horn aus Bronze. Zum Ausflug in den Uwurkhangai gehörte auch eine dreitägige Gobi-Sommer-Akademie. Bei der wurden nicht nur Konzerte gegeben: Rund 100 Studenten des mongolischen Konservatoriums nahmen Unterricht in der „Flöten-Jurte", der „Posaunen-Jurte" und der „Klavier-Jurte". Im Gegenzug konnten sich die etwa 40 Künstler aus 15 Ländern in die Geheimnisse des mongolischen Oberton-Gesangs und des Spiels auf der Pferdekopfgeige einweihen lassen.

Der Freiburger Professor bescheinigt den Gastgebern eine starke logistische Leistung, wie sie den Trip zu den Konzertstätten in der Gobi und in der früheren mongolischen Hauptstadt Khar Khorin (Kara Korum) bewältigten. „Als eine Firma die zugesagten fünf Busse verweigerte, gelang es ihnen, binnen zwei Stunden für gleichwertigen Ersatz zu sorgen." Als Dank brachte das Ensemble nach der Rückkehr in die Hauptstadt seinem Publikum eine Weltpremiere zu Gehör: eine Improvisation mit Sopransaxophon (Frankreich), Alphorn (Schweiz), Klavier (Deutschland/USA), Bambusflöte (Vietnam), Tabla (Indien) und Metall-Klangskulptur (Palästina) sowie mit vier einheimischen Zupf- und Streich-Folkloreinstrumenten.

Ausgeklungen waren die „Dröhnenden Hufe" mit einem Konzert vor Hunderten Menschen in der „top ten-disco" von Ulan-Bator. „Bei diesem Festival lernten unsere Musikschaffenden vor allem Kompositionen aus dem Westen kennen", resümierte die Leiterin der new music association, Samdandamba Badamkhorol. Vor allem die Gobi-Sommer-Akademie sei ein Platz intensiven Austauschs gewesen.

Nach Vorstellung der Musikmanagerin könnte die Mongolei sogar ein „Land für den Musiktourismus" werden. Bernhard Wulff hat jedenfalls schon erfahren, dass die Festivalorganisatoren einen „relativ günstigen Pauschalpreis" machen wollen. Enthalten soll der den Direktflug Berlin-UB-Berlin, alle Transporte mit Sicherheitsservice in die Gobi, Hotelunterkunft in UB und in Jurtencamps der Südgobi, Vollpension und Einladungen zu allen Veranstaltungen der „Hufe". Auskunft darüber müsste in Kürze die „new music association" (e-mail: newmusic@mongolnet.mn geben können.

Übrigens entstand während der Sommerakademie in der „Komponisten-Jurte" unter Mitwirkung des „composer in residence" Yonghi Pagh Paan (Südkorea) und mehrere mongolischer Studenten eine Erkennungsmelodie. Sie setzte in der „top ten disco" den Schlussakkord des Festivals mit fast allen Teilnehmern unter der Stabführung des Weimarer Studenten Zerendorshijn Ganbold.

Und ein Experiment der „Dröhnenden Hufe" des Vorjahres wird in diesem Jahr zum Standard: Nach zwei Konzerten in Museen von Ulan Bator ist geplant, in den Sommermonaten 2001 regelmäßig in mehreren Museen allwöchentlich Kurzkonzerte mit traditioneller mongolischer Musik zu geben.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(Mai 2001)


   

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Last Update: 10. September 2006