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Alles über Kaschmir in einem neuen Magazin

Von Hugo Kröpelin / Ulaanbaatar

Ohne großes Tamtam ist am deutschen Medienhorizont ein neues Magazin aufgetaucht. Mit seinen 310 Seiten ist es keine fast- food-Lektüre für die S-Bahn oder den Überlandbus und eher dazu geeignet, am Abend die Fernsteuerung liegen zu lassen und sich entspannend Wissen anzueignen. Sieben Reportagen . eine Vorstellung unseres Nachbarlandes Belgien mit 18 Beiträgen verschiedener Genres, ein Blick in die Literatur Polens, ein Special mit acht Geschichten rund um die Kartoffel, eine Foto-Galerie und Magazin-Teil, der dem Leser hilft, das richtige Geschirr, das richtige Fleisch, den richtigen Wein und den richtigen Sarg auszuwählen. Alles höchst lehrreich, höchst amüsant zu lesen, weil mit viel Sachkenntnis und Liebe geschrieben und hochklassig fotografiert.

"Das Peter FEIERABEND Magazin" heißt das neue Printerzeugnis, das die Kölner Könemann Verlagsgesellschaft mbH auf der jüngsten Frankfurter Buchmesse vorgestellt hat. Bei MONGOLEIONLINE erwähne ich das Magazin wegen seines Aufmacher-Themas: "Kaschmir – die edle Wolle der Mongolen". Marcus Benzmann (Bochum/Text) und Marcin Rutkiewicz (Witten/Fotos) haben sich tief reingekniet in diese für das zentralasiatische Land höchst aktuelle Materie. Der Dsut des vergangenen Winters mit seinen Folgen für Mensch und Tier, der Weiden-Kahlfraß der Ziegen, deren Zahl seit 1990 etwa verdoppelt hat, und das Tauziehen zwischen China, der Mongolei und ökonomischen Großmächten um den Ziegenflaum, der 18 Prozent des Bruttosozialprodukts ausmacht – auf all das gehen die Autoren ein. "Nooluur awna!" (Wir nehmen Ziegenwolle an) liest man auf Dutzenden Schildern an den Straßenrändern der Hauptstadt. Aufkäufer, Zwischenhändler, Weiterverkäufer wollen daran verdienen. Der Staat sieht die Bedrohung für die eigene Industrie, aber kann er den Export kontrollieren und bremsen? Die Eisenbahnlinie nach Peking ist nicht das einzige "Abflussrohr" für den wertvollen Rohstoff. Und wer verkauft schon "aus patriotischen Gründen" nicht an die Chinesen, wenn er für das Schulinternat, für die medizinische Behandlung und für den Tierarzt bezahlen muss und keine andere ertragreiche Geldquelle zur Verfügung hat? Viele Aufschläge müssen die Hirtenfamilien in der stark unter- und falsch versorgten Provinz zahlen für Waren des täglichen Bedarfs, die per Fahrzeug aus Hauptstadt mit ihren schillernden Geschäften herangeschafft werden müssen. Was nützen schon neun verschiedene hochgestylte Küchenuhren im Dorfladen eines Somons im Uwurkhangai, wenn es kein Mehl, keine Seife oder kein Schreibheft gibt ?

Auch die eindrucksvollen Fotos, davon vier über Doppelseiten ausgebreitet, machen die Härte des Lebens in der Steppe deutlich und künden gleichzeitig von der Schönheit der mongolischen Natur. Da möchte man schon nachsehen, dass für die Welthandelsorganisation die falsche Abkürzung gewählt wurde und dass in der eingeblendeten kleinen Landkarte mongolische Ortsnamen mal deutsch, mal russisch und mal mongolisch transkribiert sind.

Für die zweite Ausgabe des voluminösen Magazins ist die nächste Geschichte aus Zentralasien angekündigt, diesmal aus Tadschikistan. Für Marcus Benzmann, der seinen Schwerpunkt in dieser Region gewählt hat, liegen in der Mongolei noch viele Themen auf der Steppenpiste. Da möchte man schon nachsehen, dass für die Welthandelsorganisation die falsche Abkürzung gewählt wurde und dass in der eingeblendeten kleinen Landkarte mongolische Ortsnamen mal deutsch, mal russisch und mal mongolisch transkribiert sind.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(November 2000)


   

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Last Update: 10. September 2006