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Mäusejagd in der mongolischen Halbwüste

von Brit Beneke


Dr. Ingo Stürmer jagt Wüstenrennmäuse (c) briti bay

Von Mitte Juli bis Ende August diesen Jahres unternimmt eine Gruppe von WissenschaftlerInnen der Georg-August-Universität Göttingen eine Forschungsexpedition in die Mongolei. Untersuchungsobjekt ist vorwiegend die Mongolische Wüstenrennmaus (Meriones unguiculatus).

Der Leiter der Exkursion, Dr. rer. nat. Ingo Stürmer, arbeitet in Göttingen im Bereich Humanmedizin in der Forschungsgruppe Stimme und Sinnesentwicklung.

Was treibt einen Humanmediziner in die Steppe, um Mäuse zu jagen? Die Geschichte begann eigentlich 1935, als in der Mandschurei Wüstenrennmäuse gefangen wurden, die in die USA gelangten. Dort züchtete ein Institut aus deren Nachfahren Labormäuse, die an alle möglichen Institute zum Forschen und Quälen verkauft wurden. Von diesem Institut kamen 1954 Mäuse an europäische Institute und so wohl auch an die Göttinger Uni.

Die nun schon seit Generationen in Gefangenschaft lebenden Tiere veränderten sich. Infolge der Domestikation verringerten sich die Hirngröße, die Größe der Augäpfel, das Gewicht der Lunge und des Herzens im Vergleich zum wildlebenden Vorfahren. Diese Veränderungen möchte die Forschungsgruppe untersuchen.

An den Mäusen ist die Forschungsgruppe Stimme und Sinnesentwicklung interessiert, weil diese Mausart eine ähnlich tieffrequente Wahrnehmung akustischer Signale hat wie der Mensch. Das ist bei Tieren äußerst selten.

1995 weilte Dr. Stürmer 17 Tage in der Mongolei, fing dabei 80 Mongolische Wüstenrennmäuse und nahm sie mit nach Deutschland. Seit dem verunsichern sie das Labor im Institut, weil sie viel gewandter im Entkommen aus den Käfigen sind als ihre domestizierten Verwandten. Doch schon einige Generationen ihre Nachfahren weisen eine Entwicklung zum „Labormaustyp" hin.

Die Expedition in diesem Jahr will in der mongolischen Halbwüste über einen West-Ost-Streifen von 2000 km Länge Fallen aufstellen. Untersucht wird alles, was in die Fallen gerät. Dadurch sollen aktuelle Umweltdaten der mongolischen Halbwüste erhoben werden. Löblich: 50% des wissenschaftlichen Equipments, welches die Deutschen mitbringen, bleibt nach der Exkursion für die Ulan Batorer Uni, die an dieser Untersuchung selbstverständlich beteiligt ist, zurück.

Auch Wissenschaftler aus anderen Bereichen sind an der Exkursion interessiert. So ist eine Zusammenarbeit mit dem Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin in Planung.

Unter anderem soll herausgefunden werden, was diese Maus in der Wildnis wirklich frisst. Einige Mäuse werden gleich vor Ort zerlegt, um ihre einzelnen Organe einer Gewichtsmessung unterziehen zu können. Die anderen Mäuse kommen mit nach Göttingen.

Also: Mongolische Wüstenrennmäuse, wenn Euch das Leben in freier Wildbahn gefällt, dann schaut im Sommer in keine kleinen Kästen hinein!

Informationen unter www.sinnesentwicklung.de


   

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Last Update: 10. September 2006