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Meine Reise in die Mongolei

von Manfred Müller

Dieses Land ist eines jener ungewöhnlichen Länder, die fast jeder nur in Verbindung mit einem Klischee kennt: Es drängen sich Bilder wilder, blutrünstiger Horden von Reiternomaden auf. Chingis Chan ist das Erste, was den meisten bei diesem Land einfällt.

Es steckt mehr dahinter.

Ich möchte Ihnen dieses faszinierende Land etwas näher bringen.

Politisches System:

Parlamentarische Republik; Verfassung von 1992. Staatsoberhaupt: für 4 Jahre vom Volk gewählte Präsident (seit 1997 Nazagijn Bagabandi). Parlament: Großer Staatshural mit 76 Abgeordneten, welches alle 4 Jahre vom Volk gewählt wird. Das Parlament bestimmt den Premierminister und die Minister. Parteien: Mongolische Nationaldemokratische Partei, Mongolische Revolutionären Volkspartei, Mongolische Sozialdemokratische Partei und Mongolische vereinigte Traditionelle Partei. Das Staatsgebiet ist in Aimaks gegliedert. Ein Aimak besteht aus mehreren Somonen. Ein Somon setzt sich aus mehreren Bags zusammen.

Wirtschaft, Verkehr: Die Mongolei ist ein Agrarindustriestaat. Das Wirtschaftssystem befindet sich in der Übergangsphase von einer zentral gelenkten Planwirtschaft zu einem marktwirtschaftlichen System. Hauptexportprodukte sind Kaschmir, Fleisch, Häute, Felle, Kupfer- und Kupferkonzentrate, Molybdän, Baumaterial, Gold und Kohle. Die Transsibirische Eisenbahn führt von Irkutsk nach Peking durch die Mongolei. Die Bahn in der Mongolei verfügt nur über wenige Stichstrecken in die Industriezentren. In fast jedem Aimak-Zetrum gibt es einen regional Flugplatz. Internationaler Flugplatz ist Bujant Uchaa ca. 17 km westlich von Ulaanbaatar.

Bevölkerung:

85% der Bevölkerung sind Mongolen, davon der größte Teil Chalcha-Mongolen. Weitere mongolische Volksgruppen sind die Bajat, die Burjat, die Dariganga, die Dsachtschin, die Durwut, die Öölt und die Torgut. Die wichtigsten nicht mongolischen Minderheiten sind mit ca. 7% die Kasachen, die ebenso wie die Urianchaj (ca. 1,3%) zu den Turkvölkern zählen. Die größten Ausländergruppen bilden die Russen und Chinesen. In den letzten Jahren verlassen viele Kassachen die Mongolei und siedeln in die Republik Kassachstan um. Der Anteil der Stadtbevölkerung liegt bei 52 %.Das Bevölkerungswachstum beträgt 1,64 %. Die verbreitetste Religion ist der tibetische Buddhismus. In den letzten Jahren gewannen besonders in den großen Städten auch christliche Missionare an Einfluß. Die Kasachen sind überwiegend Moslems. Fast 52 % der Bevölkerung sind unter 20 Jahren alt. Schulpflicht besteht von 8-18 Jahren.

Landesnatur:

Die Mongolei ist ein überwiegend abflußloses Hochland. Es erstreckt sich Norden von dem Nadelwaldgürtel der sibirischen Taiga bis zum asiatischen Wüstengürtel im Süden. Das großräumige Hochland ist im Westen von Gebirgssystemen begrenzt und umschlossen. 85% der Fläche liegen mehr als 1.000 m über dem Meeresspiegel. Auch im Südosten halten Gebirge klimamildernde Einflüsse ab. Die Mongolei hat ein extremes Kontinentalklima mit außerordentlich kalten und trockenen Wintern. Schnee fällt selten. Zwischen Oktober und März verhindert ein langanhaltenes Hochdruckgebiet über der nördlichen Mongolei den Zugang von warmfeuchter Luft. Die mittleren Januartemperaturen liegen in der Regel bei minus 20 Grad Celsius. In manchen tiefer gelegenen Gebieten können Temperaturen bis minus 50 Grad auftreten. Der Boden ist im Winter tief gefroren, da die Niederschläge in Form von Schnee fast ganz fehlen. Der kurze Sommer mit seinen warmen Tagen aber auch kühlen Nächten - die mittlere Julitemperatur beträgt zwischen 18 Grad Celsius im Norden und 26 Grad im Süden - vermag den Boden nur oberflächlich aufzutauen. Nirgendwo sonst in der Welt erstreckt sich der Dauerfrostboden so weit nach Süden wie in der Mongolei, wo er bis südlich von Ulaanbaatar reicht. Ulaanbaatar liegt breitengradmäßig südlicher als München. Der Süden der Mongolei etwa befindet sich auf dem gleichen Breitengrad wie die französische Riviera. Von Norden nach Süden nehmen die Niederschläge und damit auch die Üppigkeit der Vegetation ab. Nur im Norden kann man in bescheidenem Umfang Landwirtschaft betreiben. Die Gebirge haben dort in der Höhe eine alpine Flora. Am Fuße wachsen Nadelwälder mit Fichten-, Tannen und Kiefernarten. Daran schließt sich in südlicher Richtung eine Waldsteppe an, die nach Süden hin erst in eine Steppe, dann in eine Wüstensteppe übergeht, immer karger wird und schließlich ganz in eine Wüste, in die Gobi, endet. Die Abgeschiedenheit und Unzugänglichkeit des Landes bewirkte, daß eine reiche Tierwelt erhalten blieb.

Woher kam mein Interesse für dieses so faszinierende Land?

So mir nichts, dir nichts, reist man nicht in die Mongolei. Ist es doch (zum Glück) kein einfaches Reiseland.

1995 fand im Lindenmuseum in Stuttgart eine Ausstellung über die Erben der Seidenstrasse statt. Das Lindenmuseum ist eins der renomiertesten Völkerkundemuseen in Deutschland.

Im Museum war eine Jurte aufgebaut. Dieses mobile Haus der Nomaden ist auf der Welt einzigartig.

Der kirgisische Schriftsteller Chingis Aitmatow, bekannt durch seine Erzählung „Dshamilja", schreibt 1993 „Die Jurte stellt eine der grossartigsten und dauerhaftesten architektonischen Bauten in der Wohnkultur der Menschheit dar. Im Verlauf vieler Jahrhunderte war die Jurte so gut wie keiner Evolution ausgesetzt. Die Zweckmässigkeit ihrer Konstruktion hat sich als äußerst langlebig erwiesen."

Mich begeisterte das Bauprinzip dieses mobilen Hauses. Innerhalb kurzer Zeit lässt sich dieses Haus auf- und wieder abbauen. Die runde Form der Jurte gibt eine sehr harmonisches Gefühl.

Wieder zu Hause nahm ich mir vor, eine Jurte zu bauen!?

Damit begann die Forscherei nach Informationen aus allen möglichen Quellen. Ich suchte nach Büchern, ich hielt nach Fernsehberichten Ausschau. Ich fing an zu bauen. Die ersten Versionen fielen sehr schlecht aus. In manchen Bereichen der Herstellung gab es noch Probleme.

Irgendwann kam im Fernsehen ein Bericht über die Mongolei. Dort wurde u.a. der Auf- und Abbau einer Jurte gezeigt. Aus diesem Bericht konnte ich mir die letzten notwendigen Information holen.

Der anschliessende Neubau meiner Jurte konnte ich erfolgreich abschliessen.

Durch die sehr intensive Suche nach Informationen über Jurten, speziell über die Jurten der Mongolen, war mein Interesse für die Mongolei geweckt.

Um noch mehr Hintergrundinformationen über dieses Land zu erhalten, trat ich der „Deutsch-Mongolischen-Gesellschaft" bei. Diese Vereinigung arbeitet auf wissenschaftlichem Niveau. Die „Deutsch-Mongolische-Gesellschaft" führt auch Reisen in die Mongolei durch. Ich fing an auf eine Reise in die Mongolei zu sparen. Bis 2001 sollte es geschafft sein.

Die mongolische Sprache

Reisen bedeutet für mich nicht nur in ein Land zu fahren und sich als „normaler" Tourist zu verhalten. Sich von Punkt zu Punkt fahren zu lassen und sich alles mundgerecht vorsetzten zu lassen.

Ich wollte mehr. Für mich ist bewusstes Reisen sehr wichtig. Das heisst auch Integration ins Land.

Um ein Volk zu verstehen, muß man seine Sprache kennen. Soweit es eben geht. Diese Devise lies mir nur eine Möglichkeit offen. Ich mußte die mongolische Sprache erlernen. Nur wurde an keiner VHS ein Sprachkurs angeboten. Aber Aufgeben galt nicht. Ich schickte an die VHS in Freiburg ein Mail mit der Bitte doch ein Sprachkurs in Mongolisch anzubieten.

Nach ein paar Tagen rief mich eine Mitarbeiterin der VHS Freiburg an.

Sie erzählte von einem mongolischen Studenten. Dieser habe Interesse als Mongolisch-Lehrer zu arbeiten. Nach einigen Wochen fand ein erstes Treffen statt.

In sehr unregelmässigen Abständen trafen wir uns, um mongolisch zu lernen. Der Student, Enhtaiwan, mußte selbst sehr viel lernen, doch er konnte mir die Grundkentnisse der Sprache vermitteln.

Nach einigen Monaten musste er nach Stuttgart umziehen. Und ich hatte keinen Lehrer mehr.

Was tun? Jetzt kam das Internet zum Einsatz. Über das Internet konnte ich mir nach einigem Suchen die nötigen Wörterbücher besorgen. In der Universitätsbibliothek in Freiburg konnte ich mir das Lehrbuch der Mongolischen Sprache kopieren.

Im Selbststudium machte ich mich daran die Grammatik zu erlernen. Das schreiben der kyrillischen Schrift machte mir keine Probleme.

Jetzt fehlten nur noch Kontakte, um das Gelernte anzuwenden. Über Internet fand ich Mongolen, mit denen ich kommunizieren konnte.

Ich erhielt viele mails auf Mongolisch. Ich war viele Stunden am Übersetzen.

Die mongolischen Studenten aus Freiburg konnte ich auch einige Male in meine inzwischen fertiggestellte Jurte einladen. Bei landestypischem Essen wurde in der Jurte Party gefeiert.

Durch das Internet und die „Deutsch-Mongolische-Gesellschaft" konnte ich einige Mongolen kennenlernen, die sich in Deutschland aufhielten, um zu arbeiten oder zu studieren. Einige dieser Mongolen fuhren wieder in die Heimat zurück. Ich wurde gebeten, sie in meinem Urlaub zu besuchen. Dieser „Familienanschluss" gab mir die Möglichkeit an die „Basis" zu kommen. Ich kam dadurch in die Familien hinein. Was gibt es für eine bessere Möglichkeit ein Land und seine Menschen kennenzulernen? Wenn man dann die Landessprache ein wenig beherrscht, stehen die Türen offen.

Die Suche nach einem Reiseveranstalter

In einem Land, indem ca. 3 Millionen Pferde leben, bot sich eine Reise mit Pferden förmlich an. Nur reiten konnte ich nicht. Noch nicht! Im Sommer 2000 meldete ich mich in einer Reitschule an. Nach 25 Reitstunden und einigen Stürzen war ich soweit sattelfest.

Parallel dazu war ich auf der Suche nach einem Reiseveranstalter.

Das Internet bot mir viele Möglichkeiten nach einem Reiseveranstalter zu suchen. Ich fand erstaunlich viele Reiseveranstalter. In der Mongolei sehr viele. Einige in Deutschland und in der Schweiz. Da war die Auswahl sehr schwer.

Ich lies mir über den Postweg Angebote aus der Mongolei kommen. Über Internet nahm ich Kontakt mit verschiedenen europäischen Reiseveranstaltern auf. Nichts sprach mich an.

In der Schweiz fand ich dann doch einen Reiseveranstalter, der mich überzeugte.

Es handelte sich um Trek-Mongolia

Ich möchte Ihnen kurz Trek-Mongolia vorstellen:

Als Frischluft-Fanatiker, Pferdefreunde und sportbegeisterte Naturliebhaber unterbrachen Christian Wolff (35), als Personalberater tätig, und Mireille Musy (32), kaufmännische Angestellte, ihre beruflichen Aktivitäten mehrmals für längere Trips rund um die Welt. Ihre Trekking-Reisen führten sie ins Himalajagebirge und nach Australien - besonders angetan hat die beiden Weltenbummler jedoch die weiten Steppen und die derbe Schönheit der Mongolei.

Die Erlebnisse während dieser Reisen veranlassten Mireille und Christian, ihre bereichernden Erfahrungen auch anderen Menschen zugänglich zu machen. Dank der wertvollen Kontakte, welche sie in der Mongolei erschlossen, konnten sie 1999 TrekMongolia gründen.

Ziel dieser Gruppenreisen ist es, durch aktiven Urlaub im Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung, ein Land mitsamt seinen Kulturen und Traditionen kennen zu lernen.

Neben der Ausübung ihrer sportlichen Aktivitäten ging es Mireille und Christian darum, einen Beitrag an Projekten zu leisten, welche für die einheimische Bevölkerung neue und lebenswichtige Einkommensquellen schaffen - beispielsweise die Herstellung von Seife und die Produktion von Käse. Kapitalbeschaffung zur Erhaltung des Hovsgol National Parks ist ebenfalls wichtig, und besonders hohe Priorität hat die Organisation der Sammlung und Entsorgung von Abfall.

Die Mongolei hat dem Tourismus ihre Tore erst vor wenigen Jahren geöffnet. Es gehört zur Philosophie von TrekMongolia, umweltbewussten Menschen, die an fernen Kulturen und Bräuchen interessiert sind, die Faszination einer weitgehend unberührten Landschaft zu erschliessen. Die Mongolei bietet eine aussergewöhnliche Erfahrung wie auch die Möglichkeit, dem oft zu hektischen und schnellebigen Alltag der modernen Welt zu entgehen.

Mit Trek-Mongolia entwickelte sich ein reger e-mail Kontakt. Wir vereinbarten ein Treffen in der Schweiz. Dort konnten wir uns gegenseitig näher kennenlernen, die Reise noch einmal in Details besprechen, mongolische Musik hören, vom Fernweh träumen, sich mental auf die bevorstehende Reise einstellen. Vorgesehen war eine 11tägige Reise zu Pferde am Howsgol-See .

Es wurde vereinbart, dass ich mich selbst um die Flüge kümmern sollte.

Es war ein Flug von Berlin über Moskau nach Ulaanbaatar mit der landeseigenen Fluggesellschaft MIAT vorgesehen. Ein Hinflug zum erforderlichen Termin war zu bekommen. Die Rückflüge waren leider alle ausgebucht. Als zweite Möglichkeit bot sich ein Flug mit Air-China an. Die Flugtickets konnte ich über Internet ordern. Mit Air-China mußte ich einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. Der Flug ging von Frankfurt nach Peking. Dort mußte das Flugzeug gewechselt werden. Den Rest der Strecke war mit MIAT von Peking aus nach Ulaanbaatar in Angriff zu nehmen.

Die nächste Hürde war die Beschaffung des Visums. Innerhalb von 7 Tagen kam das Visum aus Berlin zurück.

Nach Erhalt des Visums waren es noch 46 Tage bis zur Abreise.

Beginn der Reise

24.07. - 27.07.01

Abflug in Frankfurt um 17:20 Uhr. Ankunft in Ulaanbaatar am 25.07. um 16:30 Uhr.

Am Flughafen wurde ich von der Dolmetscherin der Howsgol-Travel-Companie abgeholt.

Einige meiner mongolischen Bekannten erwarteten mich ebenfalls am Flughafen. Wir wurden mit einem Fahrzeug der Howsgol-Travel-Companie vom Flughafen in die Stadt gefahren. Die Stadt bot ein Bild, wie man es aus dem Osten Deutschlands kennt. Viele „Sozialistische Plattenbauten" Je älter der Sozialismus wurde, umso dünner wurden die Wände der Häuser. Zwischen den Plattenbauten, gruppieren sich hier und da traditionelle Jurten.

Nach einem gemeinsamen Essen nahmen unser Quartier im „Guesthouse" ein. Die Übernachtung ohne Frühstück für vier Dollar. Es handelte sich um eine Wohnung, in der sechs Doppelbetten standen. Überwiegend junge Europäer übernachteten in diesem Guesthouse.

In den Tagen bis zum 27.07. besichtigten wir die Stadt. Es galt viele Museen zu besuchen; Pflichtprogramm.

28.07.- 29.07.01

Mit meiner Bekannten Bayarmaa verabredeten wir uns am Samstagmorgen.

Es war eine Fahrt zum geographischen Mittelpunkt des Landes, nach Kara Korum, vorgesehen. Die Entfernung in die alte Hauptstadt Chingis Chans betrug 365 km.

In der Nähe von Kara Korum leben die Eltern von Bayarmaa. Ihre Tochter war zu diesem Zeitpunkt bei der Oma.

Die 365 km wurden im Privat PKW zurückgelegt. Die gesamte Strecke ist seit 1999 geteert. Durch den harten Winter (- 40°) ist die Straße an vielen Stellen beschädigt. Das heißt, Bayarmaa mußte oft den Schlaglöchern ausweichen. 30 km vor unserem Ziel sahen wir rechts der Straße auf einem kleinen Hügel eine Jeep stehen. Bayarmaa erkannte sofort das Fahrzeug ihrer Eltern. Wir verliesen die Straße und fuhren über Steppenboden auf den kleinen Hügel.

Herzliche Begrüßung der Eltern, des Bruders und der Schwester von Bayarmaa. Selbstverständliche Einladung zum Essen und Trinken. Das heißt: vergorene Stutenmilch, Schaffleisch, Schafskäse, Wodka.

Anschließend fuhren wir gemeinsam zum in der Nähe stattfindenden Polo-Spiel. Sehr viele Mongolen schauten sich das Spektakel an. Wir zwei „Ausländer" fühlten uns unter den Nomaden sehr wohl. Die umliegenden Steppenhügel waren von Jurten übersäät. Viele Lastwagen standen Reihe in Reihe. In jedem gab es etwas anderes für den täglichen Bedarf. Ein Markt mitten in den Weiten der Steppe der Mongolei. Nach dem Spiel, das Abendlicht schluckte bereits den Staub der Steppe, fuhren wir weiter zur Jurte von Bayarmaas Eltern. Dort angekommen, mußten wir wieder viel essen und trinken. Also zum Abnehmen bestand keine Chance. Wir beide durften in der Jurte auf dem Ehrenplatz sitzen. Wir wurden nach dem Woher und nach dem Wohin gefragt. Es kamen immer wieder Mongolen in die Jurte, um mit uns zu sprechen. Einer der Besucher stellte sich als ehemaliger Deutsch-Student heraus. Er hatte früher in der DDR studiert. Ein wenig Deutsch konnte er noch. Die Freude war auf beiden Seiten sehr groß. Spät nahmen wir unsere Schlafplätze im Zelt ein. Bayarmaa hatte für uns ein Zelt organisiert.

Nach dem Frühstück fuhren wir mit Bayarmaa zu einem Pferderennen,daß in der Nähe von Kara Korum stattfand. Die Länge der Rennstrecke betrug 23 km. Die Reiter 12 Jahre alt. Mit anderen Worten: 12-jährige Kinder galoppierten über 23 km so schnell es ging. Jeder wollte der Erste im Ziel sein. Die Jockeys mußten zuerst vom Ziel aus die 23 km im Schritt zurücklegen. Begleitet wurden sie vom jeweiligen Züchter des Rennpferdes. Am Start angekommen wurde gewendet und das Rennen begann. Die Jockeys gaben bis zum Schluß alles. Es ist erstaunlich was die kleinen Reiter und ihre Pferde leisten.

Nach dem Pferderennen fuhren wir weiter nach Kara-Korum. Kara-Korum wurde 1220 als Hauptstadt des mongolischen Großreiches gegründet. Es liegt auf 1500 m Höhe. Wilhelm von Rubruk, ein Franziskanermönch hielt sich im Jahre 1253/54 etwa sechs Monate in Kara-Korum auf. Er überlieferte in seinem Reisebericht ein umfassendes Bild vom Leben in der mongolischen Hauptstadt dieser Zeit. So berichtet er u.a., daß am Hof von Kara-Korum unterschiedliche Religionen friedlich miteinander lebten. 1371 wurde die Hauptstadt von einem großen chinesischen Heer ausgelöscht. 1586 entstand aus den Trümmern der zerstörten Hauptstadt das erste lamaistische Kloster der Mongolei Erdene Zuu. Es sollen bis zu 10.000 Lamas dort gelebt haben. Mit Deutscher Hilfe werden im Moment die Reste Kara-Korums ausgegraben. Im Juli 2000 begannen die Grabungen durch das Deutsche Archäologische Institut und der Universität Bonn.

Nach der Besichtigung von Kara-Korum fuhren wir weiter zu den nächsten Verwandten von Bayarmaa. Diese leben in der Nähe von Kara-Korum auf 1700 m Höhe. Am späten Nachmittag wurde ein Schaf geschlachtet. Ich durfte (oder mußte) Schafskopf essen. Zugegeben, ein ungewöhnliches Essen. Mit drei Schalen Stutenmilch war das kein Problem für mich. Am Abend wurden wir mit dem traditionellen Milchsegen verabschiedet. Wir fuhren die 365 km durch die Nacht hindurch nach Ulaanbaatar zurück. Morgens um 3:30 Uhr kamen wir an. Übernachtet wurde bei Bayarmaa zu Hause. Am folgenden Tag sollte der zweite Teil unser Mongoleireise beginnen.

30.07.01

Bayarmaa brachte uns am Montagmorgen zum Flughafen in Ulaanbaatar. Wir flogen in die 680 km entfernte Stadt Mörön im Norden der Mongolei. Mörön liegt auf 1283 m Höhe.

Als „Transportmittel" hatten wir ein zweimotoriges Propellerflugzeug. Um 13.25 Uhr kamen die Propeller auf Touren. Es war in dem kleinen Flugzeug sehr warm. Wir wurden von der Stewardess auf mongolisch begrüßt. Der Start verlief planmäßig. In 1.5 Stunden wollten wir unser Ziel erreichen. Im Flugzeug bestellte ich für mich und Steven auf mongolisch Rotwein. Bid ulaan dars uumaar baina. 14:15 Uhr setzte das Flugzeug zur Landung an. Eigentlich zu früh. Das Ziel konnte das nicht sein. Es handelte sich um die Stadt Bulgan. Wir setzen auf einer Graspiste auf. Das Wetter war zum Glück gut. Tenger saihan baisan. Um 14:30 Uhr starteten wir wieder. Wohlbehalten kamen wir in Mörön an. Diese Provinzhauptstadt zeigt von der Architektur her sibirischen Charakter. Wir legten eine Mittagspause ein. Danach besorgte ich mir im Delguur (Tante-Emma-Laden) noch ein notwendiges Handtuch. Tanaig gariig altschuur bii juu? Yamar untei we? Das klappte wunderbar. Ich erhielt mein Handtuch.

Von Mörön aus mußten wir den Howsgol-See erreichen. Das war nur mit einem Allradfahrzeug zu schaffen. Um 16:00 Uhr ging die Fahrt mit zwei kleinen Allradbussen über 150 km los. Eine Fahrt über Feld-und Wiesenwege. Übersäät mit Schlaglöchern.

Die Fahrer nahmen wenig Rücksicht auf ihr Auto. Noch weniger Rücksicht wurde auf die Insassen genommen. Mit durchschnittlich 70km/h rauschte der Allradbuss über die schlechten Wege. Wir wurden anständig durchgeschüttelt. Ständig bestand die Gefahr, daß man sich den Kopf irgendwo anstieß. Da gab es keine Hilfe; einfach sich locker machen und sich ausschultern. Die Fahrspur war Teil zweispurig. Das gab den Fahren Anlaß ein Wettfahren gegeneinander auszutragen. Irgendwann, es war gegen 22.00 Uhr, kamen wir an unserem Tagesziel, dem Howsgol-See an.

Dieser mit 2620 qkm zweitgrößte See der Mongolei liegt in 1624 m Höhe. Mit 262 m ist der See der tiefste in Zentralasien. Die in ihm gespeicherten Süßwasserreserven belaufen sich auf 317 Kubikkilometer. Das Wasser des Sees ist so klar, daß man bei guten Licht bis zu 24 m in die Tiefe schauen kann.

Im Lager Toilogt, unserem Basislager am See, wurden wir schon von unseren Reiseveranstaltern aus der Schweiz Mireille und Christian und Franziska erwartet. Die Wiedersehensfreude war groß.

Toilogt ist im Grunde ein Touristen-Camp. Zwölf 3-Bett-Touristen-Jurten stehen in einer reizvollen Landschaft am See. Ein Restaurant ist in einer sehr großen Holz-Jurte untergebracht. Im Lager gibt es Duschen, Waschräume, Toiletten. Wasser wird dazu aus dem naheliegenden See ins Lager gepumpt.

Um 2:00 Uhr in der Nacht bezogen wir unsere Jurte.

31.07.01

Der heutige Tag war von einer kleinen Reittour bestimmt. Nach dem Mittagessen ging es los. Das Wetter war am Nachmittag schön. Odoo zag agaar saihan baina.

Die Pferde wurden auf uns Touristen aufgeteilt. Es gab eine gründliche Einweisung über das Verhalten auf mongolischen Pferden. Der Ritt dauerte 1,5 Stunden. Das Gelände bot alle möglichen Schwierigkeiten. Unsere Reiseveranstalter checkten bei diesem kleinen Ausritt das reiterliche Können der Teilnehmer ab. Alle waren zufrieden. Es fiel niemand vom Pferd.

Am Abend fand in der großen Holzjurte ein Kulturabend statt.

01.08.01

1. Treking-Tag

Um 11:00 Uhr konnten wir zusammen losreiten. Ich erhielt eine anderes Pferd; ein kräftigeres und größeres.

Die Reisegruppe bestand aus 5 Touristen, (Paul, Anaig, Antoniette, mich und Steven), unsere Führer Mireille und Franziska. Und unsere mongolische Begleitmannschaft (zwei Köche; eine Dolmetscherin; 6 Mongolen, die sich um die Reitpferde und um die Packpferde kümmerten)

Wir ritten im Schritt los. Wir bewegten uns oberhalb des Sees in Richtung Norden entlang. Unser Weg führte uns immer wieder durch lichte Lärchenwälder hindurch. Immer am See entlang. Ich hielt mich meistens an der Spitze des Treks auf. So konnte ich ohne Hinderniss Traben und galoppieren. In einem Waldstück lies ich mich von der Reitfreude der vorrausreitenden Mongolen anstecken. Im schnellen Trab ging es zwischen den Bäumen hindurch. Ich mußte dabei einigen tiefhängenden Ästen ausweichen. Daß sah wohl sehr spektakulär aus. Auf jeden Fall entstand hinter mir ein lautes Rufen. Daraufhin wendete ich mein Pferd und rief laut: „Yasan be?" „Was ist los?" Die Mongolen lachten daraufhin sehr freundlich.

Am ersten Tag sind wir sechs Stunden geritten. Abends war das Lager schnell aufgebaut. Zu essen gab es reichlich. Die Nacht war ruhig.

02.08.01

2. Treking-Tag

Um 7:00 Uhr wurde ich im Zelt wach. Im Howsgol-See wusch ich mich. Das Wasser war vedammt kalt. Nach dem Frühstück setzte ich mich an die Klippen des Sees. Der Himmel ist leider bewölkt. Die Sonne schickte ihre spärlichen Strahlen durch die wenigen Wolkenlöcher. Nach dem Aufsatteln der Pferde und dem Bepacken der Packpferde hieß es aufsitzen.

Am 2. Tag hatten wir „Einheitswetter". Den ganzen Tag hatte es geregnet. Boroo orj baisan. Am Abend waren wir alle mit dem trocknen unserer Kleider, mit essen und trinken beschäftigt.

03.08.01

3. Treking-Tag

Dieser Tag versprach besseres Wetter. Es regnete nicht mehr. Wir ritten ein letztes Stück am See entlang. Am See trafen wir auf eine Familie. Sie hatten sich eine kleine Blockhütte gebaut. Hier gab es frischen Tee und Käse. Das tat gut. Von dort aus verließen wir den See. Es ging in die Berge hinein. Durch sehr nasses Gebiet.

Das Wetter blieb wenigstens von oben trocken.

Die Sonne schien. Das ermunterte uns, uns mit Lärchenzapfen zu bewerfen. Das war zur gleichen Zeit eine gute reiterliche Übung. Im Trab sich im Sattel in alle möglichen Richtungen beugen, um den herangeflogenen Lärchenzapfen auszuweichen.

Am Abend kamen wir in einem sehr schönen Tal an. Um 2:00 Uhr kam ich in meinen Schlafsack.

04.08.01

4. Treking-Tag

Um 7.00 Uhr aufgestanden. Das Wetter sieht leider schlecht aus. Dicke Nebelschwaden hängen im Tal. Die Mongolen haben in dieser Nässe frühmorgens schon wieder ein Feuer gemacht. Nach dem Frühstück nahmen wir in unserer Regenkleidung im Pferdesattel Platz. Den ganzen Tag hatte es geregnet.

Am Abend wurde im Regen von den Mongolen ein Zelt aufgestellt. Sie holten aus dem nahen Wald 4- 5 m lange Lärchenstangen und banden sie zu einem Zelt zusammen. Es wurde mit der mitgebrachten Folie abgedeckt. Das Kochen fand heute in diesem kleinen, aber trockenen, Zelt statt. Wir versammelten uns alle im Zelt. Notdürftig konnten wir unsere Kleider trocknen. Zeitig suchte ich meinen Schlafsack auf.

05.08.01

5. Treking-Tag

Um 8:00 Uhr wurde ich wach. Nach dem Aufstehen hörte ich seit mehreren Tagen wieder das Zirpen einer Heuschrecke. Das sollte ein gutes Zeichen sein. Das Wetter zeigte sich wirklich freundlicher. Nartai baina. Nach dem Frühstück hieß es wieder aufsitzen. Heute ohne Regenkleidung. Es ging durch Wälder, viele Flüsse. In einem Fluß trat meine Pferd mit der linken Vorderhand in ein Loch im Flußbett. Wir beide kamen kurz ins Straucheln. Beide, Pferd und Reiter, reagierten richtig. Dadurch blieb ich trocken. Ich fiel nicht in den Fluß. Das hätte sonst die ganze Gruppe aufgehalten. Feuer machen, alle nassen Kleider ausziehen und trocknen.

Am Vormittag kamen wir auf offenes Gelände. Mireille, unsere Reiseleiterin, animierte uns zu einem herzhaften Galopp. Das war herrlich. Im leichten Sitz, in einer atemberaubenden Geschwindigkeit, über die Steppe galoppieren. Kein Hindernis konnte mich aufhalten. Kein Zaun weit und breit. Nur weite, offene Landschaft. Einfach herrlich. Die „Enge" Europas lies ich weit hinter mir.

Am frühen Nachmittag kamen wir auf einer Hochebene an, 1560 m hoch. Alles ganz flach, ringsum von hohen Bergen umgeben. Man könnte hier bis zum Horizont ohne Unterlass galoppieren. Wir galoppierten wenigstens bis zur nächsten Familie. Das war auf dem Trek bis jetzt die längste Strecke, die ich galoppiert war. Der Boden war mit Löchern der Murmeltierbauten übersät. Es hieß also aufpassen, damit mein Pferd sich nicht das Bein brach. Aber hier bewährte sich wieder die Erfahrung meines Pferdes. Es erkannte von selbst wo ein Durchkommen war.

Die angesteuerte Familie lebt in einem kleinen Holzhaus. Dort gab es wieder reichlich zu essen und zu trinken. Ih saihan amttai bailaa. Es hat sehr gut geschmeckt. Die Kinder schauten sich die Ausländer wieder sehr genau an. Kein Problem. Ein kurzer Blickkontakt, ein Lächeln und schon war das Eis gebrochen. Hinter dem Haus waren zwei Jungs mit Brennholz sägen beschäftigt. Mit einer Handsäge erledigten die beiden ihre Arbeit sehr gut und schnell.

Die Packpferde wurden abgeladen, alle halfen beim Aufstellen der Zelte mit. Unsere Köchin, Doogi, hatte schon wieder ein Essen parat.

Danach war ein Bad im Nahen Fluß angesagt. Im eiskalten Wasser konnte ich den Staub der letzten Tage abwaschen.

Am Abend hatten die Mongolen schon wieder ein Zelt aus mehren Lärchenstangen gebaut. Im Nu brannte in der Mitte ein Feuer. Bei Salztee (Suutai zai) und Wodka erlebten wir einen sehr schönen Abend. Es wurde viel gesungen. Die Mongolen singen sehr gerne. Ich habe noch nie Menschen erlebt, die mit solcher Inbrunst Heimatlieder singen. Um 1:30 Uhr war ich im Bett. Ein herrlicher Sternenhimmel wies mir den Weg ins Zelt.

06.08.01

6. Treking-Tag

Das Wetter sieht wieder gut aus; wenig Wolken am Himmel. Unsere Gruppe trennt sich heute. Anaig und Antoniette reiten mit Mireille, einem der Köche und zwei Mongolen weiter hoch in den Norden.

Wir werden in Richtung Südosten weiterreiten. Es gilt zwei Pässe zu überqueren.

Jetzt gab es erst einmal ein gemeinsames Frühstück. Von den Nomaden erhielten wir Jogurt aus Jak-Milch. Ein besseres Jogurt habe ich in meinem Leben noch nicht gegessen. Super lecker.

Nach dem gemeinsamen Zusammenpacken verabschiedeten wir uns von den Nomaden. Wir bedankten uns mit Geschenken für die Gastfreundschaft. Ich lies Dalai Lama Bilder und Medikamente zurück.

Einer der mongolischen Begleitmannschaft war an diesem Tag nicht einsatzfähig. Er hatte am Abend zuvor zuviel Wodka getrunken. Er lag besinnungslos vor dem Haus. Kein Regung war bei ihm festzustellen. Wir mußten ihn zurücklassen. Er kam dann einen Tag später nach.

Unser Ritt ging über die große baumlose Ebene in Richtung Südosten immer auf die Berge zu. Bäume fanden wir erst, als wir näher an die Berge kamen. Gegen den späten Vormittag kam alleine eine ältere Mongolin (vielleicht 60 Jahre alt) auf ihrem Schimmel angeritten. Ich wechselte ein paar Begrüßungsformeln mit ihr. Sie war über den mongolischsprechenden Europäer sehr erstaunt. Sie ritt mit uns, bis wir unter schattenspendenden Lärchen eine Mittagspause machten, dann ritt sie wieder alleine weiter.

Nach der Pause kamen wir an einer Müllhalde vorbei. Das lies die Nähe der Stadt Rentschinlupe vermuten. Wir kehrten bei einem älteren Ehepaar ein. Dort konnten wir Suutai zai trinken und Byaslag essen. Gesalzener Milchtee und Käse. Über den Schatten in der Hütte waren alle sehr froh. Die Sonne brannte gnadenlos auf die Steppe herunter. In der Nähe von Rentschinlupe schlugen wir unser Lager auf.

Wie sah denn nun der genaue Tagesablauf beim Trek aus? Morgens um 7.00 Uhr aufstehen, Körperpflege, Frühstück, persönliches Gepäck packen, Zelte abbauen, zusammen mit den Mongolen die Packpferde beladen. Doogii, unsere Köchin war die erste, die wach war. Sie machte Feuer, holte Wasser, richtete das Frühstück, kochte Tee, richtete für jeden eine Lunchbox. Gewöhnlich konnten wir gegen 9:30 oder 10.00 Uhr losreiten. Um ca. 12.00 Uhr machten wir Pause. Jeder Teilnehmer hatte als Zwischenmahlzeit die Lunchbox, aus Thermoskannen gab es warmen Tee. Diese Lunchbox war ein wichtiger logistischer Bestandteil. In der Mittagspause konnte man schließlich nicht die Packpferde abladen, um an die Kochutensilien zu kommen.

Nach der Mittagspause waren wir bis ca. 17:00 Uhr unterwegs. Dann hieß es Packpferde abladen, Zelte aufbauen. Die Mongolen versorgten die Pferde. Doogii war dann schon wieder mit kochen beschäftigt. Nach dem gemeinsamen Abendessen war Ausruhen angesagt. Am abendlichen Lagerfeuer wurde der Tag abgeschlossen.

07.08.01

7. Treking-Tag

Und wieder lacht uns die Morgensonne ins Gesicht.

Naraa Naraa naash ir

Suuder Suuder zaashaa

Naizaa Naizaa naash ir

Nadtai hojouulaa togloi

An diesem Morgen befanden wir uns am Ende der Hochebene. Unser Ritt führte uns in den Wald hinein auf eine Anhöhe. Von dort aus konnte man in weiter Ferne unser Tagesziel sehen. Den Fuß der Berge. Unterwegs trafen wir auf eine kleine Reisegruppe. Zwei junge Europäer mit ihrem Mongolischen Führer. Sie waren schon sehr lange unterwegs und hatten nicht genügend Lebensmittel dabei. Da wir genug dabei hatten, gaben wir den drei einen Teil unserer Lebensmittel.

Vom Gelände her war an diesem Tag wieder einiges geboten. Das Highlight kam am Schluß des Tages. Wir mußten durch ein Hochmoor reiten. Hier waren wir wieder auf die Erfahrung unserer Pferde angewiesen. Manchmal sind wir ein wenig eingesunken; aber es ging alles gut. Wir erreichten am Abend den Fuß der Berge. Unser Weg führte in ein Tal hinein. Auf dem Weg zum Lagerplatz mußten wir größtenteils durch ein breites Flußbett reiten. Es wurde wieder spannend. Wer fiel als Erster ins eiskalte Wasser. Für Schadenfreude gab es keinen Anlass. Alle blieben im Sattel sitzen. An einer Flußbiegung machten wir Halt. Hier wurde das Nachtlager aufgeschlagen. 1860 m Höhe.

08.08.01

8. Treking-Tag

Wir brachen sehr zeitig auf. Es ging zuerst dem Flußbett entlang. Stetig bergauf. Nach einer Weile schlugen wir unseren Weg nach rechts ein. Wir ritten einen sehr steilen Weg nach oben; unglaublich steil. Es ist erstaunlich, was diese Pferde leisten. Wir kämpften uns auf eine Paßhöhe hinauf.

Enchee, einer der mongolischen Begleiter hatte nichts mehr zu trinken. Ich gab ihm meine Wasserflasche. Er trank sie leer. Um sie wieder aufzufüllen, lenkte er sein Pferd zum unter uns liegenden Gebirgsbach. Über eine Geröllhalde steuerte er sein Pferd den steilen Abhang hinunter und wieder hinauf. Kein leichtes Unterfangen. Die Mongolen haben ein Sprichwort: „Wer ein Pferd hat und läuft, ist selbst schuld".

Oben, auf 2300 m Höhe, war dann Mittagspause angesagt. Der Blick auf die umliegenden Berge war gigantisch. Weiter ging es den Paß hinunter in ein Flußtal. Am Fluß entlang, bis kein Weiterkommen mehr möglich war. Dann den Fluß überquert und auf der anderen Seite weiter. Beim nächsten Gebirgsbach wurde das Camp aufgeschlagen.

Es handelte sich um ein kleines Seitental. Ein kleiner Lärchenwald schmiegte sich an die Felsen. Ringsum kahle Felsen mit viel Geröll. Wir befinden auf 2150 m Höhe. Der blaue Himmel wird zum Teil von grauen Wolken verdeckt. Im Osten ziehen Gewitterwolken vorbei. Ab und zu läßt sich ein Donnerknall hören. 20:00 Uhr, Temp. 24°.

Unsere Köchin ist schon wieder fleißig.

Die Dolmetscherin diktiert mir am Abend ein mongolisches Lied. Viele Fehler hatte ich nicht!

Ajinai ajinai huleg ne.
Amgai zuuzai shagshruulna.
Agaariin duuchin shuwuud.
Araar owroor nicen ho.
Toostoi toostoi zamaar.
Towolzuulj yawna.
Toltoi mongon emeeliig,
gyalalzuulj yawna.

Ein Lied über den von den Mongolen so reich verzierten Pferdesattel.

09.08.01

9. Treking-Tag

Unser Weg führte uns wieder die Flußtäler entlang. Das Wetter war sehr heiß. Am späten Nachmittag ergab sich vom Gelände her die Möglichkeit zu galoppieren. Doogii und ich waren wieder ganz vorne mit dabei. Über die Steppe zu galoppieren ist ein sehr schönes Gefühl. Kein Zaun, der den Weg versperrt. Kein Verbotsschild. Einfach gigantisch.

In der Nacht fegte ein Gewittersturm übers Camp. Das Zelt drohte in sein Einzelteile zu zerbersten. Es hielt zum Glück stand.

10.08.01

10. Treking-Tag

An diesem Morgen hatte es geregnet. Für heute war die Überquerung von zwei kleineren Pässen angesagt. Wir starteten auf 2150 m Höhe. Unser Weg führte uns wieder durch ein Flußtal, bergauf. Nach der Paßhöhe in 2200 m wurden beim Abstieg von einem „Gewitter verfolgt" Bevor es uns einholen konnte, nahmen wir Unterschlupf in einem Viehunterstand. Hier bot sich die Gelegenheit unsere Mittagspause zu machen. Der Weg führte uns in eine wahre Traumlandschaft. Mit der Dolmetscherin und der Köchin galoppierte ich um die Wette. Im strengen Galopp ging es zwei Jurten entgegen. Dort gab es wieder gesalzenen Milchtee und fettgebackenes. In der Nähe schlugen wir unser Lager in 1900 m Höhe auf. Um einmal alleine zu sein, ritt ich mit meinem Pferd in die nahe Umgebung. Das hat sehr gut getan.

Am unseren letzten Abend wollten wir noch ein wenig feiern. Wir saßen um das Lagerfeuer herum. Der Nachthimmel zeigte sich wieder einmal von seiner schönsten Seite.

Es wurde Wodka ausgeschenkt. Jeder, der das Wodkaglas erhielt, mußte oder durfte ein Lied seiner Heimat singen. Wir Deutschen kamen dabei wieder mal sehr schlecht weg. Niemand konnte ein deutsches Heimatlied fehlerfrei singen. Ich auch nicht. Ich sang gleich die gelernten Mongolischen Lieder. Eines der Lieder konnte ich dann auch noch umdichten. Die Mongolen waren sehr zufrieden; ich auch. Der Abend war sehr schön.

11.08.01

11. Treking-Tag, letzter Tag

7:00 Uhr, ich war der erste der wach war. Ich machte zuerst einen kleinen Spaziergang in den nahen Wald, um die Ruhe zu geniessen. Die Stille wurde nur vom Fressen der Pferde gestört.

Im Lager zurück, machte ich erst einmal Feuer und holte Wasser. Es war der erste Tag, an dem ich vor der Köchin Doogii wach war. Um 7:45 Uhr kommt sie ans Feuer und fragt mich „Saihan amarsan uu?" Ich antworte „Amarhan"

„Haben sie sich gut erholt?" „Ich habe mich gut erholt".

Die Nomadin aus der nahen Jurte bringt einen Topf frische Milch vorbei. Das Frühstück war bald gerichtet.

Der Himmel im Westen war bewölkt. Im Osten, über dem nicht weit entfernten Howsgol-See, wurde es heller. Die aufgehende Sonne trieb die Wolken zur Seite. Das wunderbare Abendrot von gestern Abend versprach einen schönen Tag.

Um 10.00 Uhr waren wir auf der „Piste" Unser Weg führte uns stetig bergab. Der Howsgol-See war bald zu sehen. Die Pferde merkten, daß es nach Hause ging. Sie fielen freiwillig in einen schnelleren Schritt. Bald waren wir am See. Das Wasser schimmerte in den schönsten Blautönen. Es machte sehr großen Spaß am See entlang zu galoppieren. Ein teil der und begleitenden Mongolen hatten hier ihre Familien. Wir durften wieder viel gesalzenen Milchtee trinken.

Bei der letzten "Jurten-Station", kurz vor unserem Basislager, hatten wir ehrlich gesagt keine Lust mehr einen Halt einzulegen. Ich signalisierte Ulaana „daraa", später. Aber Ulaana kam ein energisches „odoo", jetzt, zurück. Da gab es keine Hilfe.

Nach dem Abschied ging es weiter in Richtung Toilogt, unserem Basislager. Im Galopp. Mein Pferd wurde immer schneller. Das war herrlich. Vor einem Baum wollte mein Pferd rechts herum, ich wollte links herum. Kurz vor dem Baum konnten wir beide uns einigen. Durch ein Ausweichmanöver meines Oberkörpers konnte ein Sturz verhindert werden.

Vom 12. - 15.8.01 konnten Steven und ich am See ausspannen, zum Angeln auf den See hinaus fahren usw.

15.08.01

letzter Tag in Toilogt

Heute hieß es packen. Am nächsten Tag sollte die Fahrt nach Mörön in Angriff genommen werden.

Am Abend war aber zuerst Disco angesagt. Die Party ging bis 3:00 in der Früh. Für ca. eine Stunde fanden wir noch Schlaf. Dann hieß es aufstehen und frühstücken. Um 4.00 Uhr nahmen wir Abschied vom Howsgol-See. Wir hatten mit einem Jeep 150 km über schlechte Wege zurückzulegen. Der Abflug war für 10.00 Uhr geplant.

Wir kamen um 9:30 Uhr in Mörön am Flughafen an. Das Wetter war schlecht; es regnete. Boroo orj baisan. Es sah nicht nach Flugwetter aus. Um 10.00 Uhr sollte der Abflug sein...Wir checkten das Gepäck ein...erhielten unsere Bordkarten...das sollte sich später als großer Vorteil herausstellen...unser Abflug wurde auf 12:00 Uhr verschoben. Die Maschine konnte in Ulaanbaatar wegen schlechten Wetters noch nicht starten. Noch einmal um zwei Stunden auf 14.00 Uhr verschoben. Dann auf den nächsten Tag. Machte nichts, wir hatten keine dringenden Termine. Unser Fahrer fuhr uns zum Mittagessen .

Danach brachte er uns zu einem Hotel in Mörön. Die Rechnung wurde von Howsgol-Travel-Companie übernommen.

Der Abflug in die Hauptstadt sollte dann am nächsten Tag stattfinden.

Wir bezogen unsere Zimmer im Hotel. Nichts großartiges, aber Hauptsache eine sauberes Bett. Die Wirtin des Hotels konnte nur Mongolisch, kein Englisch. So konnte ich meine mongolisch Kenntnisse anbringen. Es ging dabei in der Hauptsache um das Abendessen und um das Frühstück. Ich konnte der Wirtin klar machen, was wir essen wollten.

Am Abend unternahmen wir einen kleinen Spaziergang in die kleine Stadt. Wir fanden eine Disco. Dort tanzten wir bis 1:00 Uhr zusammen mit den Mongolen. Wir fanden schnell Kontakt. Steven mit Englisch, ich mit Mongolisch. Die jungen Menschen dort waren sehr freundlich und offen. Wir hatten nie das Gefühl, Ausländer zu sein. Es waren wunderbare Begegnungen.

16.08.01

Um 7:00 Uhr gab es das bestellte Frühstück. Unser Fahrer holte uns um 8:15 Uhr ab, um uns zum Flughafen zu bringen. Das Wetter sah an diesem Morgen freundlicher aus. Um 14.00 Uhr sollte das Flugzeug in Ulaanbaatar starten. Howsgol-Travel-Companie lud uns wieder zum Mittagessen ein. Danach wieder zurück zum Flughafen. Die Wartezeit vertrieb ich mir mit mongolisch lernen. Das merkten ein paar junge Flughafenangestellte. Und schon war wieder ein Kontakt zustande gekommen. Wir übten zusammen. Sie schrieben mir Fragen auf, ich mußte übersetzen und die Antwort formulieren. Das hat allen großen Spaß gemacht. Mittlerweile füllte sich das kleine Flughafengebäude mit Fluggästen.

Es kam dann endlich die Nachricht, daß das Flugzeug um 15:00 Uhr in der Hauptstadt gestartet war. Geplanter Abflug um 16:50 Uhr.

Die Flugzeuge, es kamen gleich zwei um alle Passagiere aufnehmen zu können, landeten um 17:00 Uhr.

Der Ansturm auf den Zugang zum Flugzeug war erwartungsgemäß stark. Unsere gestern gelösten Bordkarten verschafften uns eine schnellen Zugang. Um 18:15 Uhr drehten sich endlich die beiden Propeller der MIAT-Maschine. Um ca. 20:00 Uhr landeten wir wohlbehalten in der Hauptstadt.

Wir wurden am Flughafen von Howsgol-Travel abgeholt und zum Abschlußessen gefahren.

Die letzten Tage verbrachten wir in der Hauptstadt. Am 24.08. hieß es Abschied nehmen. Es stand uns ein langer Flug nach Deutschland bevor. Wieder mit einem Umweg über Peking.

Ich habe das Land nicht gerne verlassen.

Es gibt sicher ein Wiedersehen.

Als Schlußwort habe ich mir etwas poetisches überlegt. Es trifft, glaube ich, ganz gut meine Beziehung zu diesem faszinierenden Land.

Mongolei, mehr Tiere als Menschen,
mehr Himmel als Erde.
Mongolei, wo der Himmel
die Erde berührt.
Das Land begreifst du erst,
wenn du seine Landschaft atmest

Auf ein baldiges Wiedersehen in diesem so faszinierenden Land.

Manfred Müller


   

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Last Update: 10. September 2006