Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Naadam 2002

Renate Bormann, Ulaanbaatar


Naadam 2002

Das Wort „naadam" bedeutet „Wettkampf, Spiel, Vergnügen".

Ursprünglich bereiteten sich die Nomaden Zentralasiens mit diesem Fest, „den drei Spielen der Männer" - Ringen, Reiten, Bogenschießen - auf eine kriegerische Auseinandersetzung vor, feierten eine Fürstenhochzeit oder die Geburt eines Thronfolgers.

Seit dem 17. Jahrhundert fanden die Festspiele alle drei Jahre zu Ehren des Bogd-Gegeen, des Oberhauptes der lamaistisch-buddhistischen Kirche in der Mongolei, statt.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Naadam zum jährlichen Fest und ist heute der Nationalfeiertag der Mongolen in Erinnerung an den Sieg der mongolischen Volksrevolution im Juli 1921. Der elfte, 12. und 13. Juli sind offizielle Feiertage, die Zeremonien und Veranstaltungen anlässlich des bedeutendsten mongolischen Sommerfestes beginnen jedoch schon am 10.

In diesem Jahr steht Naadam ganz im Zeichen des 840. Geburtstages von Chinggis-Khaan, dem berühmtesten Mongolen aller Zeiten sowie des 81. Jahrestages der Volksrevolution.

Am 11. Juli, Punkt 11.00 Uhr, hat Präsident Natsagiin Bagabandi, gekleidet in einen beigefarbenen Seidendeel, die Feierlichkeiten im Zentralstadion von Ulaanbaatar eröffnet, das an diesem Tag traditionsgemäß bis auf den letzten Platz gefüllt ist: Stadtbewohner und Viehhalter, Diplomaten, Touristen und selbstverständlich die gesamte mongolische Staatsführung versammeln sich, um Sportler, Künstler und Soldaten vorbeidefilieren zu sehen, den Pferdegeigenspielern zu lauschen und das Aufpflanzen der neun weißen Ehrenstandarten zu beobachten.

Vor dem Stadionrund entsteht alljährlich eine bunte Zeltstadt mit Verkaufs- und Imbissbuden. Es wimmelt von Menschen, viele tragen ebenfalls Deels, die mongolische Nationaltracht.

Höhepunkte der drei Tage sind jedoch die Wettkämpfe im Ringen und Bogenschießen sowie die Pferderennen.


Erste Runde der Ringerwettkämpfe

Unmittelbar nach den Eröffnungszeremonien beginnen im Stadion die traditionellen mongolischen Ringwettkämpfe. Nach den Regeln dürfen nur die Füße und die Handflächen der Ringer den Boden berühren. In diesem Jahr wird in neun Runden der Sieger ermittelt. In Ulaanbaatar nehmen mindestens 512 Ringer, in den kleineren Orten und auf dem Lande entsprechend weniger den Kampf auf. Es wird stets nach dem K.-o.-System gerungen, Gewichtsklassen gibt es nicht. Die Sieger werden mit Titeln, wie „Unbesiegbarer Meister" oder „Meister", geehrt, wenn sie mehrere Jahre hintereinander Sieger waren. Ansonsten heißt der erste Sieger „Riese", der zweite „Löwe", der dritte „Elefant", der vierte „Falke". Nach jedem Kampf verlässt der Sieger im „Adlertanz" den Platz, als Zeichen seiner ausschließlich friedlichen Absichten lässt er den Unterlegenen unter seinem seitlich ausgestreckten Arm, unter seinen „Flügeln", hindurchgehen.


Die neun weißen Ehrenstandarten

In der Nähe des Stadions befindet sich der Platz für die Wettkämpfe im Bogenschießen, deren Traditionen bis ins 7. Jahrhundert zurückreichen: Nachdem sich die Bogenschützen nebeneinander in einer Reihe aufgestellt haben, verkündet der Wettkampfleiter ihre Namen und Titel. Im Wettbewerb, der aus drei Runden besteht, darf jeder Schütze 40 Pfeile verschießen. Als Ziele dienen handgroße, aus Lederriemen geknüpfte Zylinder, aus Bast geflochtene Körbchen oder Stoffbällchen, sie heißen alle „sur". In der ersten Runde hat jeder Schütze vier Pfeile zur Verfügung. Er schießt auf ein Ziel, das aus dreihundert „sur" besteht. Hat der Schütze getroffen, dann heben die Beobachter am Ziel beide Hände und singen ein Loblied. Verfehlt der Pfeil das Ziel, geben die Beobachter die betreffende Entfernung vom Ziel durch Anzeigen mit Unterarm, ganzem Arm oder zwei Armen an. In der folgenden Runde hat jeder Schütze acht Pfeile abzuschießen. Das Ziel besteht diesmal nur aus dreißig „sur". In dieser Runde wird die Zahl der getroffenen „sur" gewertet. Dasselbe gilt auch für die dritte Runde, bei der der Bogenschütze dem Ziel den Rücken zukehrt, den Bogen spannt, sich schnell umdreht und seinen Pfeil abschießt. Der beste Schütze aller drei Runden erhält den Titel „mergen" („der Weise", „der Treffsichere"). Ihren Bogen spannen, dürfen Einzelschützen oder Mannschaften von acht bis 12 Personen.

Besonders groß ist die Zahl der Zuschauer bei den Pferderennen. Teilnehmer sind ausschließlich Kinder im Alter von fünf bis 13 Jahren, die wegen ihres geringen Körpergewichts für die flinken Pferde nur eine kleine Last darstellen. Entsprechend dem Alter der Tiere werden verschiedene Gruppen gebildet. In der ersten Gruppe laufen die zweijährigen Pferde, dann folgen die drei-, vier- und fünfjährigen. Ältere Tiere, von sechs Jahren an aufwärts, laufen eine besondere Route. Die zu durchlaufende Strecke beträgt 15 bis 30 km und wird in 35 bis 40 min bewältigt. Zur Siegerehrung erscheinen die fünf Erstplatzierten, Kinder und Pferde sind festlich geschmückt. Ein alter Mongole, meist der Besitzer des Pferdes oder der Großvater, reitet links an das Siegerpferd heran, erfasst mit der rechten Hand die Zügel des Pferdes, hebt die Hand und singt ein Loblied auf das schnellste Pferd. Nach dem Lied bekommt der junge Sieger eine Schale mit gegorener Stutenmilch überreicht, von der er einige Schlucke trinkt. Den Rest sprenkelt er über seinen Kopf, den Kopf und den Hals des Pferdes.

An den Nachmittagen und in den frühen Abendstunden erreicht das fröhliche Treiben auf der Festwiese seinen Höhepunkt. Neben meist mit Hammelfleisch gefüllten Teigtaschen, getrocknetem Weißkäse und mongolischem Gebäck darf natürlich der Kumys (mongolisch: Airag) nicht fehlen. Etwas abseits der Verkaufsbuden, Zelte und Pavillons finden Theater-, Film- und manchmal auch Zirkusvorstellungen statt.

Während die ausländischen Gäste besonders von den traditionellen Sport- und Musikvorführungen angezogen werden, erfreuen sich Popkonzerte und Diskobesuche bei den mongolischen Jugendlichen zunehmender Beliebtheit.


   

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Last Update: 10. September 2006