Auch die Oper zu Ulaanbaatar hat Freunde in Deutschland

Von Hugo Kröpelin / Berlin

Nach Magdeburg, Rhein-Taunus, Köln, Hannover, München, Leipzig hat nun auch Berlin seinen „mongolischen" Verein: den Förderverein "Freunde der Oper zu Ulaanbaatar". Die Idee ist etwa ein Jahr alt. Ausgebrütet haben sie Hans-Henning Sawitzki, oberster deutscher Entwicklungshelfer in der Mongolei, und sein damaliger Geburtstagsgast Michael Bärlein in einer Jurte nahe der mongolischen Hauptstadt. „Die Kultur eines Landes sollte man nicht an der Zahl der TV-Sender messen (und das sind in der Mongolei mittlerweile auch schon 30, die man mit der Schüssel empfangen kann), sondern an der Entwicklung der klassischen Künste", sagt Michael Bärlein. Der von ihm geführte Förderverein hat inzwischen 58 Mitglieder und sich am 10. Mai in den Räumen der Commerzbank vorgestellt.

Man müsse ein Fagott aus dem Orchester streichen, hatten die beiden Deutschen im Sommer 2000 gehört, weil das Mundstück entzwei gegangen war. „Das ist es nicht allein", sagte Direktor Gendendaramyn Erdenebat in der Commerzbank. Die staatlichen Zuschüsse sind winzig, die Beleuchtung ist 35 Jahre alt, ebenso das Gestühl für die 800 Zuschauer. Das Haus am Sukhbaatar-Platz, dessen Motiv auf fast jedem Touristenfilm mit ins Ausland fliegt, ist in die Jahre gekommen. Beschlossen wurde der Bau zwar schon 1940, aber den Grundstein konnten die Partei- und Staatsführer Tschoibalsan und Tsedenbal erst 1946 legen. Denn dazwischen kam der Krieg, in dem die Mongolei die Sowjetunion unter großen Entbehrungen im Kampf gegen Hitlerdeutschland unterstützte. Erst 1949 wurde das „Ardyn Duu Bujgiin Teatr" eingeweiht. 1964 erfolgte eine gründliche Modernisierung, das Opern -und Balletttheater erhielt eine Zentralheizung und eine würdige Innenausstattung. Beteiligt daran waren u.a. der Architekt B. Tschimid, der Maler Mendbayar sowie die Bildhauer Dawaatseren und Jadamba.

40 Opern und Ballette sind seitdem inszeniert worden. Der Autor erlebte 1974 die Premiere von Smetanas „Verkaufter Braut". Aktuell auf dem Spielplan sind u.a. „Romeo und Julia", „Schwanensee", „Die schlafende Schönheit", „La Traviata", „Carmen", „Eugen Onegin", „Der Troubadour" und „Madame Butterfly". Für Rossinis „Barbier von Sevilla" laufen gerade die Proben. Auch „Die lustigen Weiber von Windsor" sollen noch dieses Jahr singen. Für den Herbst plant man wieder das Internationale Ballettfestival, das immer vor allem von russischen und asiatischen TänzerInnen stark besucht wird. Aber das Haus, dessen Architektur man in jeder russischen Großstadt wieder finden kann, wurde Jahre für Dutzende Großereignisse wie die Kongresse der Partei, der Jugend, der Gewerkschaften, der Frauen und vieler anderer genutzt.

Das Publikum, das den Förderverein kennen lernen wollte, konnte sich glücklich schätzen, den ersten deutschen Auftritt von mongolischen Stars aus dem Opernfach erlebt zu haben. Starken Beifall erntete die Sopranistin Erdenetuya für die Arie der Santuzza aus „Cavalleria rusticana", die „Wasservögel" von Jantsannorow und „Die Lippen schweigen" von Franz Lehar. Arien aus Händels „Xerxes" und aus „Sadko" von Rimski-Korsakow meisterte der Bariton Oyuuntschuluun und lieferte als Zugabe Scharaws Lied vom Jurtenherd. Am Piano begleitet wurden die Solisten von Yanjindulamyn Mungo, die tags zuvor im Konzerthaus am Gendarmenmarkt ihren zweiten Berliner Soloabend gegeben hatte. Auch Direktor Erdenebat, erst seit Jahresbeginn in diesem Amt, wollte vor den vielen neuen Freunden seine Herkunft nicht verschweigen und schmetterte mit seinem kräftigen Tenor in italeinischer Sprache das Volkslied „Santa Lucia" in den Saal.

Ein zwar kleiner, aber eindrucksvoller Einstand, den mongolische Opernstars in Berlin gaben. Zum Schlussakkord kamen noch die fünf Männer von der Folkloregruppe „Khukh Mongol", die Pianistin L. Nassanbat sowie die beiden Musikstudentinnen Uugantsetseg und Enhktschimeg (Violine und Celle) auf die Bühne und sorgten mit den Liedern von der Mutter und der Heimat für einen unvergesslichen Höhepunkt.

Michael Bärlein, der auch Freunde in Zürich, Hongkong, Sanaa (Jemen) und Kairo als Vereinsmitglieder gewonnen hat, rotiert schon, um dem Klassischen Akademischen Theater, wie die Oper jetzt heißt, wirksam unter die Arme zu greifen. Der nächste Gast aus Berlin wird allerdings eine junge Frau sein: Maren Enghusen, die wie ihr Freund Sigurd Hösl an der Berliner Technischen Fachhochschule Theater- und Veranstaltungstechnik studiert, kann bald ihr Praktikum an und in der Oper von Ulaanbaatar machen.

„Schon wieder ein Verein neuer Freunde unseres Landes", konstatierte Botschafter Bayarsaikhan sichtlich zufrieden. Nun werde es Zeit, meinte er, diese Vereine in Deutschland mal zusammen zu bringen. Wovon er sich einen interessanten Erfahrungsaustausch und viele neue Impulse verspricht.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(Mai 2003)


   

MongoleiOnline

MongoleiOnline
Postfach 130 154, D-53061 Bonn, Germany
Copyright © 1997-2005 Frank Voßen
Last Update: 10. September 2006