Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

100 Jahre „Großes Rennen" Peking – Paris

Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Oldtimer-Rallye Peking-Paris. Vor dem Start nach Karakorum

Sie ging als erstes Rennen, das über mehrere Kontinente führte, in die Geschichte des Automobilsports ein: Die Autorallye von Peking nach Paris im Jahr 1907. Fünf Fahrzeuge starteten in Peking, nicht alle erreichten Paris und zwischen denen, die ankamen, lag ein Abstand von mehreren Wochen.

Ursprünglich nicht als Wettrennen geplant, entwickelte sich die Fahrt bald zu einer dramatischen Auseinandersetzung zwischen den beiden Hauptkontrahenten Charles Goddard, einem Schausteller aus England in einem „Dutch Spyker", und Scipione Borghese, einem italienischen Prinzen, der einen „Itala" fuhr. Die Route führte durch Wüsten und Steppen ohne ausgefahrene Pisten, der Treibstoff wurde mit Kamelen transportiert und die Fahrer erlebten Sand- und Schneestürme, quälten sich durch Schlammlöcher, stürzten durch morsche Brücken. Sie rappelten sich immer wieder auf, reparierten, was zu reparieren war. Borghese und Goddard schafften es bis Paris, wurden enthusiastisch gefeiert und weltberühmt.


La France Roadster Bj. 1918

90 Jahre später startete die zweite Rallye Peking-Paris. Diesmal führte der Weg über Tibet, Nepal und Indien.

In diesem Jahr, 100 Jahre nach der ersten Fahrt, wählte der englische Veranstalter eine Route von Peking, die zum ersten Mal durch die Mongolei führt. Russland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Tschechische Republik und Deutschland sind weitere Stationen, bevor die Fahrt in Paris auf der Place de la Concorde endet. Am Start in Peking: 129 „wunder-, wunderschöne Autos". Mit dabei Fahrer aus Großbritannien, den Niederlanden, Italien, Frankreich, aus Portugal, Australien, Deutschland, Monaco, den USA, Irland und der Schweiz.


/Rolls Royce Silver Ghost Bj. 1922

Das älteste Fahrzeug, ein Mercedes 60 HP, stammt aus dem Jahr 1903, es folgen zwei Itala von 1907 und das legendäre Ford Modell T, „Tin Lizzie" (Blechlieschen) aus dem Jahr 1909. Weiter on he road, ein Mercedes-Benz 630 K von 1927, ein Rolls Royce Silver Ghost von 1922, Chevrolets, Bentleys, Chryslers, Citroëns, Talbots, Delages, Lagondas…Automarken, die heute noch gebaut werden und solche, die sonst nur noch im Museum zu bewundern sind.

Am 30. Mai erreichten die Oldtimer mit ihren 13 Begleitfahrzeugen die Mongolei. In Sainshand, im Ostgobiaimag, war eigens für die Rallyefahrer ein Camp mit Duschen, einem Restaurantger und Reparaturmöglichkeiten für die Autos eingerichtet worden. Helge Reitz, der Chef von „Nomads Tours und Expeditions" und verantwortlich für die gesamte Logistik in der Mongolei, staunte, wie wenig einige der Teams auf die extremen Straßen- und Wetterverhältnisse in der mongolischen Gobi und auf die Tücken der Technik in ihren nicht mehr ganz neuen Autos vorbereitet waren. „Wir haben spannende Augenblicke erlebt. Meine Mitarbeiter und ich, darunter ein Automechaniker aus Deutschland, waren die ganze Nacht unterwegs, um liegen gebliebene Autos und ihre Insassen zu suchen und zu bergen." Ein in der Gobi um diese Jahreszeit nicht seltener Sandsturm hat den Fahrern, Beifahrern und Autos ganz schön zugesetzt. „Brutal, absolut brutal", Robin Lang - im Sunbeam 16, konnte trotzdem schon wieder lachen. „Wir müssen hart arbeiten, haben aber auch viel Spaß".


Junger Rennfahrer in einem Singer Le Mans von 1934

Der Sprit muss zwar nicht mehr mit Kamelen transportiert werden, ansonsten ähnelt die Fahrt dem Abenteuermarathon von 1907 – die Unwägbarkeiten des mongolischen Straßennetzes und des Wetters stellten die Teams in ihren Zweisitzern, wie 1907 immer zwei Personen im Wagen, vor Herausforderungen, auf die sie auch hätten verzichten können.

Einige Fahrzeuge überstanden die Gobi und den Sandsturm nicht und mussten per Lastwagen nach Ulaanbaatar transportiert werden, kaum ein Wagen kam ohne „Blessuren" davon. Für den Rolls Royce Silver Ghost (1926) von Albert und Monique Eberhard aus Portugal sowie den Chrysler, Baujahr 1928, der beiden Schweizer Pierre-Michel und Claudine Singer bedeutete Ulaanbaatar das Ende der Rallye. Sie freuen sich jetzt auf eine Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn zurück nach Europa. „Ich hasse Autos. Meinem Mann zuliebe fahre ich immer wieder mit." Monique ist nicht sehr betrübt über das vorzeitige Aus. Begeistert äußerten sich alle Oldtimerfahrer über die Hilfsbereitschaft und die Freundlichkeit der Mongolen und über die Schönheiten der Landschaft. „Dieser Himmel, diese Weite…Schade, dass uns keine Zeit bleibt, das Land näher kennen zu lernen". Vielleicht ein anderes Mal per Flugzeug?.

„Alte Autos? Von denen fahren auf unseren Straßen doch genügend herum". Den Mongolen leuchtete die Begeisterung der Ausländer zunächst nicht so recht ein. „Was, über eine Million Euro soll so ein Gefährt kosten?" Doch dann konnten sie gar nicht mehr aufhören, zu fotografieren, möglichst mit der attraktiven Freundin am Wagenschlag.


Sunbeam 16 Bj. 1932

Am 02. Mai verabschiedeten sich die Fahrer von Ulaanbaatar und seinen Einwohnern mit einer Parade vor dem Opernhaus. Trotz der frühen Stunde - 07.00 Uhr ist für Mongolen samstags eine ungewöhnliche Zeit für Aktivitäten außer Haus - kamen sie mit ihren Kindern, um die ungewöhnlichen Autos zu bestaunen. Die meisten Fahrer hatten nichts dagegen, sich mit ihnen fotografieren zu lassen oder die Kinder auch mal hinter das Steuer zu setzen.

Eine Polizeikapelle spielte, der Bürgermeister ließ es sich nicht nehmen die Rallyefahrer feierlich zu verabschieden.

Die nächsten Stationen in der Mongolei sind Kharkhorin, Bayankhongor, Altai und Khovd, dann geht es weiter über die Grenze nach Russland.


Claudine Singer vor ihrem Chrysler 72, 1928

Christopher Claridge-Ware und seine Frau Anita, unterwegs in einem grünen Lagonda H 45 Tourer, erkundigen sich nach der Qualität der Straßen und Pisten. Die Antwort, besser werden sie erst einmal nicht, ausgebaute Abschnitte wechseln in schwierige über, lässt sie etwas skeptisch dreinblicken. Aber sie wissen, sie sind auf Abenteuerfahrt. „Paris wollen wir in jedem Fall erreichen, vielleicht sind die Menschen in Russland genauso so wunderbar wie in der Mongolei, diesem grandiosen Land".

Bevor das „Größte Motorabenteuer" nach 35 Tagen und mehr als 12 000 Kilometern zu Ende geht, können sich in Deutschland die Heidelberger auf die Fahrer in ihren „tollen Kisten" freuen. Heidelberg ist die einzige deutsche Stadt, in der die Fahrer Station machen werden, von dort geht es nach einem erneuten Ruhetag in Reims direkt in die französische Hauptstadt.


Abfahrt nach Karakorum


   

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Last Update: 10. Januar 2016