Ein Bayangol-Park für Schönefeld

Renate Bormann, Berlin, Ulaanbaatar

Ganz Unrecht haben diejenigen nicht, die etwas großspurig die Flughafengemeinde Schönefeld bei Berlin als Außenstelle der Mongolei in Deutschland oder noch besser als Brückenkopf zwischen Deutschland und der 7 000 km entfernten Mongolei sehen möchten.

Die seit mehreren Jahren tatsächlich nicht nur auf dem Papier bestehende Partnerschaft zwischen Bayangol, dem größten Stadtbezirk von Ulaanbaatar und der Brandenburger Gemeinde Schönefeld hat das gegenseitige Verstehen, das Wissen über die "Anderen" mehr gefördert als das Statements von Politikern je vermocht hätten.

Persönliche Kontakte gibt es mittlerweile nicht nur zwischen Kommunalpolitikern, sondern auch zwischen Künstlern, Lehrern, Handwerkern, Unternehmern, Schülern.

Und das Interesse, die Neugier nehmen von Jahr zu Jahr zu. In diesem Sommer werden erstmals 15 Schüler aus Schönefeld ihre Ferien in der Mongolei verbringen, im nächsten Jahr mongolische Jugendliche gemeinsam mit ihren deutschen Altersgefährten Brandenburg und Umgebung erkunden.

Die Internationale Luftfahrtausstellung, die ab 10. Mai in Schönefeld hundertausende Besucher anzog, musste zwar ohne die Loopings mongolischer Piloten auskommen, dafür können sich die Schönefelder und ihre Gäste in Zukunft im "Bayangol-Park", auf seinen Geh- und Radwegen oder seinen kleinen Plätzen von den Strapazen des Alltags erholen.

Die parkähnlich gestaltete Grünanlage wird das neue Ortszentrum von Schönefeld beleben, für das die Erschließungsarbeiten nach nur 12-monatiger Bauzeit abgeschlossen werden konnten. Der Park besteht aus 35 000 Quadratmeter Grünfläche mit 300 Bäumen, 400 Sträuchern, Büschen und Blumenbeeten.

Bei strahlendem Sonnenschein und unter mongolischblauem Himmel fand am 14. Mai die feierliche Einweihung der neuen Gartenanlage statt. Schon von weitem zog die eigens für die Einweihungszeremonie aufgestellte Jurte, das runde Filzzelt der zentralasiatischen Nomaden (mong.: Ger) die Blicke auf sich. Jeder der Gäste - vom Vertreter der Landesregierung in Potsdam bis hin zum Repräsentanten der SP Projektentwicklung Schönefeld GmbH & Co. KG - wollte einmal seinen Fuß über die Schwelle dieser exotischen Behausung setzen.

 

Bevor die Honoratioren von Land, Gemeinde und die Vertreter der Entwicklungsgesellschaft das Schild mit der Aufschrift "Bayangol-Park" enthüllten, pflanzten sie einen mongolischen Ahorn, frisch aus den Niederlanden importiert.

Neben dem "Hausherrn", Ortsteilbürgermeister J. Wolff und dem Gemeindebürgermeister Dr. U. Haase, griffen auch der Geschäftsträger der mongolischen Botschaft in Berlin, Yondon sowie der Kulturattache, Mandakhbileg, zur Schaufel, auf dass das junge Bäumchen mit genügend Erde zum Wachsen und Gedeihen versorgt werde.

Und obwohl Spargelgemüse für einen Mongolen nicht unbedingt zu den kulinarischen Genüssen gehört, schmeckte es den Gästen aus dem Land, in dem fettes Hammelfleisch als Highlight jeder Festtafel gilt, offensichtlich ausgezeichnet.

Man muss kein Prophet sein, um voraussagen zu können, dass der "Bayangol-Park" ein Attraktionspunkt nicht nur für die Einwohner Schönefelds werden wird. Für mongolisch-deutsche Freundschaftstreffen, Benefizgalas und andere Veranstaltungen bietet er die perfekte Kulisse.


   

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Last Update: 10. September 2006