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Partnerland Mongolei auf der ITB 2015

von Brit Beneke
Fotos: briti bay fotodesign

Eine Woche, in der ein Mongolei-Termin auf den anderen folgte, war die Zeit der diesjährigen Internationalen Tourismus Börse Berlin. Die Mongolei war als Partnerland der ITB 2015 nicht nur in den Messehallen präsent. Die Medien berichteten täglich über dieses Reiseland. In Berlin gab es darüber hinaus weitere Veranstaltungen mit Mongolei-Bezug.


Deutsch-Mongolisches Wirtschaftsforum am 3.3.2015 im Roten Rathaus (1.Reihe v.l.n.r.): Michael Mueller (Bürgermeister Berlin), Ts. Elbegdorj (mongol. Staatspräsident), Jürgen Fitschen (Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank), Lundeg Purevsuren (Außenminister der Mongolei)

Am 3. März trafen sich Politiker und Wirtschaftsvertreter auf dem Deutsch-Mongolischen Wirtschaftsforum im Roten Rathaus, das vom Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (APA), der Investitionsagentur der Mongolei sowie der Mongolischen Botschaft organisiert war. Zur Eröffnung sprachen der Regierende Bürgermeister Michael Müller, der mongolische Präsident Tsakhiagiin Elbegdorj und der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen. Über letzteren wurde am Tag zuvor bekannt, dass er sich in einem Betrugsprozess vor dem Landgericht München verantworten müsse. Das spielte auf dem Forum jedoch keine Rolle. Hier ging es um zukünftige Projekte, welche in der Mongolei geplant sind und für die Investoren bzw. Unternehmen zur Ausführung gesucht werden. Vorgestellt wurden von den Referenten beispielsweise Planungen zum Straßenausbau, zum Technologie-Industriepark in Nalaikh, zum Kraftwerksausbau oder zum Megaprojekt Maidar EcoCity, einer Stadt, die am Bogd Khan Gebirge neu entstehen und 200.000 Menschen Wohnraum in autofreien Quartieren bieten soll. Wer sich das Wohnen in der EcoCity wird leisten können, darauf wurde nicht eingegangen.


Aktivist von der NGO "Worldgarden in Mongolia" mit einem Transparent  gegen die Zerstörung des "Noyon Uul"

Auch wenn auf dem Deutsch-Mongolischen Wirtschaftsforum Infrastrukturprojekte im Mittelpunkt standen, war der Rohstoffreichtum und Bergbau der Mongolei ein Thema, das im Hintergrund mitschwang. Hierzu gab es im Saal Widerstand. Aktivisten der Umweltorganisation „World Garden Mongolia“ hielten mongolische Transparente hoch, auf denen sie gegen den Abbau des Noyon-Uul, einer großen Kupfer- und Goldlagerstätte, protestierten, bis die Sicherheitskräfte es ihnen untersagten.


Ts. Elbegdorj

Am Abend des 3. März lud Präsident Tsakhiagiin Elbegdorj zur ITB-Eröffnungsgala unter dem Titel „Das Land des blauen Himmels“ in den CityCube Berlin ein. Die Gäste waren von der Show sehr beeindruckt und lobten die Ausgewogenheit und Qualität der kulturellen Beiträge, die von traditionellen Urtiin Duu Gesängen bis hin zu Arien aus Puccinis Oper, von einem mongolischen Bariton vorgetragen, reichten.


Ts. Elbegdorj, umringt von mongolischen Hostessen in traditionell inspirierter Kleidung, durchschneidet das Band zur Eröffnung der ITB


Botschafter Ts. Bolor

Am 4. März 2015, dem ersten Tag der ITB, eröffnete Präsident Elbegdorj gemeinsam mit dem Berliner Bürgermeister Michael Müller, dem Bürgermeister von Ulaanbaatar, Erdene Bat-Uul, und der Ministerin für Umwelt, Nachhaltige Entwicklung und Tourismus der Mongolei, Dulamsuren Oyunkhorol, am Stand der Mongolei die Messe mit einem symbolischen Zerschneiden des Startbands.


v.l.n.r.: Ts. Bolor (Botschafter der Mongolei), Erdene Bat-Uul (Bürgermeister von Ulaanbaatar), Tsakhiagiin Elbegdorj (mongolischer Präsident), Dulamsuren Oyunkhorol (Ministerin fuer Umwelt, Nachhaltige
Entwicklung und Tourismus), N.Tumurkhuu (mongolischer Minister für Infrastruktur und Transport)

Ministerin Dulamsuren Oyunkhorol sprach auf der Eröffnungsveranstaltung des ITB Kongresses. Sie legte die Ziele der mongolischen Regierung auf dem Gebiet des Tourismus dar: die Zahlen der bisher knapp 500.000 Besucher pro Jahr sollen sich bis 2016 auf eine Million verdoppeln.


v.l.n.r.: Blanka Weber (Journalistin), Erdene Bat-Uul (Bürgermeister von Ulaanbaatar), Boojoo Lakshmi (Director of Mongolia Economic Forum), Dagva Oyundelger (Head of Marketing der MIAT), Ganbold Javklan (Head of
Marketing of Best Western Premier Tuushin) auf dem ITB MICE Day am 4.3.2015

Um das zu erreichen, ziehen viele Reiseunternehmen an einem Strang. Die Marketing-Chefin von MIAT (Mongolian Airlines) meinte, dass die Zahl der Flüge von Ulaanbaatar nach Europa bis 2017 verdoppelt werden soll. Dies äußerte sie auf dem ITB MICE Day. MICE steht für „Meetings Incentives Conventions Events“. In diesem Forum wurde angeregt, Tagungsreisen neu zu denken und abseits bisheriger Wege auch die Mongolei als Veranstaltungsland ins Auge zu fassen. Boojoo Lakshmi, Direktorin des Mongolischen Wirtschaftsforums, führte einen wichtigen Grund an: „Die Mongolei ist eines der sichersten Länder der Welt.“

Neben dem MICE Day gab es zahlreiche weitere Veranstaltungen, auf denen Themen wie beispielsweise nachhaltiger Tourismus oder Abenteuerreisen in der Mongolei verhandelt wurden. Das Programm setzte sich am nächsten Tag fort.


Ts. Bolor auf der Pressekonferenz des Partnerlandes Mongolei auf der ITB am 5.3.2015

Der 5. März begann mit einer Pressekonferenz. Auf ihr spannte der Botschafter der Mongolei, Tsolmon Bolor, den Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart in den deutsch-mongolischen Beziehungen. Seiner Auffassung nach, gab es in der Schlacht bei Liegnitz 1241 den ersten Kontakt zwischen Mongolen und Deutschen. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der BRD und der Mongolei im Jahr 1974 war ein Meilenstein im Aufbau der Beziehungen. „Heute“, so der Botschafter, „sind die politischen Beziehungen ausgezeichnet. Es kommt darauf an, sie mit konkreten wirtschaftlichen Schritten auszugestalten.“


Erdene Bat-Uul, Bürgermeister von Ulaanbaatar

Der Bürgermeister von Ulaanbaatar, Erdene Bat-Uul, stellte die vielen Festivals vor, die in diesem Jahr in der Hauptstadt geplant sind. Dazu zählen ein Pferdekopfgeigenfest, ein Festival des Buddhismus/Lamaismus oder ein Tanzfestival. Erdene Bat-Uul wies auf die große Gastfreundschaft der mongolischen Bevölkerung hin und gab gleich selbst ein Beispiel dafür. Er lud die Anwesenden persönlich ein, in die Mongolei zu kommen.


Delgersuren Narantsetseg (Juulchin World Tours) (3. v.l.) auf dem Forum der Reiseveranstalter für die Länder der Seidenstrasse auf der ITB am 5.3.2015


D. Oyunkhorol, Ministerin für Umwelt, Nachhaltige Entwicklung und Tourismus der Mongolei, und Dr. Udo Haase, Bürgermeister von Schönefeld

Auf dem Mongolei-Forum im Rahmen des ITB Destination Day beschrieb Dulamsuren Oyunkhorol, Ministerin für Umwelt, Nachhaltige Entwicklung und Tourismus, die Schönheit der Mongolei. Hinzu kämen die friedlichen und freundlichen Menschen. Dies konnte Dr. Udo Haase, Mongolist und Bürgermeister der Gemeinde Schönefeld, nur bestätigen. „Wenn es eine Weltmeisterschaft in Gastfreundschaft gäbe, wären die Mongolen Weltmeister“, schwärmte er. Er sei von dem Virus Mongolei infiziert, von dem man nicht mehr loskäme. Als Lokalpolitiker verglich er die Mongolei mit Brandenburg und sah ähnliche Probleme wie beispielsweise die Abwanderung aus den entlegenen ländlichen Gebieten und die Konzentration in der Großstadt.


Workshop "Potenziale des Tourismus in Marktnischen" auf der ITB am 5.3.2015

Die Mongolei als touristischer Nischenmarkt war das Thema eines Workshops, in dem die Teilnehmenden Erfahrungen austauschten und Anregungen erhielten. Vertreter mongolischer Reiseunternehmen stellten die Situation und die Potenziale des nachhaltigen Tourismus in der Mongolei vor. Sie zeigten auf, wie die mongolische Landbevölkerung an den Einnahmen aus dem Tourismus partizipiert. Indem die Viehzüchter ihre Pferde und Kamele vermieten, ihre Milch- und Fleischprodukte verkaufen, Gers (Jurten) zur Vermietung zur Verfügung stellen, Handwerksprodukte aus Filz und Leder anbieten, können sie direkt am Tourismusgeschäft teilhaben. Diese Beispiele hinterließen großen Eindruck bei Workshop-Teilnehmenden aus afrikanischen Ländern, die ebenfalls im Nischenmarkt, also abseits vom Massentourismus, arbeiten und die sich einen weiteren Austausch mit den mongolischen Kollegen wünschten.


Workshop "Potenziale des Tourismus in Marktnischen" auf der ITB am 5.3.2015

Um Kooperation im Reisemarkt ging es auch bei dem Forum der Reiseveranstalter für die Länder der Seidenstraße. Hier engagiert sich die Mongolei als ein Land, das auf der alten Route liegt, welche Interessenten als ein Reisethema angeboten werden soll.


Ethno Jazz Band "Arga Bileg"

Den Abend des 5. März beschloss ein Meet-Together am Stand der Mongolei. Botschafter Ts. Bolor lud die Gäste zu einem Büfett. Die Ethno Jazz Band "Arga Bileg" musizierte, Schlangenmädchen gaben eine Vorführung, Hostessen in eindrucksvollen Kleidern, die von traditionellen mongolischen Trachten inspiriert waren, standen für Fotoshootings bereit. Diese kulturellen Beiträge waren an allen Tagen der ITB an verschiedenen Orten mehrfach zu erleben und begeisterten das Publikum.


beim Get-Together


v.l.n.r.: Sarah Fischer, Nicole Funck, Peter Rump, Galsan Tschinag, Frank Riedinger, David Ruetz, N.N., Astrid Zand bei der Verleihung der ITB BuchAwards 2015


Astrid Zand (Pressereferentin ITB) überreicht den Pokal an Preisträger Galsan Tschinag

Bei den diesjährigen ITB BuchAwards waren die DestinationsAwards 2015 dem Offiziellen Partnerland der ITB Berlin, der Mongolei, gewidmet. Ausgezeichnet wurden Sarah Fischer und Nicole Funck für ihren im Reise Know-How Verlag erschienen Reiseführer. Der mongolisch-tuwinische Schriftsteller Galsan Tschinag, erhielt den Preis für sein bisheriges literarischen Werk, insbesondere für drei ausgewählte Bücher. Er las auf der Messe aus seinem Roman „Gold und Staub“.


Fotograf Frank Riedinger mit seiner Multimedia Show Mongoei

Der Fotograf Frank Riedinger wurde für seinen Bildband „Mongolei. Gesichter eines Landes“ ausgezeichnet. Er präsentierte Fotos aus seinem Werk in einer Multimedia Show vor den ITB Besuchern. Amélie Schenk erhielt den BuchAward für ein Kochbuch, das sich mit mongolischen Rezepten befasst.


v.l.n.r.: Damba Gantumur und David Ruetz bei der Verleihung der ITB BuchAwards 2015

Damba Gantumur, Direktor für Kulturpolitik und Koordinierung beim Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft der Mongolei und Präsident der Mongolian Tourism Association, sagte vor der Preisverleihung: „Bücher sind die Fenster zur Welt.“ Er überreichte David Ruetz, dem Leiter der ITB Berlin, mit einem blauen Chadag (Schal) eine mongolische Silberschale und bewies damit das, was er kurz zuvor erklärt hatte: „Das tägliche mongolische Leben ist nicht im Museum konserviert.“ Die Riten und Zeremonien sind nicht tot, sondern Bestandteil der Alltagskultur.


Kalligrafin Munkhtuul Schwedes

Den Besuchern der beiden Publikumstage der ITB am 7./8. März 2015 wurden Aufführungen der Kontorsionistinnen (Schlangenmädchen) und der mongolischen Musikgruppen geboten. Die Kalligrafin Munkhtuul Schwedes schrieb den Namen der Besucher auf Altmongolisch auf ein Stück Seidenpapier. Im Kinderland konnten kleine Jurten gebastelt werden. Im riesigen Fest-Ger vor dem Eingang Süd wurden Besucher von Karsten Adam im Dschingis-Khan-Kostüm empfangen. Dort hingen auch weitere Deels und traditionelle Kleidung zum Anschauen und Anprobieren. An den mongolischen Messeständen wurden konkrete Reisen für Individualisten, Abendteurer, Naturliebhaber, Kulturinteressierte und Gruppenreisende offeriert.


Karsten Adam als Dschingis Khan in traditioneller mongolischer Tracht (Deel)

Das Fazit nach dieser intensiven Woche lautet: Die Mongolei sollte nach diesem erfolgreichen Auftritt auf der ITB 2015 einen Anstieg der Besucherzahlen in ihrem Land verzeichnen können.


Jurten Basteln im Kinderland


   

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Last Update: 10. Januar 2016