Partner über 7 000 Kilometer
Amt Schönefeld und Bajangol durch Vertrag verbunden
Von Hugo Kröpelin

Die Gemeinden des Amts Schönefeld (Landkreis Dahme-Spreewald) und der Stadtbezirk Bajangol von Ulaanbaatar wollen Kontakte von Schulen, Betrieben und Vereinen sowie den Kulturaustausch fördern. So steht es im Vertrag über partnerschaftliche Beziehungen, den Amtsdirektor Dr. Udo Haase und Gouverneur Sodnomsundui Erdene Anfang August in der mongolischen Hauptstadt unterzeichnet haben. Dies ist übrigens das allererste Dokument, das seit der Deutschen Einheit zwischen zwei Kommunen beider Länder vereinbart wurde.

Was bringt der Bezirk in die Partnerschaft ein? 120 000 (!) Menschen leben hier, fast ein Fünftel der Einwohner von Ulaanbaatar. Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind Energie- und Leichtindustrie , Bauwesen, Verkehr und Handel. Hier werden 75 Prozent der in der Hauptstadt verbrauchten Elektro- und Wärmeenergie erzeugt. 1992/93 entstanden über 70 kleine und mittlere Unternehmen, die Backwaren, Fleisch- und Wurstwaren sowie Getränke produzieren. Aus zwei Treibhäusern kommen nahezu das ganze Jahr Gurken und Tomaten für die Bevölkerung. Bedeutung für das ganze Land hat Bajangol durch das Haus des Rundfunks und Fernsehens, durch das von Einheimischen wie Touristen stark frequentierte Kloster Gandan mit der Buddhistischen Hochschule und durch drei Privatuniversitäten.

Seit 1965 hieß der Bezirk "Oktober" in Anlehnung an die russische Revolution von 1917. Deren Führer Lenin hatte den "nichtkapitalistischen Entwicklungsweg" erfunden, und seine Nachfolger setzten mit dutzenden politischen, wirtschaftlichen und militärischen Verträgen alles daran, um den Einfluß Chinas und Japans auf die Mongolei so gering wie möglich zu halten. Die UdSSR war u.a. Teilhaber der Transmongolischen Eisenbahn, einziger Lieferant von Kraftstoffen, Hauptimporteur von Fleisch sowie Hauptinvestor in Energiewirtschaft und Wohnungsbau.

Bajangol hat mit dem 3. und 4. Mikrorayon das größte zusammenhängende Neubaugebiet des Landes mit ca. 70 000 Menschen. Gab es hier einst in den Läden fast nur einige Konsumgüter aus dem Ostblock, so holen seit der Öffnung des Marktes private Unternehmer eine Warenflut aus dem Ausland herein. Nicht nur Läden sind in Bajangol wie der ganzen Stadt bunter geworden. Überall schießen private Cafes, Bars und Restaurants aus dem Boden - in Parterreetagen von Wohnhäusern wie im Freien. Der Kampf um die Kunden ist entbrannt, und er ist hart, denn in Bajangol sind inoffiziell 35 Prozent der Erwerbsfähigen arbeitslos. Wirtschaftliche Zusammenarbeit haben Schönefeld und Bajangol übrigens ausgeklammert.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(August 1998)


   

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Last Update: 10. September 2006