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Internationale Tagung der Mongolisten in Bonn

von Brit Beneke
Fotos: briti bay fotodesign


Prof. Dr. Ines Stolpe

Wie geht es weiter mit der Mongolistik? Um diese Frage zu klären, trafen sich am 9. April 2015 Fachvertreter und Nachwuchswissenschaftler der Mongolistik-Standorte aus dem deutschsprachigen Raum und Repräsentanten mongolischer und deutscher Institutionen der akademischen Kooperation auf einer Tagung zum Thema „Mongolistik: Perspektiven akademischer Kooperation“ an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms- Universität Bonn. Prof. Dr. Ines Stolpe vom Bonner Institut für Orient- und Asienwissenschaften (IOA) hatte zu diesem Symposium geladen, um die Vernetzung der Institute zu stärken.


Prof. Dr. Jürgen Fohrmann

Der Rektor der Universität Bonn, Prof. Dr. Jürgen Fohrmann, eröffnete die Tagung. Der Schlüssel für die Zukunft des Fachs Mongolistik läge darin, strikt auf Kooperationen zu setzen, so Fohrmann. Er plädierte dafür, in der Forschung herkömmliche Grenzziehungen zu durchkreuzen und andere Blickwinkel einzunehmen. Das Bonner IOA mit der Abteilung für Mongolistik und Tibetstudien sah er als Kooperationszentrum, das sich interdisziplinär und überinstitutionell öffnet. Dabei lag die Bonner Mongolistik einige Jahre zuvor darnieder. Aus Spargründen war sie geschlossen worden.


Tsolmon Bolor, der Botschafter der Mongolei

„Die Mongolistik ist wichtig“, betonte Tsolmon Bolor, der Botschafter der Mongolei. Die Bewahrung der mongolischen Kultur stehe unter dem Schutz der Regierung. Diese hatte vor zwei Jahren mit der Finanzierung einer Stiftungsprofessur die Mongolistik in Bonn wiederbelebt. Bolor mahnte, dass die Entwicklung der Mongolistik eine Aufgabe aller Anwesenden sei.


Dr. Klaus Brick

Dr. Klaus Birk vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) erläuterte den Beitrag seiner Institution zur Förderung der Mongolistik durch Projektfinanzierung. Als Koordinator für Regionalwissen beim DAAD ist er um die kleinen Regionalwissenschaften besorgt, welche bei den Umstrukturierungen an den Universitäten gestrichen werden. Er brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass mit Prof. Dr. Ines Stolpe die Mongolistik einen Aufschwung bekomme.


Prof. Dr. Stephan Conermann 

Für Prof. Dr. Stephan Conermann, Geschäftsführender Direktor des Bonner Instituts für Orient- und Asienwissenschaften (IOA), ist die Berufung von Ines Stolpe auf den Stuhl der wiederbelebten Mongolistik-Professur ein „Glücksfall“.


Prof. emeritus Dr. Klaus Sagaster

Von einem „Wunder der Wiedergeburt der Mongolistik“ sprach Prof. emeritus Dr. Klaus Sagaster. In seinem Vortrag zeichnete der die Geschichte vom Begründer der Mongolistik, Isaak Jakob Schmidt, über die wissenschaftlichen Leistungen von Erich Haenisch und Walther Heissig bis zur gegenwärtigen Situation am Bonner Institut. War diese Mongolistik bis zum Zeitpunkt ihrer Schießung vorwiegend auf Geschichte und altmongolische Sprache ausgerichtet, erfolgte mit der Neueinrichtung des Lehrstuhls auch eine Neuausrichtung auf die moderne Mongolei in sprachlicher, historischer und soziologischer Hinsicht.

Prof. Dr. Jav Davaasambuu vom Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft der Mongolei und Prof. Dr. Dalai Zayabaatar vom Nationalen Rat für Mongolische Studien erläuterten die Fördermöglichkeiten durch die Stiftung zur Förderung der mongolischen Studien. Im Jahr 2015 sollen die Abteilung für Mongolistik und Tibetstudien an der Bonner Universität und das Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin neben Institutionen in den USA, Japan, Korea und Russland unterstützt werden. Es werden durch den Fonds Stipendien für Studierende und Promovierende angeboten. Ein Datendank zu Mongoleistudien soll eingerichtet werden.


Dr. Johannes Reckel 

PD Dr. Johannes Reckel von der Spezialsammlung altaischer und paläoasiatischer Literatur der Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) stellte die geplante Datenbank seines Hauses zum Thema „Zentralasien digital“ vor. In Planung sei, die Internetsprache (z.B. Chats) zu dokumentieren und Fotos zu sammeln. „Fotos dokumentieren den starken ethnografischen Wandel“, erläuterte Reckel.


Dr. Anna-Katharina Hornidge

PD Dr. Anna-Katharina Hornidge vom Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn mahnte die erforderliche Dekolonialisierung der Wissenschaften an, kritisierte das Festhalten an Modellen wie denen von starren Regionen und verwies auf das stetige Sich-Verschieben und Durchlässig-Sein von Grenzen.

Prof. Dr. Ines Stolpe bekräftigte die Vorschläge. Sie gab mit ihren „Bonner Perspektiven“ Ausblicke in zukünftige akademische Kooperationen. Sie regte einen bisher nicht vorhandenen innerdeutschen Studierendenaustausch mit Anerkennung der Leistungen an. Da die Mongolistik-Standorte jeweils so überschaubar seien, könnten die Studierenden durch Austauschsemester einen umfassenderen Einblick in verschiedene Forschungsfelder der Mongoleistudien erhalten. Stolpe schlug universitätsübergreifende Exkursionen in die Mongolei vor. Als bisher ungelöstes Problem sieht sie das Fehlen eines deutschsprachigen Lehrbuchs für Mongolisch an, welches den modernen Anforderungen entspricht.

 


Prof. Dr. Jantsan Bat-Ireedui 

Prof. Dr. Jantsan Bat-Ireedui, Direktor des Instituts für Mongolische Studien an der Nationaluniversität der Mongolei, gab einen Überblick über die Geschichte der Mongolistik in Ulaanbaatar.


Dr. Ganchimeg Altangerel

Über die Entwicklung der Mongolistik seit 1899 in Berlin referierte Dr. Ganchimeg Altangerel vom Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie schilderte die dramatischen Einsparungen seit der Wende, die einen regulären Lehrbetrieb beinahe nicht durchführbar machen lassen. Nur durch den ehrenamtlichen Einsatz der emeritierten Dr. Uta Schöne sei ein vielfältiges Angebot möglich.


Ulrike Gonzales

Ulrike Gonzales gab in Vertretung von Dr. Klaus Koppe vom Institut für Indologie und Zentralasienwissenschaften der Universität Leipzig einen Einblick in die universitäre Einbettung der Mongolistik.


Prof. Dr. Karénina Kollmar-Paulenz

Im schweizerischen Bern existiert ein Mongolistik-Angebot erst seit dem Jahr 1999 aufgrund der Initiative von Prof. Dr. Karénina Kollmar-Paulenz am Institut für Religionswissenschaft. Hier ging eine inhaltliche Neuorientierung der Mongolistik vonstatten: „weg von den traditionellen ‚Area Studies’, die von geschlossenen geografisch/kulturellen Räumen ausgehen, hin zu einem Ansatz, der auf transregionale und transkulturelle Beziehungsnetzwerke fokussiert.“


Prof. Dr. Hans van Ess 

Auch Prof. Dr. Hans van Ess vom Institut für Sinologie/Mongolistik der Ludwig-Maximilians-Universität München wies auf die Gefahr des Schubladendenkens hin, die mit dem Begriff der „Area Studies“ einhergehen könnte. Er betonte zudem die Wichtigkeit, moderne asiatische Sprachen zu können.

 

Angesichts dessen, dass die Mongolistik-Standorte aufgrund der Sparzwänge der öffentlichen Haushalte zum großen Teil  latent in ihrem Bestand bedroht sind, brachte der Austausch unter den Fachvertretern eine Vision für zukünftiges, interdisziplinäres gemeinsames Arbeiten hervor. Die Akteure lernten sich kennen oder bauten ihre Kontakte aus. So kann die Bonner Tagung als Anschub für die Gründung eines agilen Netzwerks der Mongolisten gesehen werden, aus dem Forschungskooperationen hervorgehen können, die neue Wege in den Mongolei-Studien gehen werden.


v.l.n.r.: Prof. Sagaster und Ts. Bolor am Rande der Tagung

Ein vertiefender Austausch unter den Teilnehmenden wurde durch den an die Tagung anschließenden Workshop am 10.4.2015 vor Ort ermöglicht.


   

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Last Update: 10. Januar 2016