Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

D. Terbishdagva - neuer mongolischer Botschafter in Deutschland

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar/Berlin


Foto: Bundespresseamt

Am 10. Januar übergab Dendeviin Terbishdagva (47), der neue mongolische Botschafter in Deutschland, an Bundespräsident Rau sein Beglaubigungsschreiben.

Als Terbishdagva Ende November, an einem Sonntag, direkt aus Ulaanbaatar kommend seinen Amtssitz in der Berliner Gotlandstraße inspizierte, bekam er noch nicht einmal eine Tasse Tee vorgesetzt. Wahrscheinlich waren seine zukünftigen Mitarbeiter zu verblüfft angesichts des Arbeitseifers ihres neuen Chefs.

"Leicht ist mir die Entscheidung wahrlich nicht gefallen, trotzdem habe ich mich nicht lange bitten lassen." Terbishdagva bezeichnet Deutschland als seine zweite Heimat. Er spricht die Sprache seines Gastlandes fast ohne Akzent und ist weit davon entfernt, die Deutschen als kühl und unfreundlich einzuschätzen. "Das mag vielleicht anfangs so scheinen, in Wirklichkeit sind sie herzlich, aufgeschlossen und zuverlässig".

Im Arkhangai-Aimag, in der mittleren Mongolei, geboren, aufgewachsen in Ulaanbaatar, studierte er Lebensmitteltechnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach dem Studium arbeitete er im Fleischkombinat von Ulaanbaatar, ehe er gemeinsam mit seiner Frau, Sodnomyn Baasankhuu, nach der politischen Wende den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und in der Mongolei ein gut gehendes Handels- und Lebensmittelunternehmen aufbaute.

Der furiose Wahlsieg der ehemaligen Kommunisten im Juli 2000 katapultierte den parteilosen Unternehmer in das Amt des stellvertretenden Landwirtschaftsministers. Damit verstärkte er die junge, eher sozialdemokratisch orientierte Gruppe um Ministerpräsident Enkhbayar. Seine Berufung auf den begehrten Botschafterposten in Berlin kam nicht nur für ihn überraschend. Einige gelernte Diplomaten murrten, im mongolischen Parlament aber wurde seine Nominierung einstimmig begrüßt. "Wer, wenn nicht er, sollte es schaffen, die Botschaft auf Vordermann zu bringen und Vertrauen bei den Deutschen zurück zu gewinnen." Auch in Oppositionskreisen genießt der politische Quereinsteiger Respekt.

"Die Mongolei ist ein 'kleines' Land. Alle, die Verantwortung tragen, müssen zusammenarbeiten, gemeinsam danach trachten, die Probleme des Landes zu lösen."

Terbishdagva lächelt, er weiß, dass das schneller gedacht als getan ist. Wo auf der Welt sind Vernunftsgründe allein bestimmend für Handlungsmuster?

Terbishdagva weiß auch genau, was seine Regierung erwartet: Der Mongolei in Deutschland wieder zu einem besseren Ruf zu verhelfen. Inkompetenz, Veruntreuung von Spenden- und Steuergeldern und Zigarettenschmuggel unter dem Schutz der diplomatischen Immunität haben diesen Ruf nachhaltig beschädigt. Hinzu kommt die schwierige wirtschaftliche Lage der Mongolei: Steigende Außenhandels- und Haushaltsdefizite bei einem Wirtschaftswachstum von nur einem Prozent. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit wird auf 25 Prozent geschätzt, mehr als ein Drittel der Mongolen lebt unterhalb der Armutsgrenze. Viele junge Mongolen wollen nur eins - weg. Bevorzugte Ziele sind die USA, Deutschland, Korea und Japan.

Die Ursachen für die Misere liegen nicht nur in Kälte- und Schneekatastrophen, Dürren, Wald- und Steppenbränden oder sinkenden Weltmarktpreisen für Kupfer und Kaschmir. Willkürliche Auslegung von Gesetzen und Verwaltungsvorschriften in Ämtern und Behörden, mangelnde Qualifikationen und Vetternwirtschaft behindern die wirtschaftliche Entwicklung.

Investoren drängeln sich nicht unbedingt nach einem Engagement in der Mongolei. Beklagt wird vor allem das Desinteresse der deutschen Wirtschaft. Obwohl die Bundesrepublik nach Japan, der Asiatischen Entwicklungsbank und der Weltbank der viertgrößte Geber ist, liegt sie bei Investitionen nur an 17. Stelle. Deshalb sieht Terbishdagva einen Schwerpunkt seiner Arbeit darin, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und der Mongolei zu verbessern. "Im Unterschied zu Japanern oder Amerikanern sind deutsche Unternehmer aber sehr, sehr vorsichtig, scheuen oft jegliches Risiko, Entscheidungen werden ewig hinausgezögert. Die Bürokratie erinnert manchmal an die mongolische."

Ab und zu vermisst der Botschafter den strahlendblauen Winterhimmel in der Mongolei oder die weiten Steppenlandschaften. Doch er blickt stets nach vorn und er ist optimistisch.

"Deutschland ist unser wichtigster Partner in Europa. 30.000 Mongolen haben in der DDR, später im vereinten Deutschland, ihre Ausbildung erhalten. Sie sind mit deutscher Kultur, Lebensart und Mentalität vertraut. Mongolisch - deutsche Lebensgemeinschaften sind keine Seltenheit mehr. Die Kinder aus diesen Partnerschaften wachsen in beide Kulturen hinein und sprechen beide Sprachen perfekt.

Für die 19-jährige Tochter und den 15-jährigen Sohn des Botschafterpaares ist Deutschland ebenfalls kein fremdes Land. Sie fühlen sich in beiden Ländern zu Hause - zumal ein Besuch in der Mongolei mit dem einzigen interkontinentalen Direktflug von und nach Berlin problemlos zu bewerkstelligen ist.

Auf eine Tasse Tee an seinem neuen Arbeitsplatz muss der Botschafter schon lange nicht mehr warten.


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Last Update: 10. September 2006