Wanderer, der Du nach Ulaanbaatar kommst ...
Von Hugo Kröpelin

Wanderer, wenn Du nach Ulaanbaatar kommst...

... und nachts die Straße betreten willst, bedenke: Nähert sich auf der Fahrbahn ein Scheinwerfer, so muss das kein Motorrad sei. Bei Autos ist nur der linke Scheinwerfer unbedingt Pflicht.

... und Du als Fußgänger Grün hast, achte trotzdem auf die von vorn und hinten kommenden Abbieger. Denn die sehen nur IHR Grün. Als Autofahrer respektiere die Fußgänger, die die Straße bei Rot überqueren. Denn die sind gewöhnt, dass sie auch bei Grün von den Autofahrern nur selten respektiert werden.

...und privat wohnst, pack eine Taschenlampe ein. In vielen Hausfluren fehlen die Glühbirnen in den Lampen. Es dreht auch niemand welche ein, weil sie gleich wieder fehlen. Die Handleuchte taugt auch für Nebenstraßen, die immer nur kurz beleuchtet werden, wenn ein Auto durchfährt.

... und von einem Mongolen ein Arkhiglas entgegennimmst und mit ihm anstößt, dann stützte immer mit der linken Hand den rechten Unterarm. Das ist das Zeichen, dass Du keinen Dolch im Gewande trägst.

... Deinen Freunden Geschenke tauschen möchtest, reiche das Präsent mit beiden Händen und nimm es mit beiden Händen entgegen – sind beide Hände sichtbar, ist auch die friedliche Absicht offensichtlich.

... und nach der Heimkehr Deine Steuerabrechnung machst, kannst Du die hiesigen Busfahrscheine nicht für den Aufwand verwenden. In den meisten Bussen erhält der Fahrgast vom Schaffner noch Tickets zu 20 und 50 Mungu – das sind die Preise pro Fahrt aus den 70-er und in den 80-er Jahren.

... und eine Wohnung oder eine Jurte betrittst, steige über die Schwelle. Auf die Schwelle treten bedeutet, man schleppt böse Geister mit hinein.

... bist Du weiblichen Geschlechts und gehst auf eine feine Fete, steck die Stöckelschuhe besser in den Beutel. Viele Fußwege bestehen von viel Schotter durchbrochenem Beton und fressen unerbittlich Absätze.

... und Dein Mittagsmahl in einer unterklassigen Gaststätte (Zoogin gazar oder Tsainy gazar) einnehmen möchtest, geh gleich zum Tresen. Denn dort liegt meist eine Speisekarte. Die Tresenkraft weiß auch, was gerade "bakhgui" (nicht da) ist, und kassiert für das Bestellte meist sofort - bevor Du die Speise siehst.

... meide jegliches Gedränge an Ein- und Ausgängen von Märkten und Großveranstaltungen. Dort halten sich oft Jugendliche mit ganz geschickten Händen auf. Am besten, Du läßt die großen Scheine gleich im Safe oder an einem anderen sicheren Ort.

... und trunkenen Menschen begegnest, schlage um sie am besten einen großen Bogen. Diese zu berechnen, das vermögen sogar manche Einheimische nicht.

... und ein Auto mietest, lasse besondere Vorsicht walten. Was von weitem wie ein Schlagloch aussieht, könnte sich auch als fehlender Gullydeckel erweisen. Bei Regen umfährst Du am besten alle Schlaglöcher, man weiß ja nie, wie tief sie sind.

... und an der Kreuzung die Ampel für Fußgänger nicht leuchtet, schau erst zu den Ampeln der anderen drei Ecken der Kreuzung, um festzustellen, ob Du laufen darfst und die anderen fahren dürfen.

... und am Morgen in die Stadt oder die Natur willst, lass Dich nicht von dem verlockenden Sonnenschein zu leichtsinniger Kleidung verleiten. Vor allem im Frühjahr und Herbst schlägt vor und nach Neumond mittags das Wetter um.

... und Deinem/r neuen Bekannten aus der Heimat schreiben möchtest, lass Dir vorher eine sichere Adresse geben. In den Häusern gibt es keine Briefkästen und somit auch keine Postboten. Am sichersten erreichst Du den Freund/die Freundin über Anschriften von Unternehmen und Firmen, die meist Postfächer haben. Vergiß nicht den Vatersnamen (owog), denn Erdene und Tumur, Altanzezeg und Ojuuntschimeg heißen manchmal in einem Betrieb drei oder vier.

... und in die tiefe Provinz zu reisen gedenkst, lass Dich nicht von dem Warensortiment in Ulaanbaatar täuschen. Kauf alles, was Du auf der Tour benötigst, in hauptstädtischen Geschäften. Denn viele Lebensmittel – vor allem Obst und Gemüse - führt das sumyn delguur (Dorfladen) nicht oder unregelmäßig.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(September 2000)


   

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Last Update: 10. September 2006