Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Wo, bitte, liegt Oberriexingen?

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


In der Werkhalle. Foto K.-D. Bormann

"Ich wußte nicht viel von der Mongolei. Aber ich war neugierig und konnte meine Neugier zum großen Teil stillen." Josef Heuberger ist Heizungsbaumeister, seit einiger Zeit im Ruhestand, lebt in Oberriexingen in Baden-Württemberg und züchtet in seiner Freizeit Bienen.

Vier Wochen lang, vom achten Januar bis zum vierten Februar war er als Seniorexperte in der Mongolei tätig und hat mongolische Heizungsbauer und Sanitärtechniker weitergebildet. Für die Mongolei, ein Land, in dem der Winter acht Monate dauert, ein besonders nützliches Projekt. Vereinbart wurde es zwischen der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und einem Unternehmen aus Brandenburg. In insgesamt 15 Kursen sollen mongolische Fachkräfte u.a. im Heizungsbau, im Sanitärbereich und in moderner Schweißtechnik weitergebildet werden.

Hinter Heuberger liegen anstrengende und erlebnisreiche Wochen. An 20 Mongolen - der jüngste gerade 21, der älteste bereits über 50 Jahre alt - hat er sein Wissen weitergegeben. Die Zeit verging wie im Fluge: Vormittags Unterricht, am Nachmittag die Vorbereitung auf den nächsten Tag und Betriebsbesichtigungen. Sein Alter, über minus 40 Grad Kälte, spiegelglatte Fahrbahnen und Gehwege, die jede Taxifahrt, jedenSpaziergang, zum Abenteuer machten, haben ihm nichts anhaben können. Wo er hinkam, auf Baustellen, in Einfamilienhäuser oder in Werkhallen, hatte Heuberger, der auf über 50 Jahre Berufserfahrung zurückblicken kann, Tipps parat. Wenn es dennoch nicht klappte, legte er einfach selbst mit Hand an. "Es ist nicht einfach in der Mongolei, hier ist vieles ganz anders als bei uns." Er hat Heizungskeller gesehen, in denen wegen fehlender oder falscher Isolation Saunatemperaturen herrschten - die Zimmer dagegen waren recht kühl.

Leitungs- und Sanitärinstallationen waren mitunter so nachlässig ausgeführt, dass "jeder Lehrmeister glatt verzweifeln würde".

In seinem Unterricht in Ulan-Bator konnte er sich über aufmerksame und fleißige Schüler freuen. Unpünktlichkeit, in der Mongolei weit verbreitet, gab es bei ihm selten, die Teilnehmer kamen gern. Schon nach wenigen Tagen nannten sie ihn den "Professor".

"Ich werde gute Erinnerungen mit nach Hause nehmen" sagte er, als er seinen Schülern zum Abschluß der Ausbildung Zertifikate überreichte und sich von ihnen verabschiedete. Beiden Seiten fiel der Abschied nicht leicht, aber, so Heuberger, "ich freue mich auch darauf, bald wieder zu Hause bei meiner Familie zu sein." Wer wollte ihm das verdenken. Außerdem: vielleicht kommt er doch noch einmal nach Ulan-Bator zurück - im Sommer, wenn es wärmer ist und die mongolischen Bienen fliegen. Eine erneute Einladung hat er in der Tasche und wenn es die Gesundheit und seine Bienen zulassen, wird er sich erneut auf die weite Reise nach Zentralasien begeben.

Auf der Welt gibt es jetzt jedenfalls 20 Menschen mehr, die wissen, wo Oberriexingen liegt.


   

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Last Update: 10. September 2006