Zud in der Mongolei
Mehr als eine halbe Million Nutztiere ist bereit tot

Von Thorsten Trede / Chuluunbaatar Gerelchimeg /

 


(Trügerische Idylle bei Minus 40 Grad Celsius)

Es gibt Katastrophen, die kennt jeder und es gibt solche, die scheint man einfach zu übersehen. Zud in der Mongolei gehört leider zu der zweiten Kategorie. 

Was ist Zud?
Zud, die Kältekatastrophe in der Mongolei, ist eines der oft übersehenen und selten erwähnten Naturereignisse mit schlimmsten Auswirkungen auf Mensch und Tier. Nach offiziellen Angaben starben allein in diesem Jahr bisher über 605.000 Nutztiere in Schnee und Eis. Im letzten Jahr, als die Katastrophe einen traurigen Höhepunkt erreichte, waren es über 2,4 Mio. verhungerte bzw. erfrorene Tiere, die ihre Besitzer mittellos zurückließen.

Zud kommt in drei unterschiedlichen aber immer verheerenden Formen vor. "White Zud" (Weißer Zud) beschreibt hohen Schneefall, so dass es den Tieren unmöglich wird, selbst nach Nahrung zu suchen. "Iron Zud" (Eiserner Zud) kommt mit einer geschlossenen Eisdecke daher, die alle Nahrung unter sich versiegelt, während "Black Zud" (Schwarzer Zud) einen Mangel an Schneefall beschreibt, der zum Verdursten der Tiere mangels trinkbaren Eis und Schnee bei aber gefrorenem Boden führt. 

Eine unglaubliche Katastrophe und Bedrohung für die Mongolei, wenn man bedenkt, dass der größte Teil der ländlichen Bevölkerung als viehzüchtende Nomaden durch das Land zieht.


(Schön aber tödlich)

Schlimmste Befürchtungen
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der Regierung der Mongolei und der Vereinten Nationen in der Mongolei richtet sich diese mit einem Appell an die Weltöffentlichkeit. Bisher sind doppelt so viele Tiere verendet wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zwischen 17 und 20 der 21 Provinzen (Aimags) sind betroffen. Am schlimmsten hat es bisher Zavkhan-Aimag, den Zentral-Aimag, Khuvsgul und Khovd-Aimag getroffen. Hier haben die Nomaden jeweils zwischen 62.000 und 89.000 Tiere verloren. Bei 15 cm Schneehöhe und Temperaturen um die minus 40 Grad können die Tiere nicht mehr auf Nahrungssuche gehen.

Allein in der Provinz (Aimag) Bayan Olgii werden rund 500 Tonnen Heu und 470 Tonnen Futter sowie 140 Tonnen zusätzlich für die Viehzüchter und ihre Tiere benötigt.

Das Hilfsprogramm der UNO mit einem Umfang von rund 12 Mio. US$ wird noch bis zum 31. Mai laufen und vielleicht das Schlimmste verhindern. Experten rechnen dennoch damit, dass bis zum Beginn der Vegetationsperiode über 6,5 Mio. Tiere verendet sein werden, da im Frühjahr zu Schnee und Kälte Stürme hinzu kommen und außerdem die geschwächten Muttertiere ihren Nachwuchs bekommen. Außerdem wird mit weiteren starken Schneefällen gerechnet.

Nomaden
Rund 800.000 der 2,4 Mio. Einwohner der Mongolei leben in der Hauptstadt Ulan Bator. Ein Grossteil der Landbevölkerung lebt heute noch als Nomaden und zieht rund zwei bis drei Mal im Jahr mit ihren Gers (Jurten) und ihren Herden von einer Weide zur anderen. Viehzüchter halten vor allem Schafe, Ziegen (Kaschmirziegen), Pferde und Rinder, aber auch Kamele und Yaks.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Thorsten Trede und Chuluunbaatar Gerelchimeg (Februar 2000)


Die Autoren:

Gerelchimeg Ch.-Trede ist Dozentin für Marketing an der Universität der Mongolei in Ulaanbaatar.
Thorsten Trede ist Geschäftsführer der APPLICATIO Training & Management GmbH. Er ist als Trainer und Berater im Bereich Management und Marketing weltweit aber vor allem in der Mongolei tätig und arbeitet in Hamburg als freier Journalist.

   

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Last Update: 10. September 2006