Hilfe für die Menschen im Bezirk Uws: erste Reaktionen
 Aktion mongolischer Studenten in München erbrachte 2000 DM

Von Hugo Kröpelin / Berlin

„Nach der ZDF-Reportage über die Zud-Katastrophe waren wir uns einig, dass den betroffenen Menschen und Tieren in der Mongolei unbedingt geholfen werden muss", schrieben ein Mann und eine Frau aus Rheinstetten an die arbeitsgruppe Mongolei im Asien-Pazifik-Forum Berlin. Die beiden überwiesen spontan 200 DM auf das Treuhandkonto Nr. 4075828001 (BLZ 12080000) bei der Dresdner Bank Berlin. „Sicher nur ein Tropfen auf den heißen Stein", meinten die beiden. Doch viele Tropfen Milch füllen eine Kanne: Der Geschäftsführer der Berliner Firma DAO zahlte 500 DM ein. Andere fragten an, wie sie helfen können. Und bekundeten ihr Unverständnis, dass der exzellenten Reportage von Joachim Holtz nicht ein Spendenaufruf folgte. Eine Berlinerin meldete sich bei der Arbeitsgruppe und teilte mit, dass sie den Spendenaufruf vervielfältigt und an mehreren Pinwänden ihre Dienststelle angebracht hat. „Diesen Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, muss man einfach helfen", schrieb sie.

Die erste Reaktion kam übrigens aus dem Amt Schönefeld (Landkreis Dahme-Spreewald).Dort meldete sich eine Frau, die vor gut zwei Jahrzehnten die Mongolei besucht hatte. Sie spendete 300 Mark für Medikamente, dieselbe Summe will die Erzieherin in einer Blindenschule zum Jahresende noch ein Mal einsetzen. Aus Niemegk (Landkreis Potsdam-Mittelmark) fand sich Dieter Schumann vom gleichnamigen Autohaus ein. Im Beisein von Botschafter Bazaarragchaa Bayarsaikhan legte er 1500 DM für ein Waisenhaus in Ulaanbaatar auf den Tisch. „Das ist der zweite schlimme Winter in zwei Jahren", sagt der Botschafter, „und der schlimmste seit 1976."

Dr. Klaus Bormann, Asienwissenschaftler und Chef der Deutschen Mongolei Agentur in Ulaanbaatar, koordiniert die Vergabe von 2,5 Millionen DM im Rahmen eines Nothilfeprojekts der Bundesrepublik. Er verweist darauf, dass zwischen Februar und April die Jungtiere zur Welt kommen. „Doch Temperaturen bis minus 50 Grad und hoher Schnee machen die auf dem Halm getrockneten Pflanzen unzugänglich. „So bringen schwache Muttertiere auch schwache Jungtiere zur Welt", fügt er hinzu. Insgesamt über eine Million Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde und Kamele sind dem Dsud, wie die spezifisch mongolische Winterkatastrophe genannt wird, schon zum Opfer gefallen. In Mägen von toten Tieren habe man Steinchen gefunden, und wie in der ZDF-Reportage zu sehen war, knabbern Schafe und Ziegen schon Zweige von Bäumchen und Sträuchern. Das erste Gras gibt es erst wieder Ende Mai.

„Kein Pfennig geht verloren", unterstreicht Dr. Bormann. Trockenmilch und Medikamente hat er schon in die an Sibirien grenzenden Nordbezirke Sawkhan und Uws geschickt. In der mongolischen Hauptstadt zurück, wird er weitere Sendungen zusammen stellen. Ein Teil des gespendeten Geldes sei auch für die Anschaffung von Jungtieren bestimmt, mit denen sich Hirten eine neue Existenz aufbauen können.

Das Unglück, von dem die Hirtenfamilien betroffen sind, hat auch Mongolen in Deutschland auf den Plan gerufen. Auf Initiative mehrerer Studenten in München unterbrach die Folkloregruppe „Egschiglen" ihre Tournee durch die Schweiz und sang und spielte auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung mit rund 100 Gästen. Wie leben die Hirten? Wie werden sie versorgt? Wie können sie sich gegen solche Katastrophen wappnen? Diese und viele andere Fragen des deutschen Publikums mussten beantwortet werden. Verständnis für die schwierige Lage und Begeisterung ob der professionellen Darbietungen erbrachten vorerst 2000 DM auf dem Konto des Konsulats.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Hugo Kröpelin, News Stories Photos aus Berlin und Brandenburg
(März 2002)


   

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Last Update: 10. September 2006