WORLDVISION-Kinderpatenschaften

Rede von Frank Voßen (Vorstandsmitglied des Kinder- und Jugendringes Bonn) zur Ausstellungseröffnung
"Die Mongolei auf dem Weg ins nächste Jahrtausend - Jugendbeziehungen zwischen Bonn und Ulaanbaatar"
am 18. August 1997 im Kulturzentrum Brotfabrik, Bonn-Beuel


Es gilt das gesprochene Wort:


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Mongolei!

Zunächsteinmal darf ich mich ganz herzlich für Ihr Kommen und die Gastfreundschaft des Kulturzentrums Brotfabrik bedanken.

Der Kinder- und Jugendring Bonn hat Sie heute zur Ausstellungseröffnung der Ausstellung "Die Mongolei auf dem Weg ins nächste Jahrtausend - Jugendbeziehungen zwischen Bonn und Ulaanbaatar" eingeladen.

Für viele Westdeutsche ist die Mongolei immer noch ein weißer Fleck auf der Landkarte. Mit dieser Ausstellung möchten wir Sie über das Land der Mongolen informieren. Die Mongolei liegt zwischen Rußland und China im Herzen Asiens. Das Land ist ca. 4 x so groß wie Deutschland und hat etwa 2,4 Millionen Einwohner. Viele Tausend Menschen aus der Mongolei haben in der ehemaligen DDR studiert und können nun sehr gut Deutsch. Nach Russisch ist Deutsch die am weitesten verbreitete Fremdsprache in der Mongolei.

Deutschland und die Mongolei hatten bereits 1241 ihren ersten Berührungspunkt. In diesem Jahr wurde bei Liegnitz das deutsche Ritterheer von den mongolischen Reiterheeren vernichtend geschlagen. Nach einer Versammlung der mongolischen Fürsten orientierten sich die mongolischen Reiter in andere Himmelsrichtungen und beendete den Vormarsch noch Westen.

Den ersten Jugendaustausch gab es in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts. Mongolische Schüler und Studenten kamen nach Deutschland und studierten an der reformpädagogischen Freien Schulgemeinde Wickersdorf. Unter ihnen war auch der später berühmte Schriftsteller Nazagdordsh. Diese Schule war Teil der um die Jahrhundertwende entstandenen Jugendbewegung. Somit ist auch dieses erste Zeugnis des deutsch-mongolischen Jugendaustausches im Archiv der deutschen Jugendbewegung auf der Burg Ludwigstein zu finden.

1990 bis 91 gab es den friedlichen Wandel zu einem demokratischen Staat in der Mongolei. In dieser Zeit verschwanden zahlreiche Kinder- und Jugendeinrichtungen. 1992 begannen junge Mongolen mit dem Aufbau neuer demokratischer Jugendstrukturen und Jugendverbände. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit der ehemaligen DDR besteht ein sehr großes Interesse an Deutschland.

Seit 1993 bestehen nun zahlreiche Beziehungen zwischen Jugendeinrichtungen in Bonn und Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei. Jugendexperten veranstalten Seminare in der Mongolei, mongolische Jugendliche kommen zum Eurocamp oder nehmen am JUSY-Festival in Bonn teil, Pfadfinder gestalten gemeinsame Lager in Bonn beziehungsweise in der Mongolei. Dieses sind nur einige Beispiele der guten Zusammenarbeit.

Bis zum 19. September zeigt der Kinder- und Jugendring Bonn nun zahlreiche Fotos von den deutsch-mongolischen Begegnungen.

Die Ausstellung gliedert sich in drei Bereiche: 1. Die Jugendbeziehungen zwischen Bonn und Ulaanbaatar. Diese Bilder befinden sich im hinteren Teil der Kneipe 2. Die Kinder und Jugendlichen in der Mongolei. Diese Bilder befinden sich im vorderen Teil des Foyers. 3. Die Mongolei auf dem Weg ins nächste Jahrtausend. Und diese Bilder befinden sich zwischen Foyer und Kneipe.

Diese Ausstellung findet in enger Zusammenarbeit zwischen dem Kinder- und Jugendring Bonn, dem Bonner Verein für Jugendförderung, dem Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder und der Abteilung Jugendförderung im Amt für Kinder, Jugend und Familie der Bundesstadt Bonn statt.

Ab dem 10. November wird diese Ausstellung in der Bonner Infothek des Jugendamtes zu sehen sein. Darüber hinaus informiert der Kinder- und Jugendring auch ausführlich über die Mongolei im Internet.

Mit dem zentralasiatischen Seminar der Uni Bonn bilden die Jugendbeziehungen zwischen Bonn und Ulaanbaatar die zentrale Säule der derzeitigen Beziehungen der Menschen zwischen Deutschland und der Mongolei. Bonn ist das Zentrum für die deutsch-mongolischen Begegnungen.

Nach dem Beschluß des Bundestages, daß das Parlament und die Regierung für viel Geld nach Berlin wechseln werden, bestehen berechtigte Sorgen um die Internationalität unserer Stadt. Es ist zu vermuten, daß sehr viele Botschaften und Konsulate in Bonn schließen werden. Aufgabe aller gesellschaftlichen Gruppen ist es, aktiv an der Gestaltung eines Nord-Süd Zentrum in Bonn mitzuwirken und die Ansiedlung internationaler Organisationen voranzutreiben.

Bonn ist und war schon immer eine internationale Stadt. Vor 2000 Jahren wurde unsere Stadt von den Römern gründet. Viele Ausländer kamen in allen Zeiten zu uns und ließen sich hier am Rhein nieder. Franzosen aber auch Briten regierten Bonn. Heute haben ca. 13,5 % der Bonner keinen deutschen Paß. Hinzu kommen noch die vielen Diplomaten. Die Jugendverbände und Jugendeinrichtungen haben weiterhin die Aufgabe, die unterschiedlichen Nationalitäten in unserer Stadt zusammenzuführen und die Brücken zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Nationen der Welt zu bauen beziehungsweise zu festigen.

Aufgrund der sehr positiven Beziehungen zu Ulaanbaatar könnte sich der Kinder- und Jugendring eine Städtepartnerschaft zwischen Bonn und Ulaanbaatar oder zwischen Stadtbezirken dieser beiden Städte für die Zukunft vorstellen.

Zum Abschluß möchte ich mich noch bedanken: Zuersteinmal beim Kulturzentrum Brotfabrik, das uns freundlicherweise seine Räumlichkeiten für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt hat. Zweitens beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für die maßgebliche finanzielle Unterstützung bei den deutsch-mongolischen Begegnungen. Ohne diese Unterstützung ist der Jugendaustausch kaum möglich. Und außerdem beim Amt für Kinder, Jugend und Familie der Bundesstadt Bonn für die finanzielle und hilfreiche Unterstützung der deutsch-mongolischen Maßnahmen. Politiker auf Bundes-, Landes- und Stadtebene bleiben aufgerufen, die Jugendhilfe mit den notwendigen Finanzmitteln auszustatten. Wer hier spart, der spart an seiner Zukunft. Weiterhin möchte ich mich bei allen Unterstützern, Helfern, Sponsoren und Freunden der Mongolei ganz herzlich für ihre Beiträge und ihre Hilfe bedanken. Alleine ist ein solcher Austausch nie zu schaffen.

Als kleines Dankeschön möchte ich allen Beteiligten und Helfern diese Ausstellung widmen.

Ich wünsche den Menschen in Deutschland und der Mongolei eine weiterhin gute und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.


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Last Update: 01. Januar 2008