Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 26. März - 1. April 2001

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Pressekonferenz zur mongolisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Botschafter Schröder: Zehn Jahre sehr erfolgreiche deutsch-mongolische Zusammenarbeit
Vom 28.-29. März trafen sich in Ulaanbaatar Vertreter der mongolischen Regierung, Mitarbeiter mongolisch-deutscher Entwicklungshilfeprojekte sowie Mitglieder einer Evaluierungskommission des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) zu einem Seminar über die Ergebnisse der deutsch-mongolischen Entwicklungszusammenarbeit in den vergangenen zehn Jahren. Gleichzeitig wurden die zukünftigen Kooperationsschwerpunkte diskutiert.
Auf der abschließenden Pressekonferenz erklärte der Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Mongolei, Klaus Schröder: „Wir blicken auf eine lange Tradition guter mongolisch-deutscher Beziehungen zurück. Bereits vor 1990 lernten und studierten viele Mongolen in Deutschland, lernten die Sprache und das Land kennen, so dass nach der politischen Wende an Vorhandenes angeknüpft, Bestehendes weiterentwickelt werden konnte. Mit den ersten zehn Jahren können wir zufrieden sein. ... In zwei aufeinanderfolgenden Jahren wurde die Mongolei von Naturkatastrophen heimgesucht, die menschliches Leid, aber auch großen materiellen Schaden für die Volkswirtschaft verursachten. Auch hier hat die Bundesregierung mit erheblichen Mitteln geholfen", so Schröder weiter.
Der stellvertretende Wirtschafts- und Finanzminister der Mongolei, Enkhtaivan, hob die Besonderheit des Seminars hervor, es sei das erste Mal, dass ein großes Geberland eine derartige Evaluierungsveranstaltung durchführe, an der neben der mongolischen Regierung auch andere staatliche und nichtstaatliche Einrichtungen aktiv beteiligt seien. Die Hauptrichtungen der Zusammenarbeit sieht er in den Bereichen Infrastruktur und Kommunikation, Wirtschaftsreformen und Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen, Umweltschutz und ländliche Entwicklung, Aus- und Weiterbildung sowie Gesundheit.
Dr. H. Breier, Leiter des Referats Erfolgskontrolle im BMZ, antwortete auf die Frage, wie sich die Evaluierungsergebnisse auf die weitere Entwicklungszusammenarbeit auswirken werden, dass die Entscheidungen über Empfehlungen der Gutachter während der nächsten mongolisch-deutschen Regierungsverhandlungen getroffen würden. Julia Wegner, Mongolei-Referentin im BMZ, fügte hinzu, die Entscheidungen träfe zwar die Regierungen, aber zuvor würden „die Gutachterberichte gemeinsam beraten, Hinweise und Vorschläge nach Möglichkeit befolgt." Wegner: „Die Projektvorschläge werden von der mongolischen Seite eingebracht, die Entscheidung darüber, ob und wie sie verwirklicht werden, treffen beide Seiten gemeinsam, dabei signalisieren wir natürlich, worin wir besonders kompetent sind."
Seit 1992 hat die Bundesregierung der Mongolei finanzielle und technische Unterstützung in Höhe von 170 Millionen USD gewährt, davon 75 Millionen in Form von Krediten.

Armut nimmt zu
Der Minister für soziale Sicherheit und Arbeit, Sh. Batbayar, räumte auf einer Pressekonferenz am 30.03. ein, dass die Armut in der Mongolei in den vergangenen Jahren zugenommen habe. Den Angaben seines Ministeriums zufolge sind fünf Prozent der Erwachsenen mit niedrigen Einkommen unterernährt, 36 Prozent der Bevölkerung leiden unter Ernährungsdefiziten. Tuberkulose, Hepatitis, Meningitis und andere Infektionskrankheiten sind in dieser Gruppe besonders häufig vertreten.
Arbeitslosigkeit ist die Hauptursache für Armut. 38 600 Arbeitslose sind registriert, doch nach Angaben des Ministeriums für soziale Sicherheit und Arbeit gibt es mindestens 109 500 Menschen ohne festen Arbeitsplatz. Deshalb richtet die Regierung große Anstrengungen auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze.
Mit Stand von März 2002 leben in der Mongolei 2 407 500 Menschen, von denen 35,9 Prozent bis 15 Jahre alt, 59 Prozent im arbeitsfähigen Alter und 5,3 Prozent im Rentenalter sind.
49,6 Prozent sind männlich, 50,4 Prozent weiblich.
Im Jahr 2000 wurden 51 100 Kinder geboren.
Gab der Staat 1997 7,2 Milliarden Tugrik für Sozialhilfe aus, erreichte diese Summe im Jahr 2000 13,5 Milliarden Tugrik.

Tod eines Diplomaten
Der Abteilungsleiter im Amt für Sicherheit, D. Ganbat, erlag während einer Dienstreise nach Peking am 24. März offensichtlich einem Herzanfall. Er hinterlässt seine Ehefrau und zwei Kinder.
Der 43-jährige Ganbat war von 1994 bis 1999 an der mongolischen Botschaft in Deutschland als Leiter der Konsularabteilung tätig.

Bagabandi und Dashnyam komplettieren Kandidatenliste
N. Bagabandi wurde von der regierenden Mongolischen Revolutionären Volkspartei (MRVP) erneut als Präsidentschaftskandidat nominiert. Die Bürgermut-Partei ernannte den Mongolisten L. Dashnyam, obwohl es in der Partei Stimmen gab, die für eine Unterstützung des Kandidaten der Demokratischen Partei (DP), R. Gonchigdorj, plädierten. Die „Mutterland – Mongolische Demokratische Neue Sozialistische Partei" hat dem MRVP-Kandidaten ihre Unterstützung zugesagt.
Kritik äußerte die Opposition daran, dass Bagabandi, obwohl nicht zuerst nominiert, dennoch an erster Stelle auf den Wahlzetteln steht. Bei allen vorangegangenen Wahlen wurden die Kandidatennamen entsprechend dem Zeitpunkt ihrer Registrierung aufgelistet. Viele Wähler auf dem Land kreuzen automatisch den ersten Namen auf der Liste an. Die Opposition vermutet hinter der geänderten Praxis der Wahlkommission eine gezielte Taktik der Regierung.

1000 Studenten sitzen in Sukhbaatar und Dornod fest
Wegen der Quarantänemaßnahmen aufgrund der Maul- und Klauenseuche in den Aimags Sukhbaatar und Dornod sitzen 1000 Studenten in ihren Heimatkreisen fest und können nicht an ihre Hochschulorte gelangen.
Die Ständige Sonderkommission plant, den Studenten in der kommenden Woche die Reise nach Ulaanbaatar zu ermöglichen.

Keine Abhörvorrichtungen gefunden
D. Bazarsad, der Vizechef der Sonderkontrollkommission des Großen Staatskhurals, informierte darüber, dass in den Räumen der Demokratischen Partei keine Abhörgeräte gefunden wurden. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung des neu berufenen Chefs des Sicherheitsamtes, D. Batsaikhan, durchsuchte die Räume ohne Ergebnis. Der stellvertretende Vorsitzende der DP, J. Narantsatsralt, der der Arbeitsgruppe angehörte, bestätigte durch seine Unterschrift das Untersuchungsergebnis.

Erdenet" den Anforderungen des Wettbewerbs nicht gewachsen?
Das erste Mal seit 1996 kamen die Mitglieder der Betriebsleitung des mongolisch-russischen Bergbau-Unternehmens „Erdenet" zu einer gemeinsamen Beratung zusammen. Angesiedelt im Orkhon-Uul-Aimag, sieht die Zukunft des größten Devisenbringers der Mongolei düster aus. 82 Milliarden Tugrik Schulden stehen lediglich 27 Millionen Tugrik Außenstände gegenüber.
Die Ursachen liegen auch darin, dass der Kupfergehalt der Gesteine immer geringer wird und die Erze aus immer größeren Tiefen gewonnen werden müssen.
Geplant ist der Aufbau eines Betriebes zur Produktion von reinem Kupfer und die Reduzierung der ausländischen Berater. Für die kurzfristige Erneuerung der technischen Ausrüstung wurden 22 Milliarden Tugrik zugesagt.


Der Schnee im Bogd-Uul taut. Ulaanbaatar am 29. März 2001

Zud 2000/01
Der Verteidigungsminister und Vorsitzende der Katastrophenschutzkommission (mong.: Staatliche Ständige Sonderkommission), J. Gurragchaa, informiert: 114 300 Viehzüchter-Familien überwinterten und beziehen gerade ihre Frühjahrslager unter Zud-Bedingungen. Betroffen sind 192 Sums in 20 Aimags und 18,4 Millionen Stück Vieh. Bisher sind 1,5 Millionen Tiere verendet. Die Angaben aus den Aimags sind unvollständig, da nicht in alle Sums und zu allen Lagerplätzen Verbindung aufgenommen werden kann.
Die einsetzende Schneeschmelze verwandelt die Pisten in schwer oder nicht zu befahrende Schlammwge.
Im Tuv-Aimag sind bis auf vier Sums alle anderen vom Zud betroffen. Bisher sind 280 000 Stück Vieh verendet. Aus den Erfahrungen der letzten beiden Jahre lernend, wollen sich die Viehzüchter des Aimags in Kooperativen zu 20-25 Familien zusammenschließen. Gemeinsam wollen sie Futter bevorraten, den Umzug auf die saisonalen Weideplätze bewerkstelligen bzw. sich gegenseitig bei der Produktion der Lebensmittel und der Vermarktung der Produkte aus der Viehwirtschaft unterstützen.

Maul- und Klauenseuche
In neun Sums des Dornod-, in zwei Sums des Sukhbaatar- und in einem Sum des Khentii-Aimags wurden insgesamt 23 Krankheitsherde der MKS entdeckt. 1011 Tiere wurden geschlachtet, mehr als zwei Millionen Tiere geimpft.
In drei Stadtbezirken von Ulaanbaatar ist ebenfalls die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. 53 Tiere wurden vernichtet, alle 210 000 „hauptstädtischen" Tiere geimpft, wobei einige einen Schock erlitten und starben.
Im Chingeltei-Distrikt sind 20 000 Menschen vom Ausgehverbot betroffen.
J. Gurragchaa wies auf die Problematik von Viehhaltung in dicht besiedelten Regionen hin.
Die unter Quarantänebedingungen lebenden Menschen leiden zunehmend unter psychischen Störungen. Der Alkoholkonsum in den betroffenen Gebieten steigt sprunghaft an.


Dr. Dietrich Nelle in seinem Büro

Auszeichnung für GTZ-Mitarbeiter
Dr. Dietrich Nelle, im Auftrag der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) als Projektkoordinator im mongolischen Justizministerium tätig, wurde für sein engagiertes und erfolgreiches Wirken bei der „Reform des Wirtschafts- und Zivilrechts in der Mongolei" vom Obersten Richterrat der Mongolei mit dem Titel: „Hervorragender Justizmitarbeiter" ausgezeichnet.

Neues Kloster
Im Buren-Sum des Tuv-Aimags soll im Sommer ein neu erbautes lamaistisches Kloster seiner Bestimmung übergeben werden. Die erste Spende in Höhe von einer Million Tugrik kam vom Oberlama des Gandan-Klosters, D. Choijamts. Choijamts stammt aus dem Buren-Sum.

Mischehen
Im Jahre 2000 haben 118 mongolische Bürger, 112 Frauen und sechs Männer, die Ehe mit einem ausländischen Partner geschlossen. Die heiratswilligen Ausländer stammen aus 20 Staaten.

Was haben Japaner und Deutsche gemeinsam?
Japanern fällt bei dem Begriff „Mongolei" zuerst Zud, Tschingis-Khaan und Batbayar, ein in Japan sehr beliebter mongolischer Sumo-Kämpfer, ein. Bei den Deutschen herrschen ähnliche Klischees vor: Tschingis-Khaan, Zud und vielleicht gesalzener Milchtee prägen die Vorstellungen der Deutschen, wenn die Rede auf die Mongolei kommt. Vor allem jungen Mongolen gefällt dieses einseitige Bild ihrer Heimat nicht. Sie wollen, dass auch im Ausland nicht nur der deelbekleidete, reitende Nomade mit seinen Viehherden wahrgenommen wird, sondern auch die mit moderner Technik bestens vertraute und in Kleidung, Frisur und Musikgeschmack eher ihren Altersgenossen in den Metropolen ähnelnde mongolische Jugend.


   

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Last Update: 01. Januar 2017