Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 17. - 23. Dezember 2001

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Bogenschütze aus Eis

Dienstreisen beendet
Ministerpräsident Enkhbayar und Parlamentsvorsitzender Tumur-Ochir haben kurz vor dem Jahreswechsel mehrtägige Informationsreisen in den Aimags Khuvsgul bzw. Arkhangai und Bulgan absolviert.
Enkhbayar besuchte das Vereinigte Aimagkrankenhaus in Murun, zwei Schulen und das Energieunternehmen. Hier interessierte sich der Ministerpräsidenten hauptsächlich für die Vorbereitung auf den Winter und konnte zu seiner Zufriedenheit vom erfolgreichen Abschluss aller notwendigen Reparaturmaßnahmen und einer aller Voraussicht nach reibunglosen Energieversorgung durch das Unternehmen hören.
Er traf sich mit Viehzüchtern, Lehrern, Arbeitern und Schülern zum Gedankenaustausch und besuchte zum Abschluss die Grenztruppen, um sich einen Eindruck vom harten Alltag und den schwierigen Arbeitsbedingungen an der mongolischen Nordgrenze zu verschaffen.
Tumur-Ochir musste sich in Bulgan und Archangai Fragen nach den Rechten der Aimag- und Sumverwaltungen gefallen lassen und wie das Regierungsprogramm zur „Bekämpfung der Armut auf dem Lande", trotz einzelner Erfolge (Renovierung von Schulen, Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs), weiter umgesetzt werden kann.
Tumur-Ochir nutzte die Gelegenheit, immer wieder auf die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen den Sums, Bags und vor allem der Wiederbelebung der Gemeinschaftsarbeit zwischen den einzelnen Tierhaltern hinzuweisen.


Bald wird es zwei Mongolen mehr auf der Welt geben

MdB Rudolf Kraus hilft werdenden mongolischen Müttern
Am 20. Dezember wurde im Krankenhauskomplex von Nalaikh, 20km von Ulaanbaatar entfernt, ein Raum seiner Bestimmung übergeben, der Frauen aus entlegenen Gebieten des Distrikts eine gefahrlose Entbindung garantieren soll.
Da die Anfahrtswege zum nächsten Krankenhaus vom Wohnort der schwangeren Frauen oft sehr weit und schwierig sind, müssen für sie Unterbringungsmöglichkeiten bis zur Entbindung geschaffen werden.
In der renovierten und neu ausgestatteten Warteeinrichtung im Krankenhaus von Nalaikh sahen am 20.12. die 25-jährige Badamsuren der Geburt ihres zweiten Kindes und die 20-jährige Munkhgerel der Geburt ihres ersten Kindes entgegen. Vier Tage zuvor waren sie aus Shokhoi bzw. aus Terelj gekommen und die ersten „Gäste" des geräumigen und zweckmäßig eingerichteten Zweibettzimmers. Der Fernsehapparat ist ein Luxus, den sie zuhause nicht genießen können, der aber dazu beiträgt, ihnen Eindrücke aus „einer anderen Welt" zu verschaffen, von denen sie noch lange zehren werden.
In einem kleineren Nebenraum befinden sich eine Nähmaschine, ein Kühlschrank sowie eine Kochgelegenheit, da sich die Frauen selbst versorgen und durch Näharbeiten für das Krankenhaus zur Finanzierung des Aufenthaltes beitragen wollen.
Eine 4 000-DM-Spende des Bundestagsabgeordneten aus Berlin, Rudolf Kraus, hat diese Dienstleistung für die Landbevölkerung erst möglich gemacht.
Ein Teil des Geldes ist für Kinder aus Nalaikh in schwierigen Lebensverhältnissen bestimmt (Einrichtung einer Schreinerei und einer Bäckerei u.a.).
Ewa 2 500 DM wurden für den „Warteraum" ausgegeben.
An der feierlichen Einweihung der neuen Dienstleistungseinrichtung nahmen neben dem Direktor des Krankenhauses und der Chefin der Entbindungsstation auch der Leiter des Büros der „Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit" (GTZ) in Ulaanbaatar, Dr. H.-H. Sawitzki sowie der Projektberater „Verbesserung der reproduktiven Gesundheit in der Mongolei", Dr. W. Wagner, teil.

Werden die Hauptstädter für die Müllentsorgung bald zur Kasse gebeten?
Der Oberbürgermeister von Ulaanbaatar, M. Enkhbold, der vom 03-10. Dezember an der Konferenz der Sozialistischen Internationale sowie am dritten Treffen hauptstädtischer Bürgermeister in Athen teilnahm, machte auf seinem Rückflug in die Heimat in Frankfurt/Main Station. Hier traf er sich mit dem Chef von „Galing International Management".
Mit der Firma „Galing International Management" wurde bereits im August des vergangenen Jahres ein Vertrag über die Errichtung eines Müllverarbeitungsbetriebes in Ulaanbaatar geschlossen.
Mit dem Patentinhaber für die anzuwendene Technologie traf Enkhbold ebenfalls zusammen und besichtigte einen Betrieb, der nach dem in UB zur Anwendung kommen sollenden Verfahren arbeitet.
In Athen drehten sich die Gespräche des Stadtoberhauptes von Ulaanbaatar um die Aufnahme der MRVP als Vollmitglied in die Sozialistische Internationale. Darüber hinaus tauschte sich Enkhbold mit seinen Kollegen aus Angola, Argentinien und Bosnien-Herzogowina über Probleme der Stadtverwaltungen aus, z.B. die überall horrend gestiegenen Kosten für die Müllentsorgung in den Metropolen der Welt.

Gefälschte Medikamente in der Mongolei
80 Prozent aller Medikamente, die in der Mongolei gehandelt werden, stammen aus dem Ausland. Wieviele der importierten Medikamente gefälscht sind, vermag niemand genau zu sagen. Bei nicht wenigen der Medikamente aus Lieferungen internationaler Hilfsorganisationen ist überdies das Verfallsdatum abgelaufen.
Gesundheit sei eine Handelsware geworden, in jedem Käseladen können Arzneimittel verkauft werden, beklagte jüngst der Gesundheitsminister auf einem Meeting mit seinen Wählern.
Fakt ist, die Mongolen nehmen im Medikamentenverbrauch weltweit eine Spitzenposition ein und Ärzte, Apotheker, Händler sowie die Verbraucher gehen nicht immer mit der nötigen Sorgfalt bei Verschreibung, Verkauf bzw. Verbrauch zu Werke.
Die mongolischen Gesundheitsbehörden schätzen, dass allein der Handel mit gefälschten Arzneimitteln aus Russland einen Umfang von 20 –30 Millionen Dollar erreicht hat.
Fälschungen erreichen die Mongolei auch aus China, Südostasien und Indien.
35 Prozent dieser Medikamente sind Antibiotika.

Batbold und Munkhdash gegen Kaution auf freien Fuß
Die namhaften mongolischen Unternehmer, D. Batbold (XL-TA) und T. Munkhdash („Burkhan-Khaldun") die im Zusammenhang mit der „Zentrpoint-Schlägerei" fast zwei Monate in Haft saßen, wurden gegen die Zahlung einer nicht näher bezifferten Kautionssumme (sie soll sehr hoch gewesen sein. R.B.) aus der Haft entlassen.
Es hätte sich herausgestellt, dass sie in die Erpressungsdelikte nicht verwickelt seien.
Die Ermittlungen wegen Rowdytums würden jedoch fortgesetzt.

Diebe im Museum für Geschichte
In der Nacht vom 15. zum 16. 12. wurden aus dem Museum für Nationalgeschichte (gegenüber vom Regierungspalast gelegen) Ausstellungsgegenstände im Wert von einer Million Tugrik gestohlen. Die Täter verfügten offenbar über einen Schlüssel für den Haupteingang.
Die zuständige Polizeidienststelle im Chingeltei-Duureg hat zwei mutmaßliche Täter in Gewahrsam genommen. Die Untersuchungen dauern an.

Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss nehmen zu
Schneefälle und vereiste Fahrbahnen haben in den letzten Tagen zu einem Anstieg der Verkehrsunfälle in Ulaanbaatar geführt. Verursacher sind in erster Linie Autofahrer unter Alkoholeinfluss. Besorgnis erregend sei jedoch auch das Verhalten von betrunkenen Fußgängern, die über die Fahrbahnen gelangen wollen; bei eisglatten Straßen ist ein rechtzeitiges Bremsen durch die Kraftfahrer nicht immer möglich.
Allein am 13. Dezember dieses Jahres sind vier von fünf Verkehrsunfällen mit Verletzten durch betrunkene Fußgänger verursacht worden.
Eine Verschärfung der Situation befürchtet die Verkehrspolizei, je näher der Jahreswechsel rückt.

Ein Wolfsfell für 6 000 Tugrik
Die Zahl der Märkte für Felle und Fleisch von Wildtieren hat sich in diesem Jahr drastisch verringert. Die Preise für jagdbare Tiere sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
In der „Mongolyn Medee" vom 18.12. wurden einige Preise genannt:
Ein Wolfsfell ist demnach zwischen 5 000 und 6 000 Tugrik zu haben, ein Fuchsfell für 7 000 bis 8 000, ein Murmeltierfell für 4 000 und ein Eichhörnchenfell für 2 400.
Ein ganzer Wolf kostet 15 000 Tugrik, ein Hirschgeweih 14 000 Tugrik.
Ein gut gegerbtes, gereinigtes Wolfsfell für den Touristenbedarf ist jedoch nicht unter 100 US-Dollar zu bekommen.

Bezahlung für Nachhilfestunden?
In Ulaanbaatar ist zwischen Lehrern und Eltern eine Auseinandersetzung um die Bezahlung von Nachhilfestunden für lernschwache Schüler im Gange. Für eine Nachhilfestunde verlangen die Lehrer 500 bis 1 000 Tugrik pro Schüler. Angemerkt werden muss dazu, dass die Lehrer entscheiden, wer zusätzlichen Unterricht nötig hat.
Bildungsminister A. Tsanjid dazu: „ Die allgemeinbildenden Schulen der Mongolei sind nicht privatisiert, so dass kein Recht auf zusätzliche Bezahlung für Unterricht existiert." Ebenso kritisierte er die Praxis mancher Lehrer, ihrern Schülern bestimmte Lehrbücher oder anderes Lehrmaterial zu verkaufen.

Vermisste Viehzüchter gerettet
Die im Gobi-Altai-Aimag seit dem 16. Dezember vermissten Viehzüchter konnten von den Rettungskräften wohlbehalten geborgen werden.
Die Situation in drei Sums des Uvurkhangai-Aimags verschärft sich hingegen weiter.
Kälte und starke Schneestürme führten zum Tod von über 1 000 Tieren auf entlegenen Weideplätzen.


Studentendemonstration am 18.12.01

Studenten für kostenlose Busfahrscheine in alle Richtungen zu allen Zeiten
Am 18. Dezember marschierten Studenten hauptstädtischer Hochschulen vom Sukhbaatarplatz bis zu den Städtischen Verkehrsbetrieben, um ihrer Forderung nach kostenloser Beförderung Nachdruck zu verleihen.
„Studenten kämpft für eure Interessen!" „2002 – Jahr der Studenten" stand auf den Transparenten.
Im Interesse der Studenten liegt es offensichtlich, auch nach 21.00 Uhr, am Wochenende und im gesamten Stadtgebiet frei fahren zu können. Das verweigern die Verkehrsbetriebe mit dem Argument, der Staat gäbe von Jahr zu Jahr mehr Geld für die kostenlosen Studententickets aus und außerdem würden manche Richtungen nur von privaten Mikrobussen befahren.

Zuzug in die Städte und Sumzentren hält an
War kurz nach der Privatisierung der Viehherden Anfang der 90-er Jahre des vorigen Jahrhunderts einWanderbewegung Richtung Land festzustellen, hat sich dieser Trend schnell wieder umgekehrt. In den vergangenen zehn Jahren hat sich z.B. die Bevölkerung Ulaanbaatars durch Zuzug aus ländlichen Gebieten um 54 000 Haushalte, das sind 105 000 Menschen erhöht. In dieser Zahl sind nur die legal eingewanderten Menschen erfasst.
Nur 2 000-3 000 Hauptstädter siedeln aufs Land um.


3.v.l. S. Oyun

„Keine Demokratie ohne Information, keine Information ohne Demokratie"
Unter diesem Motto stand eine internationale Konferenz von Parlamentarien aus 20 asiatischen Ländern in Manila (Philippinen), an der die Mitglieder des Großen Staatskhurals (Parlament) S. Oyun (Bürgermutpartei), N. Togtokh und D. Bazarsad (beide MRVP) teilnahmen.


   

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Last Update: 01. Januar 2017