Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 7. - 13. Mai 2001

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


v.l. Viehhalter Tudevdorj und Chuluunbaatar, Dr. Dyer

Initiative für die wirtschaftliche Entwicklung der Gobiregion
Am 10. Mai stellten Dr. D. Dyer und L. Itgel, Programmdirektor und –mitarbeiterin der „Initiative für die wirtschaftliche Entwicklung der Gobregion", in Ulaanbaatar ihre Pläne für eine Kaschmir – Verkaufsausstellung vor.
Am 25. und 26. Mai finden die „Kaschmir-Markttage" in Dalanzadgad, der Hauptstadt des Südgobi-Aimags, statt und vom 09.-10.06. in Altai, der Hauptstadt des Gobi-Altai-Aimags.
Die kaschmirproduzierenden mongolischen Unternehmen wünschen sich ausreichende Mengen an Kaschmirwolle in guter Qualität zu möglichst niedrigen Preisen, die Viehhalter wünschen für ihre Rohkaschmirwolle möglichst hohe Preise.
Bisher haben die meisten Viehhalter ihre Wolle in geringen Mengen an relativ wenige Händler verkauft. Solide Geschäftsbeziehungen zwischen Viehhaltern und Produzenten existieren nicht. Der einzelne Viehhalter verfügt nicht über genügend Rohkaschmir, um mit den großen Unternehmern in Verhandlungen treten zu können, den Unternehmen wurde in „Hochpreisjahren" das Rohmaterial knapp.
Ziel der „Kaschmir-Markttage" ist es, Käufer und Verkäufer an einem Platz zu versammeln, damit sie in Verhandlungen um faire und wettbewerbsfähige Preise treten können.
B. Chuluunbaatar, Viehhalter aus dem Mittelgobi-Aimag, sagte, er hoffe, dass die Markttage beitragen, funktionierende Marktbeziehungen für die Produkte der mongolischen Viehwirtschaft insgesamt zu schaffen.
Teilnahmeberechtigt sind alle Viehhalter, die mindestens 80 Kilogramm Rohkaschmir anbieten können sowie alle legal in der Mongolei operierenden Kaschmirproduzenten.
Ihre Teilnahme zugesagt haben bereits die Direktoren von „Gobi" und „Mongol Amikal", B. Yondonjamts und L. Luvsandorj.
Gesponsert wird die Initiative von der US-Agentur für Internationale Entwicklung (USAID), gemanagt vom Mercy Corps.

Lebensbedingungen in den Haftanstalten widersprechen gesetzlichen Vorgaben
S. Tserendorj, der Leiter der Kommission für die Einhaltung der Menschenrechte in der Mongolei, informierte über die bisherige Arbeit der Kommission, die vor drei Monaten gegründet worden war.
Neben der Bearbeitung von Eingaben, Beschwerden und Hinweisen der Bürger über Missstände in Behörden oder Klagen gegen einzelne Personen, die die Rechte der Mitbürger verletzt haben (Beleidigungen, Verleumdungen, Willkür), besteht eine wichtige Aufgabe der Kommission in der Sorge um die Einhaltung der Menschenrechte für die Insassen der Haftanstalten.
Hier musste Tserendorj ernste Defizite konstatieren. Der Gewalt, besonders in den Männergefängnissen, können die Aufsichtsbeamten nur unzureichend Herr werden. Die Versorgung der Gefangenen mit Lebensmitteln ist nicht ausreichend, das gleiche gilt für die Ausstattung der Zellen: Zu wenig Platz, zu wenig Licht, katastrophale sanitäre Bedingungen. In „Gants Khudag" müssen sich sieben bis neun Häftlinge drei bis fünf Matratzen und fünf bis sechs Decken teilen.
Auch die Betreuung der Häftlinge durch Rechtsberater ist nicht gewährleistet: 80 Prozent der Angeklagten haben keinen Anwalt oder sich noch nie mit ihm getroffen.
In Polizeigewahrsam im Bayanzurkh-Duureg (Stadtbezirk) waren zum Zeitpunkt der Kontrolle 50 Verdächtige untergebracht. Erlaubt wären 20.

Gewaltkriminalität nimmt zu
„UNO-Mitarbeiter beraubt und schwer verletzt..., Verkehrspolizist in Ausübung seines Dienstes ermordet..., Geplanter Auftragsmord an chinesischem Unternehmer gescheitert", solche Schlagzeilen häuften sich in der vergangenen Woche. Raubdelikte werden mit zunehmender Brutalität ausgeführt. Auch die drakonischen Strafen und die Zustände in den mongolischen Haftanstalten halten die Täter nicht zurück.
Im Parlament wird gegenwärtig eine Gesetzesvorlage geprüft, wonach die Strafmündigkeit auf 14 Jahre herabgesetzt werden soll.

Erfolgreiche Auslandsdienstreisen des Parlamentsvorsitzenden
L. Enebish, der Vorsitzende des Großen Staatskhurals, weilte in der vergangenen Woche zu offiziellen Besuchen in Mexiko und Kuba.
Es war die erste Auslandsdienstreise Enebishs in diesem Jahr und gleichzeitig der erste Besuch eines hochrangigen mongolischen Politikers in Mexiko.
Die Gespräche mit Regierungsvertretern und Parlamentsabgeordneten in Mexiko dienten der Verwirklichung des Regierungsprogramms zur Ausweitung der Beziehungen der Mongolei mit den Staaten Lateinamerikas. Ein Ergebnis: Die Gründung einer Mongolisch – Mexikanischen Parlamentariergruppe.
Zu Kuba pflegt die Mongolei seit 40 Jahren freundschaftliche Beziehungen.
Beide Länder befinden sich zur Zeit in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Trotzdem studieren 30 Mongolen auf Kosten der kubanischen Regierung in Kuba.
In Zukunft wollen Mongolen und Kubaner vor allem im Tourismus und in der Arzneimittelproduktion enger zusammenarbeiten.

Bürger aus 60 Ländern arbeiten in der Mongolei
Der Minister für Arbeit und soziale Sicherheit, Sh. Batbayar, berichtete auf der Regierungssitzung am 06.05. darüber, dass in der Mongolei 3 885 Bürger aus 60 Ländern arbeiten. 63,4 Prozent von ihnen sind für Unternehmen mit ausländischen Investitionen tätig.
47,9 Prozent der Arbeitskräfte stammen aus er Volksrepublik China, 23,8 Prozent aus der Russischen Föderation und 4,1 Prozent aus der Republik Korea.
25 000 Mongolen arbeiten oder absolvieren eine Fortbildung im Ausland.


Fleischverkauf im Markt Dalai Eej

Anhaltend hohe Fleischpreise
In den letzten Tagen stiegen die Fleischpreise weiter an. Auf den „teuren" Märkten wie „Merkuri", „Dalai-Eej" oder „Durvun Uul" mussten für ein Kilogramm Hammelfleisch bis zu 2 200 Tugrik gezahlt werden. Aber auch auf den anderen Märkten lag der Preis für ein Kilogramm frisches Hammelfleisch zwischen 1 500 und 1 800 Tugrik, Rindfleisch war nicht unter 1 500 Tugrik zu bekommen. Das Kilo Pferdefleisch kostet 800 Tugrik.
Begründet werden die hohen Preise mit den Viehverlusten im Winter und im zeitigen Frühjahr sowie der Maul- und Klauenseuche.
In naher Zukunft werden die Fleischlieferungen vom Land ansteigen und die Großhändler rechnen dann mit sinkenden Preisen.

Vier oder fünf Wirtschaftszonen?
Die Diskussion um die Einteilung der Mongolei in Wirtschaftszonen gestaltet sich schwieriger als zunächst angenommen. Im Parlament stehen sich zwei Gruppen gegenüber: Die einen sind für fünf Zonen, die anderen wollen sich mit vier begnügen.
Bodenbeschaffenheit, Naturausstattung, Vorkommen an Bodenschätzen, Bevölkerungsdichte, Wetterverhältnisse etc. spielen bei der Entscheidung eine Rolle.
Fällt die Entscheidung zu Gunsten der Einteilung in vier Zonen, gibt es auch schon Vorschläge für die „Zonenhauptstädte: Darkhan, Choir, Tsetserleg und Khovd.

21 Millionen DM für Rekonstruktion des Kraftwerks in Choibalsan
Für die erste Stufe bei der Rekonstruktion des Wärmekraftwerks in Choibalsan (Dornod-Aimag) stellte die Bundesrepublik Deutschland 15 Millionen DM an langfristigen Krediten zur Verfügung, für die zweite Stufe werden noch einmal 6 Millionen bereit gestellt.
Der Kredit hat eine Laufzeit von 30 Jahren, beginnend ab 2011. Die jährlichen Zinsen betragen 0,75 Prozent.

Bevölkerungsumfrage
Das soziologische Forschungszentrum der Führungsakademie der Mongolei stellte im April 2001 1 879 Bürgern aus Ulaanbaatar und den Aimags Arkhangai, Bayankhongor, Bulgan, Gobisumber, Darkhan-Uul, Ost-, Mittel- und Südgobi, Dornod, Orkhon, Uvurkhangai, Sukhbaatar, Selenge und Tuv Fragen nach ihrem Einkommen, ihren politischen Präferenzen, ihrem ständigen Wohnsitz u.a.

Einkommen:
Bis 18 000 Tugrik 5,3 Prozent
Bis 50 000 Tugrik 28,5 Prozent
Bis 100 000 Tugrik 34,6 Prozent
Bis 150 000 Tugrik 11,7 Prozent
Bis 200 000 Tugrik 3,2 Prozent
Über 200 000 T. 2 Prozent
Keine Antwort 14,7 Prozent

Welche Partei unterstützen Sie?
MRVP 44,28 Prozent
Demokratische Partei 26,08 Prozent
Neue Sozialisten 5,16 Prozent
Bürgermut-Partei 2,18 Prozent
Keine 20,49 Prozent

Präsidentschaftswahl
Am 11. Mai informierte der Vorsitzende der Wahlkommission, J. Yadamsuren, die Vertreter des Diplomatischen Corps und die Presse über den Stand der Vorbereitungen für die Wahl des Staatspräsidenten am 20. Mai.
Es gab mehrere Beschwerden über unfaire Wahlkampfhandlungen. So protestierte die Demokratische Partei dagegen, dass ihrem Kandidaten Gonchigdorj die Werbezeit im Fernsehen gekürzt worden sei. Yadamsuren erklärte dazu, dass auf Grund der verkürzten Wahlkampfperiode alle Kandidaten eine Reduzierung ihrer Werbezeit in den elektronischen Medien hinnehmen mussten.
Auch die angebliche Verhaftung eines Journalisten während einer Wahlkampfveranstaltung Bagabandis im Bulgan-Aimag wurde überprüft. Es handelte sich nicht um einen Journalisten, sondern um einen Bürger, der die Veranstaltung bewusst stören wollte und auf Antrag von Teilnehmern des Saals verwiesen wurde.
Im ersten Wahlgang benötigt der Sieger mehr als 50 Prozent der Stimmen. Erreicht keiner der drei Kandidaten dieses Ziel, wird die Wahl wiederholt. Dann genügt die einfache Mehrheit.


Fleißige Gärtner pflanzen Bäume. Im Hintergrund das Geschichtsmuseum in UB

... dann war Sommer
Seit dem 09. Mai herrschen in weiten Teilen der Mongolei sommerliche Temperaturen: In Ulaanbaatar bis 26, in den Gobigebieten bis 28 Grad.
Große Freiflächen in den Städten werden mit Bäumen bepflanzt.
Umweltminister Barsbold hat kürzlich den ernst gemeinten Vorschlag unterbreitet, jeder Mongole solle mindestens zwei Bäume setzen.
Bereits für Sonntag wurden allerdings Stürme und Abkühlung angekündigt.
Die Wald- und Steppenbrandgefahr ist außerordentlich hoch. Die meisten dieser Brände entstehen durch menschlichen Leichtsinn. Am Freitag, den 11.05., brach im Tal von Nukht im Bogd Uul ein Feuer aus. Zehn Feuerwehrleute aus dem Stadtbezirk Khan-Uul von Ulaanbaatar rückten aus, es zu löschen.


   

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Last Update: 01. Januar 2017