Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 12.-18. November 2001

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Wochenendsiedlung am nördlichen Stadtrand von Ulaanbaatar

„Die Mongolen glauben nicht an Kredite, sondern an Investitionen"
Ministerpräsident Enkhbayar, der zurzeit eine offizielle Amerikareise absolviert, die ihn von Seattle über San Francisco und Denver nach New York geführt hat, sagte diesen Satz bei einem Abendessen mit dem Präsidenten der Asien - Stiftung, W. Fuller, in San Francisco.
Die Mongolei sei bestrebt, auf dem Weg zu Marktwirtschaft und Demokratie weiter voranzukommen, die Produktivität ihrer Betriebe zu erhöhen und in der Asien-Pazifik-Region eine aktive Rolle zu übernehmen. Dabei benötigen wir internationale Hilfe, wollen aber keinesfalls Amerika als „Melkkuh" betrachten. Dies versicherte der Ministerpräsident in perfektem Englisch und seine Gastgeber nickten beifällig.
Der 11. September spielte auch hier eine Rolle. Enkhbayar beschrieb die geographische Lage der Mongolei zwischen Russland und China und verwies auf Tatsache, dass das Land im Westen an die islamische Welt grenzt. Die Mehrheit der Mongolen seien Buddhisten, aber 80.000 Kasachen im Westen der Mongolei neigten dem Islam zu. Bisher gäbe es keine ernsthaften Probleme zwischen beiden Völkern und Religionen. Die Mongolei sei ein sicherer und friedlicher Staat.
Am Rande der UNO-Vollversammlung in New York kam es zu einem Treffen zwischen G. W. Bush und N. Enkhbayar. „J. Baker hat von Ihrem Land so geschwärmt, dass ich es sehr gern selbst kennen lernen würde". Mit diesen Worten nahm Bush eine Einladung in die Mongolei an.
Zu einem Gespräch trafen auch UNO-Generalsekretär Kofi Annan und Enkhbayar zusammen. Diese Gelegenheit nutzte der Ministerpräsident, um sich für die umfangreiche UNO-Hilfe bei der Überwindung der Zudfolgen der letzten beiden Jahre zu bedanken.
Nach seiner Rede vor den Teilnehmern an der Vollversammlung am 13.11. reiste Enkhbayar mit seinen Begleitern, u.a. Außenminister Erdenechuluun, weiter nach Washington. Die nächste Station der Amerikareise der mongolischen Regierungsdelegation wird Huston sein.
In Denver unterzeichneten die Stadtoberhäupter von Ulaanbaatar und Denver, Enkhbold und Webb, einen Partnerschaftsvertrag. In Seattle wurde dem mongolischen Ministerpräsidenten die Ehrenbürgerwürde verliehen.

„Tsagaan-Shonkhor"-Generaldirektor Enkhtaivan noch immer in Haft
„Die Anklageschrift ist in Vorbereitung", diesen Satz wiederholt der Vertreter der Staatsanwaltschaft immer wieder, wenn es um die Frage geht, warum die drei Verhafteten im Fall „Prügelei am Tsentrpoint" immer noch ohne Anklage in Untersuchungshaft sitzen.
Der Verteidiger von Enkhtaivan wirft der Justiz Rechtsbeugung vor, da sein Mandant nun schon länger als 14 Tage ohne öffentliche Anklageerhebung in „Gants Khudag" einsitzt.
Der stellvertretende Generalstaatsanwalt verweist auf Beweise durch Zeugenaussagen, wonach Enkhtaivan an Erpressungen von Konkurrenten und Politikern beteiligt gewesen sein soll, womöglich sei er auch in mehrere ungeklärte Mordfälle (Zorig, Devisenhändler) verwickelt.
Sandag-Ochir, seit September Polizeichef der Mongolei, dementierte die Behauptung, Enkhtaivan seien auf dem Polizeirevier im Chingeltei-Duureg (Stadtbezirk von Ulaanbaatar) eine größere Summe Geldes sowie sein Handy abhanden gekommen.
Enkhtaivan, Batbold, Direktor von „XL-TA" und Munkhdash, Direktor von „Terguun-Trade", wurden am 27.10. mit der Begründung Rowdytum und Widerstand gegen die Staatsgewalt verhaftet.

Kampf gegen Korruption im Polizeiapparat
Polizeichef Sandag-Ochir hat im Zusammenhang mit möglichen Verwicklungen von Mitarbeitern der Polizei in kriminelle Machenschaften darauf hingewiesen, dass in diesem Jahr 185 Polizisten wegen schwerer Dienstvergehen aus dem Polizeidienst entlassen wurden, 1.748 wurden disziplinarisch belangt: sie erhielten Abmahnungen oder wurden im Dienstgrad zurückgestuft.

44,7 Prozent der Landesfläche sind Steppe oder Wüstensteppe
Auf der Parlamentssitzung in der vergangenen Woche informierte Umweltminister U. Barsbold über Verstöße gegen den Natur- und Umweltschutz und die Notwendigkeit eines effektiveren Naturschutzes, an dem sich alle, Städter und Landbevölkerung, beteiligen müssten.
2001 seien eine Million Kubikmeter Holz illegal geschlagen, verarbeitet und/oder exportiert worden.
Neueste Forschungsergebnisse zeigten deutlich, wie sehr die Mongolei von Bodenerosion und damit der Schädigung von Weideland betroffen sei: insgesamt 78,3 Prozent des Territoriums. 44,7 Prozent der Landesfläche seien Steppen oder Wüsten.
Weiter führte der Minister aus, die Exportsteuer für die vor allem in Arabien begehrten Falken (Shonkhor) sei von 2.780 auf 4.500 US-Dollar pro Stück gestiegen. 180 der seltenen Vögel wurden 2001 nach Kuwait, Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft.
Der illegale Handel mit den Tieren blüht: Erst kürzlich wurden in der Wohnung eines Pakistanis in Ulaanbaatar mehrere Falken entdeckt und sicher gestellt.
Auch Erfreuliches hatte Barsbold zu berichten: 13.000 Wildschafe (argal) und -ziegen (ugalz) leben in der Mongolei neben anderen seltenen Tieren. Alle seien durch die Jagdleidenschaft aus- und inländischer Hobbyjäger in ihrem Bestand bedroht.

Russische Bank eröffnet Filiale in Ulaanbaatar
Eine der größten russischen Banken „Menatep Sankt-Petersburg" eröffnete am 17.11. ihre erste Auslandsfiliale in Ulaanbaatar.
Vor sechs Jahren gegründet, verfügt das Bankhaus über 58 Filialen im eigenen Land. In der Mongolei will die Bank dazu beitragen, die Wirtschaftstätigkeit russischer Unternehmen, aber auch die mongolischer Betriebe, zu entfalten.

Sieger im Wettbewerb „Mahd, Futter – 2001" gekürt
Der vom Ministerium für Nahrungsgüter und Landwirtschaft gemeinsam mit dem mongolischen Rundfunk initiierte Wettbewerb, wer das meiste Heu für den kommenden Winter bevorratet, hat mehrere Sieger.
Der Teshig-Sum im Bulgan-Aimag und der Bulgan-Sum im Khovd-Aimag können jeweils 80.000 Tugrik zusätzlich in die Gemeindekasse buchen.
Der Viehzüchter M. Bazarsad aus dem Erin-Bag des Teshig-Sums im Bulgan-Aimag hat für jedes seiner Tiere 170,8 kg Heu eingebracht und konnte sich über ein Preisgeld von 30.000 Tugrik freuen.

21 Millionen US-Dollar zur Bekämpfung der Zud- und Dürrefolgen
21 Organisationen aus 15 Ländern haben der Mongolei für die Überwindung der Zud- und Dürrefolgen der letzten beiden Jahre insgesamt 21 Millionen US-Dollar überwiesen. Allein Japan half mit 13 Millionen Dollar.
C. Marbach von der Schweizer Agentur für Entwicklung und Zusammenarbeit informierte in Ulaanbaatar über den Beitrag der Schweiz in diesem Zusammenhang. 3,3 Millionen Franken stellte die Schweiz zur Verfügung. Dafür wurden im Juni und September fast 6.000 kg Medikamente in die Aimags Uvs, Zavkhan, Uvurkhangai und Arkhangai geliefert. Im Herbst kommen weitere 1.200 Tonnen Futter, in Russland gekauft, hinzu.


Heumahd. Vorbereitung auf den Winter

Bagabandi trifft sich mit Viehzüchtern
Auf seiner Informationsreise in den Arkhangai-Aimag besuchte Präsident Bagabandi nicht nur Schulen und Krankenhäuser. Er ließ sich von Viehzüchtern erklären, welche Probleme sie mit der Wintervorbereitung haben bzw. wie sie diese Vorbereitung bewerkstelligten.
Die geplante Viehsteuer ließ die Gemüter nicht ruhen und war Hauptgesprächsthema in allen Diskussionsrunden.
Mongolische Journalisten stellten unterdessen Überlegungen an, der Präsident könnte bald selbst ein wohlhabender „aduuchin" (Pferdehirte, -halter) sein, da er in allen Sums und Bags mindestens ein Pferd geschenkt bekommen habe.

Ch. Ganbat: „Beeinflussungsversuche hat es noch nicht gegeben"
Der dies sagt, ist Richter am Obersten Gerichtshof der Mongolei und hat in einem ausführlichen Interview mit der Tageszeitung „Zuuny Medee" die materielle Ausstattung der Gerichte in der Hauptstadt, in den Aimags (Provinzen) und Sums (Kreise, Distrikte) kritisiert.
Außerdem stelle die Regierung kaum Mittel für die Fortbildung der Richter und Staatsanwälte zur Verfügung. Qualifizierungsmaßnahmen würden durch die Soros-Stiftung, die Asiatische Entwicklungsbank und die Hanns-Seidel-Stiftung finanziert.

Tod eines Kindes
Im Tsogttsetsii-Sum des Südgobi-Aimags hat Ts. sein Winterlager aufgeschlagen. Er verließ die Jurte, um nach seiner Herde zu sehen und ließ seine dreijährige Tochter schlafend in der Jurte zurück. Bei seiner Heimkehr war das Mädchen verschwunden. Es war von der Jurte weggelaufen. Einen Tag später fanden die Rettungsmannschaften, die in zwei Autos und auf acht Motorrädern die Suche aufgenommen hatten, über 2 km von der Jurte entfernt die Leiche des Kindes.


17.11. Eröffnung der IWAM-Gala, v.l. Dr. Sawitzki, R. Schröder, D. Baljinnyam

IWAM-Galadinner
Ein Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben der mongolischen Hauptstadt ist das jährliche Galadinner der „Internationalen Frauenassoziation der Mongolei" (International Women Association of Mongolia - IWAM).
200 mongolische und in der Mongolei zeitweilig ansässige ausländische Bürger (Diplomaten, Mitarbeiter internationaler staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen, Wissenschaftler und Unternehmer) waren der diesjährigen Einladung der IWAM-Präsidentin, Regina Schröder, in den Bankettsaal des Außenministeriums gefolgt.
Die Eintrittsgelder sowie die Erlöse der Tombola werden nach Abzug der Unkosten zur Finanzierung mehrerer Hilfsprojekte des IWAM verwendet.
Die von IWAM-Mitgliedern geleiteten Projekte widmen sich der Unterstützung mehrerer Kindergärten, z.B. am Flugplatz, in den Jurtenvierteln, in Erdenet und im Ostaimag, helfen bei der Verbesserung der materiellen Ausstattung in Kinder- und Geburtskliniken.
Für die Tombola stellten Fluggesellschaften, ortsansässige Unternehmer, Botschaften und Einzelpersonen insgesamt 254 Preise zur Verfügung.
Das Rahmenprogramm gestalteten eine mongolische Popband, eine Volksmusikgruppe, die Jazzsängerin Aiyanaa und zwei junge Tänzer. Eine Modenschau fand ebenfalls großen Anklang bei den Gästen.

Granitbüste von L. Enebish in Altan-Ulgii aufgestellt
Am 16. November waren 49 Tage seit dem Tod des ehemaligen Parlamentsvorsitzenden L. Enebish vergangen. Aus diesem Anlass versammelten sich seine Kinder und Geschwister auf dem am nordöstlichen Stadtrand von Ulaanbaatar gelegenen Friedhof „Altan-Ulgii", um die Gipsbüste ihres Verwandten durch eine Granitbüste zu ersetzen.
Die Journalistin B. Ganchimeg hat ein Buch „Meine Jahre" veröffentlicht, dass dem Leben und Wirken des Politikers gewidmet ist.

„Goyol –2002"
Vom 07.-09. Dezember findet in Ulaanbaatar eine Leistungsschau von Modedesignern und Models statt.
Von 40 Frauen und 12 Männern wurden die besten 20 ausgewählt, traditionelle und aktuelle Mode mongolischer Designer vorzuführen.


   

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Last Update: 01. Januar 2017