Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 2. bis 8. Dezember 2002

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar

Antiterrortruppe in der Mongolei gebildet
Der Oberkommandierende der Streitkräfte, Staatspräsident N. Bagabandi, hat am 02. Dezember die Truppeneinheit 084 der bewaffneten Streitkräfte besucht, um sich über den Ausbildungsstand der Soldaten zu informieren. Die Einheit ist als erste Antiterrorkampfgruppe in der Mongolei vorgesehen. Nach einem Erlass des Präsidenten sollen sie möglichen internationalen terroristischen Anschlägen im Lande vorbeugen, Transaktionen zur Finanzierung des Terrors aufdecken und sowie verhindern, dass internationale Terroristen Unterschlupf auf mongolischem Territorium finden.

Mongolbankchef: "Finanzsystem ist stabil"
An der traditionellen "Gesprächsrunde" der Demokratischen Partei (DP) zu aktuellen Fragen nahm neben dem ehemaligen Präsidenten der Mongolbank, J. Unenbat, auch sein Amtsnachfolger, O. Chuluunbat, teil.
In seinem Einführungsreferat wies er auf die Erfolge bei der Stabilisierung des Finanzsystems in den letzten Jahren hin. So verfügen die 16 Handelsbanken heute über Aktiva in Höhe von 451 Milliarden Tugrug, von denen 200 Milliarden als Kredite an Unternehmer und Bürger ausgereicht wurden. Das sind knapp 50 Prozent der Aktiva, damit erfüllt die Mongolei internationale Kriterien. Früher waren es noch 80 Prozent Kredite.
Die Inflationsrate liegt gegenwärtig bei 1,7 Prozent, im vergangen Jahr erreichte sie acht Prozent. Für Dezember rechnet die Mongolbank mit einer Inflationsrate zwischen 0 und fünf Prozent.
Die Devisenreserven belaufen sich auf 250 Millionen US-Dollar, 1993 waren es lediglich 20 Millionen.
Chuluunbat würdigte in diesem Zusammenhang die Leistungen der Koalitionsregierung bis 2000, die viele Gesetze für eine Gesundung der Finanzsysteme auf den Weg gebracht hätte.
Andererseits wirkten sich die Selbstbedienungsmentalität der damals politisch Verantwortlichen noch heute negativ aus. Er bezog sich auf die Bankenzusammenbrüche, bei denen auch Gelder ausländischer Partner (z.B. Berliner Bank) "verschwanden".
Gleichzeitig kritisierte er, die Zahlungssäumigkeit mongolischer Kreditnehmer. "Immer noch gelte das Wort, wonach eine Banker, der Kredite vergibt, dämlich sei, ein Geschäftsmann, der sie zurückzahle, noch mehr." Chuluunbat weiter: Unternehmer verschleierten ihre tatsächlichen Vermögensverhältnisse, Staatsangestellte ihre tatsächlichen Einkünfte.
Er plädierte für ein "Geldbegnadigungsgesetz", wie es vor zwei Jahren in Kasachstan verabschiedet wurde. Seitdem seien die Spareinlagen bei den dortigen Geldinstituten von 300 Millionen Dollar auf 1,5 Milliarden angestiegen.

Überprüfung der Grundstücksurkunden
Bis zum März 2003 werden alle Urkunden über Nutzung und Besitzrechte an Grund und Boden kontrolliert. Das teilte der Vorsitzende der neu berufenen Arbeitsgruppe, Umweltminister U. Barsbold, mit.
Die Überprüfungen stehen im Zusammenhang mit dem Inkrafttreten des Bodenprivatisierungsgesetzes am 01. Mai 2003.

36 Prozent der Mongolen sind arm
Auf einer Pressekonferenz zum Thema "Menschheit und Armut", zu der der Minister für Arbeit und soziale Sicherheit, Sh. Batbayar, der Leiter des "Strategieprogramms zur Armutsbekämpfung, Ch. Dagvadorj und der UNO-Repräsentant des Weltbevölkerungsfonds in der Mongolei, B. Simha, eingeladen hatten.
36 der Mongolen seien von Armut betroffen, damit sei ihnen auch der Zugang zu Bildung und Gesundheitsfürsorge erschwert. Gerade junge Menschen versuchten ihr Glück im Ausland, stünden demzufolge für einen wirtschaftlichen Fortschritt im Heimatland nicht zur Verfügung.
Deshalb sei es von existentieller Bedeutung für die Mongolei, das "Programm zur Armutsbekämpfung" mit Hilfe der internationalen Geber so schnell wie möglich zum Erfolg zu führen.

"Importe reduzieren!"
Das fordert der Direktor des Wissenschafts- und Technologiefonds, Kh. Tsookhuu.
Der Fonds wurde 1994 gegründet. Gegenwärtig werden aus dem Fonds130 Grundlagenforschungsprojekte finanziert, 22 Prozent davon an den Universitäten und Hochschulen. Tsookhuu fordert mehr Mut bei der Ablösung von Importen, wenn es dafür vergleichbare mongolische Produkte gäbe. Die Mongolei bezieht jährlich Weideschädlingsbekämpfungsmittel im Wert von 800 Millionen Tugrug aus dem Ausland und nur 30 Millionen werden für einheimische Produkte ausgegeben. Ein Impfstoff gegen Gelbsucht wird in der Mongolei dreimal billiger als das importierte Produkt hergestellt.
Andererseits beklagte Prof. Tsookhuu das geringe Interesse der Produzenten an einer Zusammenarbeit mit dem Wissenschafts- und Technologiezentrum, mit wissenschaftlichen Einrichtungen überhaupt.

Ministerpräsident reist nach Russland
Im Februar des kommenden Jahres wird Ministerpräsident N. Enkhbayar auf Einladung seines russischen Amtskollegen, M. Kasjanow, zu einem offiziellen Besuch nach Moskau reisen.
Geplant sind die Unterzeichnung von Vereinbarungen über die weitere wirtschaftliche Zusammenarbeit und Gespräche über offene Fragen in den Beziehungen der beiden Länder, wie die Schuldenrückzahlungsmodalitäten, die Zukunft von "Erdenet" und "Mongolrostsvetmet".

60 Prozent der Staatsreserve sind Güter für die Landwirtschaft
J. Byambanorov, der Direktor des staatlichen Vorräteamtes, informierte darüber, dass die mongolischen Staatsreserven zu 60 Prozent aus Futtermitteln, Getreide und Medikamenten zur Bekämpfung von Tierseuchen bestünden, während andere Staaten hauptsächlich militärische Güter und langlebige Nahrungsgüter bevorrateten.
Im Zusammenhang mit der 33-stündigen Grenzschließung durch China im November, stellten nicht nur die Regierungsmitglieder Fragen nach der Versorgungslage. Byambanorov darauf: "Die Mehlvorräte reichen für 15 Tage."
Die Kapazität für die Lagerung von Brennstoffen beträgt 35 000 Tonnen.
426 Mitarbeiter in 35 Niederlassungen beschäftigt das Amt für die Staatsreserve landesweit.
Von Streichhölzern bis zum Nagel reichten die sonstigen Vorräte.
Aus der mongolischen Staatsreserven wurden nicht nur Mongolen im Katastrophenfall (Zud, Großbrände) beliefert, auch nach Vietnam, Nordkorea und Afghanistan gingen Hilfslieferungen.

Keine Lebensversicherung für Polizisten
Angehörige von mongolischen Polizisten, die in Dienstausübung ihr Leben verlieren, erhalten vom Staat noch für fünf Jahre das Gehalt und die Beerdigungskosten in Höhe von 149 000 Tugrug ersetzt.
Eine Sonderversicherung für besonders gefährdete Berufstätige, zu denen auch Taxifahrer gehören, gibt es nicht. In der vergangenen Woche wurden fünf Taxifahrer ausgeraubt. Die meisten Täter, die für ihre Verbrechen Gaspistolen benutzten, konnten gefasst werden.

15 000 Blutspender
Die Zahl der Blutspender hat sich in den vergangenen drei Jahren um 20 Prozent erhöht. Das teilte der Minister für Gesundheit, P. Nyamdavaa, den Abgeordneten des Großen Staatskhurals auf der Sitzung am 29. November mit.
Durch die freiwilligen Blutspenden konnten im Jahr 2002 4 800 Liter Blut und Blutprodukte produziert werden.
Den Vorschlag des Abgeordneten, N. Enkhbold (MRVP), die Zahlungen der Patienten an das medizinische Personal zu legalisieren, verwarf der Minister. Begründung. Die Bürger könnten denken, die medizinische Betreuung sei kostenpflichtig.
Weitere Fragen, die die Abgeordneten mit dem Minister diskutierten, waren die medizinische Versorgung der ländlichen Bevölkerung. Gerade bei der Schnellen Medizinischen Hilfe fehlte es an Fahrzeugen und technischer Ausrüstung. Ein anderes Problem sind Ärzte aus dem "südlichen Nachbarland", die in der Mongolei Patienten behandeln. "Werden die zur Anwendung kommenden Medikamente von den mongolischen Behörden überprüft?"

Kampf gegen Aids
Etwa 40 nichtstaatliche Organisationen verwirklichen in der Mongolei Projekte zur Vorbeugung und Bekämpfung der Immunschwächekrankheit Aids.
Zurzeit gibt es in der Mongolei noch kein Aidsproblem, wie etwa in Afrika. Allerdings gilt die Mongolei aufgrund ihrer geographischen Lage und ihrer Bevölkerungsstruktur als besonders gefährdet. Laut Statistik sind 41 Prozent aller registrierten Infektionskrankheitsfälle Geschlechtskrankheiten.
In der Mongolei wurde anlässlich des Weltaidstages in diesem Jahr ein Zeichen- und Schreibwettbewerb ausgeschrieben. Schüler aus 500 Grundschulen sowie Studenten von 170 Universitäten und Hochschulen haben sich an diesem Wettbewerb beteiligt.
Die ausgezeichneten Arbeiten wurden im Ringerpalast von Ulaanbaatar ausgestellt.

Benzinpreise steigen
Infolge der Erhöhung der Benzinexportsteuer um 10 Prozent durch Russland werden sich ab Januar 2003 die Benzinpreise in der Mongolei deutlich erhöhen.

Fernes Land ganz nah
Im Ratsgebäude des Amtes Schönefeld in Waltersdorf bei Berlin, wurde am 03. Dezember eine Fotoausstellung unter dem Motto "Fernes Land ganz nah" eröffnet.
Der designierte Botschafter der Mongolei in der Bundesrepublik, Herr Terbishdagva, war der Einladung von Amtsdirektor, Dr. Haase, gern gefolgt, genau so wie Landrat Wille sowie Gäste aus Berlin und Brandenburg.
Gezeigt werden fast 200 Fotos, die auf Urlaubs- und Dienstreisen in die Mongolei entstanden sind.
Das Amt Schönefeld, zu dem sechs Gemeinden gehören, unterhält seit mehreren Jahren enge Kontakte zum Stadtbezirk Bayangol in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar. Erst kürzlich weilte eine Abordnung des Amtes in Bayangol. Unter anderem haben die Delegationsmitglieder, mit der stellvertretenden Amtsleiterin, Frau Schulze, an der Spitze, die Patenschaft für sechs Kinder aus armen Familien übernommen.
Die ausgestellten Fotos zeigen mongolische Landschaften, Porträts von Viehhaltern, Städtern und Kindern, Detailaufnahmen von Pflanzen, geben einen Einblick in das religiöse und alltägliche Leben der Bewohner des Landes, mit dem sich sehr viele Schönefelder sehr verbunden fühlen.
Die Fotografen, in der Hauptsache Einwohner des Dahme-Spreewald-Kreises, haben keine typischen Touristenfotos "geschossen", zumindest haben sie die für die Ausstellung nur sehr sparsam verwendet. Auch jemand, der das Land nicht kennt, kann sich einen lebendigen Eindruck von der Weite, der Kargheit, aber auch der Schönheit dieses Landes, von seinen Menschen, deren Lebens- und Denkweise verschaffen.
Eine besondere Attraktion haben sich die Ausstellungsorganisatoren ausgedacht, indem sie die Inneneinrichtung einer Jurte im Amtsgebäude aufbauten und die äußere Hülle dieser Jahrtausende alten Behausung zentralasiatischer Nomaden andeuteten.
Die Ausstellung kann noch bis Ende Januar besichtigt werden.

2:1 für Volleyballer
Aus einem Freundschaftsspiel zwischen Mitgliedern des mongolischen Volleyballverbandes auf der einen sowie Regierungs- und Parlamentsmitgliedern auf der anderen Seite gingen die Volleyballer als Sieger hervor. Allerdings gewannen sie nur knapp: 2:1.
Die Mannschaft der Politiker, der auch Ministerpräsident Enkhbayar angehörte, wurde vom Vorsitzenden des Großen Staatskhurals, S. Tumur-Ochir, trainiert.

Minus 40 Grad
Die für die nächsten Tage voraus gesagten eisigen Temperaturen sorgten bereits an diesem Wochenende für fast menschen- und fahrzeugfreie Straßen in Ulaanbaatar. Unter minus 40 Grad sanken die Temperaturen im Zentrum der Stadt. Am Tag kletterten sie auf minus 25 Grad.
Im Becken der Großen Seen im Westen und in den Gobigebieten erreichte der Wind Geschwindigkeiten bis 18 m/sek.


   

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Last Update: 01. Januar 2017