Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 17. - 23. Juni 2002

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Staatspräsident N. Bagabandi

Präsident Bagabandi in Europa
Vom 24. Juni bis zum 03. Juli wird Präsident N. Bagabandi zu offiziellen Staatsbesuchen in die Schweiz, nach Liechtenstein und in die Ukraine reisen.
Damit besucht zum ersten Mal ein mongolisches Staatsoberhaupt die Schweizer Eidgenossenschaft und das Fürstentum Liechtenstein.

Sitzstreik
Die Vorsitzende der Bürgermut-Republikanischen Partei und Mitglied des Großen Staatskhurals, S. Oyun, protestiert mit einem Sitzstreik in ihrem Büro gegen das Bodenprivatisierungsgesetz, das in Kürze von der Mehrheit der Abgeordneten beschlossen werden soll.
Sie und ihre Partei vertreten die Meinung, für eine Privatisierung von Grund und Boden sei die Zeit noch nicht reif. Es gäbe keinen Bodennutzungsplan, keine funktionierenden Katasterämter, keine Vermessungsgrundlagen, Unklarheiten innerhalb der Regierung und unter der Bevölkerung, was Privateigentum an Boden eigentlich bedeute, dass damit nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten verbunden seien.
Die erst vor wenigen Tagen beschlossenen Änderungen zum Bodengesetz, wonach mongolische Staatsbürger für eine Dauer von 100 Jahren (60 + 40) die Verfügungsgewalt über ein Stück Land erwerben, es verpachten, verpfänden und anderweitig wirtschaftlich nutzen können, reichten völlig aus.
Die Opposition vertritt in der Bodenprivatisierungsfrage keine einheitliche Position. Der Demokratischen Partei kann die Privatisierung nicht schnell genug gehen, ihrer Auffassung nach sollten auch Ausländer einbezogen werden, da nur so die Investitionsbereitschaft wirksam erhöht werden könnte.
Auch innerhalb der Mehrheitsfraktion werden unterschiedliche Positionen vertreten.
Der stellvertretende Vorsitzende des Großen Staatskhurals, J. Byambadorj, hat Oyun aufgefordert, ihren Sitzstreik zu beenden, sie hätte im Parlament genügend Möglichkeiten, ihren Protest zu formulieren.

136 000 Staatsangestellte
Nach den Worten von Wirtschafts- und Finanzminister Ch. Ulaan leistet sich die Mongolei 136 000 Staatsbedienstete. Das seien immerhin 17 Prozent der arbeitenden Bevölkerung und belaste den Staatshaushalt enorm.

Statistik Mai 2002
Das Nationale Amt für Statistik informiert:
Bis zum 01. Juni 2002 sind 57,4 Prozent oder 6,5 Millionen der erwarteten Jungtiere geboren worden.
Knapp 2,5 Millionen Tiere sind verendet, 9,4 Prozent des Gesamtviehbestandes.
Auf 250 000 Hektar wurde Getreide ausgesät bzw. Gemüse angebaut, das sind 47,8 Prozent mehr als im Vorjahr.
Das Außenhandelsdefizit erreicht 98,4 Millionen US-Dollar.
Den wärmsten Tag im Mai erlebten die Einwohner des Bayankhongor-Aimags: Am Egiin-Gol erreichten die Temperaturen plus 38 Grad. Am kältesten war es im Tsetsen-Uul-Sum des Zavkhan-Aimags: minus 17 Grad.

Japanisches Prinzenpaar besucht die Mongolei
Auf Einladung von Staatspräsident N. Bagabandi besuchen Prinz Akishino und seine Gattin Kiko vom 19. bis 28. Juni die Mongolei.
Prinz Akishino ist der zweite Sohn des japanischen Kaiserpaares.
Außer der Hauptstadt Ulaanbaatar stehen die Aimags Tuv, Uvurkhangai, Arkhangai, Bulgan und Dornogov‘ auf dem Besuchsprogramm der japanischen Gäste. In Ulaanbaatar eröffneten sie am 21. Juni das „Japanisch – Mongolische Zentrum" und werden auf dem japanischen Soldatenfriedhof in Dambadarjaa Kränze niederlegen.

Dalai-Lama Danzanjamts schreibt an mongolischen Ministerpräsidenten
Der 14. Dalai-Lama, Danzanjamts, hat in einem Brief an den mongolischen Ministerpräsidenten N. Enkhbayar seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass die Mongolen in die Lage versetzt werden, die Folgen der Naturkatastrophen der letzten Jahre auch mit Hilfe von Gebeten und dem Beschwören der Erd- und Wassergeister, zelebriert im Gandan- und anderen Klöstern, zu überwinden.
Gleichzeitig äußerte er den Wunsch, die mongolischen Gläubigen mögen zerstörte religiöse Bauwerke wieder errichten bzw. reparaturbedürftige renovieren.

Erster mongolischer Botschafter in Südafrika
D. Davaasambuu heißt der erste Diplomat, der die Mongolei in der Republik Südafrika im Range eines Botschafters vertritt.
Vor wenigen Tagen erhielt er aus der Hand von Präsident Tabo Mbeki sein Beglaubigungsschreiben.
Zwischen der Mongolei und Südafrika bestehen seit 1994 diplomatische Beziehungen.


J. Ganibal

Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter
37 mongolische Diplomaten können sich mit dem Titel „Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter der Mongolei" schmücken. Zu ihnen zählen der Minister für Auswärtige Angelegenheiten, L. Erdenechuluun sowie der Leiter des Presse- und Informationsdienstes im Außenministerium, J. Ganibal.

Arbeitslohn: 160 US-Dollar
Die mongolische Arbeitskräftevermittlungsfirma „Zag" hat mit einer libanesischen Firma einen Vertrag über die Entsendung mongolischer Arbeitskräfte in den Libanon abgeschlossen.
Zunächst werden 100 Mongolen in den Libanon reisen, um im Dienstleistungssektor zu arbeiten. Ihr Monatslohn soll 160 US-Dollar betragen, zuzüglich der Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Einmal im Jahr stehen den Mongolen 15 Tage bezahlter Urlaub zu.

80 Jahre Staatlicher Kontrollausschuss
Auf der Parlamentssitzung am 20. Juni standen Zusätze und Änderungen zum Gesetz über die staatlichen und örtlichen Kontrollorgane zur Debatte.
Der Vorsitzende des Staatlichen Kontrollausschusses, L. Javzmaa, äußerte Kritik an Vorschlägen, die Unabhängigkeit des Ausschusses zu beschränken.
Gleichzeitig gab er bekannt, dass das 80-jährige Gründungsjubiläum der Einrichtung ohne Geschenke, Festessen und Auszeichnungen begangen wird.

Zusammenschluss der Aimags Bulgan und Orkhon
Auf einer außerordentlichen Versammlung unterbreiteten die Bürgervertreter des Orkhon-Aimags den Vorschlag, ihren Aimag mit dem Bulgan-Aimag zusammenzuschließen.
Die anwesenden Parlamentsabgeordneten Ts. Nyam-Oser und Yo. Bayarsaikhan sowie der Minister für Industrie und Handel, Ch. Ganzorig, unterstützten den Vorschlag.
Irgendwann seien die Kupfermolybdänvorkommen („Erdenet") erschöpft und außer Ackerbau und Viehwirtschaft gäbe es in der Region wenig andere Alternativen, begründete Ganzorig seine Zustimmung.
Der neue Aimag soll den Namen „Erdenebulgan" erhalten.
Eine endgültige Entscheidung über die Vereinigung beider Aimags (Provinzen) treffen die Abgeordneten des Großen Staatskhurals.

Prüfung nicht bestanden
2 700 Schüler der zehnten Klassen haben die Mongolischprüfungen, 2 300 die Mathematikprüfungen nicht bestanden.

Tod eines Schülers
Im Bayanzurkh-Duureg (Stadtbezirk von Ulaanbaatar) ist der 16-jährige Schüler B. von dem 15-jährigen M. erstochen worden, nachdem beide im Hof eines Kindergartens Alkohol getrunken hatten. Der Täter verletzte die Hauptschlagader, so dass das Opfer verblutete, jede Hilfe kam zu spät.
Zu seiner Rechtfertigung führte M. an, dass B. wenig Aussichten hatte, die Prüfungen zu bestehen und seinem Leben ein Ende setzen wollte. Er habe ihm dabei lediglich geholfen.

Studentenbörse
Bereits 500 Studenten haben sich in der „Studentenarbeitsbörse", am 05. Juni vom Verband mongolischer Studenten gegründet, registrieren lassen. 83 Studenten konnte bisher ein Zeitarbeitsjob vermittelt werden.


Jungfernkraniche

Umweltfrevel
Nur bruchstückhaft wird die mongolische Öffentlichkeit mit dem ganzen Ausmaß einer drohenden Umweltkatastrophe konfrontiert.
Alljährlich werden im Frühjahr auf dem Lande Schädlingsbekämpfungsmittel ausgebracht, um der Mäuseplage Herr zu werden.
Die Viehhalter erhalten die Mittel, mit Giften versetztes Getreide, von den Sumverwaltungen, diese beziehen es von den Aimagverwaltungen. In diesem Jahr wurden jedem Sum zehn Tonnen des präparierten Getreides zugeteilt: Offenbar ohne jegliche Hinweise auf sachgerechte Lagerung, Kennzeichnungspflicht und genau abgegrenzte Flächen für das Ausbringen des Giftes.
Die Viehhalter verteilten es teilweise mit bloßen Händen über eine große Fläche.
Bereits im Mai wurden vier Kinder aus dem Khentii-Aimag mit schweren Vergiftungen in ein Krankenhaus nach Ulaanbaatar gebracht. Zwei der Kinder starben.
Ornithologen der Mongolischen Staatsuniversität fanden im Tuv-, im Gobisumber- und in anderen Aimags tote Vögel (Bussarde, Adler, Kraniche, Möwen u.a.) sowie Säugetiere – alle erstickt.
Das Gift wird aus China bezogen und unterscheidet sich offensichtlich von den bisher eingesetzten Mitteln zur Bekämpfung der Nager.
Spätestens seit dem 17. Mai ist das Ministerium für Natur und Umwelt über das Desaster unterrichtet. Mongolische und ausländische Fachleute fordern eine engere Kooperation zwischen den Fachministerien (Umwelt, Gesundheit, Landwirtschaft...), um den Tod weiterer Menschen und Tiere zu verhindern.

Waldbrand im Khuvsgul-Aimag
Bisher konnte der am 27. Mai im Bayanzurkh-Sum des Khuvsgul-Aimags ausgebrochene Waldbrand nicht unter Kontrolle gebracht werden.
Die Feuerwehrleute und ihre Helfer seien Tag und Nacht im Einsatz, aber starke Winde fachten den Brand immer wieder an.


Kinderspielplatz

Kinderspielplatz ohne Kinder
Der Spielplatz auf dem Platz der Freiheit in Ulaanbaatar wird von Kindern eher selten aufgesucht. 500 Tugrik (50 Cent) für zwei Stunden Spielvergnügen erscheint den meisten Eltern doch zu teuer.

„Naadam 2002"
Die zentrale Kommission zur Vorbereitung des mongolischen Nationalfeiertages am 11. Juli, Naadam oder die „Drei Spiele der Männer", hat ihre Arbeit aufgenommen; ihr steht ein Budget von 182,5 Millionen Tugrik zur Verfügung.
Die Zielankunft der Pferderennen wird wie im vergangenen Jahr in Yarmag, am westlichen Stadtrand von Ulaanbaatar, sein.
Das Mitbringen von Glasflaschen, Gegenständen aus Holz, Eisen oder anderen harten Materialien in das Zentralstadion von Ulaanbaatar wurde verboten.
Die Eröffnung der Feierlichkeiten erfolgt am 10. Juli auf dem Sukhbaatarplatz mit Paraden verschiedener Truppenteile und dem „Hissen" der Chinggis-Khaan-Standarte.
Offiziell dauern die Feierlichkeiten bis zum 13. Juli.
Traditionell werden die Mongolen in Stadt und Land jedoch fast eine Woche lang feiern.
Außer im Ringen nehmen Mädchen und Frauen selbstverständlich an den Wettkämpfen im Reiten und Bogenschießen teil.


   

MongoleiOnline

MongoleiOnline
Postfach 130 154, D-53061 Bonn, Germany
Copyright © 1997-2017 Frank Voßen
Last Update: 01. Januar 2017