Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 24. - 30. Juni 2002

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Tempel im Choijin-Lam-Klostermuseum

Ministerpräsident Enkhbayar in Mandalgobi
In der Hauptstadt des Mittelgobiaimags, Mandalgobi, traf der Ministerpräsident mit den Bagvorsitzenden aus den Aimags Mittel-, Ost- und Südgobi sowie Gobi-Sumber zusammen, um über die Verbesserung der Bagverwaltungsarbeit zu sprechen.
Dabei gab der Ministerpräsident den Bagchefs acht Ratschläge mit auf den Weg: Beachtung der örtlichen Besonderheiten, Haushalten entsprechend der finanziellen Möglichkeiten der Bags und Sums, Verbesserung der Lebensbedingungen der Bagbevölkerung durch gezielte Kooperation zwischen den Haushalten, vertragliche Vereinbarungen bezüglich des Verpachtens von Vieh durch reiche Viehhalter an arme, Schaffung eines „offenen Klimas" während der Bürgerversammlungen u.a.

Ch. Ganzorig über Gold- und Kupferbergbau
Zum dritten Mal seit der Neugründung des Ministeriums für Industrie und Handel, informierte Minister Ch. Ganzorig die Abgeordneten des Großen Staatskhurals über Ergebnisse, Aufgaben und Ziele im Bereich Industrie und Handel. Diesmal ging es um Geologie und Bergbau sowie die Textilindustrie.
Ganzorig beklagte den seit 1995 stetig fallenden Weltmarktpreis für Kupfer, den wichtigsten Exportartikel der Mongolei. 1995 kostete eine Tonne Kupfer noch 2 932 US-Dollar, im vergangenen Jahr nur noch 1 604 Dollar.
Mit Stand vom 01.01.02 betrugen die Erzvorkommen bei Erdenet 1 304,9 Millionen Tonnen, davon 0,47 Prozent Kupfer und 0,013 Prozent Molybdän.
Insgesamt verfüge die Mongolei über 150 Tonnen an Goldvorräten. In den vergangenen zehn Jahren seien 114 Millionen US-Dollar aus dem Goldbergbau (Steuern, Goldverkauf) an den Staatshaushalt abgeführt worden.
Im Jahre 2001 wurden im Bergbau Produkte im Wert von 171,5 Millionen Dollar für den Export produziert.
In der Textilbranche belief sich der Export auf Waren im Wert von 64,3 Millionen US-Dollar.
38,3 Prozent oder 36 Textilbetriebe sind zu 100 Prozent ausländisches Eigentum, 44 Betriebe sind Joint Ventures und 14 Betriebe gehören ausschließlich Mongolen. Die ausländischen Investoren stammen hauptsächlich aus China, Hongkong, Südkorea, den USA, Kanada und Großbritannien.

Gesetz über Freihandelszone Altanbulag verabschiedet
Ohne Gegenstimme bestätigten die Abgeordneten des Großen Staatskhurals am 28. Juni das Gesetz über die Schaffung einer Freihandelszone in Altanbulag.
Altanbulag, an der Grenze zu Russland gelegen, ist die erste Freihandelszone in der Mongolei.
Zehn Jahre dauerten die Debatten um den von 13 Abgeordneten eingebrachten Gesetzesvorschlag.

Aimagzusammenschluss begrüßt
Der Vorschlag, die Aimags Selenge, Darkhan-Uul, Dorno(Ost)-Gobi und Gobi-Sumber zu vereinigen, stieß auf breite Zustimmung von Betroffenen.
Dadurch könnten die Verwaltungsausgaben drastisch verringert und die Mittel aus den Aimag- und Sumhaushalten effektiver eingesetzt werden.
B. Baabar, ehemaliges Parlamentsmitglied der Demokratischen Partei, vertritt seit längerem die Auffassung, dass eine Bevölkerung von 2,4 Millionen keine 21 Aimags (Provinzen) und 329 Sums (Landkreise) für ihre Verwaltung benötigt. Er schlägt vor, in den nächsten fünf oder zehn Jahren eine Reform zu verwirklichen, die die Mongolei in drei Verwaltungszonen (Westen, Zentrum und Osten) teilt.

Auseinandersetzung um Bodenprivatisierungsgesetz geht weiter
Die Bestätigung des Regierungsentwurfs über das Bodenprivatisierungsgesetz rückt näher und der Plan der Regierung, eine „Super"agentur zu schaffen, die die Umsetzung des Gesetzes regelt, fördert den Widerstand der Opposition. Ministerpräsident Enkhbayar soll an der Spitze der Agentur stehen. B. Baabar sieht in der ganzen Angelegenheit„glänzende Möglichkeiten für Korruption und Willkür."
B. Erdenebat, Abgeordneter der Mutterlandspartei, ist nicht gegen die Privatisierung, aber gegen einzelne Bestimmungen des Gesetzentwurfs. Eine Familie in der Stadt soll 0,07 Hektar Land kostenlos erwerben können, eine Familie auf dem Land bekommt 0,35 Hektar kostenlos übereignet.
Erdenebat kritisiert, dass eine Familie mit einem Kind genauso viel Land bekommt wie eine Familie mit zehn Kindern.
Außerdem sei es rechtswidrig, wenn im Falle von Regelverstößen ein privatisiertes Grundstück an die Regierungsagentur zurückfällt. Darüber müssten die Gerichte entscheiden.

Kein Auffanglager für nordkoreanische Flüchtlinge in der Mongolei
Ein Sprecher des Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Mongolei dementierte Meldungen, wonach in der Mongolei ein Auffanglager für Flüchtlinge aus Nordkorea errichtet würde.
Norbert V., der die Interessen nordkoreanischer Botschaftsflüchtlinge vertritt, äußerte in einem Interview für „Radio Freies Asien", verlassene russische Kasernen in der Mongolei könnten als Unterkünfte für bis zu 1 200 Flüchtlinge dienen.
Die Mongolei beobachte die Flüchtlingsproblematik und setze sich für die Einhaltung der Menschenrechte ein, sei jedoch kein Vertragspartner der internationalen Flüchtlingskonvention. Aus diesem Grunde entbehren Meldungen in ausländischen Medien über die Aufnahme einer größeren Zahl von Flüchtlingen jeder Grundlage, so der Ministeriumssprecher weiter.
Sprecherinnen von UNDP und der USA-Botschaft in der Mongolei bestätigten, keinerlei Anzeichen für die Einrichtung eines Flüchtlingscamps in der Mongolei bemerkt zu haben.


Prinz Akishino (3.v.l.) und Prinzessin Kiko (4.v.l.)

Japanischer Prinz plant Buch über die Mongolei
Prinz Akishino und seine Gattin, Prinzessin Kiko, zeigten sich außerordentlich angetan über den herzlichen Empfang, der ihnen durch die mongolische Staatsführung und Bevölkerung bereitet wurde.
Es war der erste Besuch von Mitgliedern der japanischen Kaiserfamilie in der Mongolei.
„Das nächste Mal bringen wir unsere Kinder mit und bleiben mindestens drei Wochen" sagte der Prinz, der verkündete, über seine Erlebnisse und Eindrücke ein Buch schreiben zu wollen.
Besonders interessiert zeigte er sich an Geschichte und Gegenwart der buddhistisch-lamaistischen Religion in der Mongolei.

Armutsbekämpfung auf dem Land
Die Internationale Stiftung für die Entwicklung der Landwirtschaft stellt der Mongolei für das Projekt „Armutsbekämpfung auf dem Land" 14,8 Millionen US-Dollar an langfristigen Krediten zur Verfügung. Die Rückzahlungsfrist beträgt 40 Jahre, der Zinssatz 0,75 Prozent.

30 tote Goldgräber
Im Zaamar-Sum des Tuv(Zentral)-Aimags starben allein im Jahr 2001 30 Menschen beim illegalen Graben nach Gold, Kohle oder anderen Bodenschätzen.
Jugendliche, Familienväter und auch –mütter versuchen durch Goldgräberei sich und ihre Angehörigen über Wasser zu halten. Ursachen dafür liegen im Verlust der Herden, im Mangel an Arbeitsplätzen, manchmal hoffen die „Neubergleute" auch bloß darauf, schnell reich zu werden. Bergbau ist schon unter normalen Umständen in der Mongolei ein gefährlicher Job.
Unabsehbar sind die Gefahren für die Unerfahrenen. Sie ertrinken, werden von einstürzendem Gestein und Geröll begraben oder sterben bei Prügeleien nach Alkoholexzessen bzw. um die ergiebigsten Plätze.
In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat sich die Zahl der Toten um weitere zehn erhöht.

Selbstmord eines Exabgeordneten
Der ehemalige Abgeordnete des Großen Staatskhurals (1996 – 2000), L. Luvsan-Ochir, hat sich am vergangenen Samstag in seinem Arbeitszimmer erschossen.
Gründe für den Selbstmord sollen familiäre Spannungen gewesen sein.
Die Polizei des Bayanzurkhdistrikts untersucht den Fall und hat die Witwe als Zeugin vernommen.

„Scheideweg" hilft Gefängnisinsassen
Mitarbeiter der deutschen Gefangenenhilfeorganisation „Scheideweg" besuchten die Haftanstalten in Darit, Zuunkharaa, Baganuur und Avdran.
305 Häftlinge wurden allgemeinmedizinisch untersucht, 417 Häftlinge erhielten eine zahnärztliche Behandlung.

Private Hochschule in Kharkhorin abgebrannt
Im Kharkhorin-Sum des Uvurkhangai-Aimags brannten in der vergangenen Woche zwei Holzgebäude, in denen sich Lehrerzimmer und das Studentenheim der „Kharkhorin"-Hochschule (Direktor: Dr. Batsuuri) befanden, völlig nieder. Die Brandbekämpfung wurde durch starke Winde erschwert, außerdem waren die Feuerwehren wegen mehrerer Brände in der Region voll ausgelastet.
Eines der Gebäude konnten die Studenten noch leerräumen.
Im anderen Gebäude wurden Computer, Bücher, Inventar, Forschungsarbeiten durch das Feuer vernichtet. Nur von einigen der Arbeiten befinden sich Kopien in Ulaanbaatar.
Das Amt zur Brandbekämpfung von Ulaanbaatar hat die Untersuchungen aufgenommen.

Aufnahmeprüfungen für Universitäten und Hochschulen
Ende Juni beginnen die Aufnahmeprüfungen für die 100 privaten und staatlichen Universitäten und Hochschulen der Mongolei.
Der Sekretär der zentralen Prüfungskommission, B. Luvsansharav, informierte über einige Besonderheiten bei den diesjährigen Prüfungen. So werden Antragsteller aus entfernten Sums und Bags, in denen Ärzte- und Lehrermangel herrscht, bevorzugt behandelt, Studierwillige aus der Hauptstadt dürfen sich nicht auf dem Lande an den Aufnahmeprüfungen beteiligen, während sich Landjugendliche sehr wohl in Ulaanbaatar den Prüfungskommissionen stellen dürfen. Die Pflicht, sich einer ärztlichen Untersuchung zu stellen, entfällt.
Die Hochschule „Mongolischer Farmer" verlangt keine Aufnahmeprüfung, die Medizinische Universität erlässt Männern im Alter zwischen 18 und 22 Jahren, die größer als 1,65 Meter sind und nicht weniger als 55 Kilogramm wiegen, die Hälfte der Studiengebühren.


Straßenszene in Ulaanbaatar

Ab 2010 soll Viehhaltung in Ulaanbaatar verboten werden
Laut Regierungsbeschluss sollen bis zum Jahr 2010 alle Viehhalterhaushalte das Stadtgebiet von Ulaanbaatar verlassen haben.
Nach Aussage des stellvertretenden Bürgermeisters von Ulaanbaatar und Leiters der Arbeitsgruppe „Viehwirtschaft in der Hauptstadt", Ch. Sumaakhuu, ist Viehhaltung in einem dichtbesiedelten Gebiet wie der mongolischen Hauptstadt nicht mehr zeitgemäß und überdies gefährlich im Falle von Tierseuchen u.Ä.
Die Viehhalter müssten ihre Tiere entweder verkaufen oder umziehen.

Ein Krankenhaus für das Betub-Kloster
Der ehemalige indische Botschafter in der Mongolei, Bakula Renbuuchi, Ministerpräsident N. Enkhbayar sowie der Oberbürgermeister von Ulaanbaatar, M. Enkhbold, nahmen an der Einweihung des Krankenhauses beim Betub-Kloster in Ulaanbaatar teil. Das Krankenhaus verfügt über fünf Betten und ein Labor. Drei Ärzte werden sich um das Wohl der Patienten kümmern.


R. Schröder mit Kindern aus dem Waisenhaus in Sansar (UB)

Pegnitzer Bürger spenden für mongolisches Waisenhaus
23 Kinder des Waisenhauses in Sansar (Ulaanbaatar) können sich über neue Betten, Matratzen und Bettwäsche freuen.
Zu verdanken haben sie das Bürgern aus Pegnitz (Bayern), die sich schon lange der Mongolei verbunden fühlen und für verschiedene Hilfsprojekte (eine Jugendwerkstatt, eine Bäckerei, Spielzimmer u. Ä.) Sach- und Geldspenden zur Verfügung gestellt haben.
Werner Schaller, der Leiter der Justizschule in Pegnitz, konnte sich als Kurzzeitexperte im Justizministerium der Mongolei selbst von der Bedürftigkeit der Kinder und Jugendlichen aus armen Familien überzeugen. Er stellte die Kontakte her und kümmert sich um die ordnungsgemäße Verwendung der Spenden.
800 US-Dollar übergab Regina Schröder, Präsidentin der Internationalen Frauenassoziation in der Mongolei (IWAM), im Namen der Pegnitzer an die Leiterin des Waisenhauses, A. Tungalag.
Die Kinder, Waisen oder Halbwaisen, Findelkinder darunter, müssen nun nicht mehr zu zweit oder zu dritt in einem Bett schlafen.
Die Betten fertigte ein mongolischer Tischler, Matratzen und Bettwäsche nähten junge Mongolen in einer Näherei, die ebenfalls nur mit Hilfsgeldern betrieben werden kann.

Berichtigung:
Der mongolische Botschafter erhielt seine Ernennungsurkunde aus der Hand des südafrikanischen Präsidenten.
Der Preis für 20 Minuten Spielvergnügen auf dem neuen Spielplatz auf dem Platz der Freiheit beträgt 500 Tugrik. Seit kurzem muss kein Eintrittsgeld mehr bezahlt werden. R.B.


   

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Last Update: 01. Januar 2017