Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 4.-10. März 2002

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Ausstellung Karakorum. Aufmerksame Zuhörer. 2.v.l. Bagabandi

Fotoausstellung der mongolisch-deutschen Karakorumexpedition
Am 07. März wurde im Museum für Nationalgeschichte der Mongolei in Ulaanbaatar eine Ausstellung mit Fotos und Ausgrabungsstücken der mongolisch-deutschen Karakorumexpedition eröffnet.
Staatspräsident Natsagiin Bagabandi, gemeinsam mit Bundespräsident Johannes Rau Schirmherr der Expedition, ließ es sich nicht nehmen, an der Eröffnung teilzunehmen.
Der Einladung waren auch der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Mongolei, Klaus Schröder, der Präsident der Akademie der Wissenschaften der Mongolei, B. Chadraa und der Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft, B. Tsanjid, gefolgt.
„Sie sehen hier nur einen kleinen Ausschnitt der über 2.000 Neufunde", erklärt Professor Hüttel, einer der Expeditionsleiter und Ausstellungsorganisatoren.
Die Grabungsteams arbeiten seit 1999 entsprechend eines Kooperationsvertrages zwischen der AdW der Mongolei, der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn und der Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie (KAVA) des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI).
Es existieren zwei Grabungsprojekte: Das Handwerkerviertel in der Stadtmitte, geleitet von Prof. Roth (Uni Bonn) und Dr. Erdenebat (AdW) und der Palastbezirk mit den Grabungsleitern Prof. Hüttel von der KAVA und Dr. Bayar von der AdW.
In der Ausstellung werden Fotos von spektakulären Neufunden wie den vier Ziegelbrennöfen, der steinernen Gewandfalte einer buddhistischen Statue, von Butterschälchen aus verschiedenen Perioden der Siedlungsgeschichte von Karakorum, Luftaufnahmen vom Grabungsgelände, Lagepläne und Objekte wie Schmuck aus Korallen, ein Goldarmband, Eisengefäße und Werkzeuge gezeigt.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Seminar, auf dem Grabungsmitarbeiter ihre Forschungsergebnisse vorstellten, dabei noch offene Fragen der Datierung, historischer und kunsthistorischer Zusammenhänge nicht aussparend. Ausführlich wurde auf die Erforschungsgeschichte der Mongolenhauptstadt aus dem 13. Jahrhundert eingegangen.
Im Juli werden die Grabungen in Karakorum (mong.: Khar Khorum) fortgesetzt.

Hanns-Seidel-Stiftung auf dem Gebiet der Rechtsreform aktiv
Der stellvertretende Vorsitzende des Großen Staatskhurals, J. Byambadorj, empfing am 05. März den für die Mongolei verantwortlichen Mitarbeiter der Hanns-Seidel-Stiftung, Willi Lange sowie die Leiterin des Stiftungsbüros in Ulaanbaatar, Prof. Dr. Ts. Sarantuya. Bayambadorj dankte seinen Gästen für den Beitrag der Stiftung bei der Reformierung des Rechtssystems in der Mongolei. Bei zwei der fünf Gesetze, die auf den Herbstsitzungen des Staatskhurals verabschiedet wurden, hätten die Mitarbeiter der Hanns-Seidel-Stiftung mitgewirkt. Byambadorj: „Sollte eines Tages die Geschichte des Parlaments und der Demokratieentwicklung in der Mongolei geschrieben werden, tauchte der Name der Stiftung auf den ersten Seiten auf."

Japaner haben Mongolei in London verklagt
Die private Kaschmirfirma „Buyan" sieht sich außer Stande, einen Kredit von 18,8 Millionen US-Dollar, den sie von der japanischen Finanzierungsgesellschaft „Marubeni" erhalten hatte, zurückzuzahlen. Da trotz mehrmaliger Zahlungsaufforderungen an die Firma keine Reaktion erfolgte und auch Interventionen bei der mongolischen Regierung, die seinerzeit angeblich für den Kredit gebürgt hatte, ohne Resonanz blieben, hat sich das japanische Unternehmen an das Internationale Schiedsgericht für Wirtschaftsangelegenheiten in London gewandt.
Ergebnis: Vertreter der mongolischen Regierung, von „Buyan" und der japanischen Gesellschaft haben eine Kommission gegründet, um das Problem einvernehmlich zu lösen.
Der Vertreter der Japaner konstatierte nach den ersten Beratungen, „Buyan nutzt seine Kapazität nur zu 40 Prozent aus, der Auslandsabsatz ist nicht befriedigend." Wahrscheinlich laufe das Ganze auf eine Verlängerung der Tilgungsfrist hinaus.

Mongolische Postbank – Mitglied in SWIFT
Seit dem 04. März ist die mongolische Postbank Mitglied in der Gesellschaft für den beleglosen Zahlungsverkehr und Datenaustausch (SWIFT – Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication).
Die Postbank hat Kooperationsbeziehungen mit der deutschen Commerzbank und der kasachischen Bank „Turan Alem" aufgenommen.

15. bis 19. September – Investorentreffen in Ulaanbaatar
Im Juli 2002 findet in Ulaanbaatar eine Beratung der „Geberländer" der Mongolei statt und vom 15. – 19. September treffen sich die Investoren zu ihren Gesprächen.
Im Jahre 2001 betrug die Investititionssumme 126 Millionen US-Dollar. Der größte Auslandsinvestor in diesem Jahr wird vermutlich aus Großbritannien kommen: 35 Millionen US-Dollar will eine Firma in die Goldgrube „Boroo" investieren.

Niederländischer Finanzminister besucht die Mongolei
Auf Einladung des mongolischen Finanzministers Ch. Ulaan besuchte dessen niederländischer Amtskollege Gerrit Salm vom 08. bis 10. März die Mongolei.
In den Gesprächen ging es um die Würdigung der 30-jährigen diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Ulaan dankte den Niederlanden für ihre Wirtschaftshilfe und gab seiner Hoffnung auf eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit Ausdruck.
Präsident Bagabandi zeichnete Salm mit dem Orden „Goldener Polarstern" aus.

Bayankhongor – Bisher 893 000 Tiere verendet
Vor allem in den Gobi-Sums des Bayankhongor-Aimags hat sich die Situation mit Frühjahrsbeginn nicht verbessert. Auf Grund starker Schneefälle ist kaum noch eine Straße befahrbar. Sechs Lastkraftwagen und ihre Besatzung, die Heu transportierten, sind bis heute verschwunden. Zu sechs Familien, die in Ich-Bogd-Biluutei im Bogd-Sum überwinterten, konnte seit Januar keine Verbindung mehr hergestellt werden.
Im Bayan-Undur-Sum sind die Heizungen im Krankenhauses und in der Schule ausgefallen. Fast ein Meter Schnee in den Sums Shinejinst und Bayan-Undur verhindern sogar den Weidegang der Pferde. Insgesamt haben die Viehhalter des Aimags 893 000 Tiere verloren.

15-Jähriger starb im Schneesturm
Der 15-jährige Battsengel aus dem Bayan-Undur-Sum im Bayankhongor-Aimag geriet auf dem Weg von der entfernt liegenden Winterweide auf die Frühjahrsweide in einen starken Schneesturm. Er verirrte sich mit der Herde und verunglückte bei Dund Nuruu im Baatsagaan –Sum tödlich.

Wolfsforschung
Zwischen dem mongolischen Umweltministerium und der Japanischen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (JICA) wurde ein Zweijahresvertrag abgeschlossen, der der unkontrollierten Wolfsjagd Einhalt gebieten und damit dem Naturschutz dienen soll.
In neun Sums der Aimags Tuv, Bulgan und Khovd wurde jeweils ein Rat: „Wolfsmanagement" gegründet. Ziel des Projektes ist es, genauere Angaben über die Anzahl der grauen Wölfe, ihr Geschlecht, bei weiblichen Tieren die Zahl der Geburten, das Gewicht und die Pelzlänge zu erlangen. Dies anhand lebender Tiere zu ermitteln, wird kaum möglich sein, die erjagten Wölfe müssen diese Angaben liefern. Die Jäger werden mit Namen und Wohnort, der Art ihrer Jagdwaffen notiert. Auch die Abschussdaten sind von Interesse.
Das Verhältnis der Mongolen zum Wolf ist ein zwiespältiges. Einerseits spielt er im wichtigsten Herkunftsmythos der Mongolen eine Rolle, andererseits ist er ein gefürchteter Viehräuber. Ein Jäger, der besonders viele erlegte Wölfe vorweisen kann, kann sich auch der Anerkennung seiner Umgebung sicher sein. Andererseits ist die traditionelle Methode der Wolfsjagd nachteilig für den Verkauf der Felle auf internationalen Märkten, da dadurch das Fell beschädigt wird. Auch das Wissen über den Wolf und seine Lebensweise ist erweiterungsfähig. Besonders kritisch betrachten die Umweltschützer das Freizeitvergnügen vieler „tomchuud" (Prominenter), die vom Jeep aus, mit automatischen Waffen auf Wolfsjagd gingen.
Ein ähnliches Projekt „Adlerforschung" ist in Vorbereitung. Es wird im Bayan-Ulgii-Aimag angesiedelt sein.


M. Enkhbold überreicht R. Schröder die Dankesurkunde

Internationaler Frauentag 2002
Der 8. März ist seit einigen Jahren kein offizieller Feiertag mehr in der Mongolei. Trotzdem wird der Tag in Betrieben, Behörden und privat festlich begangen.
Die Geschäfte, besonders die Blumen- und Kosmetikläden, können den Kundenansturm kaum bewältigen, allerorten sieht man Frauen, Männer und Kinder kunstvoll verzierte Cremetorten nach Hause tragen.
Präsident und Ministerpräsident haben in Fernsehansprachen den Frauen für ihre Leistungen im Beruf und für die Familie gedankt, in allen Zeitungen sind ausführliche Porträts von verdienten Arbeiterinnen, Ärztinnen, Lehrerinnen...erschienen.
Der Oberbürgermeister von Ulaanbaatar, M. Enkhbold, gab am fünften März für die Vorstandsmitglieder der Internationalen Frauenassoziation der Mongolei (IWAM) einen Empfang. Er dankte dem IWAM für dessen Unterstützung von Frauen und Kindern in schwierigen Lebenslagen, für Sachleistungen wie Kleidung, Arbeitsmaterialien, Nähmaschinen, für die Ausstattung von Kindergärten, aber auch für Beratung und Weiterbildung an Schulen. Wertvoll und nützlich sei auch die Vermittlung von Erfahrungen und Informationen über die Situation, Probleme und Lösungswege in den Heimatländern der Amerikanerinnen, der Japanerinnen, der Deutschen, Holländerinnen und Türkinnen.
Regina Schröder, die Präsidentin des IWAM, bedankte sich im Namen der Mitglieder und Helfer des IWAM für die Einladung und die anerkennenden Worte über die Arbeit der Frauenorganisation. Sie freute sich, mitteilen zu können, dass bereits in den ersten drei Monaten dieses Jahres 800 000 Tugrik an Hilfsgeldern „gesammelt" wurden.
„Im Interesse der Ärmsten der Armen wollen wir mit der Stadtverwaltung in Zukunft noch enger zusammenarbeiten, zumal der „Personalbestand" des IWAM häufig wechselt", so Frau Schröder weiter. Die Mitglieder des IWAM nähmen aber nicht nur karitative Aufgaben wahr, ihr Interesse gelte gleichfalls der Kultur, den Sitten und Bräuchen im Gastland.
Im Anschluss an den offiziellen Teil sprach der Bürgermeister über Etappen der Stadtgeschichte und konnte sich eines aufmerksamen Publikums sicher sein, dessen Fragen von äußerst kompetenten „Lehrern" beantwortet wurden.


Im Blumenladen

Moskauer Zirkus gibt Gastspiel in Ulaanbaatar
Nach mehr als 20 Jahren gibt ein großer russischer Zirkus wieder ein Gastspiel in der Mongolei.
26 Artisten werden Proben ihres Könnens abliefern. Sie sind mit Tigern, Löwen, Hunden, Pferden und Affen, insgesamt 41 Tieren, angereist.
„ Außer weltweit einmaligen Tierdressuren präsentiert unser Zirkus auch wunderbare Clownsnummern", so die Managerin des Zirkus‘ Tatjana Zapashnaja.
Die Eintrittskarten kosten für Erwachsene 4 000 und für Kinder 2 000 (zwei Euro) Tugrik.


Der mongolische Staatszirkus.12. März 2002

„Chinggis-Khaan" im Ringerpalast
Die mongolische Rockgruppe „Chinggis-Khaan" trat vom 07.-09. März im Ringerpalast von Ulaanbaatar auf. Die Konzerte bildeten den Abschluss ihrer Tournee „ 20 Jahrhunderte", die die Musiker in mehr als 20 Länder geführt hat.
Die Karten für die Konzerte in Ulaanbaatar waren in kürzester Zeit ausverkauft.
In einer mitreißenden, über drei Stunden andauernden Show, boten die Musiker um den Sänger und Verdienten Künstler der Mongolei, D. Jargalsaikhan, alte und neue Hits.

Verteidigungsminister reist nach Deutschland
Verteidigungsminister J.Gurragcha wird vom 17. – 20. März zu einer offiziellen Deutschlandvisite nach Berlin reisen.
Auf dem Programm stehen Besuche bei verschiedenen Armee-Einheiten, des Weiteren nimmt er als Beobachter an Wehr- und Feldübungen teil. Ebenfalls geplant ist ein Treffen mit Verteidigungsminister Rudolf Scharping.
Nach Besuchen in weiteren Ländern der Europäischen Union wird Gurragcha am 25. wieder in der Heimat erwartet.


   

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Last Update: 01. Januar 2017