Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 7. - 13. Oktober 2002

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Oberstes Gericht der Mongolei

Vor dem Besuch des UNO-Generalsekretärs
„ Ich trete nicht zurück". Außenminister L. Erdenechuluun wies Pressemeldungen zurück, wonach er demnächst sein Amt aufgeben würde. Gleichzeitig wiederholte der Außenminister seine Kritik an Fehlleistungen von Leitern und Mitarbeitern mongolischer Auslandsmissionen. In den vergangenen zwei Jahren wären mongolische Diplomaten in den illegalen Zigarettenschmuggel verwickelt gewesen. Außerdem hätten aus dem diplomatischen Dienst ausgeschiedene Mitarbeiter ihre Dienstpässe nicht zurückgegeben, die CD-Kennzeichen ihrer Fahrzeuge weiter benutzt oder sie verkauft.
Für das Bild der Mongolei im Ausland trügen die Diplomaten ein hohes Maß an Verantwortung. Fachliches Können und moralische Integrität seien dabei unverzichtbare Werte.
Im laufenden Jahr wurde der Personalbestand des Außenministeriums von 119 auf 102 Mitarbeiter reduziert. Die Arbeit sei dadurch nicht einfacher geworden, die Mongolei sei auf intensive, konstruktive Kontakte zur internationalen Gemeinschaft angewiesen. Die jüngste Dienstreise des Premierministers diene der weiteren Verbesserung der wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu asiatischen Staaten, dem Besuch des UNO-Generalsekretärs in die Mongolei würde ebenfalls große Bedeutung beigemessen. Erdenechuluun äußerte sich auch zur Frage der Erdöl- und Gasleitung von Russland nach China. Für die Mongolei wäre es selbstverständlich von Vorteil, führten diese Leitungen über mongolisches Territorium. Doch diese Entscheidung liege bei China und Russland.

Regierungsprogramm „Existenzsicherung" ohne Erfolg
Auf einer Beratung der Leiter der Sozialämter der Stadtbezirke von Ulaanbaatar und der Mitglieder des Rates für die „Unterstützung der Familien bei der Existenzsicherung" am 08. Oktober wurde festgestellt, dass das Programm nicht den gewünschten Effekt gebracht hat.
Von 1996 bis 2000 wurden an sehr arme Familien ohne regelmäßiges Einkommen 789,5 Millionen Tugrug Kleinkredite gezahlt. Den meisten Kreditempfängern gelang es nicht, sich neue dauerhafte Erwerbsquellen zu erschließen, Unternehmen zu gründen. Die Kredite konnten nicht zurückgezahlt werden.
Bei der Fortführung des Programms zwischen 2002 und 2006 hat die Weltbank der mongolischen Regierung einen 19-Millionen-Dollar-Kredit zugesagt.
36 Prozent der mongolischen Familien leben in Armut. Ihr Anteil steigt. Deshalb werden zukünftig nicht nur die „sehr armen", sondern auch Familien mit niedrigen Einkommen einbezogen. Hauptanliegen des Programms sind: Risikomanagement der nomadischen Viehhaltung; Einrichtung eines Fonds für regionale und kommunale Initiativen; Vergabe von kurzfristigen Kleinkrediten.

Mitglieder des Obersten Gerichts mussten Prüfung ablegen
Entsprechend einer Bestimmung des neuen Gesetzes über die Gerichtsbarkeit wird die Zahl der Mitglieder des Obersten Gerichtes von 17 auf 11 reduziert.
Auf Beschluss des Obersten Richterrates der Mongolei mussten sich die 17 Mitglieder einer Überprüfung ihrer fachlichen Fähigkeiten unterziehen. Die Prüfung bestand aus einem mündlichen und einem schriftlichen Teil und dauerte fast einen Tag. Die Prüfungsergebnisse liegen vor, die Namen der 11 Richter stehen allerdings noch nicht fest. Am 10. November, auf der Ratssitzung des Gerichts, fällt die endgültige Entscheidung.

Höhere Mehlimporte
Auf Grund der niedriger als erwartet ausgefallenen Getreideernte in diesem Jahr und des gestiegenen Mehlverbrauchs müssen 148 000 Tonnen Mehl eingeführt werden.
58 000 Tonnen können im Lande selbst produziert werden.
Für das schlechte Ernteergebnis sind Trockenheit, Pflanzen- und Bodenschädlinge verantwortlich.
Landwirtschaftsexperten ermittelten z.B. für den Darkhan-Uul-Aimag einen möglichen durchschnittlichen Hektarertrag von 12 Zentnern. Tatsächlich fielen die Erträge zwei- bis dreimal niedriger aus.
Im Khentii-Aimag, der von der Sommertrockenheit nicht oder kaum betroffen war, wurden 11,5, im Bulgan-Aimag 9,5 Zentner pro Hektar geerntet.

Nierentransplantation möglich – bisher fehlen geeignete Spender
Der Direktor des Staatlichen Zentralkrankenhauses, Ts. Mukhar, teilte mit, dass in enger Gemeinschaftsarbeit mit koreanischen Medizinern im November zwei Nierentransplantationen im Krankenhaus vorgenommen werden könnten: Die südkoreanische Regierungsorganisation „Koika" stellte 250 000 US-Dollar für die nötige Laborausrüstung zur Verfügung, zwei noch fehlende Medikamente wurden im Ausland bestellt.
„Bei uns erfolgt die Operation kostenlos, im Ausland kostet eine Nierentransplantation 30 000 US-Dollar", so Mukhar weiter.
Bisher hätten sich allerdings noch keine geeigneten Spender gefunden.


Nalaikh, Krankenstation im 1. Wohngebiet

Das Geschäft mit der Krankheit
Der Medizintourismus aus der Mongolei nach Khukh Khot (Hauptstadt des Autonomen Gebietes Innere Mongolei in der Volksrepublik China) entwickelt sich zu einem lukrativen Geschäft – zum Schaden für das mongolische Gesundheitswesen?
Der mongolische Generalkonsul in Khukh Khot, S. Chuluunbaatar, äußert sich in der „Zuuny Medee" vom 10. Oktober über die zunehmende „Wanderungsbewegung" mongolischer Staatsbürger nach China, um sich hier medizinischen Rat zu holen, sich untersuchen und behandeln zu lassen: Im Jahre 2000 waren es noch 6 bis 7 000 „äußere" Mongolen, die sich in Krankenhäusern Khukh Khots behandeln ließen, ein Jahr später schon 30 900.
3 000 Yuan (1 Yuan = 135 Tugrug) ist der unterste Satz für eine Untersuchung und Behandlung. Mindestens 12,5 Milliarden Tugrug lassen die Mongolen beim südlichen Nachbarn.
Ihnen fehlt es offensichtlich an Vertrauen in die Fähigkeiten der Ärzte zuhause oder sie fürchten die nicht dem neuesten Stand der Medizintechnik entsprechende Ausstattung der heimischen Krankenhäuser und Arztpraxen, seien es staatliche oder private.
Und was ist mit denen, die nicht über die Mittel verfügen, zum Arztbesuch ins Ausland zu gehen? Menschen, die am Rande oder unterhalb der Armutsgrenze leben, Alte, Kinder auf der Straße. Sie werden in den Krankenhäusern der Hauptstadt, der Aimags und Sums, in den Krankenstationen der Stadtbezirke und in den Wohngebieten zumeist kostenlos behandelt.
Die Arbeitsbelastung des medizinischen Personals ist sehr hoch, ihre Gehälter sind niedrig.
Nicht nur in Südkorea arbeiten mongolische Ärzte und Ärztinnen als Kellner, Monteure oder Zeitungsausträger.


Eröffnung des Planungsworkshops in Zuunmod

Sexualaufklärung, Schwangerenvorsorge, Vorbeugung gegen Geschlechtskrankheiten
„Die Entscheidung der mongolischen Regierung, mehrere Gesundheitsprogramme zu einem nationalen Programm „Reproduktive Gesundheit" zusammenzufassen, begünstigt eine besser abgestimmte Zusammenarbeit zwischen den mongolischen Gesundheitsdiensten und den internationalen Gebern." Für Dr. W. Wagner, Gesundheitsberater im Auftrag der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) ist es wichtig, dass die mongolischen „Gesundheitsdienstleister", Ärztinnen und Ärzte, Arzthelfer und Sanitäter, Krankenschwestern, Pfleger und Statistiker in den Aimags, Sums, Bags und Stadtbezirken, die für ihre Klienten richtigen Angebote fordern und auswählen. Die erwarteten Leistungen sind entsprechend den lokalen Besonderheiten anders in der Gobi als im Selenge-Aimag, anders in Ulaanbaatar als in einer abgelegenen Siedlung.
Die Koordinierung zwischen dem UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA), der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der UNICEF, der Asiatischen Entwicklungsbank (AEB) und der GTZ ist unverzichtbar, um die begrenzten Mittel so effektiv wie möglich einsetzen zu können. „Auf diesem Wege sind wir ein gutes Stück vorangekommen", so Wagner in einem Planungsworkshop vom 09.-11. Oktober in Zuunmod (Zentralaimag).
Die Teilnehmer waren aufgefordert, ihre Vorschläge zu unterbreiten, wie die Ziele des nationalen Programms „Reproduktive Gesundheit" im Rahmen des gleichnamigen GTZ-Projektes erreicht werden können. Bis 2006 soll die Müttersterblichkeit von heute 158 auf 110 pro 100 000 Geburten gesenkt werden, die Abtreibungsrate soll um 20 Prozent zurückgehen. Nutzten im Jahre 2000 nur 30 Prozent der Schwangeren die Beratungen, sollen es bis Juni 2004 60 Prozent sein.
Die 39-jährige B. Enkee, Arzthelferin aus dem Bayan-Sum im Zentralaimag, hat sich für die Arbeitsgruppe „Neue und traditionelle Strategien bei der Sexualaufklärung weiblicher und männlicher Schulkinder" entschieden. Einerseits kann sie über ihre Erfahrungen bei der Betreuung der Viehhalterfamilien in ihrem Kreis berichten, deren Kritik und Hoffnungen, andererseits „bin ich begierig, zu hören, was die anderen, vor allem die hauptstädtischen Projektmitarbeiter, an Tipps und Vorschlägen beisteuern". Enkee weiß, wie wichtig frühzeitige Aufklärung und Gesundheitsberatung ist. In ihrem Kreis gibt es mehrere sehr junge Mädchen, die ungewollt schwanger wurden. Den Jungen und Männern muss beigebracht werden, dass auch sie Verantwortung für die Familienplanung und die Gesundheit der Frauen, Kinder und natürlich ihre eigene tragen.

Granate tötet jungen Viehhirten
Auf dem ehemaligen Gelände eines Truppenübungsplatzes der Roten Armee in der Nähe des Urgun-Sums im Dornod-Aimag starb ein Junge, der das Vieh seiner Familie hütete, durch die Explosion einer Granate. Nachdem E. die Granate gefunden hatte, schlug er mit einem Stein auf sie ein, wobei sie explodierte.
Auf einem Gelände im Umkreis von 30 Kilometer werden noch mehr der gefährlichen Hinterlassenschaften aus sozialistischer Zeit vermutet.

Illegaler Murmeltierfellexport
Der Fall der Eisenbahnmitarbeiter, die 6 249 Murmeltierfelle illegal bei Zamyn-Uud über die Grenze nach China bringen wollten, ist noch nicht vollständig aufgeklärt, da deckten die Grenzbeamten einen weiteren Verstoß gegen Vorgaben des Umweltministeriums auf.
Die „Arga Bilig Trade Company" wollte statt der genehmigten 600 Murmeltierfelle 56 000 nach China exportieren. Zu diesem Zwecke fälschte sie die Genehmigungen des Umweltministeriums. Mitarbeiter des Zolls entdeckten die Felle und beschlagnahmten sie.
Der Marktpreis für ein Murmeltierfell beträgt vier US-Dollar.
Die Firma muss jetzt mit einer Anklage wegen illegalen Exports und Steuerhinterziehung rechnen.

Grenzverletzer erschossen
Am 04. Oktober überquerten Ergit Dezer Ool und Mangush Mergen Vladimirovich aus dem Mungun-Taiga-Choshuu (administrative Einheit) in Tuwa illegal die Grenze zur Mongolei. Einen Tag später wurden sie 28 Kilometer von der Grenze und 30 Kilometer vom Zentrum des Bukhmurun-Sums im Uvs-Aimag entfernt, von Grenzposten gestellt. Sie führten 24 gestohlene Pferde mit sich. Auf Anrufe und Warnschüsse reagierten sie nicht. Im folgenden Schusswechsel wurde E. Ool tödlich getroffen.
Bei der Befragung von Mangush Mergen durch die Polizei des Uvs-Aimags ging es auch um die Entführung eines 16-Jährigen und den Diebstahl von 50 Pferden im Juni und August dieses Jahres.

Taiwan ändert seine Landkarten
81 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung der Mongolei, erklärt sich nun auch Taiwan bereit, die Mongolei als selbstständigen Staat anzuerkennen.
Damit folgt das taiwanesische Außenamt einer Entscheidung des Innenministeriums, die Mongolei als Teil der Volksrepublik China von den Landkarten zu tilgen und sie als eigenständigen Staat aufzunehmen.
Die Volksrepublik China hat die Mongolei im Januar 1946 offiziell anerkannt, nachdem die Bürger der Mongolei in einem Referendum mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit von China gestimmt hatten.

Russische Kulturtage in der Mongolei
Am 09. Oktober fand im zentralen Kulturpalast von Ulaanbaatar die feierliche Eröffnung der russischen Kulturtage statt. An der Veranstaltung nahmen neben Präsident N. Bagabandi, der Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft, A. Tsanjid, der stellvertretende russische Kulturminister, E.D. Molchanov sowie Botschafter O. M. Derkovskii, teil.
Beim Eröffnungskonzert brachten russische Künstler Werke von Rachmaninov und Tschaikowskii zu Gehör.
Besonders gefeiert wurden bei ihren Auftritten im russischen Kulturzentrum auch das Folkloreensemble „Beryoshka", das seit 1969 zum ersten Mal wieder in der Mongolei auftrat sowie eine Jazz Big Band.
Die Kulturtage dauern noch bis zum 15. Oktober.

10 Jahre Pferdegeigenensemble
Als sich im Oktober 1992 ein paar mongolische Musiker zusammenfanden, um das erste Morin-Khuur (Pferdegeige-das klassische Nationalinstrument der Mongolen) - Ensemble der Welt zu gründen, wurden sie von manchem belächelt. Es sah nicht so aus, als ob die Menschen gerade Volksmusik brauchten, um mit den Schwierigkeiten der Marktwirtschaft fertig zu werden.
Die 30 Mitglieder des Ensembles, die auch in kleineren Formationen auftreten, feierten Erfolge in Japan, in China und natürlich auf allen Bühnen der Mongolei..
Zur Feier ihres 10. Gründungstages geben die Musiker mehrere Konzerte mit traditionellen und modernen Kompositionen, außerdem wurde eine Fotoausstellung eröffnet und ein Dokumentarfilm produziert.
Viel Zeit zum Feiern bleibt nicht. Am 18. reist das Ensemble in die USA, wo Auftritte in fünf Städten geplant sind.

XIV. Asienspiele: Weitere Medaillen für mongolische Sportler
Bei den XIV. Asienspielen in Busan (Südkorea) konnten die mongolischen Sportler ihr Medaillenkonto auf 12 erhöhen.
Zum ersten Mal stand ein Mongole auf dem obersten Treppchen des Siegerpodestes in Busan und es erklang die Nationalhymne der Mongolei: O. Purevbaatar gewann im Freistilringen bis 60 Kilogramm die Goldmedaille.
Insgesamt haben die Mongolen bisher eine Gold- und vier Bronzemedaillen im Freistilringen, eine Silber- und fünf Bronzemedaillen im Judo sowie eine Bronzemedaille im Schießen erkämpft.
Die Hoffnungen auf Medaillen im Boxen und Taekwondo blieben unerfüllt.

Acht Nepalesen und eine Mongolin verschwunde
Wie aus der nepalesischen Delegation zu den Asienspielen in Busan verlautet, verließen acht Sportler, darunter eine Frau, das olympische Dorf und blieben verschwunden. Die Polizei geht davon aus, dass die acht illegal in Südkorea bleiben wollen.
Eine mongolische Kanutin verließ am Dienstag Busan, um von Seoul mit dem Flugzeug nach Hause zu gelangen. Seitdem fehlt auch von ihr jede Spur.

Berichtigung:
Das Foto zu den „Lustigen Weibern von Windsor" (Neues aus der Mongolei vom 30.09. – 06.10.02) zeigt nicht B. Batmend, sondern S. Oyunchuluun als Sir John Falstaff.


   

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Last Update: 01. Januar 2017