Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 31. März bis 6. April 2003

von Dr. Renate Bormann Ulaanbaatar


Kuchma und Bagabandi nach der Vertragsunterzeichnung

Kuchma: „Am wichtigsten sind Frieden und Sicherheit"
Der ukrainische Präsident, L. D. Kuchma, der vom 30.03. bis zum 01.04. zum ersten Mal der Mongolei einen offiziellen Staatsbesuch abstattete, antwortete auf die Journalistenfrage, was weltweit das dringendste Problem sei: „Frieden und Sicherheit". Die Ukraine unterstütze den amerikanischen Krieg gegen den Irak nicht, nun sei nur die Hoffnung geblieben, dass er schnellstmöglich zu Ende gehe. Kuchma weiter: „Wir sind bereit, dem irakischen Volk humanitäre Hilfe zu leisten".
Präsident Bagabandi und sein Gast aus der Ukraine waren sich einig darin, auch die Situation in Nordkorea als Besorgnis erregend einzuschätzen. Eine Lösung könne nur über Verhandlungen gefunden werden.
Die Stellung von UNO und Sicherheitsrat müsse gestärkt werden, ihnen komme bei der Wiederherstellung und Bewahrung des Friedens große Bedeutung zu.
Zwischen beiden Seiten wurde Verträge über eine engere Zusammenarbeit der Streitkräfte, in der Land- und Nahrungsgüterwirtschaft, beim Eisenbahntransport, bei der Goldgewinnung und beim Abbau von Kohle und Phosphor abgeschlossen.
Die Ukraine und die Mongolei wollen sich gegenseitig helfen, die Beziehungen zu Asien bzw. Europa auszubauen. Präsident Bagabandi erklärte, die Ukraine in ihrem Wunsch, Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) zu werden, zu unterstützen sowie ukrainischen Kindern, die auch heute noch unter den Folgen der Tschernobylkatastrophe leiden, einen Erholungsaufenthalt in der Mongolei zu ermöglichen. Im Gegenzug werden mongolische Kinder ihre Ferien im ehemaligen Pionierlager „Artek" verbringen.
Kuchma traf auch mit dem Vorsitzenden des Großen Staatskhurals S. Tumur-Ochir und mit Ministerpräsident N. Enkhbayar zusammen.

USA-Hilfe für die Mongolei
Für die fünfte Konferenz der neuen Demokratien im Juni in Ulaanbaatar werden die USA der Mongolei 500 000 US-Dollar überweisen, das teilte der stellvertretende US-Außenminister R. Armitage in einem Brief an Präsident Bagabandi mit. Am Montag informierte der Botschafter der USA in der Mongolei, John Dinger, sein Land werde der Mongolei Weizen im Wert von sechs Millionen US-Dollar als Geschenk übergeben. Außerdem gehört die Mongolei zu den zehn Ländern (u.a. Afghanistan, Kamerun, Kenia, Peru und Tadschikistan), die mit 60,8 Millionen US-Dollar „Food for Progress" unterstützt werden.

NIC – Privatisierung
Sieben Unternehmen beteiligen sich an der Ausschreibung für die Privatisierung des größten mongolischen Erdölimporteurs „NIC" mit einem flächendeckenden Tankstellennetz.
Die Bieter: „Altjin", „Petrovis", „Jast", „Magnai-Trade" (Mongolei), „Hertz International" (USA), „Anais Ltd." und „Irkutsker Erdölgesellschaft" (Russland), „Oyuny Undraa" und „American Trade and Development INC." (Mongolei/USA).
Der Mindestpreis beträgt 6,133 Millionen US-Dollar.
Bis zum 14. April soll das Ergebnis des Wettbewerbs vorliegen.

„Keine Unregelmäßigkeiten bei Bankenprivatisierung"
L. Purevdorj, der Chef des „Komitees für Staatliches Eigentum", nahm in einer Fernsehdiskussionsrunde Stellung zu den Vorwürfen, Ministerpräsident Enkhbayar, Mongolbankpräsident Chuluunbat und er hätten sich mittels Gründung einer Scheinfirma den Löwenanteil der Erlöse bei der Privatisierung der Landwirtschafts- und Entwicklungsbank gesichert. Er verwies auf die Arbeit der international tätigen Wirtschaftsprüfungsfirma „Barents", deren Prüfer ein korrektes Verfahren in allen Stufen bescheinigt hätten.

Brücke zwischen Europa und der Mongolei
Am 03.04. landete nach mehrjähriger Unterbrechung wieder eine Maschine der staatlichen mongolischen Fluggesellschaft „MIAT" auf dem Flughafen in Frankfurt am Main. Berlin wird nur noch am Sonntag angeflogen.
98 Fluggäste nahmen das Angebot an, für 70 Prozent des regulären Preises von Ulaanbaatar nach Frankfurt zu fliegen.
Die „MIAT", in letzter Zeit wegen ihrer inflexiblen Preisgestaltung wiederholt in die Kritik geraten, will dauerhaft Preisnachlässe gewähren. Eine Familie, die den Direktflug nach Frankfurt bucht, kann bis zu 50 Prozent Ermäßigung in Anspruch nehmen.
L. Sandag, geschäftsführender Direktor der „MIAT" hofft, dass die neue Flugverbindung „eine Brücke zwischen der Mongolei und dem Zentrum Europas" werden wird.
Die „Asiatische Grippe" (SARS) dämpft allerdings die Erwartungen Sandags an den ersten Direktflug von Ulaanbaatar nach Hongkong, der im Juli Premiere haben soll.

Direktor der Tourismusbehörde abgelöst
Nach Aussagen von Infrastrukturminister B. Jigjid ist die Ablösung G. Shilegdambas vom Posten des Direktors der Tourismusbehörde auf mangelnde Arbeitserfolge zurückzuführen.
Die in der Presse laut gewordenen Vorwürfe, wonach Shilegdamba bei der Vermittlung mongolischer Frauen und Mädchen ins Ausland mitgewirkt haben soll, entbehrten jeder Grundlage und hätten mit o.g. Entscheidung nichts zu tun.

Bald Waffenkaufhaus in Ulaanbaatar?
Volljährige mongolische Staatsbürger können laut Gesetz Schusswaffen besitzen. Seit 1993 ist dafür ein Waffenschein vorgeschrieben.
Die jährlichen Waffenzählungen ergaben für 2001 32 000 Gewehre und für 2002 28 000. Wieviele Waffen illegal gehandelt und benutzt werden, ist nicht bekannt.
Durch die Eröffnung eines Waffenkaufhauses erhoffen sich Polizei und Justiz eine Eindämmung des illegalen Waffenhandels und –besitzes. In Kürze soll der Betrieb einer solchen Handelseinrichtung international ausgeschrieben werden.

Mongolische Moslems solidarisch mit dem irakischen Volk
R. Sandalkhan, Abgeordneter aus dem Bayan-Ulgii-Aimag, zeigte Verständnis dafür, dass Parlamentschef Tumur-Ochir auf seiner Dienstreise nicht bis in den westlichen Aimag gekommen sei. „Der Ausbruch des Irakkrieges und die Tagung des Nationalen Sicherheitsrates machte seine Anwesenheit in Ulaanbaatar erforderlich." Dafür standen die „heimischen" Abgeordneten ihren Wählern Rede und Antwort.
Im vergangenen Winter fiel im Bayan-Ulgii-Aimag verhältnismäßig wenig Schnee, so dass die Herdentiere den Winter wohlgenährt überstanden haben.
Über einen Mangel an Problemen müssen die Bewohner des Aimags trotzdem nicht klagen.
In den sechs Sums leben Khalkh-Mongolen, Kasachen, Uriankhai, Tuwiner und Durbeten, was z.B. bei der Gestaltung des Schulunterrichts und der Zusammensetzung der Klassen Schwierigkeiten bereite. Einige Eltern haben ihre Kinder aus der Schule genommen.
Durch die Strukturveränderungen in den Verwaltungen sind 400 Menschen arbeitslos geworden. Bei der Auszahlung der staatlichen Überbrückungsgelder kam es zu Unstimmigkeiten. Andererseits stellen diese Zahlungen für den Aimaghaushalt eine hohe Belastung dar.
Das Staatliche Aimagkrankenhaus erhielt zwischen 2001 und 2002 mit japanischer Unterstützung zwar eine moderne Ausstattung, am Gebäude selbst wurde jedoch seit 20 Jahren keine Generalrenovierung durchgeführt, die Sanitäranlagen sind in einem völlig unzureichenden Zustand.
Ein anderes Problem, das alle drei Westaimags betrifft, sind die immer wiederkehrenden Störungen in der Stromversorgung und die hohen Verluste. Deshalb hoffen die Einwohner auf die schnelle Fertigstellung und Inbetriebnahme des Wasserkraftwerkes in Durgun.
Kasachen und Tuwiner, in ihrer Mehrheit Anhänger des Islam, verfolgen besonders aufmerksam den Kriegsverlauf im Irak. Sie treibt die Sorge um das irakische Volk und dessen Leiden im Krieg um. In den Gesprächen mit den Abgesandten „aus der Stadt" (Ulaanbaatar – R.B.) wünschten sie, dass sowenig wie möglich „einfache" Iraker Opfer von Bomben, Hunger und Krankheiten würden und dass der Nachkriegsaufbau unbürokratisch in die Wege geleitet würde.

Gesundheitsvorsorge für Militärangehörige
Die Initiative des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) und des Gesundheitsministeriums, Angehörige der verschiedenen Truppenteile mit Wissen und Kenntnissen über den Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten „auszurüsten", traf beim Oberkommando der mongolischen Streitkräfte auf dankbare Zustimmung.
Ein Ziel des Trainingsprogramms für Offiziere, Soldaten und Rekruten besteht darin, die Verantwortungsbereitschaft des männlichen Teils der Bevölkerung bei der Verbesserung der reproduktiven Gesundheit zu erhöhen.
Zum Abschluss der Schulung sollen 60 qualifizierte Ausbilder bereit stehen, die fähig sind, ihr Wissen weiterzugeben.
Das Projekt ist Teil des Nationalen Programms „Reproduktive Gesundheit".

Absolventen wollen nicht auf dem Land arbeiten
A.Tsanjid, Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft, kritisierte auf einer Pressekonferenz die Praxis vieler Eltern, ihre Kinder auf Fremdsprachenschulen zu schicken, in denen die mongolische Sprache nicht oder kaum gelehrt würde.
Zum wiederholten Male wies er auf die schlechte Zahlungsmoral der Hochschul- und Collegeabsolventen hin, die zwar staatliche Kredite in Anspruch nähmen, es aber versäumten, sie zurückzuzahlen.
Als besonders negativ wertete er die Haltung von Absolventen, die auf Staatskosten studiert hätten und nicht in ihrer Heimatregion tätig werden wollen. Zum Beispiel fehlten im Ostgobi-Aimag Ärzte, aber keiner der 37 Absolventen der Medizinischen Universität aus dieser Region erklärte sich bereit, diese Lücke zu füllen.
Tsanjid: „Zurzeit werden im Ministerium 10 000 Zeugnisse und Diplome als Pfand aufbewahrt." Es gäbe wenig andere Möglichkeiten, die jungen Leute an ihre Pflichten zu erinnern.

24 000 Blutspender
Der mongolische Blutspenderverband hat 2 050 Mitglieder. Jährlich spenden in der Mongolei 22 000 bis 24 000 Menschen Blut.
70 Prozent der Spender sind Frauen.


Panzerdenkmal in Ulaanbaatar

Panzerdenkmal wird umgesetzt
Auf ihrer Sitzung am 02.04. beschlossen die Regierungsmitglieder, das berühmte Panzerdenkmal von seinem derzeitigen Standort an der südlichen Ausfallstraße zu verlegen.
Es soll in den Denkmalkomplex zu Ehren der im 2. Weltkrieg siegreichen Roten Armee und der mit ihr verbündeten mongolischen Truppen auf dem Zaisan-Berg eingefügt werden.

80 Kilogramm Hundefleisch beschlagnahmt
Die „Ulaanbaatar Times" (Hauptstadtzeitung in mongolischer Sprache. R.B.) veröffentlichte am 04.04. einen Bericht, wonach auf dem Markt „Khan Talst" im Bayanzurkh-Distrikt 80 Kilogramm Hundefleisch, das zum Verkauf angeboten worden war, beschlagnahmt wurde.
Nun gehört Hundefleisch nicht unbedingt zu den Lieblingsspeisen der Mongolen.
In letzter Zeit gilt der Genuss von Hundefleisch jedoch als Geheimrezept gegen Erkrankungen der Leber, „die auf Grund der schlechten Luft in Ulaanbaatar zugenommen haben", so ein Kontrolleur der staatlichen Gesundheitsbehörde für Handel, Industrie und Landwirtschaft. Weiter meinte er, vielleicht wäre es unter diesen Umständen besser, den Verkauf in „Sonderläden" zu legalisieren?

Mord in Darkhan
Nach der Entdeckung der Leiche eines Familienvaters in seinem Auto in Darkhan (Darkhan-Uul-Aimag), fand die Polizei in der Wohnung des Toten die Leichen seiner Frau und seiner beiden 12 und sieben Jahre alten Kinder.
Zwei Männer haben die Morde bereits gestanden und sitzen in Untersuchungshaft. Sie wurden in Zuunkharaa, wohin sie nach der Tat geflüchtet waren, festgenommen.
Der Ermordete war Mehlhändler und arbeitete mit den Tätern zeitweilig zusammen.
Im Bayanzurkh-Duureg in Ulaanbaatar erstach ein 22-Jähriger seine ehemalige Freundin und deren Vater, „weil ich es nicht hätte ertragen können, sie an einen anderen zu verlieren", gab er nach seiner Festnahme als Motiv für den Doppelmord an.


   

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Last Update: 01. Januar 2017