Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 14. bis 20. April 2003

von Dr. Renate Bormann Ulaanbaatar

„Die Mongolen müssen für den Fortschritt in der Mongolei selbst sorgen"
Das forderte Ministerpräsident Enkhbayar in seinen Gesprächen mit den Einwohnern des Ostgobi (Dornogov')-Aimags.
Die Regierung hat das Jahr 2003 zum Jahr der Unterstützung für die Entwicklung der Genossenschaften erklärt.
Enkhbayar, der von Abgeordneten und Regierungsmitgliedern begleitet wurde, nahm an der ersten nationalen Beratung der Genossenschaften/Kooperativen in Sainshand, der Hauptstadt des Dornogov'-Aimags teil. Genossenschaftsvertreter aus den Aimags Ost- Mittel- und Südgobi sowie Gobisumber versammelten sich, um mit den Gästen aus der Hauptstadt über Notwendigkeit und Perspektiven der Kooperationsbeziehungen zu diskutieren.
Während in Ulaanbaatar Staubstürme das Atmen erschwerten, fiel in Sainshand der erste Regen. Die Einheimischen bringen dieses für die Region besonders erfreuliche Ereignis mit dem 200. Geburtsjubiläum von Gov'-Noyon-Khutagt Danzanravjaa, Künstler und heute noch verehrtes ehemaliges geistliches Oberhaupt der Region, in Verbindung.
Der Aimag, der vor zwei Jahren sein 70-jähriges Jubiläum feiern konnte, nimmt eine Fläche von der Größe Dänemarks, Luxemburgs, der Schweiz und Belgiens ein.
50 000 Menschen leben in 14 Sums und 58 Bags, eine Million Tiere weiden hier.
Gemeinschaftliches Arbeiten ist für die ökonomische Entwicklung des Aimags unerlässlich, hat nicht nur der Gouverneur erkannt.
1995 wurde das Genossenschaftsgesetz beschlossen, 1998 überarbeitet und im vergangenen Jahr mit Änderungen und Zusätzen versehen.
Gegenwärtig arbeiten in der Mongolei 23 000 Menschen in 1 800 Genossenschaften, die in sieben Verbänden zusammengeschlossen sind.
Kritisiert wurde die mancherorts verbreitete Praxis, die Genossenschaften lediglich als billige Kreditbeschaffer anzusehen.
Zur Unterstützung bei der Entwicklung genossenschaftlichen Handelns werden zurzeit Projekte im Wert von 60 Millionen US-Dollar verwirklicht, die von der Asiatischen Entwicklungsbank, dem Tacis-Pogramm der EU und Kanada zur Verfügung gestellt wurden.


Mongolische Verkäuferinnen mit Mundschutz, 14.04.03

SARS
Im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Schweren Akuten Respiratorischen Syndroms (SARS) in der Autonomen Region „Innere Mongolei" der Volksrepublik China und der Tatsache, dass die Mongolei mit der Inneren Mongolei eine gemeinsame Grenze verbindet, wurde vom 13. bis vorerst 27. April der Flug- und Zugverkehr zwischen Ulaanbaatar und Khukh-Khot (Hauptstadt der Inneren Mongolei) eingestellt. Von Reisen in andere Landesteile Chinas wird abgeraten.
Sechs Personen nach Angaben der WHO Mongolei, fünf nach Angaben des Gesundheitsministeriums, bei denen sich Symptome der gefährlichen Lungenkrankheit gezeigt haben, werden unter strengen Quarantänemaßnahmen im „Nationalen Zentrum zur Erforschung von Infektionskrankheiten" behandelt. Ihre Blutproben wurden nach Tokio in das von der WHO autorisierte Labor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten zur Untersuchung gesandt. Mit Ergebnissen „ist in den nächsten Tagen" zu rechnen.
Alle Kultur- und sonstigen Massenveranstaltungen wurden bis auf Weiteres abgesagt.
Ohne Mundschutz ist das Betreten öffentlicher Einrichtungen (Behörden, Schulen, Läden) verboten. Polizisten oder Angehörige privater Sicherheitsdienste wachen über die Einhaltung der Anordnung.
Der Sitzstreik auf dem Sukhbaatarplatz wurde abgebrochen. Nach dem Ende der Quarantäne wollen die Protestierer gegen das Bodenprivatisierungsgesetz ihre Plätze vor dem Sukhbaatardenkmal wieder einnehmen.
Zurzeit werden Überlegungen angestellt, die für den Juni geplante Konferenz der „Neuen Demokratien" in Ulaanbaatar mit Teilnehmern aus 150 Ländern abzusagen.

Statistik März 2003
Die Industrieproduktion erreichte im ersten Quartal 2003 einen Wert von 51,2 Milliarden Tugrug, das sind 3,1 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Zwei Millionen Stück Jungvieh wurden bisher erfolgreich aufgezogen. Bezogen auf den gleichen Zeitraum im Jahr 2002 sind das 88 800 mehr und im Hinblick auf die erwarteten Geburten im gesamten Jahr 2003 19,4 Prozent.
Das Gesamthandelsvolumen im ersten Quartal: 296 100 Millionen US-Dollar, davon entfallen 129,2 Millionen auf den Export.
10 667 Babys erblickten das Licht der Welt, 62 mehr als im gleichen Zeitraum 2002.
In den Sums Khanbogd und Manlai im Südgobi-Aimag (Umnugov') war es mit 22 Grad am wärmsten, in den Sums Otgon im Zavkhan- und Tes im Uvs-Aimag mit minus 38 Grad am kältesten.

Neuer Vizeminister ernannt
Auf Vorschlag von Ministerpräsident N. Enkhbayar wurde Gombojavyn Zandanshatar zum neuen stellvertretenden Minister für Land- und Nahrungsgüterwirtschaft ernannt. Sein Vorgänger, Dendeviin Terbishdagva, vertritt seit November 2002 die Mongolei als Botschafter in Berlin.
Zandanshatar wurde 1970 im Baatsagaan-Sum des Bayankhongor-Aimags geboren. Er hat in Irkutsk Finanzwirtschaft studiert, anschließend arbeitete er als Ökonom und Finanzfachmann an der Landwirtschaftsbank und der Mongolbank.

Drei Staatssekretäre abgelöst
Auf einer außerordentlichen Kabinettssitzung am 18.04. wurden die Staatssekretäre S. Banzragch (Umwelt- und Naturschutz), R. Jadambaa (Arbeit und Soziales) sowie Ts. Yondon, (Industrie und Handel) von ihren bisherigen Funktionen entbunden. An ihre Stelle traten der Biologe, Ya. Adya, der Jurist, Computer- und Wirtschaftsfachmann, D. Surenkhor, und die Soziologin und Politologin O. Baigalmaa.

586 000 Familien können Bodeneigentum erwerben
Ministerpräsident N. Enkhbayar hat sich im Zusammenhang mit der bevorstehenden Privatisierung mongolischen Grund und Bodens mit der Arbeit der neu gegründeten Regierungsagentur „Bodenbeziehungen, Geodäsie und Geografie" vertraut gemacht.
Sh. Batsukh, der Agenturchef: „Unsere Agentur besteht aus drei Abteilungen. Ich habe zwei Stellvertreter. In der Zentrale arbeiten 101 Angestellte, in den Aimags jeweils vier bis sechs, in Ulaanbaatar 94. Nach dem Beschluss, auch in den Sums entsprechende Niederlassungen einzurichten, arbeiten in der Agentur insgesamt 600 Menschen."
56 Prozent des Budgets kommen aus dem Staatshaushalt, 44 Prozent müssen durch die Agentur selbst erwirtschaftet werden.
Nach jüngsten Erhebungen gibt es in der Mongolei 586 000 Haushalte. Bis zum 28. Juni 2005 haben die Haushaltsvorstände die Möglichkeit, einen Antrag auf die kostenlose Übertragung von Land zu stellen. Bisher haben von diesem Recht 221 874 Haushalte Gebrauch gemacht.
In Ulaanbaatar leben 87 000 Familien auf 67 920 Gehöften oder Grundstücken (khashaa) in den Jurtenvierteln. 65,5 Prozent von ihnen nutzen Grundstücke in einer Größe bis 0,05, 19 Prozent von 0,05 bis 0,07 Hektar.
9 007 Haushalte bewohnen Grundstücke, die sich in hochwassergefährdetem Gelände, in der Nähe von Starkstrom- u.a. Leitungen befinden. 4 200 Familien müssen auch aus diesen Gründen umziehen. Deswegen wurden und werden bei Ulaanbaatar, in Takhiltyn Am und in Ulziit, neue Ansiedlungsplätze erschlossen.

Export mongolischer Steinkohle
500 000 Tonnen Steinkohle werden im Jahr 2003 aus dem Steinkohlenrevier im Gurvantes-Sum im Südgobi-Aimag nach China exportiert.
Nach Fertigstellung der Eisenbahnverbindung können jährlich zwei bis drei Millionen Tonnen transportiert werden.
Die ersten 200 000 Tonnen Kohle verließen am 11. April über den Grenzübergang Shiveekhuren-Tsekhe die Mongolei in Richtung China.
„Mongol-Alt" (Mongolisches Gold) und die chinesische Firma „Chin Hua" haben im vergangenen Jahr einen entsprechenden Kooperationsvertrag geschlossen.
Bei Auslastung der vollen Kapazität kann das Gemeinschaftsunternehmen jährlich eine Milliarde Tugrug an den Staatshaushalt abführen.


Im Gandankloster von Ulaanbaatar

Gedenkstätte für ermordete Lamas
Vor zwei Jahren wurden die sterblichen Überreste von über 100 Lamas auf einem Hügel in der Nähe des Gandantegchinlen-Klosters entdeckt. Sie gehörten zu den Tausenden von Angehörigen der lamaistischen Kirche in der Mongolei, die in den 30-er Jahren des vorigen Jahrhunderts den stalinistischen Repressionen zum Opfer gefallen waren.
G. Purevbat, Lamapriester am Gandankloster und Direktor der Hochschule für Buddhistische Kunst in Ulaanbaatar, informierte über den Plan, eine Gedenkstätte zu Ehren der ermordeten Mönche in Khambyn Ovoo, dem Fundort der Gräber, zu errichten. Die Überreste werden mit der sie umgebenden Erde zusammengetragen, verbrannt und in Form eines dreiseitigen Stupas aufbewahrt, um diese „tsatsaa" wird ein vierseitiger Stupa errichtet, das ganze Gelände wird eingezäunt. Purevbat: „Die Gedenkstätte wird ausschließlich dem Andenken und der Ehrung der toten Glaubensbrüder und der Pflege des religiösen und kulturellen Erbes dienen.

Benzintanklaster explodiert
Drei Autobusse und drei Personenwagen brannten völlig aus, als am 14.04. im elften Khoroo des Bayangol-Duuregs (Stadtbezirk von Ulaanbaatar) der Anhänger eines Tanklastzuges mit fünf Tonnen Benzin explodierte.
Um 7.50 Uhr wurde die Feuerwehr informiert, vier Minuten später war sie am Unfallort.
Der Fahrer des Tanklasters hatte den Auftrag, insgesamt 10 Tonnen Benzin in den Zavkhan-Aimag zu transportieren. Auf dem Weg dorthin machte er Station bei Bekannten im Bayangol-Duureg, um dort zu übernachten. Das Auto mit der gefährlichen Fracht stellte er in unmittelbarer Nähe des Wohngebiets ab. Am Morgen darauf kippte der Anhänger des Tanklastzugs aus noch nicht geklärter Ursache zur Seite und explodierte. Das sich im Nu ausbreitende Feuer konnte erst gegen 12.00 Uhr völlig unter Kontrolle gebracht werden.
Zum Glück waren noch kaum Menschen unterwegs, so dass nicht mehr als zwei Menschen verletzt wurden.
Der Fahrer hat in eklatanter Weise gegen die Sicherheitsbestimmungen für Gefahrenguttransporte verstoßen. Zumindest hätte er sein Fahrzeug in einer der extra für solche Transporte vorgesehenen Garagen abstellen müssen.
Die Höhe des materiellen Schadens ist noch nicht zu beziffern.

Glasfaserkabel gestohlen
Am Kilometer 413 der Eisenbahnstrecke bei Amgalan wurden in der vergangenen Woche 185 Meter eines Glasfaserkabels gestohlen. Daraufhin waren die Telefonverbindungen der vier zentralen und drei östlichen Aimags für 15 Stunden unterbrochen. Es entstand ein Sachschaden von mindestens 50 Millionen Tugrug bei „Mobicom", „Skytel" sowie den Eisenbahnstationen in Sainshand, Choir und Zamyn-Uud.
Die Bahnverantwortlichen informierten darüber, dass in den Glasfaserkabeln kein Gramm Kupfer enthalten ist.

Mongolischer Oskar verliehen
Am 13. April wurden im Opern- und Balletttheater von Ulaanbaatar die Auszeichnungen „Kinofestival Ulaanbaatar-2003" verliehen. In 12 Kategorien ermittelte eine aus neun Mitgliedern bestehende Jury die Preisträger.
Für den Film „Sonne, die durch Wolken scheint" wurde J. Binder als bester Regisseur geehrt.
„Bester Schauspieler" wurde M. Gantulga für seine Rolle in „Sonne, die durch Wolken scheint", „Beste Schauspielerin" N. Odonchimeg vor B. Sarantuya.


   

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Last Update: 01. Januar 2017