Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 3. bis 9. März 2003

von Dr. Renate Bormann Ulaanbaatar


L. Udval in seinem Büro

Deutsch-Mongolisches Forum in Berlin
Unter dem Motto: „Chinggis-Khaans Erben auf dem Weg in das 21. Jahrhundert" treffen sich am 10. März Mitglieder und Interessenten des Deutsch-Mongolischen Forums in Berlin, um über kommunale Selbstverwaltung und ländliche Entwicklung, die Bedeutung von Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit sowie den Ausbau der sozialen Marktwirtschaft zu diskutieren.
Die Idee, ein Forum zu gründen, das die Öffentlichkeit in die deutsch-mongolischen Beziehungen einbezieht, sozusagen eine Volksdiplomatie schafft, wurde während der Mongoleireise des damaligen Bundespräsidenten, Roman Herzog, im Jahre 1998 geboren.
Vorsitzender des Forums ist Punsalmaagiin Ochirbat, seine Stellvertreter sind Badamdorjiin Batkhishig und Luvsanvandangiin Bold.
Luvsanjamtsyn Udval, ehemals mongolischer Botschafter in Deutschland, heute Leiter der Abteilung Europa, arabische Länder und Afrika im Außenministerium, betont den überparteilichen Charakter des Forums. Vertreter verschiedener Weltanschauungen, Unternehmer, Politiker, Ärzte, Lehrer, Wissenschaftler und Studenten engagieren sich, die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte mit Deutschland zu pflegen und möglichst auszubauen.
Gegründet 1999, fand die erste Konferenz des Forums im September 2001 in Ulaanbaatar statt. Allerdings, räumt Udval ein, konnte der Anspruch, möglichst weit in die Gesellschaft hinein zu wirken, nicht erfüllt werden. Die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen, die sich die Festigung der Freundschaft und Kontaktpflege mit Deutschland auf die Fahnen geschrieben hatten, ließ zu wünschen übrig. Lediglich zwischen dem „Mongolisch-Deutschen Business Council" und dem „Deutsch-Mongolischen-Forum" gab es regelmäßige Kontakte. „Doch das soll sich ändern und die ersten Schritte auf diesem Wege sind getan", so Udval weiter. Nicht nur in Vorbereitung auf die zweite Konferenz des Forums in Berlin, sondern auch angesichts der 30. Wiederkehr der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und der Mongolei im Januar 2004, stellten alle Organisationen, angefangen von der „Mongolisch-Deutsche Brücke" bis hin zur „Goethe-Schule" und dem „Freundeskreis der deutschen Sprache", ihre Pläne vor, dieses Jubiläum zu feiern und zu würdigen. Am Rande sei vermerkt, dass die untergegangene DDR und die damalige Mongolische Volksrepublik bereits 1950 diplomatische Beziehungen aufgenommen hatten. R.B.
Mitte Februar trafen sich Schüler und Lehrer von Schulen mit Deutschunterricht im internationalen Kinderzentrum in Nairamdal. Im Kulturpalast von Ulaanbaatar wurde ein Lesesaal mit deutschsprachiger Literatur eingerichtet, dabei konnten die Initiatoren auf die Unterstützung des Goethe-Instituts in Peking zurückgreifen.
Ein wenig bedauert L. Udval die Vernachlässigung der kulturellen Aktivitäten seit Mitte der 90-er Jahre: Keine Kulturtage, kein Kinofestival... Da sei die Unterstützung des Opern- und Balletttheaters Ulaanbaatar durch den gleichnamigen Förderverein ein wohltuender Lichtblick.
Die Veranstaltung in Berlin wollen die mongolischen Delegierten nutzen, ihren Vorstellungen Gewicht zu verleihen. Für diese Möglichkeit der Kommunikation und des Erfahrungsaustausches sind sie dankbar. Auch Botschafter D. Terbishdagva hätte bereits jetzt durch seine Art, das direkte Gespräch mit seinen Landsleuten in Deutschland sowie seinen Gastgebern zu suchen, „frischen Wind" in die deutsch-mongolischen Beziehungen gepustet. Die positiven Zeichen mehrten sich.
Auf der Gästeliste der Konferenz in der Akademie der Adenauer-Stiftung e.V. in Berlin stehen die Namen des ehemaligen mongolischen Staatspräsidenten P. Ochirbat, von D. Idevkhten, Generalsekretär der MRVP und von Vizeminister für Justiz und innere Angelegenheiten, Ts. Munkh-Orgil. Die Opposition im Großen Staatskhural ist vertreten durch L. Gundalai, Abgeordneter der Demokratischen Partei (DP). Außerdem gehört zu den Teilnehmern das Mitglied des Nationalrates der DP, R. Gonchigdorj.
Die deutsche Seite ist vertreten u.a. durch den Generalsekretär der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., Wilhelm Staudacher, den Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Eckart von Klaeden sowie den Landesbeauftragten der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in der Mongolei, Peter Gluchowski.
Am Dienstag wird die mongolische Delegation auf Einladung der Hanns-Seidel-Stiftung nach München weiter reisen.

Einheitliche Adressenkennzeichnung in Ulaanbaatar
Ab Juni 2003 werden in Ulaanbaatar schrittweise 214 Straßen und Plätze, 3 200 öffentliche Gebäude, 1 570 Wohnhäuser mit ca. 4 000 Eingängen, 3 000 Straßen und 60 000 „Hofeingänge" in den Jurtenvierteln mit einheitlichen Adressenschildern in Mongolisch mit kyrillischen Buchstaben gekennzeichnet.
Mehr Wohnviertel als bisher sollen beleuchtet und damit sicherer werden.
L. Baatartsogt, Mitarbeiter in der Stadtverwaltung, beziffert die Kosten für das Vorhaben auf 300 Millionen Tugrug.

Ab 15. Oktober treten Änderungen in der Straßenverkehrsordnung in Kraft
Der offizielle Taxiverkehr in der mongolischen Hauptstadt wird von den roten, gelben und blauen Fahrzeugen aus koreanischer oder japanischer Produktion dominiert.
56,4 Prozent davon sind Autos der Marke „Exel", die in der Mongolei unter dem Namen „Kysov" laufen. Seit 1993 wird der Wagen in Korea nicht mehr produziert und nach der mongolischen Taxiverordnung dürfen die Autos ab 2004 nicht mehr eingesetzt werden.
Überprüfungen ergaben Mängel bei der Verkehrssicherheit auch der anderen Fahrzeuge.
Das gilt als eine der Ursache für die zunehmenden Taxiunfälle. Eine andere Ursache sehen die Kontrolleure in der hohen Arbeitsbelastung der Fahrer. Sie müssen bis zu 20 000 Tugrug pro Tag bei ihren Auftraggebern abliefern.
Ab 15. Oktober 2003 ist der Taxibetrieb mit Fahrzeugen, die das Lenkrad auf der rechten (falschen) Seite haben, verboten.


Palmen in der kältesten Hauptstadt der Welt

143 private Kliniken in der Mongolei
Neben den 600 staatlich finanzierten Krankenhäusern/Kliniken/Krankenstationen existieren in der Mongolei 143 private Krankenhäuser. 120 von ihnen reichten ihre Unterlagen zur Begutachtung und Zertifizierung ein. 12 der Einrichtungen erhielten Lizenzen für drei oder fünf Jahre. Dazu gehören das „Mamba Datsan" (fünf Jahre) sowie die Augen- und Hals-Nasen-Ohrenklinik „Bolor Melmii" (drei Jahre).

Protestdemonstration in Bayan-Ulgii
Die „Udriin Sonin" (Tageszeitung) meldete am 04.03., dass in Ulgii, der Hauptstadt des Bayan-Ulgii-Aimags, 4 000 Demonstranten gegen die Aimagführung protestierten.
Ihre Forderungen: „Erhaltet die Pressefreiheit!" „Stoppt die Diskriminierung anderer Weltanschauungen"! "Stoppt die Drangsalierungen an den Grenzen!"
Gleichzeitig wurde bekannt, dass M. Khukhuu aus dem Bukhmurun-Sum im Uvs-Aimag in der Untersuchungshaft im Polizeigefängnis von Ulgii gestorben war und der Zustand eines anderen Häftlings, der vier Nägel verschluckt hatte, bedrohlich wäre.
Kein Mitglied der Provinzverwaltung stand den Demonstranten Rede und Antwort.
Im Regierungspalast von Ulaanbaatar wusste niemand über die Vorgänge Bescheid. Verwunderlich, wo doch ansonsten die Meldungen über jeden Schneesturm und jedes verendete Rind schnell die Hauptstadt erreichten, wunderte sich die „Udriin Sonin".

Ausschreibung für Nussernte
Das Ministerium für Natur und Umwelt hat die Ernte der v.a. in China begehrten Früchte der sibirischen Zirbelkiefer (oft fälschlich als Zeder bezeichnet) ausgeschrieben.
Damit soll dem unkontrollierten Abernten der Früchte, in dessen Verlauf wiederholt Großbrände ausgebrochen und zahlreiche Bäume geschädigt, wenn nicht gar vernichtet worden sind, Einhalt geboten werden.
An der Ausschreibung beteiligten sich 21 Firmen, von denen sieben von vornherein ausgeschlossen werden mussten: Sie hatten gefälschte Unterlagen vorgelegt.
14 haben eine Ernteerlaubnis erhalten. Die ersten positiven Ergebnisse liegen vor: Die Sums Mungunmort und Erdene im Zentralaimag konnten im vergangenen Jahr 60 Millionen bzw. 40 Millionen Tugrug an „Nusserntesteuern" einnehmen. Der Natur- und Umweltschutz ist besser gewährleistet, die Zahl der „herrenlosen" Brände konnte reduziert werden.
In den letzten Jahren wurden jährlich zwischen 2 400 und 4 000 Tonnen der Zirbelnüsse exportiert, das entspricht zehn Prozent der gesamten Nussvorräte.


Zufahrt zum Bergbaubetrieb Erdenet

100 „Beste Unternehmen"
Regierung und nationale Industrie- und Handelskammer kürten gemeinsam die Unternehmen und Wirtschaftseinheiten, die im Jahr 2001 den wertvollsten Beitrag für die Entwicklung der Mongolei geleistet haben.
An der Spitze steht das Bergbauunternehmen „Erdenet", gefolgt von der Eisenbahnverwaltung und der Erdölimportfirma „NIC". Den vierten Platz erreichte der Getränkehersteller „APU".

Mongolischer Staat zahlt Anwaltskosten
Im Fall der Klage der japanischen „Marubeni-Gruppe" gegen den mongolischen Staat wegen der Nichtrückzahlung eines Millionenkredits für die mongolische „Buyan-Holding", hat der mongolische Staat die Anwaltskosten der Japaner und die eigenen übernommen. Diesen Beschluss verkündete der Wirtschafts- und Finanzminister, Ch. Ulaan, auf der Regierungssitzung am 05.03.
Insgesamt geht es um eine Summe von 81 800 Pfund Sterling.
„Marubeni" hatte die Mongolei wegen des Buyankredits („Buyan" hatte sich zahlungsunfähig erklärt) vor den Internationalen Gerichtshof in London verklagt. Das Gericht hielt die Klage für rechtmäßig und verurteilte im Juli 2002 die Mongolei zur Zahlung der Anwaltskosten.
Auch für den Kredit muss der Staat gerade stehen.
Parlamtsvorsitzender Tumur-Ochir erklärte, übertriebene Sorgen seien nicht angebracht. Betrieb und Ausrüstung seien vorhanden und produktionsfähig.

Mongolisch mit lateinischen Buchstaben?
Auf ihrer Sitzung am 05. März diskutierten die Regierungsmitglieder die Frage, ob es im Computerzeitalter nicht angebracht wäre, das lateinische Alphabet einzuführen.
Ein entsprechender Vorschlag und Maßnahmekatalog soll dem Großen Staatskhural vorgelegt werden.

R. Gonchigdorj zum Präsidenten von „Altan Gadas" gewählt
Exparlamentschef und Exvorsitzender der Sozialdemokratischen Partei, Mitglied im Nationalrat der Demokratischen Partei, R. Gonchigdorj, wurde zum Präsidenten der Forschungsvereinigung „Altan Gadas" (Polarstern) gewählt. Die neue Vereinigung setzt sich zum Ziel, die internationale Zusammenarbeit mongolischer Wissenschaftler zu fördern sowie die Kräfte für die nationale Entwicklung zu bündeln.

Wer trug wofür die Verantwortung?
Der Prozess gegen die Piloten des Unglückshubschraubers vom Januar 2001 im Malchin-Sum des Uvs-Aimags geht wahrscheinlich in die nächste Runde.
Bei dem Unglück waren neun Menschen gestorben.
Angehörige der Opfer und internationale Experten bezweifeln die alleinige Schuld der Besatzung.
Wer veranlasste die Mitführung eines Benzinbehälters? Wer genehmigte es, zusätzliche Passagiere an Bord zu lassen? So waren in Ulaangom ein deutscher Praktikant und eine Dolmetscherin zugestiegen. Der MIAT-Vertreter im Uvs-Aimag verneinte es, eine Mitreisegenehmigung erteilt zu haben. Wodurch kam der Zeitplan der Reise von Ulaanbaatar in den Norden durcheinander? Wer wählte den Landeplatz aus?
Das Stadtbezirksgericht von Khan-Uul hat deshalb den Fall für weitere Untersuchungen zurückgewiesen.
Die zuständige Staatsanwältin vertritt die Meinung, alle Fragen seien hinreichend beantwortet und wies den Antrag des Bezirksgerichts zurück.

14-jähriges Mädchen ermordet
Im Stadtbezirk Bayangol von Ulaanbaatar wurde am Nachmittag des 04. März ein 14-jähriges Mädchen in der elterlichen Wohnung durch mehrere Messerstiche ermordet. Der Täter, ein im November 2002 aus der Haft entlassener 20-Jähriger aus dem Bayanzurkh-Duureg, wurde beim Versuch, die Beute (Gold- und Silberschmuck, Fernsehgerät, Teppiche) zu veräußern, festgenommen.
Ebenfalls im Bayangol-Duureg am selben Tag wurde ein 14-jähriger Schüler in der Wohnung seiner Eltern von einem Einbrecher mit dem Tode bedroht, wenn er um Hilfe riefe. Auch hier raubte der Täter, ein 18-Jähriger, Wertsachen und Unterhaltungselektronik. Wenige Stunden nach der Tat konnte er festgenommen werden.

Erste mongolische Schachgroßmeisterin
Die 15-jährige Batkhuyagiin Munguntuul hat in Moskau bei den traditionellen Frühjahrswettkämpfen die Kriterien für den Titel „Großmeister" erfüllt.
Damit ist sie die erste Mongolin, die diesen Titel erringen konnte.
Trainiert wird sie von ihrem Vater, dem Meister des Sports, D. Batkhuyag.

Mongolische Fußballer siegten 2:0 gegen Guam
Bei den Vorausscheidungen für die südostasiatischen Fußballmeisterschaften im Mai dieses Jahres in Japan, verlor die mongolische Mannschaft in Hongkong gegen die Mannschaften Macaos 0:2, gegen Taiwan 0:4 und gegen Hongkong 0:11. Im Spiel gegen Guam behielten die Mongolen mit 2:0 die Oberhand.

Internationaler Frauentag
Noch ist der 08. März nicht wieder zum offiziellen Feiertag erklärt worden. Die Mongolen haben trotzdem nie aufgehört, ihn als solchen zu feiern. Ab Mittag wird fast nirgendwo mehr gearbeitet. Männer tragen Blumen und Torten, Wein und Arkhi in die Büros oder nach Hause.
Die Restaurants und Bars können über Gästemangel nicht klagen.
In Theater- und Konzertsälen widmen die Künstler ihre Lieder und Musikstücke den Frauen, besonders den Müttern, die allerorten mit Dankes- und Lobeshymnen überschüttet werden.
Die Blumenläden haben die Preise für ihre Ware gesenkt: Eine rote Rose kostete am 08. März 900, eine gelbe oder weiße 1 050 Tugrug.


   

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Last Update: 01. Januar 2017