Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 28. April bis 4. Mai 2003

von Dr. Renate Bormann Ulaanbaatar


Unterzeichnung der mongolisch-deutschen EZ-Vereinbarung

Mongolisch-Deutsche Entwicklungszusammenarbeit
Am 30. April wurde zwischen den Regierungen der Mongolei und der Bundesrepublik Deutschland eine Vereinbarung über die weitere Zusammenarbeit im Schwerpunkt „Wirtschaftsreform und Aufbau der Marktwirtschaft" (WIRAM) abgeschlossen.
Frau Julia Wegner, Mongoleireferentin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), unterzeichnete für Deutschland, der Abteilungsleiter für wirtschaftliche Zusammenarbeit im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, Herr Khosbayaryn Amarsaikhan, für die Mongolei.
Auf der Grundlage der Länderevaluationsergebnisse, der Erfahrungen der bisherigen Zusammenarbeit und der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation in der Mongolei diskutierten beide Seiten die „strategisch-konzeptionelle Ausgestaltung der Zusammenarbeit im o.g. Schwerpunkt." In dem so überarbeiteten Strategiepapier werden Ziele, Aktivitäten und Bewertungskriterien festgelegt. Angestrebt werden die Erhöhung der Leistungsfähigkeit von Kleinst-, Klein- und Mittelbetrieben sowie der Genossenschaften auf dem Lande, die Entwicklung des Finanzsystems und die Förderung einer exportorientierten Handels- und Wirtschaftspolitik mit dem Ziel, mehr exportfähige Produkte auf den Markt zu bringen.
Übereinstimmend erklärten beide Seiten, das übergreifende Ziel der Zusammenarbeit sei es, die Wettbewerbsfähigkeit der mongolischen Wirtschaft zu erhöhen und so einen Beitrag zur Armutsminderung zu leisten.

70 Prozent des BIP erbringt die Privatwirtschaft
P. Byambatseren, der Leiter des Nationalen Amtes für Statistik, informierte am 29.04. die Mitglieder des Ständigen Wirtschaftsausschusses beim Großen Staatskhural über Ergebnisse des Wirtschaftsjahres 2002.
Danach wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 3,9 Prozent gegenüber 2001 und erreichte 1,09 Milliarden US-Dollar, die Banken vergaben an Unternehmen und Privatpersonen 200 Milliarden Tugrug an Krediten, befristete und unbefristete Spareinlagen wuchsen um 20 Prozent und erreichten 215 Milliarden Tugrug. Insgesamt wurden 320 Milliarden Tugrug investiert und für 10,2 Milliarden Tugrug Straßenarbeiten durchgeführt.
Die Viehverluste beliefen sich auf 2,9 Millionen Tiere, der Gesamtviehbestand wird laut offizieller Statistik mit 23,9 Millionen angegeben.
Das Gesamthandelsvolumen umfasste 1 214 800 US-Dollar, davon entfielen auf den Export 524 Millionen.
Das Pro-Kopf-Einkommen stieg von 380 im Jahr 1998 auf 400 US-Dollar.
Ende 2002 hatte die Mongolei 2,4 Millionen Einwohner, davon leben in Ulaanbaatar 846 500.
Im Anschluss an seinen Bericht antwortete Byambatseren auf Fragen von Abgeordneten.
In den kleinen, mittleren und großen Privatunternehmen werden 70 Prozent des BIP erwirtschaftet.
Die Landwirtschaft trägt mit 34 Prozent zum BIP bei
Nach der vom Gesetz vorgeschriebenen jährlichen Berechnung des Existenzminimums ergeben sich für die einzelnen Regionen folgende Zahlen: Westregion - 19 500, Khangai-Region - 19 900, Ostregion - 20 500, Zentrum - 19 800, Ulaanbaatar - 25 300 Tugrug.
Die Lücke zwischen den Einkommen reicher und armer Familien hat sich im Berichtszeitraum vergrößert.
In der Mongolei sind 24 496 Wirtschaftsunternehmen und Organisationen offiziell tätig.
Byambatseren räumte ein, dass konkrete Zahlen über die informelle und Schattenwirtschaft bisher nicht vorliegen.

WHO: SARS in der Mongolei unter Kontrolle
Nach den aktualisierten Angaben der WHO Mongolei und der mongolischen Gesundheitsbehörden vom 02.05. wurden 15 Patienten mit Symptomen des Schweren Akuten Atemwegssyndroms (SARS) untersucht. Bei sieben der 15 Fälle ergaben Tests einen negativen Befund.
Von den sechs Blutproben, die bisher im „Nationalen Institut für Infektionskrankheiten" in Japan untersucht wurden, ergaben vier einen negativen, zwei einen positiven Befund.
Dabei handelte es sich um ein Ehepaar, das mit dem Verdacht und einem wahrscheinlichen Verdacht ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Einer der beiden Ehepartner konnte in der Zwischenzeit, genauso wie drei „SARS-Verdächtige", als geheilt nach Hause entlassen werden.
Der andere mit dem Coronavirus infizierte Ehepartner, zwei, bei denen ein Verdacht (suspect) besteht und ein wahrscheinlich Infizierter (probable case) werden gegenwärtig noch im „Nationalen Zentrum zur Erforschung von Infektionskrankheiten" betreut.
20 Angehörige von 16 Familien stehen unter Quarantäne. Polizeiwachen vor den jeweiligen Wohnhäusern oder Jurten wachen über die strikte Einhaltung.
Zurzeit wird über die Aufhebung der Maßnahme nachgedacht, da keiner der Betroffenen Krankheitssymptome zeigt.
Das Verbot von Massenveranstaltungen (Kino, Theater, Konzerte etc.) wurde vorerst bis zum 10. Mai verlängert, der Großmarkt „Narantuul" auf Grund von Händlerprotesten hingegen wieder geöffnet.
Auf Wunsch der mongolischen Regierung wurden die Veranstaltungen zum „Europatag" am 05. Mai abgesagt.

Neues politisches Bündnis „Mutterland-Demokratie"
Am 02. Mai unterzeichneten die Vorsitzenden der Demokratischen Partei (DP), M. Enkhsaikhan, und der Mutterland-Neuen Sozialistischen Demokratischen Partei (MSDP), B. Erdenebat, im Ulaanbaatar-Hotel einen Kooperationsvertrag.
Beide Parteichefs unterstrichen, dass das Bündnis für jede andere „vaterlandsliebende und demokratische Partei" offen wäre.
Die vertraglich geregelte Zusammenarbeit wurde im Hinblick auf die kommenden Parlamentswahlen im Sommer 2004 beschlossen.
Die Möglichkeit, in naher oder ferner Zukunft eine gemeinsame Partei zu bilden, sei nicht ausgeschlossen.

Wie frei ist die Presse?
Erneut muss sich ein Journalist wegen angeblich verleumderischer und beleidigender Berichterstattung vor Gericht verantworten.
Die regierende Mongolische Revolutionäre Volkspartei (MRVP) fordert von dem Journalisten G. Dashrentsen 300 Millionen Tugrug Entschädigung wegen Beleidigung, Verleumdung und Rufschädigung. Dashrentzen hatte in zwei Beiträgen für die „Udriin Sonin" Korruptionsvorwürfe gegen die Zollbehörden erhoben und der Regierung vorgeworfen, 400 Millionen Tugrug an zinslosen Krediten aus dem Staatshaushalt für den Aufbau eines Großhandelsnetzes im ländlichen Raum bewilligt zu haben. Bisher sei von diesem Netz nichts zu sehen.
Der Fall liegt jetzt beim Staatsanwalt. Die MRVP wirft dem Journalisten vor, keinerlei Belege für seine Anschuldigungen vorgelegt zu haben.
Sollte das Gericht der Klägerin Recht gäben, müsste Dashrentsen mit einer Gefängnisstrafe zwischen sechs und acht Monaten rechnen, zusätzlich zur angedrohten Geldstrafe.
Die Antragsgegner meinen, die MRVP hätte ihren Ruf auf Grund ihrer Politik nach 2000 nachhaltig selbst beschädigt, daran trügen nicht die Medien die Schuld.
Dashrentzen hielt den Untersuchungsbeamten vor, sie hätten sich kaum für die konkreten Fakten interessiert, sondern wollten hauptsächlich wissen, woher er seine Informationen hätte.
In einem Workshop, organisiert vom Nationalen Komitee für Menschenrechte in Zusammenarbeit mit dem Presseinstitut, diskutierten Journalisten am 28.04. gemeinsam mit Angehörigen der Justiz das Thema „ Freiheit der Medien".
Einig waren sich beide Seiten darüber, dass alle mongolischen Journalisten einem Ehrenkodex (Berichterstattung unabhängig von politischen Interessen, sorgfältig recherchiert, ehrlich) verpflichtet sein sollten, der sie unangreifbar macht und ihrer Öffentlichkeitswirkung zugute käme.

Wald- und Steppenbrände
In sechs Aimgags (Provinzen) und in Ulaanbaatar muss die Feuerwehr insgesamt 17 Großbrände bekämpfen. Vier von ihnen haben sich von Russland aus auf mongolisches Territorium ausgebreitet.
Am 30. Mai brach im Bumbat-Tal im Bogd-Uul, einem beliebten Ausflugsziel der Hauptstädter, ein Brand aus, der nur nach großen Mühen (acht Feuerlöschfahrzeuge waren im Einsatz) eingedämmt werden konnte.

Der Streit um Boden eskaliert
Zwischen den Firmen „Petrovis" (Kraftstoff-Importeur und Tankstellen) und der Baufirma „Odkon Holding" kam es am vergangenen Wochenende im Stadtbezirk Sukhbaatar zu handfesten Auseinandersetzungen um Land. Arbeiter von „Petrovis" rissen einen Bauzaun von „Odkon" ein, worauf diese die Aktion mit Hilfe von Angehörigen eines privaten Sicherheitsdienstes, die mit Hunden angerückt waren, stoppen wollten.
Petrovis und Odkon berufen sich auf die Landzuteilung durch die lokalen Behörden im Jahr 1998 bzw. auf eine Baugenehmigung für ein Ausstellungsgebäude. Auf das Gelände vor der Petrovis-Tankstelle könne Petrovis kein Recht geltend machen.
Die Polizei weigerte sich, in den Streit einzugreifen.

Mongolische Soldaten in den Irak
Der Chef des Generalstabs der Streitkräfte, General Ts. Togoo, hat nach der Rückkehr von einer Dienstreise in die USA angekündigt, dass sich die ersten mongolischen Soldaten auf einen Einsatz im Nachkriegsirak vorbereiten. Der Einsatz wäre jedoch in jedem Fall freiwillig. Kein Soldat erhielte einen „Marschbefehl".
Unter amerikanischem Oberkommando werden die mongolischen Armeeangehörigen (medizinisches Personal, Ingenieure und Bauspezialisten) bei der Versorgung und Betreuung von Kranken, Alten und Hilflosen, beim Wiederaufbau sowie bei der Erfüllung von Sicherungs- und Kontrollaufgaben mitwirken.
Der Abschluss eines entsprechenden amerikanisch-mongolischen Regierungsabkommens steht bevor.
Außerdem müssten die Kandidaten vor ihrer Ausreise einen Sprachkurs Englisch oder Arabisch absolvieren, sich mit Landessitten, Klima und Geografie der Einsatzorte vertraut machen können.
Für die ersten beiden jeweils sechsmonatigen Durchgänge halten sich 170 bis 180 Soldaten und Offiziere bereit. Insgesamt plant das mongolische Oberkommando, den Irakeinsatz auf zwei Jahre zu begrenzen.
Mongolische Frauen werden nicht in den Irak gesandt, Togoo begründete dies mit den islamischen Sitten und Bräuchen des arabischen Landes.
Sämtliche Kosten (Reise, Unterkunft, Verpflegung, Sold) übernehmen die Amerikaner.


Ist doch ganz einfach

„Gib AIDS keine Chance"
Wegen der SARS-Gefahr beschloss das Bildungsministerium, das Studien- und Schuljahr an Universitäten, Hochschulen, Colleges und allgemeinbildenden Schulen eine Woche früher zu beenden und dafür bis dahin den Samstagsunterricht wieder einzuführen.
Die Abschlussprüfungen für die achten Klassen finden am 05.06. (Mongolisch) und am 07.06. (Mathematik), die für die zehnten Klassen am 04.06. (Mathematik) und am 06.06. (Mongolisch) statt.
Am 02. Mai feierten Absolventen einiger Unis und Hochschulen bereits das Ende ihrer Studienzeit, obwohl ihnen die Examina noch bevorstehen.
Für die Geographiestudenten des ersten und zweiten Studienjahres der Mongolischen Staatsuniversität stand am 02.05. ein besonderes Fach auf dem Lehrplan: „Liebe, Sex und Wie kann ich mich vor AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützen?" Der Hörsaal war trotz der späten Nachmittagsstunde sehr gut besucht.
Dr. W. Wagner, der dieses spannende Thema fachgerecht, einfühlsam und mit einer Prise Humor präsentierte und Professor J. Janzen, Gastprofessor aus Berlin, waren erstaunt, dass sich fast mehr junge Männer als Frauen eingefunden hatten.
Von „Das ist für mich doch nichts Neues" über Neugier bis hin zu Tuscheln und verlegenem Kichern reichten die Reaktionen, als die 17– bis 20-Jährigen die Gelegenheit wahrnehmen sollten, den Umgang mit einem Kondom zu üben.
Eine chinesische Gaststudentin meinte, solch eine Veranstaltung träfe auf alle Fälle auch an ihrer Universität in Peking auf lebhaftes Interesse.

Zehn Schüler mit Vergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert
„Probieren wir diesen tollen Cocktail." Mit diesen Worten lud ein Schüler der sechsten Klasse Mitschüler ein, von einer rötlich-braunen Flüssigkeit zu trinken. Das Ganze ereignete sich auf einer Geburtstagsfeier, an der zehn 13- bis 16-Jährige teilnahmen.
Innerhalb von 30 Minuten hatten alle das Bewusstsein verloren.
Die Schüler wurden ins Krankenhaus eingeliefert, acht ins Mutter- und Kindzentrum, zwei in das „Schnelle-Hilfe-Zentrum bei Vergiftungen".
Den Zustand von vier der Vergifteten schätzen die Ärzte als bedenklich ein.
Einer der Schüler hatte sich offenbar im Medizinschrank seiner Eltern bedient und die Getränke mit einem Medikament versetzt.
Der Vorfall wird von der Staatlichen Gesundheitsbehörde untersucht.

Viehdiebstähle nehmen zu
Der Grenztruppengeneral, B. Luvuu-Ignen, beklagt die Zunahme von Grenzverletzungen in seinem Abschnitt an der mongolisch-chinesischen Grenze. Von chinesischer Seite aus würde die Grenze illegal überschritten, um Wildtiere zu jagen oder Vieh zu stehlen, doch auch mongolische Bürger würden in der Inneren Mongolei auf Beutezug gehen und Herdentiere über die Grenze treiben.
Bei der Auswahl der Grenzsoldaten wünscht er sich mehr Sorgfalt, da zu oft junge Leute aus problematischen Familienverhältnissen kämen, sie könnten nur schlecht lesen und schreiben und seien mitunter psychisch gestört.


Staatliches Schauspieltheater in Ulaanbaatar

„Chinggis-Khaan"-Premiere verschoben
Für den 03. Mai war die Premiere der Oper „Chinggis-Khaan" im Opern- und Balletttheater von Ulaanbaatar geplant. Wegen SARS kann sie nun nicht vor dem 10. Mai über die Bühne gehen, so der Produzent, L. Erdenebulgan, in einem Pressegespräch.
Die Oper behandelt Leben und Wirken Temujins von seiner Kindheit bis hin zum Jahr 1206, als er zum „Herrn über alle in Filzzelten lebenden Völker" gewählt wurde und er den Titel „Chinggis-Khaan" annahm.
Das Textbuch schrieb P. Badrach, die Musik komponierte Sh. Sharav.
Die gesamte Ausstattung der Bühne und die Kostüme wurden eigens für die Chinggis-Oper angefertigt.
25 Millionen Tugrug an Produktionskosten steuerte die Regierung bei.
SARS ist auch der Grund für die Verschiebung der jährlichen Frühjahrsmodenschau von acht Modeschulen. Ursprünglich sollte die Veranstaltung vom 05. bis 10. Mai dauern.

Mongolei besiegt Guam 5:0
Bhutan hat zum ersten Mal die Qualifikationsrunde für den Asien-Cup im Fußball erreicht.
Das Fußballnationalteam des Landes besiegte Guam mit 6:0, gegen die Mongolen mussten die Fußballspieler aus Guam eine 5:0-Niederlage hinnehmen. Ein Unentschieden in der Vorrunde gegen die mongolische Auswahl reichte den Gastgebern, die Flugtickets nach Saudi-Arabien zu lösen, wo im Oktober die Qualifikationsspiele der Gruppe C ausgetragen werden.
Bhutan wird dort auf Saudi-Arabien, Jemen und Indonesien treffen.
Die mongolische Mannschaft verließ am 30. April den Himalayastaat, um in die Heimat zurückzukehren. „Es war eine nützliche Erfahrung und eine wunderbare Zeit in Ihrem Land", diktierte der Trainer der Mongolen Journalisten der „Bhutan-Nationalzeitung" in die Blöcke.

Korrespondenz aus Deutschland
Die russische Luftfahrtgesellschaft „AEROFLOT" fliegt vom 05. Juli bis 13. September 2003 zusätzlich am Samstag 22.05 Uhr von Moskau nach Ulaanbaatar und am Sonntag 10.20 Uhr von Ulaanbaatar nach Moskau.
Hingegen konnte die Information, wonach die „Lufthansa" einmal wöchentlich von Deutschland in die Mongolei und zurück fliegen wird, bisher nicht bestätigt werden.

Korrektur: Auch in Ulaanbaatar werden die Dramen W. Shakespeares im Schauspiel- und nicht im Operntheater aufgeführt. R.B.


   

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Last Update: 01. Januar 2017