Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 5. bis 11. Mai 2003

von Dr. Renate Bormann Ulaanbaatar


2. v. l. R. Hagan, WHO, 4. P. Nyamdavaa

SARS-Gefahr für Mongolei vorerst gebannt
Unmittelbar nach der außerordentlichen Kabinettssitzung am 09.05. informierte Gesundheitsminister, P. Nyamdavaa, auf einer Pressekonferenz über den aktuellen Stand bezüglich des „Schweren Akuten Atemwegssyndroms" (SARS) in der Mongolei.
Insgesamt wiesen 16 Personen Anzeichen einer SARS-Erkrankung auf, davon 14 in Ulaanbaatar, eine im Darkhan-Uul-Aimag und eine im Dornogov‘ (Ostgobi)-Aimag. Bei sieben von ihnen konnte eine SARS-Infektion ausgeschlossen werden. Von den insgesamt neun Verdachtsfällen sind zwei nach ersten Untersuchungen in einem Labor in Tokio bestätigt worden. Dabei handelt es sich um ein Ehepaar (60 und 63 Jahre alt), das am 12. April aus Khukh-Khot in die Mongolei zurückgekehrt war. Die Frau konnte am 30. April aus dem Krankenhaus als geheilt entlassen werden. Weitere fünf Patienten konnten ebenfalls das Krankenhaus verlassen, so dass noch drei Patienten im „Nationalen Forschungszentrum für Infektionskrankheiten" behandelt werden. Sie werden jetzt alle in der Kategorie „wahrscheinlich verdächtig" (probable case) geführt.
Im Unterschied zu allen anderen betroffenen Ländern hat sich in der Mongolei nicht ein Angehöriger des medizinischen Personals angesteckt.
Seit sieben Tagen ist zudem kein neuer Verdachtsfall aufgetreten.
Bis auf einen – und dabei handelt es sich um die Tochter einer aus Khukh-Khot zurückgekehrten Frau - sind alle bisherigen Fälle aus dem Ausland „eingeschleppt" worden.
Gemeinsam haben Regierung und Gesundheitsbehörden daher beschlossen, die vorbeugenden Schutzmaßnahmen in der Hauptstadt ab dem 10.05. zu lockern. Die Seuche habe sich in der Mongolei nicht ausbreiten können und sei vollständig unter Kontrolle. Restaurants und Bars können ab dem 10.05. auch nach 22.00 Uhr geöffnet bleiben, Kino-, Theatervorstellungen und Konzerte sind wieder erlaubt. Besonders groß war der Andrang am Samstag in den Diskos und Karaokebars der Hauptstadt.
Trotzdem sollten die Hygienehinweise weiter befolgt werden, auch an den Grenzen zu China gelten weiterhin besondere Kontrollmaßnahmen.
Nyamdavaa dankte im Namen der mongolischen Regierung und des Abgeordnetenhauses den Ärzten, Schwestern und Pflegern für ihren Einsatz, dem Außenministerium, den mongolischen Botschaften im Ausland, in Sonderheit in Deutschland, Korea und China, der „MIAT", der Eisenbahn und allen Behörden für die Unterstützung der Regierungsrichtlinien zur Abwendung der Seuchengefahr.
Der WHO, Japan, der kanadischen Botschaft in Peking sowie der kanadischen Firma „Ivanhoe Mines" dankte der Minister für finanzielle und materielle Hilfen bei der Organisierung der Schutz- und Kontrollmaßnahmen.
Am 30. April reisten Mitarbeiter der mongolischen Gesundheitsbehörden, der WHO-Mongolei und ein Berater der WHO-Infektionskontrolle an den mongolisch-chinesischen Grenzkontrollpunkt Zamyn-Uud, um sich von der Wirksamkeit der getroffenen Abwehrmaßnahmen zu überzeugen.
Die Krankenhäuser in Zamyn-Uud und in Sainshand wurden mit Isolier- und Quarantänestationen ausgerüstet, konsequent wurden auch die anderen Vorgaben umgesetzt (Mundschutz für alle Passagiere, Desinfektion, Gesundheitskontrolle).

Mehr Mitspracherecht für die Opposition
In Vorbereitung auf die V. Konferenz der „Neuen Demokratien" vom 18. – 20.06. in Ulaanbaatar, organisierte die Demokratische Partei (DP) ein Treffen aller im Parlament vertretenen politischen Parteien, um über Fortschritte, Hemmnisse und Möglichkeiten der Demokratieentwicklung in der Mongolei zu diskutieren.
D. Lundeejantsan, Abgeordneter der Mongolischen Revolutionären Volkspartei (MRVP) und Vorsitzender des Ständigen Komitees für Sicherheit und Außenpolitik, forderte, der Stimme der Minderheit im Parlament mehr Gewicht zu verleihen. Die regierende MRVP hätte die Parlamentsdebatten in der Vergangenheit zu stark dominiert.
Demokratie und Pressefreiheit seien kostbare Güter, die nicht ohne Anstrengungen zu erhalten und zu stabilisieren seien.
M. Enkhsaikhan, Vorsitzender der DP, wies in seinem Redebeitrag darauf hin, Regierung und Opposition müssten gemeinsam daran arbeiten, die Demokratiekonferenz zum Erfolg zu führen.
Außer den Genannten nahmen an dem Treffen teil: B. Erdenebat, Vorsitzender der Mutterland-Neuen Sozialistischen Demokratischen Partei (MNSDP), N. Chuluunbaatar, Generalsekretär der MNSDP, die Mitglieder des Politischen Rates der Bürgermut-Republikanischen Partei, L. Dashnyam und Ch. Bazar, der erste demokratisch gewählte Staatspräsident der Mongolei, P. Ochirbat, der Generalsekretär der MRVP, D. Idevkhten, der Vorsitzende des Ständigen Wirtschaftsausschusses, T. Ochirkhuu, der politische Berater des Parlamentschefs G. Chuluunbaatar und Außenminister L. Erdenechuluun.
Einmal mehr als schärfster Kritiker der Regierungspolitik erwies sich B. Batbayar von der DP.
S. Oyun, die Vorsitzende der Bürgermut-Republikanischen Partei, hält sich gegenwärtig zu Studienzwecken in den USA auf.

Bodenpreise
Am 08.05. wurden die von der Regierung beschlossenen Bewertungsmaßstäbe und Preise für den für die Privatisierung vorgesehenen Boden veröffentlicht.
Ein Quadratmeter kostet demnach in Ulaanbaatar, das in fünf Zonen eingeteilt wurde, zwischen 13 200 und 44 000 Tugrug. Der Preis ist abhängig von der Grundstückslage und der Anbindung an Wasser- und Stromleitungen sowie die Kanalisation.
In Darkhan kostet der Quadratmeter 30 000, in Erdenet 20 000 und in Choibalsan 12 000 Tugrug. (1 200 Tugrug entsprechen etwa einem Euro). In den Aimagzentren bis 50 000 Einwohner kostet der Quadratmeter 5 000, bis 30 000 Einwohner 4 000 Tugrug.
In größeren Siedlungen und in den Sumzentren bis 15 000 Einwohner müssen für den Quadratmeter Boden 800 Tugrug und in den übrigen Siedlungen bis 500 Einwohner 500 Tugrug bezahlt werden.
Der Preis für Ackerland hängt von der Bodenqualität und der geographischen Lage ab.
Als Grundpreis für einen Hektar Ackerfläche im Khangai wurden 3 859 000 Tugrug, im Altai 2 253 000, in der Gobi 1 738 000 und in den Steppengebieten 3 843 000 Tugrug veranschlagt.

Unterschiedliche Bewertung für Natur- und Umweltprojekt
UNO und mongolische Regierung vertreten bei der Bewertung des Umweltschutzprojektes „Erhaltung der biologischen Artenvielfalt im Osten der Mongolei" unterschiedliche Auffassungen, was die Erfüllung der Aufgaben und die Projektziele betrifft.
Nach Angaben aus dem Umweltministerium hätten für das Projekt mit einer Laufzeit von sieben Jahren 12 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestanden, von denen zehn Millionen ausgegeben worden seien.
Die Arbeiten am Projekt begannen im Jahr 1998 in den drei östlichen Aimags Khentii, Dornod und Sukhbaatar.
Allein für den Dornod-Aimag sind 12 Naturschutzgebiete ausgewiesen. Ein Ziel des Projektes sollte es sein, die ortsansässige Bevölkerung zu motivieren, ihre Umwelt zu schützen und auf Raubbau an der Natur zu verzichten. Die Interessen der Menschen in den Projektgebieten für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen, ihre Existenzsicherung überhaupt, sollten dabei eine zentrale Rolle spielen.
Zu diesem Zweck waren Seminare und Informationsveranstaltungen vorgesehen, um ein effektives Natur- und Umweltmanagement aufzubauen.
Nach Einschätzung von U. Barsbold, Minister für Natur und Umwelt, sei das nur sehr unzureichend geschehen. Ebenso hätte die Zusammenarbeit mit der Regierung und den lokalen Behörden zu wünschen übrig gelassen.
So seien mongolische Forschungsarbeiten zur weißen Feldmaus ignoriert worden, nur um mit „neuen teuren Untersuchungen" zu ähnlichen Erkenntnissen zu kommen, der mongolischen Regierung und dem Umweltministerium gegenüber wäre keine Rechenschaft über den Projektverlauf abgelegt worden. Ein konkretes Ergebnis hätte die Arbeit der Projektmitarbeiter gebracht: Die geplante Brücke über den Fluss Numrug (N³mr³g) sei bisher noch nicht gebaut worden.
S. Menon, die UN-Koordinatorin und UNDP-Repräsentantin in der Mongolei, wertet hingegen das Projekt als Erfolg und plädiert für eine Fortsetzung.
Mongolische und ausländische Mitarbeiter in den Umweltorganisationen und –projekten weisen darauf hin, dass Armutsbekämpfung nicht zu den Hauptzielen dieses Projektes gehörte, außerdem seien in den 12 Millionen US-Dollar Mittel für kleinere, teilweise bereits abgeschlossene Projekte, mit eingerechnet worden.


Golomtbank am Sukhbaatarplatz in Ulaanbaatar

Golomtbank eröffnet Filiale in London
L. Bold, Präsident des mongolischen Bankenverbandes, sagte anlässlich der Eröffnung einer Filiale der privaten Golomtbank in London, er hoffe, dass mit der Präsenz einer mongolischen Bank an einem der wichtigsten europäischen Finanzplätze das Interesse an der Mongolei allgemein und an einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit zunehmen werde.

„Es werde Licht..."
200 Millionen Tugrug kostet die neue Beleuchtung auf dem Sukhbaatarplatz.
Die notwendige Technik wird aus Russland, der Volksrepublik China und Deutschland eingeführt.
Bereits im Juli soll der Platz im neuen Licht erstrahlen.
In der vergangenen Woche begannen die Arbeiten für die groß angelegte Umgestaltung des Sukhbaatarplatzes. Zuvor hatten die Khamba-Lamas (Äbte) der hauptstädtischen Klöster den Segen der Götter für das Vorhaben erbeten.

Keine Energiepreiserhöhung
Die Energiebehörde hat die von den Stromerzeugern geforderten Preiserhöhungen von 47 Tugrug auf 53 Tugrug pro Kilowattstunde vorerst abgelehnt.
Die Unternehmen sollten zunächst betriebsintern nach Möglichkeiten der Kostenersparnis suchen und sich um die weitere Reduzierung der Energieverluste bemühen.


Panzerdenkmal am neuen Standort

Panzerdenkmal „Mongol Ard" jetzt am Zaisan-Hügel
Am 07. Mai erfolgte die geplante Umsetzung des legendären Panzers vom Typ T 34, Symbol des mongolischen Beitrags für den Sieg der über Hitlerdeutschland im Jahr 1945, zum Zaisan-Hügel. Seinen neuen Standort bekam das Panzerdenkmal unweit des Gedenkkomplexes zu Ehren der gefallenen sowjetischen Soldaten im zweiten Weltkrieg.

Chinggis-Khaan-Geburtstag
Während die Normalsterblichen auf die Premiere der Oper „Chinggis-Khaan" noch warten müssen, konnten der Vorsitzende des Großen Staatskhurals, S. Tumur-Ochir, Ministerpräsident N. Enkhbayar, die Mitglieder des Vorbereitungskomitees für die Chinggis-Khaan-Feierlichkeiten sowie die Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft, A. Tsanjid und für Auswärtige Angelegenheiten, L. Erdenechuluun, bereits am 03. Mai eine Voraufführung erleben.
Enkhbayar äußerte sich anschließend begeistert: „Möge die Oper ‚Chinggis-Khaan‘ das Geistesleben innerhalb und außerhalb der Mongolei bereichern".
Außerdem wurde der Geburtstag des ersten mongolischen Großkhans mit einer Ausstellung „Geschichte und Kultur der Mongolei zu Zeiten Chinggis-Khaans" im Museum für Nationalgeschichte sowie der Aufführung eines neuen Dokumentarfilmes über den charismatischen Sippenführer, Heerführer und Staatsgründer im Kulturpalast von Ulaanbaatar gewürdigt.

Statistik 2002
Im Jahre 2002 schlossen 11 074 mongolische Paare den Bund fürs Leben, 7,6 Prozent mehr als 2001. Die meisten Heiratswilligen gab es in Ulaanbaatar und den Aimags Selenge, Khuvsgul und Tuv.
70,5 Prozent heiraten im Alter zwischen 20 und 29 Jahren.
558 Paare ließen sich scheiden, 2,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor. 53,5 Prozent geben als Scheidungsgrund Unvereinbarkeit der Charaktere an, bei 39,6 Prozent ist es Alkoholmissbrauch. In den Aimags Gobialtai, Dundgov‘ und Sukhbaatar gab es im Jahr 2002 keine Ehescheidungen.
46 919 Kinder (32 743 Jungen und 14 176 Mädchen) wurden geboren, 13 491 davon in Ulaanbaatar.
13 091 Menschen starben. Die Haupttodesursachen waren Krebs, Herz- und Kreislaufstörungen. Die Zahl der Todesfälle auf Grund von Erkrankungen der Atemwege und bei der Geburt ging im Vergleich zu 2001 zurück.

Kriminalität gestiegen
In den ersten vier Monaten des Jahres 2003 wurden in der Mongolei 7 466 Straftaten und Verbrechen begangen. Dabei verloren 656 Menschen ihr Leben, 2 078 wurden verletzt.
Damit erhöhte sich die Verbrechensquote im Vergleich zum April 2002 um 0,5 bis 7,7 Prozent.
Die schwersten Verbrechen ereigneten sich in den Aimags Gov’sumber, Dornogov‘ (Ostgobi), Dornod, Dundgov‘ (Mittelgobi) und Zavkhan sowie in den Stadtbezirken Bayanzurkh, Sukhbaatar, Khan-Uul und Chingeltei von Ulaanbaatar.

Todesstrafe für Mehrfachmörder
Im Fall der Ermordung von vier Mitgliedern einer Familie, darunter zwei Kinder, hat die Staatsanwaltschaft des Darkhan-Uul-Aimags für die beiden geständigen Täter die Todesstrafe gefordert.
Über den Wunsch von Angehörigen und Freunden, Mitschülern und Lehrern der Opfer, an der Gerichtsverhandlung zur Urteilsverkündung teilzunehmen, haben die zuständigen Stellen noch nicht entschieden.


   

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Last Update: 01. Januar 2017