Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 8. bis 14. September 2003

von Dr. Renate Bormann Ulaanbaatar


V. l. J. Pflug, J. Winkler

V. Internationale Konferenz der neuen und wieder errichteten Demokratien
„Die beste Antwort auf die Ermordung der schwedischen Außenministerin Anna Lindh ist es, noch aktiver für die Schaffung und Stabilisierung demokratischer Verhältnisse einzutreten. Sichtlich bewegt, nahm der schwedische Botschafter in China und der Mongolei, Bengt Soderberg, das Beileid der Teilnehmer an der Demokratiekonferenz in Ulaanbaatar entgegen.
Mehr als 300 Teilnehmer aus 119 Staaten versammelten sich vom 10. bis zum 12. September
unter dem Motto „Demokratie, Kompetente Regierung und die Zivilgesellschaft" im weitläufigen Regierungspalast von Ulaanbaatar.
Dorothe Sossa, Minister für Justiz und Menschenrechte aus Benin, dem Gastgeberland der IV. Demokratiekonferenz 2000, wies in seiner Eröffnungsrede darauf hin, wie wichtig Demokratie für Frieden, ökonomische und politische Stabilität sei.
Die bisherigen Konferenzen in Manila, Managua, Bukarest und Kotonoy hätten mit dem Erarbeiten und Durchsetzen von Maßnahmen und Mechanismen, Demokratieverständnis zu fördern, nicht nur in Afrika zum Umdenken und zum Besinnen auf die eigenen Kräfte beigetragen.
In der Botschaft von UNO-Generalsekretär Kofi Annan, die Danilo Türk den Delegierten überbrachte, war die Rede vom 21. Jahrhundert als dem Jahrhundert, in dem wie in keinem zuvor, die Menschen motiviert sind, ihre Gesellschaftsordnung und ihr Staatswesen mit zu gestalten.
Demokratie sei nicht umsonst zu haben, sie erfordere Engagement, Mut und nicht zuletzt finanzielle Mittel, die gerade die jungen Demokratien und Entwicklungsländer nicht so ohne Weiteres aufbringen könnten.
Am 12. September verabschiedeten die Teilnehmer einen Aktionsplan für nationale, regionale und internationale Aktivitäten.
„Die Regierungen und Repräsentanten der Nationen rund um den Erdball" werden sich dafür einsetzen, dass allen Bürgern die Teilnahme an der Gestaltung des gesellschaftlichen und politischen Lebens ermöglicht wird – durch freie und geheime Wahlen, die Verbesserung der demokratischen Institutionen auf lokaler Ebene, transparente Finanzierung der Wahlkampfkampagnen, Sicherung der Teilnahme von nationalen Minderheiten, Frauen und jungen Menschen. Weitere Schwerpunkt sind die Förderung einer nachhaltigen Entwicklungspolitik und die Armutsbekämpfung sowie der Schutz der Menschenrechte, eine „offene Regierung" und die Schaffung bzw. die Einhaltung gesetzlicher Regeln für den Kampf gegen Korruption, gegen Terrorismus, gegen antidemokratische Umsturzversuche, für die Rolle der Streitkräfte.
Der Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen, zuallererst mit der UN, der nachprüfbaren Einhaltung internationaler Konventionen wird im Hinblick auf die Vorbeugung und die Lösung von Konflikten besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Auf einer gut besuchten Pressekonferenz beantwortete der Delegationsleiter der Europäischen Union, das Mitglied der Europäischen Kommission, Poul Nielsen, Fragen zur Zusammenarbeit zwischen der EU und der Mongolei. Von besonderem Interesse für die Mongolen war die Aussage des Kommissars, die Mongolei zu unterstützen, Zugang zu den europäischen Märkten, v.a. was den Fleischexport betrifft, zu finden.

Parlamentariertreffen
Zum ersten Mal fand im Rahmen der Internationalen Demokratiekonferenz ein Parlamentariertreffen statt. 120 Parlamentsabgeordnete aus 47 Ländern nahmen an dem informellen Treffen im Regierungspalast teil, zu dem S. Tumur-Ochir, der Vorsitzende des Großen Staatskhurals , geladen hatte.
Das Hauptreferat zum Thema: „Die Rolle der Parlamentarier für die Festigung der Demokratie – Das Parlament und die Zivilgesellschaft", hielt sein Stellvertreter, J. Byambadorj.
Die Bundestagsabgeordneten Johannes Pflug und Josef Winkler wurden in einer anschließenden Pressekonferenz zum Aufbau der demokratischen Institutionen und ihrer Finanzierung in der Bundesrepublik befragt.
Die Mongolei regte an, derartige Treffen von Abgeordneten zur Tradition werden zu lassen.

Offener Brief der DP und der DNSP an die Konferenzteilnehmer
Die in einem Wahlbündnis vereinten Oppositionsparteien, Demokratische Partei (DP) und Demokratische Neue Sozialistische Partei (DNSP), haben in einem Grußwort an die Delegierten zur V. Demokratiekonferenz die Regierung scharf kritisiert.
Offizielle Linie der Regierung sei es, Bürger wegen ihrer politischen Einstellung zu diskriminieren. Die Massenmedien würden durch die Regierung kontrolliert und dienten einseitig den Interessen der Regierungspartei MRVP.
Es käme darauf an, die Bürger und Nichtregierungsorganisationen stärker an den Entscheidungsfindungsprozessen zu beteiligen und das Verantwortungsbewusstsein der politischen Parteien zu erhöhen. In der heutigen Mongolei müsste, bevor man über eine kompetente Regierung (good governance) spricht, zunächst über eine mehr demokratische Regierung und staatliche Organisationen sprechen.

„Tag der Opfer des Stalinismus"
An jedem 10. September wird seit 1996 der mongolischen Opfer der stalinistischen Repressionen in den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts gedacht.
Am „Denkmal für die Opfer politischer Verfolgung" vor dem Museum für Nationalgeschichte legten die Repräsentanten von Staat und Regierung, gesellschaftlicher Organisationen und Verwandte der Opfer Blumenkränze nieder. Auch auf dem Ehrenfriedhof im Songinokhairkhan-Gebirge und im Gandantegchinlenkloster wurde der toten und gequälten Menschen „aus dieser dunklen Periode mongolischer Geschichte" gedacht.

Wenn am Sonntag Wahlen wären...
Nach einer Umfrage des Internationalen Republikanischen Instituts (IRI) und des Anwaltsbüros „Fabrizio McLaughlin & Partner" bekäme die MRVP - sollte am nächsten Sonntag gewählt werden - 35 Prozent der Stimmen, gefolgt von der DP mit 30 Prozent, der Bürgermut-Republikanischen Partei (4 Prozent) und der MDNSP (3 Prozent).
26 Prozent sind noch unentschlossen, wen sie wählen.
Sollten die Oppositionsparteien jedoch gemeinsam antreten, dann kämen sie auf 37, die MRVP bliebe bei 35 Prozent.

26 Nordkoreaner in der Mongolei festgenommen
In der Nacht vom 03. zum 04. September haben mongolische Grenzsoldaten im Gebiet um den Khukh-Nuur (Blauer See) im Dornod-Aimag (Ostaimag) 26 Bürger Nordkoreas festgenommen. Diese wollten nach eigenen Angaben über China und die Mongolei nach Südkorea gelangen.
Auf die Fragen, wo sich die Flüchtlinge jetzt befinden und was mit ihnen geschehen soll, verweigerten die zuständigen Dienststellen jede Auskunft.
Das sei ein kompliziertes internationales Problem, deshalb könnten zum jetzigen Zeitpunkt keine genaueren Informationen erwartet werden.

Privatisierung von NIC ist ungültig
Auf der Kabinettsitzung vom 08. September wurde beschlossen, den Vertrag zwischen dem Komitee für Staatseigentum und der East Oil zu kündigen und die Ausschreibung für den größten mongolischen Erdölimporteur und –verteiler für ungültig zu erklären.
Das Staatseigentumskomitee wurde beauftragt, bis Oktober die Ausschreibung für die Privatisierung des Unternehmens zu wiederholen.

3. Treffen der Fachkraftorganisationen Asiens in Ulaanbaatar
Vom 14. bis zum 20. September dieses Jahres findet in Ulaanbaatar das 3. Treffen der Fachkraftorganisationen (FKO) aus neun asiatischen Ländern statt.
In den FKO haben sich in Deutschland ausgebildete Fachkräfte zusammengeschlossen, die in ihren Heimatländen die wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit mit ihrem ehemaligen Gastland fördern wollen.
Das FKO-Projekt „getjobs" soll helfen, Rückkehrern den Zugang zum heimischen Arbeitsmarkt zu erleichtern und zugleich ihr Wissen und ihre Erfahrungen für die Entwicklung des Heimatlandes nutzbar zu machen.
Die Treffen finden im Rahmen des Reintegrations- und Nachkontakteprogramms der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) statt und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert.
Lokale Partnerorganisation bei der Vorbereitung der diesjährigen Konferenz wird die „Mongolisch-Deutsche Brücke" sein.
Bisher haben Teilnehmer aus Indien, Kambodscha, Laos, Malaysia, den Philippinen, Indonesien, Thailand, Vietnam, der Mongolei und Deutschland zugesagt.


Maskentanz im Dashchoilin-Kloster. 09.09.03

Maskentanz im Dashchoilin-Kloster
Das Dashchoilin-Kloster im Universitätsviertel von Ulaanbaatar ist das dritte Kloster, in dem, nach dem Verbot von 1937 wieder ein Tsam-Tanz aufgeführt wurde.
Den Anfang hat das Gandankloster in Ulaanbaatar im Jahr 1992 gemacht, 2002 folgte das Kloster Amarbayasgalant im Selenge-Aimag. Die Veranstalter sprachen von 1 500 Zuschauern – Touristen und Einheimische, die am 09. September das farbenprächtige Tanz- und Musikspektakel sehen wollten.
Die religiösen Maskentänze (Mysterienspiele), in Tibet bereits vor Einführung des Buddhismus entstanden, kamen erst im 18. Jahrhundert in die Mongolei. Im Mittelpunkt der mongolischen Aufführungen standen meist Erlik-Khaan (Todesgott) und sein Gefolge, furchterregend maskierte Gestalten, die um ein Mandala aus weißen konzentrischen Kreisen tanzten.
Die Masken stellen freundliche und zornige Gottheiten des lamaistischen Pantheons dar, aber auch Recken, Jäger und Tiere - Rabe, Hirsche, Stiere sowie den Vogelkönig Garuda.
Die Lamas des Dashchoilin-Klosters haben sich zwei Jahre lang auf die Aufführung vorbereitet: Meditationen, Studium der Bücher über das Ritual, die Kostüme und die Masken, Reisen nach Tibet in die Klöster Dashlhumbe und Lavran.
Inhalt der jüngsten Tsamtanzdarstellung war der „Schutz der Beschützer".
26 verschiedene Masken waren zu sehen: Khashin-Khaan und seine drei Kinder, der „Weiße Alte", Mahakala, Yamataka, der Rabe, das Böse darstellend...
Ende September wird sich das Kloster mit dieser Tsamaufführung am Folklorefestival in Südkorea beteiligen.

Murmeltierpest
Eine 51-jährige Frau aus dem Yaruu-Sum im Zavkhan-Aimag ist an der Murmeltierpest gestorben.
Die Frau hat ihren Söhne, alle Murmeltierjäger, im Krankenhaus von Uliastai täglich mit Nahrung versorgt. Die jungen Männer waren wegen hohen Fiebers ins Krankenhaus eingeliefert worden.
Ein Arzt, der zu Aufklärungszwecken über die Murmeltierpest nach Zavkhan entsandt worden war, starb kurz nach seiner Rückkehr nach Ulaanbaatar. Auch er war an der Murmeltierpest erkrankt.

Zählung der Wildesel
Die Zahl der Wildesel (Khulan) hätte sich in den vergangenen Jahren stark erhöht. Herden von teilweise mehr über zehn Tieren verwüsteten die Weideflächen und anderes Nutzland.
Deshalb beginnt ab dem 15. September in den Hauptverbreitungsgebieten der Wildtiere, in den Aimags Uvurkhangai, Gobi-Altai, Dornogov‘, Sukhbaatar, Khovd, Bayankhongor und Umnugov’ eine systematische Zählung des tatsächlichen Wildeselbestandes.
Das Biologische Institut der Akademie der Wissenschaften der Mongolei organisiert und leitet das Vorhaben. Eingesetzt sind sechs Teams, die nach 14 Tagen ihre Ergebnisse vorlegen sollen.

Wer wird „Königin der Nacht"?
Am 20. September werden sich neben noch namenlosen Vorführdamen und -herren, die mongolischen Top-Models, Ts. Tsolmon, B. Erdenetuya und G. Selenge, in Unterwäsche der englischen Firma „Diana" präsentieren. „Era" und der „Diana"-Verkaufsladen in Ulaanbaatar veranstalten die Show gemeinsam, die im Restaurant des „Ulaanbaatar"-Hotels über die Bühne gehen wird.
Eine Karte kostet 25 US-Dollar. Dafür dürfen die Zuschauer eine „Königin der Nacht" wählen, an einer Tombola teilnehmen und den Popgruppen „Shar Airag" (Bier), „Shuniin Galt Tereg"(Nachtzug) und „Quartett" lauschen.


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Last Update: 01. Januar 2017