Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 6. bis 12. Dezember 2004

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Der Sukhbaatarplatz wird vom Schnee geräumt

Koreabesuch des Präsidenten
Vom 20. - 22. Dezember wird Präsident N. Bagabandi einen offiziellen Staatsbesuch in der Koreanischen Volksrepublik absolvieren.
Gesprächsthemen werden die aktuelle wirtschaftliche Situation des Landes sein und welche Möglichkeiten die Mongolei hat, zu helfen. Finanzminister Altankhuyag hat bereits zugesagt, 14 Millionen Tugrug für humanitäre Hilfe aus dem Staatshaushalt bereit zu stellen.

Staatshaushalt 2005 verabschiedet
Die Einnahmen werden mit 708,2 Milliarden Tugrug, die Ausgaben mit 775,1 Milliarden veranschlagt. Damit sinkt das Haushaltsdefizit von 44 Prozent im Jahr 2004 auf 41 Prozent im kommenden Jahr.
Ab wann das monatliche Kindergeld von 3 000 Tugrug (ursprünglich waren 10 000 vorgesehen) für einkommensschwache Familien gezahlt werden kann, steht noch nicht fest.
21 Milliarden Tugrug werden für die Kindergeldzahlungen ausgegeben werden.

Steuern auf Wodka, Bier und Tabak werden erhöht
Trotz der Proteste der Alkohol- und Tabakproduzenten beschloss das Abgeordnetenhaus am 02. Dezember, dem Vorschlag der Regierung, die Steuern für Wodka, Bier und Zigaretten zu erhöhen, zuzustimmen.
Die Regierung erhofft sich dadurch Mehreinnahmen von 12,5 Milliarden Tugrug.
Gleichzeitig erklärt sie, die Mehreinnahmen seien nicht der wichtigste Grund für die Erhöhung gewesen. In erster Linie ginge es um die Eindämmung der privaten Produktion von billigem, schlechtem Alkohol, um die Reduzierung des Alkohol- und Tabakkonsums und somit um die Verbesserung der öffentlichen Gesundheit.
Ein Liter mit einem Alkoholwert von 40 Prozent wird mit 4 $ besteuert, über 40 Prozent kosten pro Liter 6$ an Steuern und importierter Wodka 8 und 10 $.
170 Unternehmen haben eine Lizenz zur Produktion von Alkohol, aber nur drei von ihnen bezahlen jährlich an den Staatshaushalt eine Milliarde Tugrug und mehr.
Einige Abgeordnete warnten vor der Zunahme der illegalen Produktion und der illegalen Einfuhr billigen Wodkas.
Einheimisches Bier, das bisher nicht besteuert war, kostet nun 20 Cent und Importbier 50 Cent pro Liter. Mit 30 Cent wird ein Kilo Tabak besteuert, 60 Cent an Steuern fallen für je 100 Zigaretten (einheimische und importierte) an.
Die Preise für einen Kubikmeter Wasser, das die Bergbauunternehmen nutzen, steigen von 6 auf 50 bis 150 Tugrug. Das Geld soll hauptsächlich den örtlichen Haushalten zugute kommen.

MRVP-Vizeminister ernannt
Nachdem die sieben Vizeminister der Mutterland-Demokratiekoalition bereits am 15. November auf einer außerordentlichen Kabinettssitzung ernannt worden waren, ließ sich die MRVP damit Zeit.
Erst am 08. Dezember konnten die restlichen sechs stellvertretenden Minister ihre Beglaubigungsurkunden in Empfang nehmen.
Während die Mutterland-Minister der Öffentlichkeit bisher eher unbekannt sind, hatte die MRVP „alte" Bekannte nominiert. So wurde S. Tumur-Ochir, ehemaliger Parlamentsvorsitzender, zum stellvertretenden Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft berufen, der ehemalige Industrieminister Ch. Ganzorig zum Stellvertreter des Finanzministers. Der ehemalige Chef der Tourismusagentur, G. Shilegdamba, wird zukünftig den Minister für Wege, Verkehr und Tourismus vertreten.
Ebenfalls am 08. wurden die Leiter der vier neu geschaffenen Ständigen Parlamentsausschüsse ernannt: B. Erdenesuren (MRVP) – Bildung, Kultur und Wissenschaft, Ch. Sodnomtseren – Land- und Nahrungsgüterwirtschaft, J. Narantsatsralt – Infrastruktur, S. Otgonbayar (alle MDK) - Informations- und Kommunikationstechnologie.


Abschlusskonferenz des EU-Tacis-Landwirtschaftsprojektes

Beratung über die Landwirtschaftspolitik
Die Landwirtschaft gehört neben dem Bergbau zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen in der Mongolei.
Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass gerade hier die internationale Entwicklungszusammenarbeit besonders eng ist.
In der vergangenen Woche erhielt Prof. Dr. Müller für seine wissenschaftliche und praktische Arbeit bei der Entwicklung der mongolischen Landwirtschaft die Ehrenprofessur der Staatsuniversität. In dieser Woche wurden in einem Seminar die Ergebnisse des EU - Projektes „Entwicklung einer integrierten Viehwirtschafts- und Pflanzenproduktion" bewertet.
Dr. Karl Wierer, Wissenschaftler und Landwirt, betonte in seinem Schlusswort, den Hauptanteil an der erfolgreichen Arbeit der vergangenen drei Jahre hätten selbstverständlich die Akteure in den Bags, Sums und Aimags beigesteuert: Die Viehhalter, die Pflanzenanbauer, die Agrotechniker, die Mitarbeiter an den landwirtschaftlichen Hoch- und Fachschulen.
Die Themen der Schulungen und ihrer praktischen Umsetzung reichten von der Züchtung, Auswahl und dem Anbau der geeigneten Weizensorten, der Verbesserung der Futterversorgung und –bevorratung, der Verbesserung der Herdenstruktur, der Verarbeitung der Produkte aus der Viehwirtschaft, des Gemüse- und Obstanbaus. Wie vermarkte ich meine Produkte? ist eine Frage, die nicht nur die mongolischen Nomaden und Landbewohner beschäftigt. Die effektive Landnutzung, Rechte und Pflichten der Nutzer, Zusammenarbeit bei Produktion, Vermarktung und Abrechnung stießen dabei auf das besondere Interesse der in das Projekt einbezogenen Mongolen.


V. L. Nasanjargal, Sodnomtseren, R. Bruckmoser (Agroconsult)

Die Viehhalter und Landbauern haben sich in Gruppen zusammengeschlossen, die untereinander regelmäßig Erfahrungen austauschen und Probleme besprechen. Eine gute Basis dafür boten die Agriculture Extension Centers in den Aimags und Sums.
Befragt nach den Schwerpunkten für eine nachhaltige Landwirtschaftspolitik, nannten die meisten Seminarteilnehmer die Landreform und die nötige Rechtssicherheit, die Schaffung eines Netzwerkes der Zusammenarbeit zwischen den Aimags, den schrittweisen Übergang zur künstlichen Bewässerung sowie die Einführung moderner Technik und Technologien. D. Nasanjargal, der ehemalige Landwirtschaftsminister, sprach den Projektverantwortlichen und –mitarbeitern Dank und Anerkennung aus. Zu den interessierten Zuhörern gehörte auch der Vorsitzende des Ständigen Ausschusses für Land- und Nahrungsgüterwirtschaft, Ch. Sodnomtseren.

Was wird aus der mongolischen Textilindustrie?
Am vergangenen Samstag informierte sich Ministerpräsident Kh. Elbegdorj in einigen Betrieben der Textilindustrie über Probleme und Perspektiven der Branche.
20 Prozent der mongolischen Exporte stammen aus der Textilindustrie. 20 000 Menschen finden in den 100 Textilfabriken Arbeit.
36 Betriebe befinden sich in ausländischem Besitz, 44 sind Joint Ventures und 14 sind rein mongolische Unternehmen.
Mit Beginn des neuen Jahres müssen sich die mongolischen Exporteure dem freien Wettbewerb u. A. mit den chinesischen und indischen Herstellern, die den Weltmarkt beherrschen, stellen.
Die mongolischen Textilhersteller fordern von der Regierung Unterstützung. Bisher wurde offenbar noch kein tragfähiges Konzept gefunden. Die Minister für Soziale Sicherheit und Arbeit, Ts. Bayarsaikhan, für Finanzen, N. Altankhuyag, der Industrie- und Handelsminister S. Batbold sowie der Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft, P. Tsagaan, berieten über Preis- und Zolltarifgestaltung, um die mongolische Textilindustrie vor allzu großem Schaden zu bewahren.

Todesurteile bestätigt
Das Berufungsgericht in Ulaanbaatar bestätigte drei Todesurteile aus dem vergangenen Jahr.
N. Uugan-Erdene hatte im März 2003 seine ehemalige Freundin und deren Vater mit mehreren Messerstichen getötet und danach in Untersuchungshaft mit anderen Häftlingen einen Mithäftling zu Tode geprügelt.
Ya. Bat-Erdene ermordete im Jahr 2002 einen Posten vor der chinesischen Botschaft in Ulaanbaatar und hat mit anderen mehrere schwere Raubdelikte verübt.
B. Lutbaatar war beim Mord an dem Mitgefangenen beteiligt, auf sein Konto kommen ebenfalls mehrere schwere Raubtaten.


V. R. Bumandorj, Mashbat

Ausstellungseröffnung
Am 10. Dezember wurde in der Galerie des Künstlerverbandes der Mongolei eine Ausstellung mit Werken der Maler Lkhagvagiin Bumandorj und Sambuugiin Mashbat eröffnet.
Beide gehören zu den bekanntesten Künstlern des Landes, der Besucherandrang war entsprechend groß, zumal beide auch Kunstinstituten vorstehen und junge Künstler ausbilden.
Bumandorj überschreibt seine meistens kleinformatigen Werke mit „Zokhiomj" (Komposition) oder „Sudalbar" (Studie). Seine bevorzugten Farben sind alle Blau- und Ockertöne. Sein Lieblingssujet ist die Steppe mit ihren Bewohnern.
Bumandorj, geboren 1954, hat in Ulaanbaatar und Leipzig studiert, ehe er Lehrer und Direktor des Instituts der Schönen Künste in Ulaanbaatar wurde. Er hatte Ausstellungen im ehemaligen Jugoslawien, in China, in den USA, in Russland, Frankreich, Japan, Norwegen, Österreich und in Hongkong.
Mashbat wurde 1956 geboren und hat in Ulaanbaatar und Sofia Grafik, Design und Malerei studiert.
Seine Werke sind großformatig, sorgfältig und mit Liebe zum Detail ausgeführt. Er hat sich offensichtlich dem Trend, dem viele mongolische Maler folgen, gegenstandslos, expressionistisch, in Farben schwelgend zu arbeiten, nicht angeschlossen. Umso verwunderter steht der Betrachter dann vor einem riesigen Gemälde „Seele", das genau diesem Stil entspricht. Aber auch hier zeigt sich seine Meisterschaft. Gegenstand seiner Werke sind die Symbiose von Altem und Neuem, von Stadt und Land (eine Kamelkarawane vor dem Hintergrund einer städtischen Siedlung) und wie bei allen mongolischen Malern die Schönheit der Landesnatur, die Abfolge der Jahreszeiten.
Mashbat ist Gründer und Direktor der Kunst- und Designschule „Anima" in Ulaanbaatar.

Ein neuer Stern am Sumohimmel?
Dem erfolgreichsten Sumokämpfer der vergangenen Jahre, dem Mongolen Asashyoryu Dagvadorj, scheint aus dem eigenen Heimatland ein ernsthafter Konkurrent nachzueifern.
Der Hakuho M. Davaajargal ist 19 Jahre alt, 1,92 m groß und wiegt 142 Kilogramm. Nach 12 Siegen kann er sich schon mit dem Titel „Komusubi" schmücken. Kenner gehen davon aus, dass er bereits im März des nächsten Jahres den Titel „Oozeki" erreichen kann.
Das aktuelle Turnier in Fukuoka gewann der alte und neue Champion Dagvadorj, obwohl er im letzten Kampf seinem japanischen Widersacher und Publikumsliebling unterlegen war.

Zwei Tote durch übermäßigen Alkoholkonsum
Am vergangenen Wochenende starben zwei Menschen in Ulaanbaatar, nachdem sie gemeinsam mit anderen übermäßig viel Arkhi (mongolischer Wodka) getrunken hatten.
In diesem Zusammenhang äußern sich die Polizei- und Gesundheitsbehörden besorgt über die in den letzten Jahren zunehmenden Fälle von „Tod durch Alkohol".
Jeden Tag sterben an den Folgen von Alkoholmissbrauch ein bis zwei Menschen, landesweit werden 30 Straftaten in diesem Zusammenhang begangen, wobei mindestens zwei Menschen durch die hand anderer zu Tode kommen.

Sechs auf einen Streich
Aus dem Bayan-Ovoo-Sum im Khentii-Aimag kommt die Meldung, ein junger Viehhalter, G. Orosoo, habe, als er im Flusstal des Kherlen seine Schafe weidete, plötzlich mehreren Wölfen gegenübergestanden. Er zielte zunächst auf den Leitwolf, nachdem der tödlich getroffen zusammengebrochen war, flohen die übrigen fünf nicht sofort und es gelang ihm einen nach dem anderen zu töten.


   

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Last Update: 01. Januar 2017