Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 16. bis 22. Februar 2004

von Dr. Renate Bormann Ulaanbaatar


Tsagaan Sar 2004. Hammelrücken

Das Jahr des Affen hat begonnen

Noch bis 1921 galt in der Mongolei der asiatische Tierkreiskalender als offizielle Zeitrechnung.
Auch heute noch wird in einer Reihe asiatischer Länder wie Japan, China, Vietnam und Indien das Mondneujahrsfest ausgiebig gefeiert.
Je nach Stand des Mondes fällt der Jahresbeginn in die Zeit zwischen Ende Januar und Anfang März. Alle 12 Jahre wechselt ein Tierkreiszeichen das andere ab, alle zwei Jahre wechselt die Farbe, der jeweils eines der fünf Elemente zugeordnet ist: Holz –blau, Wasser – schwarz, Metall – weiß, Erde – gelb, Feuer – rot. Alle geraden Jahre sind hart oder männlich, alle ungeraden weich oder weiblich, so dass sich insgesamt 60-Jahre-Zyklen ergeben.
Während in China bereits am 23. Januar das Jahr des Affen begrüßt wurde, gibt es in der Mongolei Jahr für Jahr Auseinandersetzungen um das korrekte Datum.
In diesem Jahr einigten sich Regierung, Astrologen und lamaistischer Klerus auf den 21. Februar als Beginn des Männlichen Hölzernen Blauen Affenjahres, es löst das Jahr des Schwarzen Wasserpferdes ab.
Tsagaan Sar - Weißer Monat oder Weißer Mond - ist seit der politischen Wende Anfang der 90-er Jahre wieder ein offizieller Feiertag in der Mongolei. Die Farbe weiß verbinden die Mongolen seit alters her nicht nur mit Reinheit, vor allem ist sie das Symbol für Milch – eines Hauptnahrungsmittel der zentralasiatischen Nomaden.
Der Tag vor Beginn des ersten Frühlingsmonats im neuen Jahr (Bituun Oroi) ist eher mit unserem Heiligen Abend denn mit Silvester zu vergleichen. Jede Familie hat für diesen Tag ihre eigenen Riten entwickelt. Alle jedoch sollten neue Kleidung tragen, die Wohnung muss gründlich sauber sein, ausstehende Schulden sollten beglichen und Unstimmigkeiten mit anderen Menschen beigelegt werden. Wichtig auch, die Vorräte an Nahrungsmitteln und Heizmaterial aufzufüllen. Mit der Zubereitung riesiger Mengen an Buuz und Bansh (gefüllte Teigtaschen) wurde bereits vor dem Fest begonnen. Sie versprechen immer ausreichend Nahrung für das kommende Jahr. Kinder, Enkel, Urenkel und andere Verwandte versammeln sich im Heim des Ältesten. Es wird gegessen, getrunken und geplaudert. Am nächsten Morgen, bei Sonnenaufgang, gehen besonders traditionsbewusste Mongolen in ihre „Unglücksrichtungen" und kehren auf dem Wege ihrer „Glücksrichtungen" nach Hause zurück. Diese hängen vom Jahr der Geburt und vielen damit verbundenen Besonderheiten ab. Die Lamas haben Hochkonjunktur, ihren Landsleuten die richtigen Verhaltensregeln für alle Eventualitäten des Lebens mit auf den Weg zu geben.
Die Vorbereitungen auf das Fest ähneln unserem Weihnachtstrubel. Lange Schlangen vor den Kassen in Supermärkten, in größeren und kleineren Geschäften, mit schweren Taschen bepackte Frauen, Männer und Kinder.
Hammelrücken, Buuze, gesalzener Milchreis mit Rosinen, gekochte Fleischstreifen, große runde Schichtkuchen (Ui Boov), Milchtee und der mongolische Wodka, Arkhi, dürfen auf keiner Festtafel fehlen. Die Ui boov werden aus kheviin boov - das sind längliche, abgerundete, wie eine Sohle geformte Mürbeteigstücke – zu einem Gebilde aufgeschichtet, das an ein Mandala erinnert.


Ui boov

Es muss immer eine ungerade Zahl an Schichten entstehen. Abhängig von der Größe des Untertellers können fünf oder sechs Mürbeteigstücke eine Schicht bilden. Die oberste wird mit Süßigkeiten, getrockneten Käsestückchen, Sahne- und Butterklümpchen belegt. Die Anzahl der Schichten ist abhängig von der Stellung und dem Alter des Haushaltsvorstandes. Neun Schichten erinnern an die 99 Himmel und die neun Kostbarkeiten. Sie sind offiziellen Staats- oder religiösen Zeremonien vorbehalten. In den Haushalten sehr alter Menschen werden sieben Etagen aufgeschichtet, dann fünf. In jungen Familien finden sich meist dreischichtige Teigplatten.
Mongolen, die längere Zeit in Europa gelebt haben, ergänzen ihren Festtagsschmaus durch selbstgebackene Obst-, Schokoladen- und Marzipantorten, die anderen kaufen farbenprächtig verzierte Biskuittorten.
Das Wichtigste auf jeder Festtagstafel ist jedoch der Hammelrücken mit Fettschwanz (Uuts) oder eine Rinderbrust (övchüü).
Nach Möglichkeit besuchen die jüngeren Verwandten die älteren und erweisen ihnen den nötigen Respekt. Diese Begrüßungszeremonien folgen einem ausgeklügelten Ritual: Ein weißer oder himmelblauer Seidenschal wird kunstvoll über beide Unterarme gelegt, die Handflächen des jüngeren zeigen nach oben. So werden Geschenke überreicht und entgegengenommen. Zwischen Eheleuten ist diese Zeremonie (Zolgokh) allerdings tabu, da sie als ein Wesen gelten.
Die Gäste kommen und gehen während des ganzen Neujahrstages, oft bis in die Nacht hinein. Es wird nicht nur reichlich gegessen und getrunken, sondern auch gesungen.
Ist „Tsagaan Sar" in der Stadt ein Fest wie bei uns Weihnachten, leitet das Neujahrsfest auf dem Land eine Zeit intensiver Arbeit ein: Die Geburt der Jungtiere steht bevor. Und leider richtet sich auch in der Mongolei die Natur nicht nach dem Kalender. Es kann noch empfindlich kalt sein, wenn die Lämmer, Kälber, Fohlen, Zicklein und Kameljungen geboren werden. Verspätete Geburten bergen zudem die Gefahr, dass die Tiere in der günstigen, weil warmen und futterreichen Jahreszeit, dem Sommer, nicht genügend an Gewicht zulegen können und so für den nächsten langen und kalten Winter nicht ausreichend „gerüstet" sind.
In Stadt und Land gehören jedoch der Segen eines Lamas – wiewohl das Fest kein ursprünglich lamaistisches ist, Ringkämpfe, Dichter- und Sängerwettbewerbe zu Tsagaan Sar wie Federgräser zur Steppe.

Das Beste aus dem Jahr 2003
Traditionell zu Beginn des neuen Mondjahres werden die besten Politiker, Kneipen etc. ermittelt. In diesem Jahr wurde der Sumoringer Dagvadorj zum „Mongolen des Jahres 2003" gekürt. Der beliebteste Politiker ist Ministerpräsident Enkhbayar, als spektakulärstes Ereignis wurde die Verhaftung des Parlamentsabgeordneten Gundalai aus dem Flugzeug heraus angesehen, das beste Mittagessen wird im Restaurant „Silk Road" serviert, die beste Nachtbar ist das Stripteaselokal „Marco Polo", das schönste Erholungsgebiet liegt in Terelj. In der Kategorie „Popmusik" gewann Ariuna, der beliebteste Sport der Mongolen ist das traditionelle Ringen. Als bestes Buch über die Mongolei ermittelten die Juroren „Lonely Planet".


Schülerinnen der Goethe-Schule in Ulaanbaatar

Imagine
Am 18. Februar wurde im Opern- und Balletttheater von Ulaanbaatar die Fotoausstellung „Imagine – Deine Fotos öffnen mir die Augen", gezeigt. Das Projekt geht auf eine Initiative der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) aus dem Jahr 2002 zurück. 500 Kinder und Jugendliche aus 45 Ländern aller Kontinente sollten „einen Tag in ihrem Leben" fotografieren, eine Szene, einen Augenblick. 1 500 Fotos erreichten schließlich Berlin, von denen die besten ausgewählt und in einer Ausstellung zusammengefasst wurden.
In Ulaanbaatar waren Fotos von jungen Leuten aus Vietnam, Madagaskar, Bosnien und natürlich aus der Mongolei zu sehen. Darunter das Foto der 13-jährigen Uyanga, die ihre besten Freundinnen im Jugendpark ablichtete. Nicht alle Fotos strahlten soviel Zuversicht und Lebensfreude aus. Armut, Gewalt, Krieg und Zukunftsängste der Kinder aus den ärmsten Ländern der Welt, aus Krisenregionen werden uns auf den Fotos vor Augen geführt, aber auch die nie versiegende Hoffnung auf Frieden und ein menschenwürdigeres Leben.
Dr. Thomas Labahn, der Leiter des GTZ-Büros in Ulaanbaatar und Dr. Wolf Wagner, GTZ-Projektberater, schilderten in ihren Reden die Ziele des Fotoprojektes, eine Brücke zwischen den jungen Menschen untereinander, zwischen den Generationen und Kulturen zu bauen. Überraschende, auch verstörende Sichtweisen der Laienkünstler auf ihre Umwelt hätten dazu beigetragen, das Fremde, Unbekannte besser zu verstehen, eigene Einstellungen zu überdenken.
Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung konnten die Gäste eine Aufführung der Oper: „Die lustigen Weiber von Windsor" erleben.

Gastspiel von „Börte" in der bulgarischen Botschaft
Die international bekannte, mittlerweile in Deutschland beheimatete mongolische Folkloregruppe „Börte" weilte zu einem selten gewordenen Gastspiel in der Mongolei.
Am 19. Februar luden der bulgarische Botschafter, N. Marin und seine Frau Agima, zu einem Konzert der „Ethno-Jazzband" in die bulgarische Botschaft in Ulaanbaatar ein.
Das Konzert diente dazu, den Musikern zu helfen, neue Instrumente anzuschaffen, damit sie sich optimal auf ein Musikfestival, das im Sommer in Stuttgart stattfinden wird, vorbereiten können.
Klassische mongolische Instrumente wie Pferdekopfgeige und Yatga beherrschen die Künstler ebenso gut wie Violine und Schlagzeug. Hinzu kommen Klavier, Bassviola und Obertongesang der Extraklasse.
Die sieben Mitglieder der Band trugen Neukompositionen und traditionelle Stücke vor, die die Schönheiten der mongolischen Natur, Ereignisse aus der Geschichte, Mythen und die Religion besangen.


Die Suppe schmeckt

Brandenburger Unternehmer hilft mongolischen Kindern
Herr Willi Belger und Frau Heidi Michael, Besitzer eines Hotels in Großziethen bei Berlin und seit einer Urlaubsreise von der Mongolei und ihren Menschen beeindruckt, hatten eine besondere Idee, wie man Kindern in der Mongolei außerhalb des üblichen Spendentourismus helfen kann: Sie verkauften ihren Gästen eine mongolische Suppe, von deren Erlös je ein Euro in eine Spendenkasse floss. Im Januar 2004 waren so 410 Euro zusammen gekommen. Für das Geld wurden von der Deutschen Mongolei-Agentur (dma) gemeinsam mit Verantwortlichen der Provinzverwaltung von Darkhan-Uul Spielsachen gekauft und in einem Kindergarten der Stadt Darkhan, der von 330 Kindern besucht wird, übergeben.

Im Februar konnte der Direktor der dma im Namen des Gouverneurs von Darkhan-Uul Herrn Belger und Frau Michael den Dank der Kinder, Eltern und des Aimags übermitteln. Die silberne Schale mit einer entsprechenden Widmung nimmt nun einen Ehrenplatz im mongolischen Zimmer des Hotelrestaurants ein.


   

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Last Update: 01. Januar 2017