Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 21. bis 27. Juni 2004

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Demo für die Demokratische Koalition am 30. 06.

Wahlen zum Großen Staatskhural 2004
Die Ergebnisse sind bekannt: 36 Sitze für die MRVP, 36 für die Koalition, drei für Unabhängige, einer geht an die Republikanische Partei.
Auf die Frage, ob er heute noch einmal so einen materialintensiven, den Bürger mit Propagandamaterial fast erdrückenden Wahlkampf führen würde, sagte der Vorsitzende der MRVP und Ministerpräsident Enkhbayar: Wir waren sicher falsch beraten und haben nicht rechtzeitig erkannt, dass die Menschen, von denen viele nach wie vor sehr arm sind, dieses Geld besser angelegt sehen wollten.
Enkhbayar wollte zwar kurz vor dem Wahltermin die Kampagne der Riesenplakate, der Hochglanzbroschüren und Zeitungen mit den Kinderbildern der Kandidaten, den teuren Grußkärtchen u. Ä. stoppen. Die Wähler zeigten sich zunehmend genervt. Doch zumindest im Chingeltei Duureg hatte man den Eindruck, die Flut der Werbematerialien nimmt noch zu.
Die Quittung folgte am 27.: In den drei Wahlkreisen im innerstädtischen Chingeltei-Duureg gewann keiner der MRVP-Kandidaten.
Enkhbayar und Yadamsuren, der Vorsitzende der ZWK, haben das Wahlergebnis anerkannt und - zwar etwas spät - am Montagabend, 18:15, offiziell verkündet. Anhänger der Verliererpartei machen jedoch Front dagegen. Am 30.06. protestierte eine Gruppe Sympathisanten auf dem Freiheitsplatz gegen das Wahlergebnis, in der „Zuuny Medee" ist die Rede von Unklarheiten in einigen Wahllokalen der Wahlkreise 59 und 76 und von Neuwahlen am 03. Juli.
Am Nachmittag des 30. versammelten sich dann auch die Anhänger der Demokraten vor dem Regierungsgebäude Nr. 11, in dem die ZWK ihren Sitz hat. Polizei sperrte das Gebäude ab, es kam jeder hinaus, aber nicht wieder hinaus. Die Situation war nicht gespannt, obwohl die Verlierer lautstark die Rechtmäßigkeit der Wahlen anzweifeln.
L. Gundalai, DP-Abgeordneter, äußerte, die Koalition hätte auch 50 Sitze erringen können. Die Überheblichkeit der Regierungspartei vor den Wahlen hätten der MRVP sehr viele Stimmen gekostet. Genau wie die Selbstbedienungsmentalität mancher Amtsinhaber.


V.l. D. Tsogtbaatar, J. Ganibal, Ts. Purevjargal

Bagabandi reist nach China
Vom 01.-06. Juli wird Präsident N. Bagabandi einen offiziellen Staatsbesuch in der VR China absolvieren. Damit folgt er der Einladung des chinesischen Regierungschefs, Hu Jintao, die jener im vergangenen Jahr während seines Mongoleibesuches ausgesprochen hatte.
Auf einer Pressekonferenz im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten wurde außerdem darüber informiert, dass die Mongolei auf der Außenministerkonferenz in Qingdao gemeinsam mit Iran und den VAE in den Asian Cooperation Dialog (ACD) aufgenommen wurde. Der Mongolei wurde als erstem Staat ein Beobachterstatus bei der „Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit" gewährt.
An der Pressekonferenz D. Tsogtbaatar, außenpolitischer Berater des Präsidenten, J. Ganibal, Leiter Presse- und Informationsabteilung im Außenministerium und Ts. Purevjargal, stellvertretender Leiter der Abteilung für die Nachbarländer.


Bei den Araten im Erdene Sum

Viehhaltung und Pflanzenbau im Erdene-Sum
„15 cm? Das ist zu tief für Kartoffeln. Warum ist die Erde um sie herum nicht angehäufelt? Warum ist das Wasserbecken halbleer?" Rudolf Neuhauser von der österreichischen Agroconsult hält sich nicht lange mit Höflichkeitsfloskeln auf, als er gemeinsam mit Araten und Verwaltungsangestellten des Erdene-Sum im Tuv-Aimag die angebauten Futterpflanzen und Kartoffeln begutachtet.
Es geht um ein Projekt des auslaufenden TACIS-Programms der EU „Integration von Pflanzenproduktion und Viehwirtschaft in der Mongolei". Von Februar 2002 bis Februar 2005 werden aus EU-Mitteln allein in den Erdene-Sum Grasmäher, Heupressen- und –rechen, Saatgut für Kartoffel- und Futtermittelanbau im Wert von 17 000 Euro geliefert. Im vergangenen Jahr wurde eine Kleinbewässerungsanlage mit einem Wasserbecken angelegt, das die ortsansässigen Araten auch für den persönlichen Bedarf nutzen.
Insgesamt sind in das Projekt, das in enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Nahrungsgüter- und Landwirtschaft verwirklicht wird, 20 landwirtschaftliche Unternehmen einbezogen. Angeboten werden auch Trainingsprogramme zur Weizenaussaat, für die Vermarktung der Produkte, für die Herstellung engerer Kooperationen zwischen den Regionen.
Dr. Karl Wierer, der Projektleiter in der Mongolei, ist sehr zufrieden mit den Ergebnissen, die die mongolischen Viehhalter, Pflanzenbauer und Agrotechniker erzielt haben.
Die Mongolen erweisen sich als flexibel, wenn es nicht nach Plan verläuft. Im Selenge-Aimag sollte eine Bewässerungsanlage eigentlich dem Pflanzenanbau dienen, der Tiefbrunnen brachte nicht die nötige Leistung. Also wurde ein Fischteich angelegt.
Nach seinen Worten ist allerdings die Heubevorratung in der Mongolei noch lange keine Selbstverständlichkeit und erfordere mitunter schwierige Überzeugungsarbeit.


Abschlussfeier der Internationalen Schule von Ulaanbaatar. Juni 2004

Erste Abiturklasse an der Internationalen Schule in Ulaanbaatar
Am Juni versammelten sich Schüler und Lehrer der Internationalen Schule von Ulaanbaatar im Konferenzsaal des Ulaanbaatar-Hotels, um den Schuljahresabschluss zu feiern. In diesem Jahr war das mit einem besonderen Ereignis verbunden: Zum ersten Mal wurde Schülern der 1998 gegründeten Bildungseinrichtung das Abiturzeugnis überreicht.
Die Botschafterin der USA in der Mongolei, Pamela Slutz, nahm als Ehrengast an der Zeremonie teil.
Die drei Schüler der Abschlussklasse, darunter Marius Hering aus Deutschland, bedankten sich in ihren Ansprachen für das Engagement und die Geduld der Lehrer. Sie fühlten sich gut auf das Leben und Arbeiten überall auf der Welt vorbereitet.


Absolventen des Fachbereiches Germanistik an der Mongolischen Staatsuniversität. 2004.

Schul-, Studienjahresabschluss und Uniaufnahmeprüfungen
45 000 Absolventen der Mittel- und Oberschulen haben in diesen Tagen ihre Zeugnisse bekommen. Die meisten von ihnen wollen an einer Universität oder Hochschule weiterstudieren: 30 000 haben sich für die Aufnahmeprüfungen angemeldet. Davon werden jedoch höchstens 20 000 zu den Prüfungen tatsächlich zugelassen.
Die Mongolische Staatsuniversität wird 2 200, die Pädagogische Universität 1 600, die TU 3 300, die Medizinische Universität 600 und die Landwirtschaftsuniversität 1 600 neue Studenten immatrikulieren.
Auch an den Universitäten und Hochschulen sind die letzten Prüfungen Geschichte. Tausende junge Leute, davon sehr viele Frauen, suchen entsprechende Arbeitsplätze, die nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind. So streben immer mehr ins Ausland und dafür nehmen sie einiges in Kauf. Eine Alternative sind Arbeitsplätze im Handel oder in der Gastronomie, die überdies sehr schlecht bezahlt werden.

Kind verschwunden
Ein vierjähriger Junge, der seit dem 19. Juni aus einem Kinderferienlager des 58. Kindergartens „Kharaatsai" verschwunden ist, konnte bis heute nicht wieder gefunden werden.
Außer den Kindergärtnerinnen und Lehrern suchen Polizisten und Soldaten – insgesamt 100 Leute - nach dem Kind.
Eine Hilfslehrerin war mit den Kindern im Wald zum Brennholzsammeln, als sie merkte, dass sie das Schnürmaterial vergessen hatten. Drei der Kinder gingen los, die Stricke zu holen. Der vierjährige G. kehrte nicht mit den anderen zurück.
Die Sorge, dass G. womöglich ein Opfer von Wölfen oder Hunden geworden sein könnte, ist groß. Noch hoffen alle, dass das Kind wohlauf ist und von Fußgängern oder Autofahren gefunden und zurückgebracht wird.

Mutter zu 18 Jahren Arbeitslager verurteilt
Eine 40-jährige Frau hat ihren zweijährigen Adoptivsohn zu Tode gequält.
Kurz, nachdem sie das Kind im August des vergangenen Jahres adoptiert hatte, begann für den kleinen Jungen eine fast unbeschreibliche Leidenszeit. Er wurde mit Stöcken und Steinen geschlagen, im Winter musste er im Schnee ausharren, bis ein Fuß erfroren war, die „Mutter" verbrannte ihm die Finger… Als Begründung gab die Angeklagte an, „der Junge hat immer wieder in die Hosen gemacht". Nach der letzten Tortur im Dezember 2003 verlor der Kleine das Bewusstsein und konnte trotz Behandlung im Krankenhaus nicht mehr gerettet werden.
Das Gericht war fassungslos und fragte, wieso niemand auf das Martyrium des Jungen aufmerksam wurde. Im August 2001 war er im Gandankloster gefunden und in das Mutter- und Kind-Zentrum von Ulaanbaatar gebracht worden. Von hier adoptierte Ts. das Baby und ging offensichtlich mindestens einmal zur Untersuchung des Kindes in das Klinikum. Dabei soll sich das Kind unter seinem ehemaligen Bett versteckt haben, um mit seinem Lieblingsauto zu spielen.
Das Gericht verurteilte Ts. zu 18 Jahren verschärftes Arbeitslager.


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Last Update: 01. Januar 2017