Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 15. bis 21. Februar 2004

von Dr. Renate Bormann Ulaanbaatar


Pressekonferenz des Außenministers am 16.03

Erdenechuluun: Stellung der Mongolei in der Welt gefestigt
Am 16. März informierte Außenminister L. Erdenechuluun auf einer Pressekonferenz über Ergebnisse der mongolischen Außenpolitik zwischen 2000 und 2004.
Gleich zu Beginn seiner Ausführungen betonte der mongolische Chefdiplomat den wichtigen Beitrag der Außenpolitik für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Mongolei in den vergangenen drei Jahren.
Besonders hob er die Beziehungen zu den beiden Nachbarstaaten Russland und China hervor.
Der Besuch von Präsident V. V. Putin im Jahr 2000, der erste Besuch eines russischen Staatsoberhauptes in der Mongolei seit 26 Jahren, sei als Ausdruck der neuen Qualität der Beziehungen zwischen beiden Staaten zu werten – basierend auf gegenseitigem Vorteil und Respekt. Dasselbe gilt für den Besuch des damaligen russischen Regierungschefs Kasjanow im Jahre 2002. Erdenechuluun wies auf die fast vollständige Annullierung der mongolischen Altschulden durch Russland hin, die für die gutnachbarlichen Kontakte – wirtschaftliche, politische und kulturelle – nur förderlich sein könnte.
Auch die bilateralen Beziehungen zur Volksrepublik China hätten sich positiv entwickelt, was der Besuch des chinesischen Partei- und Regierungschefs in der Mongolei unmittelbar nach seiner Wahl 2003 verdeutlichte.
Trotz der Vorbehalte Chinas ließe sich die Mongolei in ihrer Außenpolitik gegenüber Taiwan jedoch nicht beirren.
Ein Höhepunkt in den internationalen Beziehungen der Mongolei sei die Anwesenheit des Generalsekretärs der UNO, Kofi Annan, bei der feierlichen Eröffnung des neuen Gebäudes der UNO-Repräsentanz in Ulaanbaatar gewesen.
Insgesamt hätten im Berichtszeitraum 20 ausländische Staats- und Regierungsdelegationen der Mongolei einen offiziellen Besuch abgestattet, 42 mongolische Delegationen seien im Ausland empfangen worden. 84 bilaterale Verträge und Vereinbarungen wurden abgeschlossen, 35 Konventionen unterzeichnet.
Bei Besuchen von Präsident Bagabandi und Ministerpräsident Enkhbayar in den USA unterstrichen beide Seiten ihre strategische Partnerschaft im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.
Auf die Beziehungen zur Europäischen Union eingehend, betonte Erdenchuluun die traditionell guten Beziehungen zu den Mitgliedsländern der EU, aber auch zu den übrigen europäischen Staaten. Für weitere Fortschritte auf dem Weg zu mehr Demokratie und Marktwirtschaft leistete die Einbeziehung der Mongolei in das Entwicklungshilfeprogramm ALA (Asien-Lateinamerika) der EU (bisher TACIS) einen wichtigen Beitrag.
Erdenechuluun würdigte Japan und die Weltbank als wichtigste Geber für die Mongolei.
Seit der politischen Wende Anfang der 90-er Jahre sei das Interesse der Mongolen, in den asiatischen Nachbarländern, besonders in Südkorea zu lernen und zu arbeiten, stark angestiegen. Eine genaue Zahl, wie viel Mongolen im Ausland leben, könne er nicht nennen, lediglich für Südkorea gäbe es konkrete Angaben: 17 000, in den USA leben mindestens 5 000 Mongolen.
Menschenhandel, vor allem mit Kindern und jungen Frauen, sei ein nicht zu unterschätzendes Problem geworden und würde von den zuständigen Untersuchungsbehörden entsprechend ernst genommen.
Auf die Frage nach den Irritationen in den Beziehungen zu Frankreich und Deutschland wegen der „Entführung" Enkhbats aus Frankreich über Berlin nach Ulaanbaatar, erklärte der Außenminister, die Beziehungen zu Frankreich hätten sich zwischenzeitlich normalisiert, bei denen zu Deutschland erhoffe man sich das in allernächster Zukunft.


Morin-Khuur-Konzert. Vorn links Solistin Uyanga

Morin-Khuur-Konzert in der bulgarischen Botschaft
Am 17. März gaben Musiker des Mongolischen Morin-Khuur-Ensembles ein Konzert in der bulgarischen Botschaft in Ulaanbaatar.
Der Einladung von Botschafter Nikolai Marin und seiner Frau Agimaa waren neben Außenminister Erdenechuluun, seinem Stellvertreter Batbold und Staatssekretär Altangerel, die Botschafter Großbritanniens und der Türkei sowie Mitarbeiter diplomatischer Vertretungen, nationaler und internationaler Organisationen in der Mongolei, gefolgt.
Der Komponist und zweifache Staatspreisträger, N. Jantsannorov, gab nicht nur Erklärungen zu den vorgetragenen Musikstücken, sondern auch zur Symbolik der Bestandteile und eine Einführung in die Geschichte des beliebtesten mongolischen Musikinstruments – die Pferdekopfgeige (Morin Khuur).
Den Soloauftritt von B. Uyanga kündigte Chefdirigent Ts. Batchuluun als eine Besonderheit an: Uyanga sei die erste Frau, die als Solistin die Pferdekopfgeige spielt.
Die Musiker und Sänger (Oberton, Langlied und klassische Oper) wurden für ihre Interpretationen der „Mongolischen Melodie", „Erwachende Steppe", „Die zwei Pferde Chinggis Khaans", eines russischen, japanischen und bulgarischen Volksliedes und vor allem für „Oh, mein Land, oh, mein Pferd" mit viel Beifall bedacht.
Sänger D. Jargalsaikhan, der vom Morin-Khuur-Ensemble begleitet wurde, hob den Beitrag Bulgariens für die Ausbildung mehrerer Generationen mongolischer Opernsänger hervor.

Medizinisches Gerät veraltet
Mongolische Mediziner beklagen zunehmende Mängel bei der Ausstattung der Krankenhäuser, vor allem mit medizinischem Gerät. Etwa 70 Prozent der Geräte und Apparaturen seien veraltet und nur noch bedingt einsetzbar.
Bei 86 Prozent der Krebspatienten konnte so die Krankheit nicht rechtzeitig diagnostiziert werden, die Hälfte von ihnen konnte nicht mehr gerettet werden.
Die Gelder, die vom Staat, auch mit Hilfe internationaler Geber, für die Krankenversorgung bereitgestellt würden, kämen nur bedingt einer besseren Gesundheitsvorsorge zugute. Der größte Teil würde für die Instandhaltung und -setzung der Kraftfahrzeuge ausgegeben. Dafür seien auch genügend Werkstätten vorhanden, nicht jedoch für dringend notwendige Reparaturen an Diagnose- und sonstigen Geräten.
15 000 Mongolen lassen sich jährlich im südlichen Nachbarland untersuchen und behandeln. Im Durchschnitt gibt jeder eine Million Tugrug in Peking oder Khukh Khot (Hauptstadt des Autonomen Gebietes Innere Mongolei der VR China – R.B.) aus. Mittel, die dem Gesundheitsmarkt der Mongolei verloren gehen.

„Tag der Armee"
Am 18. März begingen die mongolischen Streitkräfte ihren 83. Gründungstag.
Aus diesem Anlass ernannte Präsident Bagabandi mehrere Offiziere zu Generälen und legte gemeinsam mit Ministerpräsident Enkhbayar am Denkmal des ersten Oberkommandierenden der Streitkräfte, D. Sukhbaatar, Blumenkränze nieder.

Yukos-Niederlassung in Ulaanbaatar eröffnet
Am 16. März eröffnete das russische Erdölunternehmen „Yukos" unter dem Namen „Yum Trade" eine Niederlassung in Ulaanbaatar. Am gleichen Tag unterzeichneten Vertreter von „Yum Trade" und der mongolischen Regierung einen langfristigen Kooperationsvertrag.

Tod eines Dolmetschers
Ein Sprecher von „Yukos" bestätigte, dass ein aus Russland angereister Dolmetscher des Unternehmens am Morgen des 15. März im „Chinggis-Hotel" tot aufgefunden wurde. Die Todesursache sei noch unklar, ein Fremdverschulden läge jedoch nicht vor.

Regierung nicht für „Marubeni"-Kredit haftbar
Wegen eines nicht zurückgezahlten Kredits der japanischen Handels- und Finanzierungsgesellschaft „Marubeni" für das Kaschmirunternehmen „Buyan" hatten die Japaner die mongolische Regierung beim internationalen Handelsgerichtshof in London verklagt.
Fast drei Jahre später, am 11. März 2004, entschieden die Londoner Richter, die mongolische Regierung ist für die Kreditrückzahlung nicht zur Verantwortung zu ziehen. Der stellvertretende Minister für Justiz und Innere Angelegenheiten, Ts. Munkh-Orgil, der die Interessen seiner Regierung in London vertrat, äußerte sich sehr zufrieden über den Richterspruch.

Versuchte Bestechung
Im Kontrollbereich des internationalen Flughafens von Ulaanbaatar „Buyant Ukhaa" wurde ein Passagier verhaftet, der von Ulaanbaatar nach Moskau mit einem gefälschten Pass fliegen wollte. Nachdem er den zuständigen Beamten mit 3.000 Dollar bestechen wollte, wurde er festgenommen. Die Grenzkontrollorgane untersuchen den Fall und haben bis auf weiteres eine Nachrichtensperre verhängt.


D. Bilegt und K. Bormann

„Silberner Stern" an K. Bormann überreicht
Auf einer gemeinsamen Veranstaltung des „Deutsch-Mongolischen Business Council", des „Deutsch-Mongolischen Forum" (DMF) und der „Deutsch-Mongolischen Brücke" in Ulaanbaatar, überreichte der Geschäftsführende Direktor der „Gesellschaft für Frieden und Freundschaft", D. Bilegt, die höchste Auszeichnung der Gesellschaft, den „Silbernen Stern", an den Direktor der Deutschen Mongolei-Agentur, Klaus-Dieter Bormann.
Die Auszeichnung war ihm anlässlich des 30. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Mongolei und der Bundesrepublik Deutschland am 31. Januar 2004 verliehen worden.
Zu den Trägern des „Silbernen Sterns" gehören Romesh Chandra genauso wie Präsident Natsagiin Bagabandi.
An der Veranstaltung im „Puma-Hotel" nahmen der Präsident „Forums", Ex-Staatspräsident P. Ochirbat, und Generalsekretär L. Udval, teil, der Vorsitzende des „Business Council" L. Bold, die Vorsitzende der „Brücke" Kh. Ariunchimeg sowie die Geschäftsträgerin der deutschen Botschaft in Ulaanbaatar, Claudia. Spahl.
In ihren Reden würdigten sie nicht nur die guten bilateralen Beziehungen, sie informierten gleichzeitig über die Aktivitäten ihrer Vereine in diesem Jahr. So finden im September die dritte Tagung des „Forums" sowie eine Konferenz der „Brücke" mit mongolischen Absolventen deutscher Bildungseinrichtungen statt.

Vogelsterben in Sukhbaatar
53 verendete Vögel wurden in den letzten Tagen in einigen Sums des Sukhbaatar Aimags entdeckt. Die Todesursache ist bisher noch unklar. Eine Arbeitsgruppe hat begonnen, die toten Vögel zu untersuchen.
Experten berichten, es sei nicht ungewöhnlich, dass Zugvögel unerwartete Wetterunbilden nicht überleben.
In weiten Teilen der Mongolei kam es auch im März immer wieder zu Kälteeinbrüchen und starken Schneestürmen.
Auch den Herdentieren machen diese Wetterkapriolen zu schaffen: Vor allem den Rindern mit ihren weichen Mäulern gelingt es nicht, unter dem verharschten Schnee an genügend Futter zu kommen.

Endlich Hauptdarstellerin gefunden
Lange hat Regisseur N. Bold nach einer mutigen Mongolin gesucht, die in dem Theaterstück „Striptease Blues" die Hauptrolle spielt und dafür bereit ist, alle Hüllen fallen zu lassen.
In dem Stück von S. Jargalsaikhan geht es um das Schicksal einer Stripteasetänzerin in einem Nachtclub, in die sich ein „Sohn aus gutem Hause" verliebt.
Viel Überzeugungsarbeit war nach Aussagen Bolds zu leisten, um die Gleichsetzung von Striptease und Prostitution ad absurdum zu führen.
Nun hat er seine Protagonistin gefunden und die Proben im Schauspielhaus von Ulaanbaatar konnten beginnen.

Sommerzeit
In der Nacht vom Freitag, dem 26.03., zum Samstag, dem 27.03., werden in der Mongolei die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Die Sommerzeit beginnt.


   

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Last Update: 01. Januar 2017