Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 27. September bis 3. Oktober 2004

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar

Eröffnung der Herbstsitzungen ohne Zwischenfälle
Am 01. Oktober wurde die Herbstsitzungsperiode des Großen Staatskhurals mit Reden von Parlamentsvorsitzendem N. Enkhbayar, Präsident N. Bagabandi, Ministerpräsident Ts. Elbegdorj, dem Fraktionsvorsitzendem der MRVP, D. Idevkhten sowie dem Vorsitzenden der DP und der Mutterland-Demokratie-Koalition, M. Enkhsaikhan, eröffnet.
Im Unterschied zu den vergangenen Jahren, konnte die Eröffnungssitzung diesmal ohne Störungen bis zum regulären Ende geführt werden.
Bagabandi betonte in seiner Rede die Notwendigkeit, Arbeitslosigkeit und Armut zu bekämpfen, die sozialen Sicherungssysteme auszubauen, Staats- und Verwaltungsorgane als Dienstleistungseinrichtungen für die Bürger zu etablieren, Wissenschaft und Bildungswesen zu verbessern. Die Devise, nach der offensichtlich manche Regierungsstellen in den vergangenen Jahren gearbeitet hätten „Wenn nicht gestern, dann heute, wenn nicht heute, dann morgen" müsste der Vergangenheit angehören.
Ministerpräsident Elbegdorj informierte ausführlich über die Vorhaben der Regierung in den nächsten vier Jahren. Die von ihm angeführte Regierung hätte „der Armut den Krieg erklärt".
Zwei von drei mongolischen Kindern würden in armen Familien geboren, ihre Chancen auf ein menschenwürdiges Leben, ihr Zugang zu Bildung und Kultur seien begrenzt.
Die Wahlversprechen, wonach Kindergeld gezahlt und junge Familien unterstützt würden, seien keine Fehler gewesen. Es komme darauf an, die Möglichkeiten zu prüfen, was davon künftig geleistet werden könne und die Wirtschaft so zu entwickeln, dass die Versprechen nach und nach eingelöst werden könnten.
Die immer größer werdenden Unterschiede im Lebensstandard zwischen Stadt- und Landbewohnern müssten abgebaut werden, der Verwüstung des Landes Einhalt geboten und die Naturreichtümer allen Einwohnern der Mongolei zugute kommen.


Die Mannschaften nach dem Spiel

„Deutsche Woche" – ein Erfolg
Sogar die Veranstalter waren verblüfft – der große Saal im Hotel „Ulaanbaatar" konnte die Oktoberfestfeierwilligen gar nicht fassen. An zwei Tagen wurde das Restaurant in ein fast echt wirkendes Bierzelt umgewandelt. Mongolische Kellner und Kellnerinnen in bayerischen Volkstrachten schleppten Halblitergläser „Borgio – mongolische Biermarke - „Chinggis" und „Khan Bräu". Zu essen gab es Hähnchen, Steak und Kartoffelsalat. Weißwürste standen nicht auf der Speisekarte – für diese bayerische Spezialität konnten die meisten Mongolen noch nicht begeistert werden.
Dazwischen spielte eine original bayerische Blaskapelle, deren Lautstärke mühelos Disconiveau erreichte.
Auch das Konzert der Preisträger des von der Hanns-Seidel-Stiftung ausgeschriebenen Musikwettbewerbs war sehr gut besucht. Die jungen Künstler, drei Pianisten und eine Violinistin, Schüler und Lehrer der Kunsthochschule, brachten Werke von Ludwig v. Beethoven, Johannes Brahms, Karl Maria v. Weber und von Felix Mendelson Bartholdy zu Gehör.
Eröffnet wurde die „Deutsche Woche" mit der dritten Konferenz des Mongolisch-Deutschen Forums: „Perspektiven für die mongolische Wirtschaft" (Mitorganisator die Konrad-Adenauer-Stiftung). Zu den Referenten gehörten neben der Bundestagsabgeordneten S. Pfeiffer, das Mitglied des Großen Staatskhurals, B. Batbayar, der Direktor beim Rechnungshof Berlin, Ch. Koch sowie die Präsidenten der mongolischen Woll- und Textilverbände, G. Yondonsambuu und N. Dash-Ulsii. Der Direktor der Deutschen Mongolei-Agentur, K.-D. Bormann sprach über Rahmenbedingungen für ausländische Investoren, dabei seine persönlichen Erfahrungen aus sechs Jahren Tätigkeit in der Mongolei einbringend.


V. l. Sarantuya, Jantsan, HK A. Pitum

Am 29. September fand ein internationales Symposium zu Fragen der Verfassungs- und Verwaltungsgerichtsbarkeit statt. Referate hielten u. A. das Mitglied des Verfassungsgerichts der Mongolei und die Repräsentantin der Hanns-Seidel-Stiftung, Prof. Ts. Sarantuya, der Richter am Bundesverfassungsgerichtshof, R. Mellinghoff und der Chef des Verfassungsgerichts der Mongolei, Prof. N. Jantsan.
Aus den mehr oder weniger gut geheizten Konferenzräumen begaben sich die einige Tage zuvor rekrutierten Mitglieder der beiden Fußballmannschaften auf das Fußballfeld im gerade ein Jahr alten Fußballstadion am Fuße des Zaisan.
Geschneit wie am Vortag hatte es zwar nicht mehr, aber empfindlich kalt war es dennoch. Der Spiellaune der Amateursportler tat das keinen Abbruch: sie stürmten und verteidigten, versuchten Tricks, um den Gegner zu schwächen. Am Ende der zweimal zwanzig Minuten stand es 2:1 für die gemischte deutsch-mongolische Mannschaft (KAS, Botschaft, GTZ, CIM, Unternehmer). Das erste Tor schoss Matthias Schuhmacher, Erster Sekretär der deutschen Botschaft. Verstärkt wurde die Mannschaft durch drei Frauen, die den Männern an Kampfgeist und Einsatzfreude in nichts nachstanden.
L. Udval, der Generalsekretär des DMF und Spielführer der mongolischen Mannschaft (AA, Mongolisch-Deutsche Brücke, KAS, HSS) überreichte den Pokal an Dr. Th. Labahn (GTZ, trotz einer um fast 24 Stunden verspäteten Rückkehr aus Peking in der Nacht zuvor als Spieler aktiv geworden). Udval versäumte nicht, darauf hinzuweisen, dass die Mongolen ehrenvoll einem „mehrmaligen Weltmeister" unterlegen seien. Überdies sei der Pokal ein Wanderpokal und im nächsten Jahr gäbe es ein neues Spiel.


EU-Seminar in Ulaanbaatar

Von TACIC zu ALA
Am 28. und 29. September organisierten die Europäische Kommission und ihre Vertretung für China, Hongkong, Taiwan, Macao und die Mongolei ein Seminar mit dem Thema „Kooperationsmöglichkeiten zwischen der Mongolei und der EU". Die Seminarteilnehmer – Politiker, Verwaltungsbeamte, Mitarbeiter nationaler und internationaler Organisationen, Geschäftsleute in- und ausländischer Firmen – nutzten die Gelegenheit, sich über die erweiterten Möglichkeiten für Zusammenarbeit und mit den Regularien für Projektbeantragung, -durchführung und –kontrolle zu informieren.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Franz Jessen, dem stellvertretenden Leiter der EU-Delegation in Peking.
Die Seminare und Workshops leiteten James Moran, Abteilungsleiter im Asiendirektorat der Europäischen Kommission in Brüssel, Klaus Haupt, Programm-Manager und Frank Schmiedel, ebenfalls aus Brüssel und die verantwortlichen Mitarbeiter der EU-Delegation in Peking, Daniel Hachez und Rudie Filon.
Seit 2004 gehört die Mongolei zum Asien, Lateinamerika – Entwicklungsprogramm der EU und kann neben technischer Hilfe auch finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen. Die Vielfalt der möglichen Projekte hat sich erweitert. Bis 2006 stellt die EU für Programme und Projekte (Landwirtschaft, Kommunikation und Management) 10 Mio. Euro zur Verfügung.
Die mongolische Staatsflagge trägt zwar seit 1992 ein Soyombo mit Flamme an der Spitze und keinen Stern mehr – den Erfolg des Seminars minderte dieser kleine Fehler auf dem Konferenztransparent jedoch in keiner Weise.


Gemüseverkauf auf dem Platz der Freiheit

Ernte 2004
Der Kälteeinbruch mit Minusgraden und Schneefällen führte vielerorts nicht nur zu Verkehrsbehinderungen, sondern hat auch die Erntearbeiten behindert.
Eine Woche lang, bis zum 03. Oktober, verkauften Bauern ihr Gemüse auf dem Platz der Freiheit vor dem ehemaligen Leninmuseum in Ulaanbaatar.

Murmeltierpest
Am 23. September ist im Aimagkrankenhaus von Khentii eine Frau an der Murmeltierpest gestorben.
Daraufhin wurden insgesamt 436 Menschen unter Quarantäne, 43 von ihnen unter strenge, gestellt. Acht von ihnen im Takhilgat-Bag (kleinste administrative Einheit auf dem Lande) im Kherlen-Sum, 35 im Aimagzentrum. Von den anderen liegen 104 im Aimagkrankenhaus.
Dem Patienten aus dem Bayankhongor-Aimag, der im Shargaljuut-Sum sein Herbstlager aufgeschlagen hatte, geht es den Umständen entsprechend besser.

Mädchenbande festgenommen
Drei junge Frauen, die allein gehenden Frauen und Männer an der Busendhaltestelle in Sharkhad (Bayanzurkh-Duureg) auflauerten, um ihnen Geld, Kleidung und Wertsachen abzunehmen, wurden jetzt von der Polizei verhaftet.
Nach ihrem letzten Beutezug, wurden sie in einem Laden gestellt, in dem sie für einen Teil des erbeuteten Bargeldes Alkohol kaufen wollten.

Vermisster Junge tot aufgefunden
Die Leiche des vierjährigen Jungen, der vor drei Monaten in der Nähe eines Kinderferienlagers verschwand, ist am 28. September im unterirdischen Kanalsystem im Sukhbaatar-Distrikt von Ulaanbaatar gefunden worden. Drei Monate lang wurde landesweit verzweifelt nach dem Kind gesucht. Zwischenzeitlich wurde vermutet, er sei über die Grenze entführt worden.
Im Abwassersystem im Bayangoldistrikt wurden zur gleichen Zeit die Leichen zweier Frauen entdeckt.


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Last Update: 01. Januar 2017