Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 18. bis 24. Oktober 2004

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


Mongolische Gesichter

Ergebnisse der Kommunalwahlen 2004
Am 17. Oktober haben die Mongolen ihre örtlichen Volksvertreter gewählt.
In Ulaanbaatar, in den 21 Aimags sowie 340 Sums und Stadtbezirken wurden die Mitglieder der Bürgerversammlungen neu gewählt.
Die Wahllokale in den 690 Wahlkreisen waren von 07:00 bis 22:00 Uhr geöffnet.
Nach den vorläufigen amtlichen Wahlergebnissen vom 18. Oktober gewann die MRVP 444 Wahlkreise, die Mutterland-Demokratie-Koalition 235, Unabhängige zehn und die Republikanische Partei einen Wahlkreis. In Ulaanbaatar konnten die Demokraten nur zwei von 40 Wahlkreisen gewinnen, einen gewann Nasankhuu, der Generaldirektor von „Mon Fresh Co., Ltd., 37 gingen an die MRVP.
Insgesamt hatten sich 1 489 Kandidaten dem Wählervotum gestellt.
Die Wahlbeteiligung lag im Landesmaßstab bei 62 Prozent. In den Aimags Bayan-Ulgii, Khovd, Bulgan und Gobi-Altai lag sie mit 80 Prozent deutlich darüber, in Khentii, Gobisumber und in Ulaanbaatar mit 55 Prozent deutlich darunter.
Ein Wahllokal im Bugat-Sum des Gobi-Altai-Aimags schloss zwei Stunden später. Hier werden die Wahlen aller Vorraussicht nach wiederholt. Ansonsten gab es keine Beanstandungen am Wahlverlauf.
In einigen Wahllokalen der Aimags Bulgan, Gobi-Altai, Mittelgobi, Zavkhan, Uvurkhangai und Khentii verteilten sich die Stimmen gleichmäßig auf die MRVP und die Koalition, so dass es hier innerhalb einer Woche die Wähler erneut an die Wahlurnen gerufen werden müssen.


Wasserholer im Duut-Sum im Khovd-Aimag

Statistik September 2004
Die Inflationsrate betrug im September 8,9 Prozent, die Industrieproduktion stieg um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das entspricht einer Steigerung um 5,7 Milliarden Tugrug auf 751 Milliarden Tugrug zu aktuellen Preisen und auf 202,7 Milliarden entsprechend den Preisen von 1995.
Die Zahl der offiziell arbeitslos gemeldeten Personen erreicht 37 600, das sind 4 300 mehr als Ende 2003.

Freitagschat
Jeden Freitag haben Interessenten die Möglichkeit, im Internet direkt mit einem Regierungsmitglied zu chatten.
Die Premiere am 08. wurde von Außenminister Ts. Munkh-Urgil übernommen. Am 15. stellte sich Umweltminister U. Barsbold den Fragen der Öffentlichkeit.

Präsident Bagabandi zu Gast in Kanada
Auf Einladung der Generalgouverneurin von Kanada, Frau Adrienne Clarkson, absolviert Präsident N. Bagabandi vom 19. bis zum 27. Oktober einen offiziellen Staatsbesuch in Kanada.
Außer in Ottawa, wo sie mit Parlamentariern und Mitgliedern der mongolisch-kanadischen Freundschaftsgesellschaft zusammentrafen, führten der Präsident und seine Begleiter auch Gespräche, u. A. mit dem Honorarkonsul für die Mongolei, Steve Bon, in Ontario.
Beide Seiten vereinbarten, ihre Beziehungen zu vertiefen, Kanada erwägt, in Ulaanbaatar eine Botschaft zu eröffnen und Reisen mongolischer Bürger nach Kanada zu erweitern.

Regierungschef der Inneren Mongolei zu Gast in Ulaanbaatar
Vom 11. bis 13. Oktober besuchte Yang Jing, der Chef der Regierung des Autonomen Gebietes Innerer Mongolei in der VR China die Mongolei.
37 Repräsentanten von 27 Wirtschaftsunternehmen der Inneren Mongolei begleiteten ihn.
China ist der größte Auslandsinvestor in der Mongolei. Seit dem Beginn der Zusammenarbeit investierten chinesische Unternehmen 440 Millionen US-Dollar in die mongolische Wirtschaft.

Konsulargespräche zwischen der Mongolei und Korea
In den letzten fünfzehn Jahren haben sich die mongolisch-koreanischen Beziehungen sehr positiv entwickelt.
Mehr als 10 000 mongolische Arbeitskräfte fanden in Korea eine Beschäftigung. Ihre Situation und die ihrer Familien war Gegenstand der Konsultationen, aber auch die zunehmende Zahl straffällig werdender Bürger beider Länder im jeweiligen Gastland. Zurzeit verbüßen 15 Mongolen Haftstrafen zwischen zwei und 13 Jahren in koreanischen Gefängnissen.
Seit 2003 haben sich die Eheschließungen zwischen Koreanern und Mongolinnen mehr als verdoppelt: Von 133 auf 373. Aufgrund der unterschiedlichen Sitten und Bräuche, mangelnden Sprachkenntnissen und vor allem der nicht gleichberechtigten Stellung der koreanischen Frau in der Gesellschaft, ist die Zahl der Scheidungen jedoch ebenfalls sehr hoch.


Chinggis-Khaan-Denkmal in Binder

Kultstätte Chinggis Khaans entdeckt?
Wissenschaftler einer gemeinsamen mongolisch-japanischen Archäologenexpedition haben offenbar eine Kultstätte der Mongolen entdeckt, die dem Andenken Chinggis-Khaans gewidmet ist. Die Kultstätte befindet sich im selben Gebiet wie eine der drei Residenzen des Staatsgründers im Khentii-Aimag (Delgerkhan-Sum), etwa 300 km östlich von Ulaanbaatar. Hier, im sgn Aurag –oder Avarga-Palast verbrachte Chinggis den Winter und Frühling, im Sair-Kheer-Palast in Erdene Sum (Tuv-Aimag) den Sommer und in Khar Tun, im Wald an der Tuul, den Herbst.
Entdeckt wurden die Überreste der Residenz (1 200m von Ost nach West und 500 m von Nord nach Süd in Form einer Jurte) bereits 2001 und die Wissenschaftler nehmen an, dass es sich hier um die zunächst noch nomadisierende „Hauptstadt" der Mongolen von 1180 bis 1230 handelte.
Weiter nehmen die Wissenschaftler an, dass sich drei Bauten auf dem Gelände erhoben,
Bei der ersten Schicht handelte es sich um Chinggis „Plast", bei der zweiten um einen Palast Ugedei-Khaans und bei der dritten um eine religiöse Kultstätte aus der Zeit Khubilai-Khaans.
Das erste Mal wiesen Ts. Damdinsuren und Kh. Perlee in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts auf die Existenz des Avarga-Palastes hin.

Österreichische Wissenschafts- und Kulturtage in der Mongolei
Höhepunkt der österreichischen Wissenschafts- und Kulturtage vom 19. bis 22. Oktober in der Mongolei war die Premiere der Mozartoper „Don Giovanni" im Opern- und Balletttheater von Ulaanbaatar.
Diese Gemeinschaftsproduktion von mongolischen und österreichischen Künstlern „zeigt sehr eindrucksvoll, wie dynamisch sich die Beziehungen zwischen der Mongolei und Österreich entwickeln". Dies kam übereinstimmend in den Grußworten der beiden Präsidenten, Bagabandi und Fischer, des Bundeskanzlers Schüssel, der beiden Botschafter, Enkhtaivan und Schweisvogt sowie der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Republik Österreich, Elisabeth Gehrer, zum Ausdruck.
Beim Besuch von Präsident Bagabandi anlässlich des 40. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern im vergangenen Jahr in Wien wurde die Idee für eine gemeinsame Opernproduktion geboren.
Stehende Ovationen, nicht unbedingt üblich bei mongolischen Theaterbesuchern, Bravorufe und Zwischenapplaus bewiesen, dass sich die Mühe gelohnt hat:
Fast ein Jahr dauerten die Proben und Vorbereitungen. Regisseur Paul Fiedler, der musikalische Direktor Manfred Mayrhofer und der Choreograph Dragan Jerinkic arbeiteten mit mongolischen, österreichischen, deutschen, italienischen und japanischen Musikern, Sängern und Tänzern zusammen. Marco di Sapia, abwechselnd den Leporello und den Don Juan verkörpernd, zeichnete auch für den „Sprachunterricht" verantwortlich: Gesungen wurde in italienischer Sprache. Kostüme und Bühnenbild waren schlicht und deshalb umso überzeugender.
Gernot Heinrich (Don Ottavio), Johanna Krumin (Donna Anna), Thomas Gazheli (Don Juan), Artan Lika (Leporello), Yumi Okujama (Zerlina) und Choimtsony Batbileg (Masetto) zogen alle Register ihres Könnens. Das internationale Publikum war begeistert und diese Stimmung setzte sich auf der anschließenden Premierenfeier im Foyer des Opernhauses fort.
Musik und Handlung der Oper trafen den Geschmack, auch der mongolischen Gäste.
In Zukunft soll „Don Giovanni" einmal im Monat auf dem Spielplan des Hauses stehen.
In den Tagen zuvor trafen sich Mongolen und Österreicher zu Rundtischgesprächen in der Staats- und Technischen Universität. In der TU wurde Frau Gehrer mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Die Europäische Union und die österreichische Regierung bezahlen 20 mongolischen Studenten ein Studium an einer österreichischen Hochschule. Beschlossen wurde, den Buchbestand der österreichischen Bibliothek an der „Diplomatenschule" der Staatsuniversität zu verdoppeln.
Die Österreicher waren mit einer Delegation von 90 Personen angereist, darunter der Botschafter für China und die Mongolei, H. Schweisgut.
Die Republik Österreich unterstützt die Mongolei bei der Gesundheitsfürsorge, in Kultur, Wissenschaft und Bildung, im Natur- und Umweltschutz (Wiederaufforstung), im Tourismus und beim Bau eines Wasserkraftwerkes.
Mit Stand vom September 2004 waren sieben österreichische Firmen mit einer Investitionssumme von knapp zwei Millionen US-Dollar in der Mongolei tätig. Bevorzugte Wirtschaftszweige sind der Bergbau, die Verarbeitung von Rohstoffen aus der Tierhaltung, der Handel und Kommunikationstechnologie.

Son Yan Ju geflüchtet
Der koreanische Staatsbürger, Son Yan Ju, der in der Mongolei zwei Jahre einer fünfjährigen Haftstrafe abgesessen hatte, hat einen einwöchigen Hafturlaub genutzt, um zu fliehen. Seinem Antrag auf vorzeitige Haftentlassung wegen guter Führung stand die Staatsanwaltschaft aufgeschlossen gegenüber.
In die Fluchtvorbereitungen sollen mehrere koreanische Bürger verwickelt sein.
Der Vorfall wird zurzeit von den zuständigen Behörden untersucht.
Son Yan Ju hatte mongolischen Staatsbürgern hohe Dollarsummen für angebliche Arbeitsplatzvermittlungen in Korea abgenommen. Die Mongolen verloren ihr Geld, einen Arbeitsplatz bekamen sie nicht.

Preissenkungen bei Fleisch und Gemüse
Auf den Lebensmittelgroßmärkten in Ulaanbaatar kostet ein Kilogramm Rindfleisch zurzeit 1 400 Tugrug, mit Knochen 1 200, ein Kilo Pferdefleisch 900 und ein Kilo Hammelfleisch 1 300 Tugrug.
Ein Kilogramm mongolische Kartoffeln ist für 200 bis 250, ein Kilo chinesische Kartoffeln für 150 bis 180 Tugrug zu bekommen.


Informationen zur Mongolei:
MongoleiOnline
Postfach 130 154, D-53061 Bonn, Germany


   

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Last Update: 01. Januar 2017