Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 30. August bis 5. September 2004

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar


V.l. M. Schuhmacher, M. Roßbach, N. Bagabandi

Präsident Bagabandi besucht mongolisch-deutsche Ausgrabungen in Karakorum
Präsident Natsagiin Bagabandi besuchte am 04. September die Ausgrabungsstätten der deutsch-mongolischen archäologischen Expedition im Kharkhorin-Sum (Arkhangai-Aimag) und die der türkisch-mongolischen im Khashaat-Sum, am Tsaidam-See.
Der an der alten Geschichte und Kultur seines Landes sehr interessierte Bagabandi ließ sich über die Ergebnisse der Forschungsarbeiten informieren und versprach weiterhin jegliche Unterstützung für die Fortführung der Projekte.
In Karakorum, der ersten Hauptstadt des mongolischen Weltreiches im 13. Jahrhundert, sind mongolische und deutsche Wissenschaftler seit 2000 dabei, unser Wissen über die Mongolen, ihre Lebensweise, ihre Kultur und Religionen zu vervollständigen.
Gegraben wird in zwei Abschnitten, im Palastbezirk und im Handwerkerviertel.
Seit der Entdeckung der Überreste Karakorums unter dem Steppenboden vor fast 115 Jahren wurden nicht nur unzählige neue Funde zutage gefördert, auch bisher als gesichert geltende Kenntnisse mussten revidiert werden. So stammen die buddhistischen Funde nicht aus dem 17. Jahrhundert, sondern aus wesentlich früheren Zeiten, wahrscheinlich aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Dafür wurde der sagenumwobene Silberbrunnen bisher nicht entdeckt.
Zu den spektakulärsten Funden gehört ein Goldarmband aus dem Handwerkerviertel und vier Brennöfen, die vor vier Jahren im Palastbereich ausgegraben wurden.
Buddhistische Kultfigürchen, glasierte Ziegelsteine, Keramikscherben, Reste ausgeklügelter Bewässerungs- und Heizungssysteme, Schmuckgegenstände – der Präsident und seine Begleitung, darunter der Staatssekretär im Außenministerium, Altangerel, der Geschäftsträger der deutschen Botschaft, Matthias Schuhmacher und der Botschafter der Türkischen Republik in der Mongolei, T. Kalimash, lauschten gespannt den Erklärungen der Archäologen über die Anlage der Stadt und ihre Bedeutung in der damaligen Welt.
Nicht nur die Projektleiter, Prof. Hüttel und Dr. Pohl aus Bonn und Dr. Bayar aus Ulaanbaatar, auch mongolische Archäologiestudenten erklärten und beschrieben, beantworteten die Fragen der Gäste.
Bagabandi und Schuhmacher waren sichtlich beeindruckt von den Leistungen der „Ausgräber" und zeigten sich überzeugt, dass die erfolgreiche gemeinsame Arbeit der Wissenschaftler unbedingt fortgeführt werden müsse.
Bis zum nächsten Jahr ist die Projektfinanzierung gesichert und auch die Verträge über die gemeinsame archäologische Forschungsarbeit wurden für weitere fünf Jahre verlängert.
Die Vorbereitungen für die Mongoleiausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn 2005 laufen auf Hochtouren und Bagabandi freute sich, dass diese Ausstellung im Zusammenhang mit den 800-Jahr-Feiern zur Staatsgründung im Jahr 2006 sicher einen Attraktionspunkt für Besucher aus dem In- und Ausland darstellen wird.


Reste eines Lotusthrones im Palastbezirk in Karakorum

Proklamation der Großen Koalition: Gemeinsam für die Mongolei
Die drei Hauptrichtungen des Regierungsprogramms wurden am 02. September der Öffentlichkeit vorgelegt: Staatsführung, Wirtschaftsreform, Sozialpolitik (Verteidigung der Bürgerrechte, weitere Demokratisierung, wirtschaftlicher Fortschritt, Tourismusentwicklung, , Regionalentwicklung, Infrastrukturentwicklung, Bildung, Gesundheit etc.). Unterschrieben haben das Dokument S. Oyun für die MDK und D. Idevkhten für die MRVP.
Nach wie vor gibt es jedoch zwischen den Partnern der Großen Koalition harte Diskussionen, welche der Kindergeld-Wahlversprechen Aufnahme in das Regierungsprogramm finden sollen:
Die 10 000 monatlich für jedes Kind bis 18 Jahre, auszuzahlen an die Mutter, die 500 000 für die Ersteheschließung und/oder die Einmalzahlung von 100 000 Tugrug für jedes neugeborene Kind.
Auch die Frage der fünfjährigen Steuerbefreiung für die Viehhalter und die Einführung eines 12-klassigen Schulsystems war Gegenstand der Diskussionen.

Regierungsstruktur beschlossen
Am Donnerstag einigten sich die Koalitionäre auf die Struktur der Regierung und die Aufteilung der Kompetenzen. Ministernamen wurden ebenfalls genannt, eine endgültige Entscheidung über die Leitung der Ministerien wird jedoch nicht vor Montag erwartet.
An der Spitze der Regierung steht der Ministerpräsident, der direkt die Bereiche Kommunikation und Information, Staatseigentum, geistiges Eigentum und Patentwesen, Revision und Kontrolle, Sicherheit und Terrorbekämpfung sowie den Katastrophenschutz verantwortet.
Ihm zur Seite steht ein Shadar Said (beratender Minister), verantwortlich für Volkswirtschaft und Sozialentwicklung, die Entwicklung der Regionen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit.
Die Ministerien: Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, Finanzministerium, Justiz und Innere Angelegenheiten, Natur und Umwelt, Bauwesen und Stadtentwicklung, Verteidigung, Bildung und Wissenschaft, Wege und Verkehr, Kultur, Sport und Tourismus, Brennstoffe und Elektrizität, Industrie und Handel, Nahrungsgüter und Landwirtschaft, Gesundheit, Soziale Sicherheit und Arbeit, Amt für Regierungsangelegenheiten.
Sieben Minister werden von der Mutterland-Demokratie-Koalition, acht von der MRVP ernannt werden.
Nach den bisherigen Absprachen stellt die MRVP den Shadar Said, die Minister für Justiz, Äußeres, Verteidigung, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft. Die Minister für Finanzen, Umwelt, Bauwesen, Bildung, Kultur, Sport und Tourismus, Gesundheit sowie Brennstoffe werden von der MDK ernannt.
Im Gespräch sind Namen wie U. Enkhtuvshin, Ch. Ulaan (Shadar Said), Ts. Nyamdorj (Justiz), Su. Batbold (Außenministerium), G. Zandanshatar (Landwirtschaft) und R. Rash (Verkehr) von der MRVP und S. Bayartsogt (Umwelt), L. Gundalai (Gesundheit).
Sollte das Amt für Regierungsangelegenheiten an die MDK fallen, was allgemein erwartet wird, wird höchstwahrscheinlich N. Altankhuyag nominiert werden.

Untersuchungen
Das Ständige Komitee für Sicherheit und Außenpolitik untersucht die Vorwürfe gegen Nochverteidigungsminister J. Gurragchaa, er habe seinem Sohn aus Mitteln des Staatshaushaltes ein Auslandsstudium ermöglicht.
Gleichfalls untersucht werden die Entsendung mongolischer Soldaten in den Irak sowie die Annullierung der „Großen Schuld" an Russland.
Bisher seien noch keine strafrechtlichen Untersuchungen eingeleitet worden. Es ginge lediglich um genauere Informationen über die genannten Vorgänge, verlautete aus dem Komitee.

Billigerer Fuhrpark für Politiker
Ministerpräsident Elbegdorj hat angekündigt, die Ausgaben für die Fahrzeuge der Minister und Aimaggouverneure verringern zu wollen.
Die 50 Millionen Tugrug teuren Jeeps der Aimaggouverneure und die 60 Millionen teuren Mercedes der Minister sollen ausgewechselt werden.
Vorgesehen ist, auf koreanische Fahrzeuge umzusteigen, die wesentlich billiger seien.

Preise für Gemüse gesunken, für Fleisch gestiegen
Ein Kilo Hammelfleisch kostet zurzeit auf dem „Khuchit Shonkhor" – Markt 1 800 Tugrug, ein Kilo Rindfleisch 1 500 bis 1 800, ein Kilo Pferdefleisch 1 100, ein Kilo Ziegenfleisch 1 400 und ein Kilo Kamelfleisch 1 100 Tugrug.
Für ein Kilo chinesische Kartoffeln müssen 150, für mongolische 160 Tugrug bezahlt werden, Rüben kosten 600, Kohl 250, Möhren 300 und Zwiebeln 280 Tugrug pro Kilo.
Die Preise für Weizenmehl liegen zwischen 360 und 550 Tugrug, ein Kilo Reis kostet 500, ein Kilo Zucker 550 Tugrug.

Chaos bei Registrierung
Südkorea hat 6 000 Mongolen eine Arbeitserlaubnis zugesagt.
Am 01. September sollte die Registrierung beginnen. Doch der Andrang der Arbeitsplatzsuchenden bei der Vermittlungsstelle in der Nähe des Krankenhauses Nr. 2 war so stark, dass selbst die Polizei machtlos war. Der Hof wurde regelrecht gestürmt, Zäune eingerissen, eine Jurte fiel zusammen.
Die Registrierung wurde daraufhin auf unbestimmte Zeit unterbrochen.
Offensichtlich wurden falsche Informationen über den Beginn der Registrierung gestreut. Bereits ab 26. sollen einige ihre Erlaubnisscheine bekommen haben. Unter die Arbeitsplatzsuchenden mischten sich Stadtstreicher und Kleinkriminelle.
Der Zugang zum Krankenhaus und anderen umliegenden Einrichtungen war zeitweise fast unmöglich geworden.
Wann die Registrierung fortgesetzt wird, steht noch nicht fest.

Sohn bringt Mutter um
Im Sukhbaatar-Duureg von Ulaanbaatar hat am 03. September ein 40-jähriger Mann seine 60 Jahre alte Mutter getötet.
Nach Aussagen von Nachbarn haben beide öfter gemeinsam Alkohol getrunken. So auch am dritten September. Mutter und Sohn waren betrunken, gerieten in Streit, in dessen Verlauf der Mann seine Mutter erschlagen hat.

Musikwettbewerb „Deutsche Klassik"
Anlässlich des 30. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Mongolei hat die „Hanns-Seidel-Stiftung" einen Musikwettbewerb für mongolische sowie in der Mongolei lebende ausländische Berufsmusiker bis 35 Jahre ausgeschrieben.
Die Stiftung bereitet die Veranstaltung gemeinsam mit dem Mongolischen Kunstrat und der Kunsthochschule vor.
Vorgetragen werden Werke von Bach, Beethoven, Brahms, Mendelsohn, Weber und Schumann.
Zum Abschluss werden die Preisträger in einem Galakonzert auftreten.
Am 17. September treten die Wettbewerbsteilnehmer und Gastmusiker, darunter der Bariton Thomas Bauer aus München, in einem Konzert im „Let it be" in Ulaanbaatar auf. Diese Veranstaltung wird gemeinsam von der Deutschen Botschaft und dem Kunstrat vorbereitet.


Ostwind-Tourteilnehmer zwischen Sukhbaatar und Darkhan

Radtour anlässlich des 65. Jahrestages der Schlacht am Khalkhyn Gol
Die 40 Sportler aus Russland und der Mongolei, die den Radfahrwettbewerb „Ostwind" absolvierten, sind am 02. September auf dem Sukhbaatarplatz in Ulaanbaatar eingetroffen.
Initiiert wurde der Wettbewerb, an dem drei Mannschaften teilnahmen, vom Gouverneur von Chita (Russland) und vom Vorsitzenden des Großen Staatskhurals anlässlich des 65. Jahrestages der Schlacht am Khalkhyn Gol.
Ihr Weg führte die Sportler von Chita, wo sie am 25. losgefahren sind, über Sukhbaatar und Darkhan nach Ulaanbaatar.
Am 03. September fand die Tour mit dem Rundkurs auf dem „Narny Zam ihren Abschluss.


Hinweis auf Touristenattraktion bei Kharkhorin

Neues Hinweisschild bei Karakorum
Seit kurzem weist ein Schild kurz vor dem Kloster und –museum Erdene Zuu und der Ausgrabungsstätte Karakorum auf den steinernen Phallus - gefunden im Kloster Erdene Zuu und buddhistisches Symbol für Fruchtbarkeit, männliche Stärke und Kraft – hin, der seit einigen Jahren, sorgfältig umzäunt, Einwohner, in- und ausländische Touristen zum Staunen bringt.
Was aber die größere Attraktion darstellt – das Schild oder die nicht unbedingt sehr imposante Steinskulptur – die Entscheidung darüber bleibt dem Betrachter überlassen.


Informationen zur Mongolei:
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Last Update: 01. Januar 2017