Die Deutsche Mongolei Agentur aus Ulaanbaatar präsentiert:

Neues aus der Mongolei
vom 13. bis 19. September 2004

von Dr. Renate Bormann, Ulaanbaatar

Urlaub in der Türkei
Präsident Bagabandi und seine Frau haben, einer Einladung des türkischen Staatspräsidenten, A. Sezer, folgend, am 12. September ihre Urlaubsreise in die Türkei angetreten. Auf dem Flugplatz in Istanbul wurden die mongolischen Gäste vom türkischen Innenminister und vom Oberbürgermeister von Istanbul empfangen.

Ministerpräsident lädt zum Frühstück
Ministerpräsident Ts. Elbegdorj plant eine regelmäßige Frühstücksrunde mit wechselnden Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.
Ziel der Runden sollen gegenseitige Informationsvermittlung, Erfahrungsaustausch und Beratungen zu allen Fragen, die die Menschen in der gegenwärtigen Situation (international und national) bewegen, sein.
Ein Thema wird z.B. die Frage sein, ob die Mongolei die englische Sprache zur offiziellen Staatssprache erklären soll.

Noch keine neue Regierung
Immer noch haben sich die Partner nicht auf eine Regierungsstruktur und Kompetenzenzuordnung geeinigt. Zurzeit kursieren mindestens drei Vorschläge - von der MDK, der MRVP und vom Präsidenten. Dabei sind die Ideen innerhalb der Parteien noch gar nicht berücksichtigt.

MCS als „Beste Firma" ausgezeichnet
Auf der Internationalen Herbstmesse „Ulaanbaatar Partner"
wurde in diesem Jahr in der Kategorie „Beste Handelsfirma" MCS International - Importeur von Elektronik ausgezeichnet.
Die jährlich stattfindende Messe wird von der Industrie- und Handelskammer der Mongolei ausgerichtet.

Ernte 2004
Auf ihrer Tagung am 14. September haben die Mitglieder der Staatlichen Erntekommission über Probleme und notwendige Maßnahmen bei der diesjährigen Ernteeinbringung beraten.
In den Aimags Selenge, Tuv, Bulgan, Darkhan-Uul, Khuvsgul und Orkhon verlaufen die Erntearbeiten zufrieden stellend. In den Aimags Dornod, Sukhbaatar, und Khentii werden die Ernteerträge jedoch durch den trockenen Sommer niedriger als erwartet ausfallen.
Einige Betriebe in Selenge und Bulgan haben mit den Folgen starker Hagelschauer zu kämpfen.
Die für die Ernte bereitgestellten Mengen an Diesel, Öl und Benzin sind ausreichend. Auch die Firmen, die nicht bezahlt haben, werden mit Kraftstoff versorgt werden.
Allerdings könnte der gestiegene Benzinpreis für einige landwirtschaftliche Betriebe zum Problem werden.
In den westlichen Provinzen und im Tuv-Aimag kam es bereits in dieser Woche zu Kälteeinbrüchen und Schneefällen in den Bergregionen, so dass die Landwirte von frühmorgens an ihre Kartoffeln und das Gemüse ernten müssen. Es fehlt an Arbeitskräften. Deshalb stellten die Aimags Bulgan, Tuv und Orkhon Anträge auf Unterstützung. Daraufhin wurden Soldaten der mongolischen Armee mobilisiert, bei der Ernte zu helfen.


Th. Bauer, S. Mauser in der Roten Jurte am 17.09.04

Schuberts „Winterreise" in der Mongolei
Er hat Wort gehalten. Der Bariton und ehemalige „Regensburger Domspatz", Thomas Bauer hat am 17. September in Ulaanbaatar ein Konzert mit Liedern aus dem Zyklus „Die Winterreise" von Franz Schubert (1797-1828) gegeben.
Auf dem Piano wurde er begleitet von Prof. Sigfried Mauser, Mitglied der Bayerischen Kunstakademie.
Das Exklusivkonzert, gemeinsam organisiert vom Kunstrat der Mongolei und der deutschen Botschaft, fand in der „Roten Jurte" im Museum der Schönen Künste „Zanabazar" in Ulaanbaatar statt – ein würdiger Rahmen für das Ereignis.
Nicht nur „Am Brunnen vor dem Tore…", auch das Frühlingslied, nein, alle Liedvorträge wurden mit großem Beifall des internationalen Publikums bedacht.
Beiden Künstlern war der Stress der langen Reise mit der transsibirischen Eisenbahn von Moskau über Novosibirsk, Omsk, Krasnojarsk und Irkutsk nicht anzumerken. Im Gegenteil: Sie sangen und spielten mit einer Hingabe, dass der Schlussapplaus nicht enden wollte. Besonders gerührt waren vor allem die mongolischen Gäste über den Vortrag eines populären mongolischen Liebesliedes in ihrer Muttersprache.
Die Konzertreise ist eigentlich Teil des Programms anlässlich der deutsch-russischen Kulturtage, die die Künstler von Berlin über Moskau, Novosibirsk bis Peking führte.
Thomas Bauer und sein ehemaliger Lehrer Sigfried Mauser ließen es sich nicht nehmen, einen Zwischenstopp in der Mongolei einzulegen. „ Die Winterreise" in der kältesten Hauptstadt der Welt – die hier „Überwinternden" hat es gefreut.


M. Giefer in Ulaanbaatar

1 800 Kilometer zu Fuß durch die Mongolei
Von Rad- und Motorradfahrern wurde die Mongolei bereits entdeckt, aber zu Fuß über Gebirge, durch Flüsse, Steppen und Wüsten– das haben erst wenige gewagt.
Michael Giefer, 30, Lehrer für schwererziehbare Kinder aus Münstereifel, hat es in 51 Tagen geschafft, vom Baikalsee über Sukhbaatar, Ulaanbaatar, Karakorum, bis Bayanlig im Bayankhongor-Aimag in der Gobi zu laufen. Das Angebot mitleidiger Nomaden, doch aufs Pferd zu steigen, wies er ein ums andere Mal standhaft zurück. Er ist fast ertrunken, russische Grenzer haben ihn verhaftet, das Essen der mongolischen Nomaden bekam seinem Magen nicht immer und seine Wanderschuhe hielten auch nicht bis zum Schluss durch.
Doch er hat es geschafft. Zwischendurch fragte er sich (was wohl die meisten von uns sowieso tun), warum er sich diese Strapazen antut. Im Überlandbus von Bayankhongor nach Ulaanbaatar war das alles vergessen, er war lediglich ein wenig unglücklich, dass er nicht bis an die chinesische Grenze, seinem ursprünglichen Ziel, gewandert ist.
Jedenfalls erschiene wohl jedem nach so einem Trip Ulaanbaatar als das Paradies schlechthin: Eine warme Dusche, ein Bier, ein Cheeseburger…
Der abenteuerlustige Lehrer hat die Tour zunächst mit seinem Freund Frank Hülsmann angetreten. Der war mit dem Fahrrad im Jahr zuvor entlang der Seidenstraße gefahren. Ab der russischen Grenze setzte Giefer seinen Weg allein fort. Große Wanderstöcke, ein Zelt, Verpflegung und Wasser – 30 Kilo Gepäck kamen da schnell zusammen.
Er übernachtete in Jurten, Goldgräberlagern und auch die Grenzer boten ihm statt einer Zelle schließlich Erbsensuppe und ein Dach über dem Kopf an.
Wölfe und Bären ließen sich nicht blicken, dafür musste er sich mit Hunden auseinandersetzen, die den Wanderer offenbar als Eindringling in ihr Herrschaftsgebiet ansahen.
Von der Gastfreundlichkeit der Mongolen, besonders im Norden, konnte Michael Giefer nur schwärmen, die Wanderstrecken riefen nicht immer solche Begeisterung hervor. Vor allem der Weg von Ulaanbaatar nach Kharkhorin sei „grauenhaft" gewesen, trocken, grau, öde.
Entschädigt wurde er dafür durch seine Begegnungen mit den Archäologen bei Karakorum und der Besichtigung von Erdene Zuu, dem ersten lamaistischen Kloster in der Nordmongolei.
Sand- und Staubstürme, Regen - dem wanderlustigen Deutschen blieb fast nichts erspart.
Die Nächte im September sind bereits sehr kalt. Sein Spirituskocher nutzte bald nicht mehr viel, da Spiritus nirgends aufzutreiben war. So kochte und heizte er mit Dung – nach guter alter Nomadenart.
Befragt nach seinen Beweggründen für die Reise, nannte er Interesse an der Geschichte, der Kultur und den Menschen, „dass das so noch keiner gemacht habe", die Bücher Sven Hedins. Außerdem habe ihn seine Freundin, eine Biologin, auf die Vegetationsvielfalt der Ost-West-Strecke hingewiesen.

„Khailan" in mongolischen Klöstern
„Niemand kann seiner Mutter genügend Dankbarkeit erweisen, sollte er auch an tausend Morgen aus Tautropfen Tee für sie zubereiten".
Vor 2 500 Jahren hat Buddha in Sumjuzasum, im „Himmelsland" versucht, seiner Mutter Marja Dank zu sagen, indem er 70 Tage und Nächte lang das „Khailan" – ein Dankesgebet über das „Atem nehmen" gelesen hat.
In Erinnerung daran wird in buddhistisch-lamaistischen Klöstern überall auf der Welt vom 15. Tag des letzten Sommermonats an, das „Khailan" gelesen.
Die Lamas und Khuragas des Gandan-Klosters in Ulaanbaatar, des Klosters Amarbayasgalant im Selenge-Aimag sowie in den großen und kleineren Klöster in den Aimags und Sums werden während 45 Tagen aus dem Gebetsbuch lesen.


Schwarzwaldmädel A. Wagner in der Mongolei

Solidaritätsbasar des Woman’s Diplomatic Club
Am 18. September lud der Klub der Diplomatenfrauen in der Mongolei zu seinem jährlichen Basar ins Chinggis-Khaan-Hotel in Ulaanbaatar.
Der Erlös aus dem Verkauf der Souvenirs, Backwaren, des Schmucks und der kulinarischen Köstlichkeiten aus den beteiligten Ländern kommt Not leidenden Menschen in der Mongolei zugute.
U. A. waren mit Ständen vertreten die Russische Föderation, die Türkische Republik, Bulgarien, Deutschland mit Baden-Württemberg, Indonesien, IWAM…
Der Andrang war groß und die Besucher verließen das Hotel nicht mit leeren Händen.
Am Stand der deutschen Botschaft interessierten sich die Gäste aus Asien, aber auch aus Russland für die Schwarzwälder Kuckucksuhren und bewunderten das Schwarzwaldkostüm einer der „Verkäuferinnen gebührend.

Tod einer Goldgräberin
Im Khatanbulag-Sum des Dornogov’-Aimags schossen Grenzsoldaten auf eine 26jährige Frau, die illegal nach Gold grub. Die Frau wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Ihr Leben konnte jedoch nicht mehr gerettet werden.
Die Soldaten wollten nach eigener Aussage nur einen Warnschuss abgeben.
Der Vorfall wird zurzeit von den zuständigen Polizeidienststellen untersucht.


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Last Update: 01. Januar 2017